Kälte. Kälte, nicht wie die des weißen Wasser vom Himmel in der kalten Zeit. Ein Frösteln das von innen kam, sich in den Knochen festsetzt und die eigentlich kräftigen Bewegungen des eigenen Körpers schwach und ungelenk erscheinen lässt. Das von den metallenen Rasseln der Kettenrüstung begleitete Reiben des Unterkleides auf der harten Schuppenhaut, das knirschende Ballen der Panzerhandschuhe, das leise Schaben der Rüstungsplatten wenn er den Nacken anspannte. All dieses erschien dem noch relativ jungen Echsenmännchen unwirklich, hohl. Nichts als Glaube mochte auf Dauer der Verderbnis dieses gestorbenen Ortes wiederstehen.
Der Blick der gelben Reptilienaugen, deren schlitzförmige Iris fast zu einem angespitzten Oval geweitet waren wanderte ruhig durch die Finsternis in der gerade einmal Schemenhaft der längliche Gang, Ausschau nach der Beute haltend. Als dann der matte Schein der verhexten Waffe des einst vielleicht menschlichen Wesens am Ende des Sichtbereiches, dort wo das was der junge Echsenjäger noch annähernd scharf und nicht als verschwommener Schatten erkennen konnte, aufglomm schritt dieser wenige Armlängen auf die neue Lichtquelle entgegen und begann ein leises Gebet. Die Waffen, deren weiße Gebetsbänder seinen Rücken hinabhangen, zog er nicht.
Die Hände lockern. Mit den Fußkrallen einen sicheren Stand auf dem rissigen Steinboden suchen. Den Schwanz leicht anheben, um kommende Bewegungen ausgleichen zu können. Das Gebet das er einst in langen Stunden an den Schriftwänden der grauen Klippen in langer Zeit eingeprägt hatte weiterführen.

Der kommende Schlag war einfach vorauszusehen. Der Jäger passt sich der Beute an, kennt ihre Bewegungen. Die Klinge des Untoten durchdrang den groben Stoff des Priesterrobenärmels, jedoch nicht die massive Armschiene darunter. Während die Waffe des roten Skelettes so blockiert war rammte der Echserich den Ellenbogen mit einer kraftvollen Bewegung in das Totenkopfgrinsen seines Gegenübers und brachte sich mit einem fast trägem Halbschritt nach hinten wieder in eine brauchbare Ausgansposition, langsam mit dem Schwanz schlängelnd. So folgte Angriff auf Gegenangriff, Parade auf Konterparade, wobei die Bewegungen der Echse zwar routiniert und voller Kraft, aber nicht besonders schnell waren. Irgendwann gab dann die matt blutrot leuchtende Schädeldecke der Kreatur mit einem trockenen Knacken nach und wie eine Puppe deren Fäden durchgeschnitten wurden fiel der Körper des knochigen Kontrahenten zusammen.
Ein geseufztes Zischeln entsprang der Kehle des Echsenmännchens als wenige Atemzüge später auch das Gebet endete und er die von den Schlägen strapazierten gepanzerten Hände mehrfach öffnete und dann wieder schloss. Es wurde Zeit den gestorbenen Ort zu verlassen, er hatte die Pflicht seinen Körper zu härten für diesen Dreizyklus der Sonne mehr als erfüllt. Es gab Brüder und Schwestern die vielleicht seiner Hilfe benötigten, Dinge über die er mit den Menschen sprechen konnte um deren Denkweise besser zu verstehen, einen Tempel den es zu besuchen und heilige Zeilen die es zu sprechen, oder zumindest denken galt.
In Gedanken ein Gebet anstimmend in dem er für die Seelen derer die nach dem Tod noch nicht den Ort ihrer Bestimmung gefunden haben sprach wandte er sich ab, wobei die Schwanzspitze in einem Halbkreis über den Boden strich, und marschierte begleitet von dem Geräusch des Kettenkleides und der stählernen Beschuhung davon, auf dem Weg zurück zur Oberfläche.