Eine Reise auswärts, Teil 2 - Die Heimat

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Gwendolin Cad'ell
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"Guter Mann", Hartwin lachte und erhob sich dann vom Tisch. "Nun gut, es ist bereits spät und ihr beide, genauso wie ich, habt eine recht lange Reise hinter euch." Er blickte zu Isabelle welche daraufhin ebenso aufstand und den Stuhl an den Tisch ranschob, dann sprach er weiter. "Ich wünsche euch beiden eine gute Nacht und möge Zhambra euch einen geruhsamen Schlaf bescheren."

"Gute Nacht Vater, Mutter", sagte Gwendolin und lächelte den beiden zu. Ascius wünschte eine Gute Nacht und Hartwin nahm seine Frau bei der Hand und kaum 3 Sekunden später konnte man die knarrende Treppe vernehmen. Eine Tür. Dann Stille.

Gwendolin sah zu Ascius, wandte sich zu ihm und schlang dann regelrecht ihre Arme um ihn, als hätte sie nur darauf gewartet, endlich wieder seine Nähe spüren zu können.Sie gab eine leisen Seufzer von sich und flüsterte in sein Ohr. "Tut mir leid, dass ganze hier ist ein wenig peinlich und anstrengend. Vor allem meine Mutter scheint mal wieder auf Hochtouren zu sein." Sie küsste liebevoll seine Wange.
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Ascius
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Ascius schmunzelte und umarmte sie ebenso. "Keine Sorge, ist doch gut gelaufen", antwortete Ascius mit gedämpfter Stimme. Gwendolin schaute ihn eine Weile an und hauchte ihm dann ein "Ich liebe dich" entgegen, bevor sie sich innig küssten. Gwendolin war froh, wieder in ihrer Heimat zu sein, daran bestand kein Zweifel. Man konnte es an ihren Augen ablesen. Ascius jedoch wusste, dass sie beide nicht mehr lange bleiben konnte. Sie hatten gemordet, er hatte gemordet, und die Behörden Salkamars würden den Fall untersuchen. Früher oder später würde man vielleicht auf ihre Spur kommen. Es musste Gras über die Sache wachsen, und es konnte nur Gras über diese Sachen wachsen, wenn Ascius und Gwendolin nicht darauf herumtrampeln würden. Folglich war es nötig, recht bald wieder nach Gobiath zu reisen.. denn auch dort gab es noch Dinge für Ascius zu tun. Es gab eine Schuld, die er auf sich geladen hatte, die es zu tilgen galt.
Er entschied sich, den guten Moment dieses Abends nicht zu zerstören und sie erst am nächsten Tag darauf hinzuweisen, dass sie bald wieder abreisen müssten. Heute Abend sollte zumindest Gwendolins Geist sorgenfrei sein. Sie hatte das verdient.

Sie standen noch eine Weile so, bis sie es endlisch schafften, sich voneinander zu lösen. "Gute Nacht", sagte Ascius lächelnd. "Schlaf gut, Liebster." kam die Antwort zurück. Gwendolin ging die Treppe hinauf in ihr Zimmer und Ascius begab sich ins Gästezimmer. Trotz der ungewohnten Umgebung fühlte er sich kaum mehr als Fremder.
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Gwendolin Cad'ell
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Gwendolin starrte nachdenklich die Decke an, während sie im Bett lag. Es war still im und ums Haus herum. Hier und da könnte sie Rufus über die Treppe stolpern hören, oder das Wiehern eines der Pferde von draußen von den Ställen. Es dauerte eine Weile bis auch endlich ihre Gedanken ihrer Müdigkeit nachgaben und sie einschlief.

*


Es war der Hahn daußen und die ersten Sonnenstrahlen die ihr die Nase kitzelten, dass sie wach rief. Sie blinzelte ein paar mal und rollte sich dann schwer im Bett herum, bevor sie sich an die Kante setzt und sich endlich erhob. Gwendolin gähnte herzhaft.
Nachdem sie sich gewaschen und umgezogen hatte, verließ sie ihr Zimmer, doch anstatt die Treppe nach unten zu gehen hielt sie inne. Zögernd ging sie bis zum Ende des Ganges und blieb schlussendlich vor Ascius Zimmer stehen. Dort verweilte sie ein paar Momente und lauschte. Als keine Geräusche von drinnen kamen und sie sich wunderte ob er noch schlief, beugte sich Gwendolin vor und blinzelte durchs Schlüsselloch. Sie hätte zwar auch die Tür einen Spalt öffnen können, aber sie wusste wie sehr jene knarrte und sie wollte ihn nicht wecken.

"Lady Gwendolin?" .. "*knall*"
Eine Bedienstete kam grade aus einem der Zimmer mit frischer Wäsche und sah leicht schmunzelnd zu Gwendolin, welche hochgeschreckt war und sich den Kopf an der Türschnalle gestoßen hatte.

"Tut mir leid, milady" - "Schon... schon gut. Schläft Herr Vincus noch?" - "Nein, milady. Herr Vincus ist draußen auf dem Hof mit eurem Vater." - "Ach?.. ähm, danke."

Die Bedienstete nickte.

*

Gwendolin trat durch die offenstehende Haustür nach draußen in den Hof. Die Sonne schien warm herab und ließ ihr rotgoldenes, offenes Haar funkeln. Sie neigte etwas den Kopf als sie Ascius und ihren Vater in der Ferne betrachtete. Zwei Pferde standen gesattelt ein paar Meter weiter, darunter das ihre. Anscheinend war für den Ausritt schon alles vorbereitet. Gwendolin war noch zu weit entfernt um irgendein Wort aufzuschnappen, aber sie sah dass ihr Vater wohl seine Ausrüstung rausgeholt hatte. Er deutete auf eines der Schilde, schien irgendwas zu sagen und Ascius erwiderte etwas und beide lachten. Ascius nahm eines der Schwerter besser in Augenschein.

Von der Neugier gepackt näherte sich Gwendolin nun den beiden.
"... ja. Das Schwert hab ich als Jungspund in der Legion getragen. Ich konnte mich noch nicht von dem alten Stück trennen.", vernahm sie nun.
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Ascius
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"Das Schwert hab ich als Jungspund in der Legion getragen. Ich konnte mich noch nicht von dem alten Stück trennen.", sagte Hartwin schmunzelnd. Ascius nickte. "Das ist ein gutes Schwert. Mit der Weile bekommen sie einen emotionalen Wert.." - "Ganz in ihrem Element, wie ich sehe", sagte Gwendolin mit einem Grinsen auf den Lippen, als sie hinzu trat. Hartwin lachte. "Guten Morgen, Gwendolin.", lächelte Ascius. Die beiden zögerten, gaben sich dann aber einen kurzen Kuss. Hartwin schmunzelte und packte seine Ausrüstungsgegenstände wieder ein. "Nun, lasst euch nicht länger aufhalten, es ist alles bereit. Viel Spaß in Lichtenheim." Gwendolin und Ascius kletterten auf die Pferde und ritten langsam los. "Zeig ihm auf jeden Fall das Rathaus!", rief Hartwin ihnen noch hinterher. "Ja, Vater." antwortete Gwendolin schmunzelnd.

Es dauerte nicht lange, bis die beiden in Lichtenhaim angekommen waren, weit entfernt lag das Landgut nicht. Am Tor angekommen bunden sie die Pferde an und betraten die Stadt. Es war zwar noch früh, aber viele schienen schon auf den Beinen zu sein. Die Händler waren noch dabei, den Markt aufzubauen, also entschieden sich Ascius und Gwendolin, erst einen kleinen Rundgang durch die Stadt zu unternehmen.
Auf dem Weg durch Lichtenheim war es wieder genau so, wie am Tag ihrer Ankunft. Viele grüßten die beiden, es hatte sich wohl schon herumgesprochen, dass Lady Cad'ell zurück war. Und sie war nicht allein. Viele schienen guter Laune, doch einige musterten Ascius mit einem undefinierbaren, eher msistrauischen Blick. Er machte sich nicht viel daraus. "Das ist der Brunnen und der große Platz, hier werden später noch eine Händler ihre Stände aufbauen", erklärte Gwendolin. Sie wusste noch viel über Lichtenheim, obwohl sie eien Weile fort gewesen war. Ascius hörte ihr aufmerksam zu. Ihre Stimme war so lebhaft, wohl, weil die letzten beiden Tage unbeschwert gewesen waren. Die Taten und Ereignisse der Vergangenheit waren in den Hintergrund gerückt, aber nicht völlig vom Tisch. Früher oder später würden sie die beiden wieder einholen. Wie Hartwin es gewünscht hatte, beschauten die beiden das Rathaus ganz besonders. Ascius war sich nicht völlig im Klaren darüber, warum das so wichtig war, aber es machte ihm nichts aus. Die Stadt schien jedenfalls gut regiert zu sein, die Leute wirkten zufrieden und nur wenige sahen so aus, als müssten sie öfters Hunger leiden. Auch Kämpfe oder Diebstähle schien es nicht wie auf Gobiath ständig zu geben. Die Leute hier lebten ein gutes Leben und waren zufrieden damit.


Nachdem die beiden eine ganze Weile durch die Stadt gewandert waren, kamen sie wieder am großen Platz an, auf dem sich mittlerweile einige Händler tummelten. Gwendolin kramte eine Liste mit Dingen aus der Tasche, die sie einkaufen mussten. "Ohje, die Liste ist recht lang, aber wir haben ja Zeit.", sagte sie schmunzelnd. "Ja..", antwortete Ascius zögerlich. Eigentlich hatten sie gar nicht so viel Zeit und mit jeder Minute, die sie länger in Salkamar blieben, brachten sie sich in Gefahr. Gwendolin kaufte alles Mögliche ein.

Obst, Gemüse, etwas Brot. Es fehlte nur noch das Fleisch. Die beiden begaben sich zum Metzger und wurden von einem Lehrling begrüßt. "Herr Gerard ist gerade leider nicht da, aber ich kann euch bedienen." Gwendolin sagte ihm, was sie brauchten und der Lehrling nahm sofort ein Messer zur Hand und begann, das Fleisch zurecht zu schneiden. Noch etwas unbeholfen und nervös wie er war, schnitt er sich dabei nicht gerade wenig in die Hand. Es blutete sofort und wie aus Reflex eilte ihm Ascius zur Hilfe. "Verflucht!", rief der Lehrling und griff nach einem Tuch. Ascius half ihm, die Wunde erstmal notdürftig abzubinden. Einige Sekunden später war das erledigt und Gwendolin packte schonmal das Fleisch ein, das sauber gelbieben war. "Tut mir wirklich Leid.", entschuldigte sich der Lehrling. Ascius winkte ab. Er griff sich ein anderes Tuch und fing an, sich die Hände vom Blut des Lehrlings sauber zu wischen. Für einen Moment stockte er und blickte auf seine beiden Hände. An ihnen klebte Blut. "Alles in Ordnung?", fragte Gwendolin, da Ascius sich auf die Hände starrte. "Ja, ja, alles in Ordnung. Es geht nicht alles mit dem Tuch ab..", antwortete er. "Du kannst sie dir später sauber waschen.", lächelte Gwendolin ihn an. "Ja.. das wird wohl nötig sein."
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Gwendolin Cad'ell
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Außerhalb der Stadt banden sie die beiden Pferde wieder los und sitzen auf. Gwendolin die die Einkauf an ihren Sattel gepackt hatte, blickte nochmal zurück zu Lichtenheim. Dann sprach sie lächelnd zu Ascius. "Spätestens heute abend wirst du als Held der Stadt gefeiert, weil du einem Fleischerlehrling das Leben gerettet hast, nachdem er sich tödlich verletzte", scherzte sie und zwinkerte ihm. Ascius lachte leise.

Je weiter sich die beiden von Lichtenheim entfernten, desto leiser wurde Gwendolin und nach einer Weile richtete sie das Wort an Ascius. "Was denkst du wann.. wir zurück nach Gobaith müssen?", fragte sie zögernd.
Auch Ascius hielt einen Moment inne. Nur ungern schien er ihr die Laune verderben zu wollen. "Bald", sagte er dann schlussendlich, dann folgte einen Moment Stille. Gwendolin war sich natürlich im Klaren darüber gewesen, aber das heißt nicht, dass sie es unbedingt wahr haben wollte. Die Schatten der vergangenen Tage zogen wieder auf während sie fast den Hof erreicht hatten. "Du weißt das Untersuchungen stattfinden werden ..." - "Ich weiß, Ascius.... ich weiß."

Die restlichen Stunden verbrachte Gwendolin damit Ascius den Hof zu zeigen, die Tiere und die verschiedenen Bediensteten vorzustellen. Sie erzählte Geschichten aus ihrer Kindheit ... wie sie zum Beispiel mit Samantha einst hier auf dem Hof 'Krieger und Magier' gespielt haben. Was damit endete dass beide sich vor ihren Vätern rechtfertigten mussten. Samantha mit einer Beule auf ihrer Stirn von Gwendolins Holzschwert und Gwendolin mit verrustem Gesicht und leicht angesengten Haaren.

Später beim Mittagessen unterhielten sich Gwendolins Eltern, sie und Ascius um einiges lockerer als noch am Tag zuvor. Vertrauen schien gewonnen zu sein und es wurde gelacht und gescherzt (was Isabelle meistens ausschloss.). Selbst Rufus hatte es sich unterm Tisch zu Ascius Füßen bequem gemacht.
Dieses ganze Mittagessen konnte mit einem einzigen Wort beschrieben werden: Familie.

Als der Nachtisch kam und Gwendolin das Besteck weglegte, wendet sie jedoch das Wort an ihre Eltern und für einen Moment trübte sich der schöne Augenblick von familiärem Zusammensein. "Morgen müssen wir wieder abreisen. Zurück nach Gobaith", sagte sie.
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Ascius
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Ascius verschluckte sich etwas am Wein, als Gwendolin ihren Eltern sagte, dass sie nach Gobiath zurück müssten. Er hustete kurz und wischte sich den Mund ab. Isabelle blickte starr in eine Richtung und Hartwin nickte langsam. Alle wussten, dass es nötig war – und warum. Nach einigen Augenblicken richtete Isabelle ihren Blick auf Ascius. Ihre Augen musterten ihn kühl, als würden sie etwas abwägen. Die Umstände waren nicht so, wie sie es sich für ihre Tochter gewünscht hätte, das waren sie nie gewesen. Sie wandte ihren Blick wieder ab.

Mit der Zeit lockerte sich die Stimmung wieder. Alle saßen nach dem Essen noch lange zusammen am Tisch, später wechselte man ins Wohnzimmer zum Kamin. Alle tranken viel Wein. Gwendolin schwelgte mit ihren Eltern in Geschichten der Vergangenheit. Sie redeten über alles, nur nicht über den Ort, der nun wohl für immer ein Unwort im Hause Cad'ell sein dürfte: Gobiath. Ascius verhielt sich größtenteils still und lauschte. Er wollte Gwendolin und ihre Eltern im Gespräch nicht stören, immerhin war das ihr letzter gemeinsamer Abend und wann der nächste kommen würde, wussten wohl nur die Götter.

Es war spät geworden und der Wein hatte alle müde gemacht. Es war ein guter Abend gewesen, ein ruhiger Abend. Es war ein ganz normaler Abend gewesen, und doch hing etwas in der Luft. Das Gefühl, wieder gehen zu müssen, nach all dem, was in der nahen Vergangenheit passiert war, betrübe Gwendolin und ihre Eltern ebenso. Es hing Trauer in der Luft, aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zeit.. nur waren die richtigen Worte dafür bis jetzt noch nicht gefallen.

Irgendwann stand Hartwin auf. Der Abend hatte ihn nachdenklich gestimmt, er wollte noch einen kleinen Spaziergang auf dem Gelände des Landgutes machen. Kurz nachdem Hartwin die Gesprächsrunde am Kamin verlassen hatte, stand auch Ascius auf, mit der Begründung, schonmal das Gepäck für die Abreise am morgigen Tag zu überprüfen. Es war keine gute Begründung und erinnerte alle nur erneut daran, dass Gwendolin und er wieder gehen müssten, aber ihm war im Moment nichts Besseres eingefallen.


Die Nacht war warm und sternenklar. Leise schloss Ascius die Tür des Hauses hinter sich und ging ein Stück die Pflasterstraße entlang. Er schaute in alle Richtungen, in der Hoffnung, Hartwin zu erspähen. Nach einer Weile fand er ihn, er war wohl gerade auf dem Rückweg zum Haus. Ascius atmete durch und trat auf ihn zu. "Ascius?", runzelte Hartwin die Stirn. "Was macht ihr denn hier draußen?" - "Ich habe den Frauen gesagt, ich würde schonmal das Gepäck für morgen überprüfen..", antwortete Ascius. Hartwin verstand. "Über was wollt ihr mit mir reden?", fragte er mit leicht gedämpfter Stimme. "Ich weis..", begann Ascius, "..dass wir nur einige wenige Tage hier sein konnten, was übrigens sehr schade ist.." Hartwin nickte beim Lauschen, er zog die Augenbrauen leicht zusammen. "Und dass euch meine Vergangenheit und auch die Gegenwart noch immer recht kryptisch vorkommen mag.." - "Allerdings.", erwiderte Hartwin knapp darauf. Ascius zögerte und setzte einige Male an, etwas zu sagen, bekam aber für eine kurze Weile keinen Ton heraus. "Ich habe Gwendolin vor nun neun Monaten auf Gobiath kennen gelernt.. gewiss, die Umstände waren und sind nicht die.. konventionellsten, aber..", Ascius beendete seinen Satz abrupt, als Hartwin ihm die Hand auf die Schulter legte. Er sagte seine Worte bestimmt und ein wenig fordernd, aber auch mit einem ansatzweisen Lächeln auf den Lippen. "Ascius – fragt einfach..." Ascius lächelte leicht, erstens, weil es Hoffnung gab und zweitens, weil er innerlich über seine eigene Unsicherheit lachen musste. "Würdet ihr es erlauben, wenn ich eure Tochter heiraten wollte, Herr Cad'ell?", brachte Ascius heraus. Hartwin zog ihn etwas näher zu sich heran und sie gingen langsam die Pflasterstraße weiter abwärts, vom Haus weg. Hartwin hatte noch immer den Arm auf Ascius Schulter. "Verprecht ihr mir, gut zu ihr zu sein?" - "Ich würde leiden, wäre ich es nicht.." Hartwin löcherte Ascius mit einigen Fragen. Der sonst so fröhliche Vater Gwendolins war sehr nachdenklich geworden und Ascius glaubte sogar zu sehen, dass seine Augen etwas feucht wurden. "Und ihr werdet auf sie und auf euch aufpassen und sie nicht einfach verlassen?" - "Nur ein Narr würde das.." Hartwin blieb stehen und nahm den Arm von Ascius Schulter. "Dieser Darius sah auf den ersten Blick nicht aus wie ein Narr. Nein, eigentlich auch nicht auf den Zweiten!" er sammelte sich kurz. "Ich bin froh, meine Tochter wieder lachen zu sehen. Ich dachte zeitweise, sie würde es nie wieder können. Zwei mal schon, Ascius, zwei mal schon hatte sie eine Entscheidung für ihr Leben getroffen, zwei mal schon sich für jemanden geöffnet; und zwei mal ist sie enttäuscht worden. Sie litt darunter, und wir alle mit ihr. Ich will nicht, dass das noch ein drittes mal passiert, das würde sie nicht aushalten und ich auch nicht." Ascius nickte. "Sagt mir.", fing Hartwin wieder an. "Meint ihr es ernst? Meint ihr es wirklich ernst mit ihr?" - "Ja.", kam die Antwort schnell. "Ich meine es ernst." Beide waren still. Hartwin musterte Ascius mit dem selben abwägenden Blick, mit dem Isabelle ihn zuvor gemustert hatte. Sie hatte ihre Entscheidung über Ascius schon getroffen, Hartwin würde es noch tun. "Gut", fing Hartwin wieder an. "Gut... ich werde... ich muss es mit meiner Frau besprechen. Morgen ist... heute war ein langer Tag. Es gibt einiges, über das wir schlafen müssen." Ascius nickte erneut. Er wollte ansetzen, etwas zu sagen, aber Hartwin unterbrach jeden Versuch mit einem Kopfschütteln. "Kommt.", sagte er nur. "Auch euer Tag war lang, ruht euch aus."
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Gwendolin Cad'ell
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Isabelle runzelte die Stirn als Ascius bekannt gab, er würde das Gepäck überprüfen, jedoch hörte sie wie sich die Haustüre öffnete und schloß. Auch Gwendolin hob beide Augenbrauen und zuckte dann leicht mit ihren Schultern als sie zurück zu ihrer Mutter sah. Es herrschte Stille.
Eine Stille die aber keineswegs ungewöhnlich für Mutter und Tochter war. Gwendolin hatte ihr gegenüber nie viel von ihrer Gefühlswelt erzählt, nicht weil sie glaubte, dass Isabelle es nicht hören wollte, sondern weil sie oft Angst hatte, sich vor ihrer Mutter Blöße geben zu müssen. Isabelle hatte sie zu Stärke und Beherrschtheit erzogen und Gwendolin wollte immer dass sie stolz auf sie war.
Selbst damals, als Aidan starb, hatte Gwendolin nicht eine einzige Träne vergossen. Etwas, dass ihren Eltern große Sorgen bereitete. Sie erinnerte sich, dass es das erste Mal war, dass sie Hartwin und Isabelle hatte streiten hören. Die Gemüter waren gereizt und die Stimmung bedrückend. Sie war auf der Treppe gestanden, als Hartwin im Wohnzimmer laut wurde und Isabelle vorwarf, sie hätte seine Tochter zu Gefühlshärte erzogen und jetzt würde sie mit diesem Schmerz niemals zurecht kommen, wenn sie alles nur immer in sich vergrub. Daraufhin folgte ein Schluchzen. Dann stille, tröstende und entschuldigende Worte. Gwendolin hatte sich in diesem Moment unendlich schlecht gefühlt.

Nun blickte sie in die Augen ihrer Mutter und sie waren von leichter Besorgnis gezeichnet. Anscheinend wirkte der Alkohl sich auch auf sie aus. "Was denkst du?", fragte Gwendolin dann schlussendlich und lehnte sich zurück, dass Weinglas in ihrer Hand drehend.
"Über Ascius?", fragte Isabelle nach und Gwendolin nickte. "Ich weiß nicht. Mir gefällt seine Vergangenheit nicht, aber ich nehme an die gefällt ihm selbst auch nicht. Immerhin scheint er aufrichtig zu sein."
"Das ist er", fügte Gwendolin bei.
"Ach Kind, es ist alles nicht so wie ich es mir für dich wünschen würde.", sie hielt kurz inne und beäugte Gwendolins Hals. "Sag mal, wo ist eigentlich die Kette?"
"Ascius trägt sie, Mutter." - "Ascius trägt sie?", ein wenig Unglauben klang in ihrer Stimme. "Du weißt welchen emotionalen Wert d...". Gwendolin unterbrach sie. "Ich weiß. Ich habe sie Aidan nicht gegeben. Ich habe sie Darius nicht gegeben. Aber Ascius. Und ich vertraue ihm mehr an als nur diese Kette. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen."

Stille folgte. Dann nickte Isabelle still. "Ich werde mich zur Bettruhe begeben, Gwendolin. Wenn Hartwin wieder kommt, sag ihm ich bin bereits zu Bett gegangen." Ein Nicken folgte von Gwendolin und Isabelle erhob sich. Kurz bevor sie das Vorhaus erreichte, wandte sie sich nochmal um. "Gwendolin..." - "Ja?" - "Du weißt ich freue mich für dich."
Gwendolin lächelte. "Ich weiß Mutter, Danke.. das bedeutet mir viel."
Isabelle schenkte ihr ein Lächeln zurück und verschwand dann in der Vorhalle. Gwendolin konnte noch die Treppe knarren hören.

Sie lehnte sich wieder zurück und nippte an ihrem noch halbvollen Weinglas. Nachdenklich blickte sie ins Feuer und als sie sich wunderte, wo Ascius bleiben würde, schwang die Haustür auf. Es waren Hartwin und Ascius die den Raum betraten und Gwendolin unterwies ihren Vatern gleich, dass Isabelle bereits zu Bett gegangen war und so wünschte Hartwin den beiden ebenso eine geruhsame Nacht.
Gwendolin beobachtete wie Ascius sich näherte und sich neben ihr auf den großen sofa-artigen Sessel setzte. Er sah nachdenklich drein. So wie Gwendolin, doch sie fragte nicht. Stattdessen stellte sie den Wein beseite und legte ihren Kopf auf Ascius Schoß, woraufhin Ascius dann sachte durch ihr goldrotes Haar strich. Für eine Weile herrschte Stille und nur das Knistern des offenen Kamins erfüllte den Raum.
"Ich mochte es nie wenn mein Vater uns verließ um nach Hohenfurt oder Salkamar zu gehen", fing sie leise an zu erzählen. "Oft war es wegen harmlosen, politischen Streitereien. Aber einmal jedoch musste er aufbrechen um Legionäre in eine Schlacht zu führen. Meine Mutter war noch stiller als sonst, aber dennoch kontrolliert so wie man es von ihr gewohnt war. Ich aber nicht. Ich war noch klein, ich hatte Angst um meinen Vater, nachdem ich die beiden beim Gespräch belauscht habe und wusste worum es ging und was auf dem Spiel stand. Als es dann soweit war und Hartwin am Hof mit gesatteltem Pferd stand, fing ich an zu weinen. Daraufhin folgte die schlimmste Schelte meiner Mutter die ich je zu hören bekam. Ich solle mich zusammenreissen, keine Dame und schon gar keine Cad'ell würde wegen so etwas zu weinen beginnen. Solche Gefühlsausbrüche würden sich nicht ziemen. Und so schwer es mir fiel aber ich hörte auf zu weinen. Wischte mir die restlichen Tränen am Ärmel meines Kleids ab und ging dann auf meinen Vater zu der mich liebevoll in die Arme schloß. Außerhalb der Hörweite meine Mutter flüsterte er mir, dass er auch Angst hätte. Aber das Angst etwas normales wäre, etwas das zum Leben gehört. Genau wie der Abschied. Das wir alle uns irgendwann von etwas verabschieden müssen, was wir vielleicht nie mehr wieder sehen, aber das Zhambra uns die Kraft gegeben hätte, mit diesen Dingen zu leben, und dass egal wo die geliebte Person auch sein mag, wir sie immer im Herzen tragen. Ich ließ ihn daraufhin los und ließ ihn ziehen, auch wenn ich mir ganz fest vorgenommen hatte, dass nächste mal mein Holzschwert aus der Ecke zu holen und ihm zu folgen.", Gwendolin lachte leise.

"Ich weiß dass es für die beiden morgen, so schwer wird, wie es für mich immer war.", damit beendete Gwendolin die Geschichte.
Die beiden tranken noch den Wein aus und küssten sich innig, bevor auch sie zu Bett gingen.
Gwendolin wusste, dass sie diese Nacht kaum ein Auge zumachen würde.
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Ascius
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Ascius zurrte das letzte Seil zur Befestigung der Tasche an dem Pferd fest und tätschelte es leicht. Von außerhalb des Stalls hörte er Gwendolin, Hartwin und Isabelle, die sich verabschiedeten. "Danke für alles, Mutter, Vater...", konnte er Gwendolins Stimme vernehmen. Er hatte die Nacht kein Auge zugemacht und bis jetzt hatte er noch keine Antwort auf seine Frage vom Vorhabend erhalten. Vielleicht gab es gar keine mehr?

"Ich werde euch mit ein wenig Abstand folgen und dann die Pferde vom Hafen wieder mit hierher nehmen", sagte ein Bediensteter zu Ascius. "Danke." antwortete er, dann verließ er den Stall und trat auf die drei zu.

"Es ist alles bereit.", sagte er mit einem gezwungenen Lächeln. Isabelle musterte ihn noch immer sehr kühl. Hartwin schien guter Dinge zu sein. "Also dann...", fing er an. "Es war uns eine Freude, euch kennen zu lernen, Ascius." - "Für mich ebenfalls, ich bedanke mich für die großzügige Gastfreundschaft." Dann war es kurz still. Ascius wartete auf etwas, auf die Antwort. Sie kam nicht. "Hier", sagte Hartwin nur. "Noch etwas für Unterwegs" und drückte Ascius eine in ein Tuch eingewickelte Schatulle in die Hand. Er verabschiedete sich nochmals von Gwendolins Eltern und ging die Pferde holen, das verschaffte Gwendolin noch einen Augenblick, um sich auch richtig zu verabschieden.

Das war es? Nichts, einfach so nichts? Ascius dachte an gar nichts mehr. Er steckte die Schatulle unvorsichtig in eine Tasche an seinem Pferd, wobei sie sich leicht öffnete. Er hielt inne und klappte den Deckel vollends auf. Innen lag ein Zettel. Ascius nahm ihn aus der Schatulle und unter dem Zettel kamen zwei alte, goldene und schön gefertigte Ringe zum Vorschein. Ascius hob beide Brauen und warf einen Blick auf den Zettel.

'Dies sind die Eheringe meiner Großeltern. Die Antwort lautet Ja. Tragt sie mit Stolz, wenn es so weit ist.'

Ascius schüttelte den Kopf und lachte. Dass Hartwin ein wenig der Schalk im Nacken steckte war ihm von Anfang an klar gewesen, aber dass er so dreist war und so gut schauspielern konnte, das hatte er nicht erwartet.

Frohen Mutes machten sich also Gwendolin und Ascius auf den Weg. Isabelle lächelte sogar etwas und Hartwin zwinkerte Ascius zu. "Lasst mal etwas von euch hören!", rief er ihnen noch hinterher.
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Gwendolin Cad'ell
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Der Weg zum Hafen war nicht allzu weit, allerdings mussten sie mit einem Schiff erst in Richtung Salkamar um dort auf ein anderes Schiff umzusteigen. Nur wenige Schiffe segelten direkt nach Gobaith.
Für Gwendolin war der Abschied nicht leicht gewesen, doch als sie das Schiff betrat, spürte sie erst wie die Last und die Besorgnis von ihr fiel. Immerhin waren sie die ganze Zeit die Gefahr gelaufen entdeckt zu werden.

Die See war die ganze Zeit über ruhig und die Schifffahrt angenehm, trotz der Länge. Gwendolin nutzte die Zeit ausgiebig Ascius' Nähe zu genießen und auch Ascius schien nach all den Tagen die Zweisamkeit mit Gwendolin gut zu tun. So verstrichen die Tage, bis in der Ferne Land zu sehen war.

Gobaith. Eine Insel voller Schicksale, voller Geschichten und Legenden. Eine Insel auf der die Götter wirkten, wie sonst fast nirgends aufs Illarion. Eine Insel die für viele Menschen Hoffnung barg. Und vielen auch Verzweiflung brachte. Noch traute Gwendolin sich nicht diesen Ort 'Heimat' zu nennen. Im Moment war Gwendolins Heimat immer nur an einem Ort, nämlich an jenem...
...an dem sich Ascius befand
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