Moos

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Jupiter
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Moos

Post by Jupiter »

((maybe I will translate it, don't know it yet - closed RP))

"Moos...", murmelte Merung leise, während er die Hand hob und über das grüne Gewächs strich, welches sich auf das unteren Ende der großen Eiche gelegt hatte, vor der Merung kniete. Ein Lächeln huschte über seine Lippen, doch es war keines dieser schwachen, traurigen Lächeln, die er Gesprächspartnern zeigte, sondern ein tatsächliches wenn auch kleines Lächeln. Er lächelte bei der Berührung des Mooses. Wie lange war es wohl her, dass er dieser Pflanze soviel Aufmerksamkeit gab? Jahre. Es waren Jahre und Erinnerungen, die Merung schon längst für vergessen geglaubt hatte, die Jahre bevor er auf diese Insel kam.
Es war mit 16 Jahren. Damals lebte der junge Merung seit zwei Jahren in einem Bergdorf, in welchem ihn sein Vater der Obhut der Dorfbewohner überließ, da er sich während den Handelsreisen als fahrender Händler schlecht um Merung allein hätte kümmern können. Und die Bewohner des Dorfes hatten Merung nur allzu bereitwillig bei sich auf genommen, da sie sich schuldig fühlten an den Tod seiner Mutter. Sie hatte nach Heilkräutern für einen kranken Bewohner gesucht und kam dabei auf dem Berg ums Leben. Merung mochte das Leben im Dorf und er hatte einen guten Lehrer. Ein alter Gelehrter, der ihm alles Mögliche beibrachte und ihm auch die ein oder andere Geschichte und Legende erzählte.
Sein Lehrer hatte sich angewöhnt Merung stets etwas zu lehren und ihm dann als Belohung eine von den Geschichten zu erzählen, die Merung so liebte. Geschichten über die Schätze der Natur und die geheimnisvollen Geister der Wälder, Gewässer und Berge. Doch meistens wurden die Unterrichtsstunden reine Erzählstunden, da Merung sich am Abend zuvor Bücher aus den Regalen seines Lehrers nahm und alles in der Nacht lernte, was er eigentlich erst hätte am nächsten Tage lernen sollen.
So war es auch wieder an diesem Tage. Und der alte Lehrer erzählte:

"Nun Merung, heute will ich dir etwas über Moos erzählen. So oft wie du in den Wald unten am Hang des Berges läufst bin ich mir sicher, du hast es schon zu genüge gesehen. Es wirkt unscheinbar, doch kenne ich eine alte Legende um diese Pflanze. Ob sie wahr ist oder nur erdacht, kann ich dir nicht sagen. Auf diese Frage hat mir der alte Druide, der sie mir vor vielen Jahren erzählte, nur ein wissendes Lächeln geschenkt, welches mich völlig im Dunklen ließ. Doch auf jeden Fall ist es eine gar wundersame Sache, die gerade dir, so wie ich dich kenne, wohl sehr gefallen wird.
Es heißt es gibt in so gut wie allen, wenn nicht sogar gewiss in allen, Wäldern kleine geisterhafte Pilzwesen. Diese Wesen sehen aus wie Pilze und sind auch nur so groß. Nur haben sie kleine weise Ärmchen und Beinchen und schwarzen Knopfaugen auf dem Stiel, etwas unterhalb einer pilztypischen Kappe. Ihre Gestalt ist jedoch leicht durchscheinend so wie dichter Nebel. Sie sprießen angeblich aus dem Boden, dabei gilt, je mehr Pilze aus dem Boden sprießen, desto mehr dieser kleinen Wesen erscheinen. Sie sollen das ganze Jahr über in den Wäldern erscheinen, nur im Winter würden sie schlafen. Und weiter erzählte mir der Druide, sie überziehen Bäume, die müde des zuhörendes sind und schlafen, mit Moos, so wie ein Schlafender mit einer Decke zugedeckt wird. Und man bekommt sie nie zu Gesicht, wenn sie es nicht wollen. Denn sie spüren andere Lebewesen schon von weitem in ihren Wäldern und dann verschwinden sie, einfach so, wie sich Nebel lichtet löst sich ihre Erscheinung im Nu auf. Nur die Tiere des Waldes sollen sie zu Gesicht bekommen können.
Ich hoffe dir hat diese kleine Erzählung gefallen. Ich…“


Er brach seinen Satz ab, als er sich umwandte und nur noch sah wie Merung aus der Tür verschwand und kurz rief: „Bis morgen!“ Der alte Lehrer wusste genau, wohin Merungs Weg nun führen würde.
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Jupiter
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Post by Jupiter »

Der junge Merung eilte schnell den Abhang des Berges hinunter. Es war nicht der sichere, gepflasterte Weg, der einen gleich zur Straße führte, sondern Merungs eigener, geheim Weg, welcher ihn direkt an den Rand des Waldes am Fuße des Berges führte. Er stampfte über den mit gelben, roten und braunen Blättern bedeckten Waldboden, während seine hellgrünen Augen die Bäume absuchten. Als er eine Lichtung tief im Wald erreichte, stemmte er seine Arme in die Hüfte und blickt mit mürrischem Gesichtsausdruck rauf zu den Kronen der Bäume, an denen noch die letzte Blätter in diesen Herbsttagen hingen. „Sonst finde ich es immer. Immer und überall!“, sprach er und schritt wieder weiter in den Wald, „aber ausgerechnet heute ist es nirgends zu sehen.“ Und während er nun so durch den Wald schritt, wich seine Aufmerksamkeit langsam auf die Tiere des Waldes, die er ab und zu zwischen den Bäumen erblickte, die Blätter, die von den Bäumen fielen sanft zu Boden glitten und die Pilze, die in diesen Tagen in Mengen aus dem Boden sprießten.
So verstrich die Zeit und die Sonne hing nun im höchsten Stand am Himmelszelt, als Merung auf eine weitere Lichtung noch viel tiefer im Wald stieß. Ein breites Lächeln huschte über seine Lippen, als er nun die Bäume am Rande der Lichtung sah, dessen Stämme großflächig vom Moos bewachsen waren. Er stellte sich in die Mitte der Lichtung und blickt auf die riesigen Bäume, die die Lichtung umrandeten. „Wenn ich diese kleinen Waldgeister sehen will, sollte ich wohl einen Baum auswählen, den sie bisher nur wenig mit Moos überzogen haben“, sprach er und schritt gleich darauf auf eine riesige Buche zu, an dessen Stamm sich nur sehr wenig Moos befand. Er setzte sich dicht vor den Baum und verschränkt die Arme, auf die spärliche Moosfläche starrend. „Nun heißt es warten“, murmelte er. Merung starrte und starrte auf das Moos, als ob er mit ihm im Wettbewerb stehen würde, wer zu erst blinzelt. So verging die Zeit und als die Sonne langsam für den Mond platz schaffte und der Himmel sich rot färbte, saß Merung noch immer vor der riesigen Buch. Es fröstelte ihn langsam, während die Nacht ihre Arme ausstreckte, um die Welt in Schlaf zu hüllen. So kam es, dass der junge Merung schon bei den ersten Sternen am schwarzen Nachthimmel vor der Buche auf den Boden sank und sich dem Schlaf hingab.

Und er träumte…
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