((Geschlossenes Topic.))
4. Tanos im Jahre –8
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Stadt Lichtenheim, ein Landsgut außerhalb der Stadt.
Schreie ertönten durchs Haus, während Freiherr Hartwin Cad’ell, Gutsherr vom Cad’ell Landsgut, grade vor die Tür gesetzt wurde aus dessen Raum ein weiterer Aufschrei drang.
Mit leicht besorgtem Gesicht ging er die Holztreppe hinab, durch das Vorhaus, hinein in das große Wohnzimmer und blickte aus dem Fenster in die tiefschwarze Nacht. Dann schmunzelte er. Er konnte das Pferdegetrappel schon hören, noch bevor er das Pferd sah und ohne zu zögern wandte er sich zur Haustür um jene zu öffnen.
„Gerwulf, komm rein, Freund. Möge Zhambra’s dir vergelten das du so schnell hier her gekommen bist.“
Eine Gestalt trat aus dem Schatten hervor und in das Licht das von dem Haus durch die Türe fiel. Gerwulf war von etwas größerer Gestalt als Hartwin selbst und besaß die Schultern eines Wandschrankes, als sein Blick auf Hartwin fiel verzogen sich seine Gesichtszüge zu einem Lächeln, dann Grinsen.
„Zhambra würd’s mir nie vergeben, wäre ich nicht gekommen, Hartwin. Wie sieht es aus?“
Gerwulf betrat den Vorraum und Hartwin schloß die Tür. Auf dem Weg ins Wohnzimmer antwortete er ihm mit leichtem Stirnrunzeln. „Ich weiß es nicht, Gerwulf. Die Hebammen haben mich grade rausgeworfen. Meine Frau hört nicht auf zu zetern und zu wettern.“ Ein weiterer Aufschrei drang nach unten und Hartwin hielt für einen Moment inne, dann lächelte er. „Die Hebammen sagen, dass soweit alles in Ordnung ist, aber wenn ich Isabelle so schreien höre. Aber.. nun komm, ich hab schon Met und Kelche bereitgestellt. Ich brauch etwas für die Nerven.“
Gerwulf klopfte Hartwin beruhigend auf die Schultern und nahm dem Hausmädchen den Met ab den sie grade einschütten wollte und schickte sie mit einem dankbaren Nicken fort. Er füllte den Met ein und reichte Hartwin einen der Kelche. Hartwins Blick schien einen Moment lang im Feuer des Kamins versunken vor dem er stand, bevor er dann endlich nach dem Kelch griff.
„Die halbe Stadt ist wach, Hartwin.“, sprach Gerwulf und Falten umspielten seine gutmütigen Augen als er wieder lächelte. „In der Taverne warten sie schon ungeduldig auf die freudige Nachricht und trinken sich eins. Es wurden bereits Wetten abgeschlossen ob Junge oder Mädchen, aber glaub mir, egal was es wird: Halb Lichtenheim wird diese Nacht feiern als würde der Kaiser selbst durch ihr Dorf spazieren.“
Hartwin lachte und schüttelte seinen Kopf. Die Besorgnis aus seinem Blick schwand weiter und bedachte Gerwulf mit einem herzlichen Blick.
„Ach Freund. Lichtenheims Leute sind verrückt. Gutherzig, aber verrückt.“
„Du weißt, du bist nicht der einzige der in letzter Zeit seinen ersten Kindersegen erwartet hat.“, Gerwulf grinst und der Gutsherr nickte wissend. „Ja, Heribarts Frau hat vor einer Woche einen Sohn geboren. Sein Name ist Aidan. Kleiner Prachtkerl, ich war auch schon dort um meine Glückwünsche zu entrich…“, er stoppte mitten im Wort als er bemerkte, dass eine der Hebammen die Treppe heruntergekommen war und nun still am Treppenansatz stand. Noch bevor sie etwas sagen konnte, fiel Hartwin ihr ins Wort. „Sprich schon, sprich. Ist alles in Ordnung?“
Die Hebamme schmunzelte und deutete die Treppe hoch. „Es ist alles in Ordnung, Herr, ihr solltet hochkommen zu eurer Frau.“
Rasch stellte Hartwin seinen Kelch mit Met ab und warf einen entschuldigenden Blick zu Gerwulf, welcher ihm zunickte um ihn zu deuten, dass er sich doch beeilen sollte.
Mit großen Schritten eilte Hartwin die Treppe hoch. Schon in vielen Schlachten war er gestanden, schon viele Kämpfe gekämpft, doch selten hatte etwas sein Herz so schwer zum Schlagen gebracht. Für einen Moment fühlte er sich alt.
Als er dann jedoch das Zimmer betrat fiel alle Last, Besorgnis und schweren Gedanken von ihm. Isabella saß dort im Bett, gut zu gedeckt. Sie war blass und ihr goldenes Haar nass vom Schweiß, aber ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen.
„Es ist ein Mädchen, Hartwin, ein Mädchen. Sieh doch wie wunderschön sie ist.“ Sie blickte wieder zu dem in Stoff gewickelten Bündel und Hartwin trat näher.
Seine klaren, blauen Augen wurden leicht glasig und vorsichtig nahm er das Bündel entgegen und blickte selig auf seine Tochter hinab. Er setzte sich zu seiner Frau an den Rand des Bettes und lehnte sich leicht vor um ihr auf die Stirn zu küssen.
„Du bist eine wundervolle Frau, Isabelle. Und du hast ein wundervolles Kind zur Welt gebracht.“, sprach er leise.
„Das war nicht nur alleine mein Verdienst“, schmunzelte sie und betrachtete ihren Mann mit dem Kind im Arm. Es verstrichen einige Minuten bis eine große Gestalt in der Tür auftauchte und stille Blicke in das Zimmer warf.
Hartwin blickte über seine Schulter und lächelte Gerwulf freudig zu.
„Heute ist ein großer Tag in der Geschichte der Cad’ells.“, sprach Gerwulf und neigte sein Haupt in Ehrerbietung. „Wie ist der Name eures Sprosses, milady?“
Isabelle schien nicht lange zu überlegen und antwortete ihm in sanftem Ton. „Gwendolin Cad’ell. Gerwulf. Gwendolin Cad’ell.” Ein Lächeln breitete sich über seinem Gesicht aus und er nickte Hartwin zu.
„Nun denn, ihr braucht nun Zeit für euch. Ich werde zurück in die Stadt kehren und die frohe Kundschaft überbringen.“
Er wandte sich langsam um und sprach noch im amüsierten Ton als er die Treppe hinunterging. „Und mein Silber für die gewonnene Wette einkassieren“, er lachte fröhlich.
4. Tanos im Jahre –8, 23:40 Uhr
Die Geburt von Gwendolin Cad’ell
Geschichten einer Vergangenheit
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- Gwendolin Cad'ell
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13. Adros im Jahre -8
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Stadt Lichtenheim, in der Nähe des Marktplatzes.
„Eine Schauspieltruppe aus Gynk?“ Isabelles Blick lag ungläubig auf den ihres Mannes, als sie aus der Kutsche stiegen.
Isabelle hatte langes goldenes Haar und ihre Augen erstrahlten in einem tiefen Meeresblau. Ohne Zweifel hatte sie ein hübsches Gesicht, doch neigte sie dazu viel zu wenig zu lächeln. Nicht, weil sie keinen Grund hatte zu lächeln, sondern viel mehr weil sie es sich wohl in den Kopf gesetzt hatte, Lächeln für besondere Augenblicke aufzuheben. Hartwin, ihr Mann, war da ewig schon das Gegenteil von ihr gewesen. 'Er hat Bragóns Feuer und Zhambras Lächeln', sagten ihm die jungen Frauen der Dörfer und Städte nach. Doch hatte er nicht nur Zhambras Lächeln, sondern auch dessen Selbstsicherheit und Moral. Zugegeben, als er noch jünger war da genoß er die Anziehungskraft die er auf die Damen seines Alters hatte, aber die wahre Liebe traf er erst mit Isabelle. Seine Eltern hatten ihn widerwillig auf einen der höfischen Bälle in Salkamar geschickt, er solle sich doch endlich nach einer passenden Frau umsehen und seiner Familie keine Schande machen in dem er ledig blieb. Sein Augenmerk war dort auf eine junge Frau gefallen, die schamlos jeden der Männer abwies, die sie um einen Tanz baten. Hartwin ließ dies Schmunzeln. Er hatte nie viel von dieser adeligen Arroganz gehalten, also ging er, rein aus Neugier auf sie zu und bevor er sie grüßte oder um einen Tanz bat, sprach er:
„Nicht nötig mein Gesuch um Tanze abzuweisen, milady, ich erspare euch die Arbeit, denn ich sah dass ihr schon eine Hand voll Männer vor mir abgewiesen habt. Daraus schließe ich, dass ihr entweder schon vergeben seid, oder aber vorhabt demnächst ein Kloster zu beziehen. Im ersteren Fall kann ich euch sagen, der Herr ist es nicht wert. Euch alleine auf einen Ball gehen zu lassen ist eurer nicht würdig und ein Mann sollte alles stehen und liegen lassen nur um in eurer Nähe sein zu dürfen. Im zweiten Fall,... nun, im zweiten Fall kann ich Sirani nur mein Beileid aussprechen, denn sie verliert eines der schönsten Geschöpfe das sie je erschaffen hat, an einem Gemäuer aus kaltem Stein.“
Stille. Hartwin hatte eine Ohrfeige für seine Worte erwartet, doch wäre sie es wert gewesen. Für einen Moment sogar, glaubte Hartwin Wut in Isabelles Augen zu sehen,... doch dann plötzlich schien ihre ernste Maske von ihr zu fallen und sie lachte heiter.
Mit diesem Anblick wusste Hartwin, dass er die Frau fürs Leben gefunden hatte.
„Aus Gynk?“, wiederholte Isabelle in ernstem Ton. „Ja, was spricht dagegen meine Teure?“, erwiderte Hartwin auch wenn er bereits wusste was als nächstes kommen würde. „Eine Schauspieltruppe bestehend aus Gynkeesh. Warum verkündigen sie nicht gleich das eine Gruppe voller Taschendiebe nach Lichtenheim gekommen ist um Leute zu beklauen?“, sprach Isabelle weiter, während sie die kleine Gwendolin in ihren Armen wiegte.
Unbekümmert schritt Hartwin an ihrer Seite fort, durch die Hauptstraßen der Stadt. „Du neigst dazu voreilige Schlüsse zu ziehen, Isabelle“, erwidert er ruhig.
„Und du dazu unvorsichtig zu sein.“ kam knapp, fast bissig zurück und Hartwin musste schmunzeln. Er wusste das Gespräch war damit beendet. Jeder hat seinen Standpunkt klar gemacht und auch wenn seine Frau immer das letzte Wort behielt, so richtete sie sich nach seinen Entscheidungen, wie man es in ihrer Familie anerzogen hatte. Er liebte diese kleinen Auseinandersetzungen mit ihr.
Die Straßen waren gefüllt mit Menschen und viele grüßten die Familie Cad'ell auf dem Weg zu der Holzbühne die binnen kürzester Zeit ihren Aufbau auf dem Marktplatz gefunden hatte. Die Händler der Stadt nutzten den Aufruhr und priesen umso lauter ihre Waren an und die einzige die keinen großen Gefallen an dem Spektakel zu finden schien, war Isabelle.
Keine zwanzig Minuten später, vor versammelter Bühne, begann das Stück. Es war eine Komödie über Albar und Orks und Hartwin amüsierte sich, genau wie der Rest der Menge köstlich. Selbst Isabelle ringte sich zu dem ein oder anderem Lächeln durch und Hartwin fühlte sich dadurch bestätigt. Auch wenn sie ihm oft das Gegenteil weismachen wollte, so wusste er doch trotzdem woran sie wirklich Gefallen fand.
Als das Theaterstück dann ein Ende fand, lichtete sich die Menge aber keineswegs. Viele fanden Interesse daran sich mit den Schauspielern zu unterhalten, zu handeln oder einfach mit Freunden einem Plausch zu halten denen sie grade über den Weg gelaufen waren.
„Warte hier meine Liebe, ich geh zum Stand des Mundschenks und hol mir einen Met und dir einen Holundersaft. Die drängeln sich da drüben ganz schön und ich möchte dich nicht in dem Andrang verlieren.“, sprach Hartwin und gab seiner Frau, als auch seiner kleinen Tochter einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich zu dem Stand begab.
Isabelle lächelte still in sich hinein. Sie liebte Hartwins Aufmerksamkeit und die Zuneigung die er ihr entgegen brachte und seine Verständnis für ihre doch manchmal sture Art.
Als sie sich umdrehte um über das Geschehen am Marktplatz zu blicken, zuckte sie plötzlich zusammen. Vor ihr stand eine alte Frau, gekleidet in dunkelvioletten Gewändern, mit einigen Münzen daran gestickt und ein Tuch um ihr graues Haupt gewickelt. Freundlich lächelte die Alte Isabelle an. „Hallo Kindchen. Ich kam nicht umher euch hier in der Menge stehen zu sehen, ihr scheint mir ein wenig verloren?“
Isabelle blinzelte, doch gewann schnell die Fassung wieder. Sie warf einen kurzen Blick über ihre Schulter doch konnte Hartwin nicht mehr in der Menge sehen. Dann wandte sie sich zurück an die Alte und sprach:
„Euer Kind bin ich keineswegs. Und ich wüsste nicht was ich befügt mich so anzureden.“Die Alte schmuzelte und neigte entschuldigend ihr Haupt. „Verzeiht mir Lady. Es ist nur so...eure Tochter.“ „Was ist mit meiner Tochter?“, unterbrach Isabelle sie fast im herrischen Ton und drückte Gwendolin leicht enger an sich.
„Sie wird wunderschön werden“, fügte die Alte dann hinzu. „Das steht in ihr Gesicht geschrieben. Aber was seh ich nur für schwere Schicksalsschläge. Oh wie bitter und traurig ihr Leben doch wird.“ Isabelle machte den Mund auf, kurz davor wirklich laut zu werden, doch es war nicht mehr nötig.
„Schert euch fort von meiner Frau und meiner Tochter, Weib!“, drang Hartwins Stimme hinter Isabelle hervor. Er hielt zwei Tonbecher in seinen Händen und das Lächeln war aus seinem Gesicht gewichen.
„Führt eure Narretei woanders fort, aber verschont meine Familie mit euren giftigen Worten. Hinfort mit euch!“ Das ließ sich die Alte nicht zwei mal sagen und ungewöhnlich schnell machte sie auf ihrem Absatz kehrt.
Stirnrunzelnd blickte Isabelle über ihre Schulter zu Hartwin. Sie hatte ihn selten in solcher Rage gesehen, aber sie verstand ihn. Zu gut.
„Ich möchte nun bitte nach Hause, Hartwin...“
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Stadt Lichtenheim, in der Nähe des Marktplatzes.
„Eine Schauspieltruppe aus Gynk?“ Isabelles Blick lag ungläubig auf den ihres Mannes, als sie aus der Kutsche stiegen.
Isabelle hatte langes goldenes Haar und ihre Augen erstrahlten in einem tiefen Meeresblau. Ohne Zweifel hatte sie ein hübsches Gesicht, doch neigte sie dazu viel zu wenig zu lächeln. Nicht, weil sie keinen Grund hatte zu lächeln, sondern viel mehr weil sie es sich wohl in den Kopf gesetzt hatte, Lächeln für besondere Augenblicke aufzuheben. Hartwin, ihr Mann, war da ewig schon das Gegenteil von ihr gewesen. 'Er hat Bragóns Feuer und Zhambras Lächeln', sagten ihm die jungen Frauen der Dörfer und Städte nach. Doch hatte er nicht nur Zhambras Lächeln, sondern auch dessen Selbstsicherheit und Moral. Zugegeben, als er noch jünger war da genoß er die Anziehungskraft die er auf die Damen seines Alters hatte, aber die wahre Liebe traf er erst mit Isabelle. Seine Eltern hatten ihn widerwillig auf einen der höfischen Bälle in Salkamar geschickt, er solle sich doch endlich nach einer passenden Frau umsehen und seiner Familie keine Schande machen in dem er ledig blieb. Sein Augenmerk war dort auf eine junge Frau gefallen, die schamlos jeden der Männer abwies, die sie um einen Tanz baten. Hartwin ließ dies Schmunzeln. Er hatte nie viel von dieser adeligen Arroganz gehalten, also ging er, rein aus Neugier auf sie zu und bevor er sie grüßte oder um einen Tanz bat, sprach er:
„Nicht nötig mein Gesuch um Tanze abzuweisen, milady, ich erspare euch die Arbeit, denn ich sah dass ihr schon eine Hand voll Männer vor mir abgewiesen habt. Daraus schließe ich, dass ihr entweder schon vergeben seid, oder aber vorhabt demnächst ein Kloster zu beziehen. Im ersteren Fall kann ich euch sagen, der Herr ist es nicht wert. Euch alleine auf einen Ball gehen zu lassen ist eurer nicht würdig und ein Mann sollte alles stehen und liegen lassen nur um in eurer Nähe sein zu dürfen. Im zweiten Fall,... nun, im zweiten Fall kann ich Sirani nur mein Beileid aussprechen, denn sie verliert eines der schönsten Geschöpfe das sie je erschaffen hat, an einem Gemäuer aus kaltem Stein.“
Stille. Hartwin hatte eine Ohrfeige für seine Worte erwartet, doch wäre sie es wert gewesen. Für einen Moment sogar, glaubte Hartwin Wut in Isabelles Augen zu sehen,... doch dann plötzlich schien ihre ernste Maske von ihr zu fallen und sie lachte heiter.
Mit diesem Anblick wusste Hartwin, dass er die Frau fürs Leben gefunden hatte.
„Aus Gynk?“, wiederholte Isabelle in ernstem Ton. „Ja, was spricht dagegen meine Teure?“, erwiderte Hartwin auch wenn er bereits wusste was als nächstes kommen würde. „Eine Schauspieltruppe bestehend aus Gynkeesh. Warum verkündigen sie nicht gleich das eine Gruppe voller Taschendiebe nach Lichtenheim gekommen ist um Leute zu beklauen?“, sprach Isabelle weiter, während sie die kleine Gwendolin in ihren Armen wiegte.
Unbekümmert schritt Hartwin an ihrer Seite fort, durch die Hauptstraßen der Stadt. „Du neigst dazu voreilige Schlüsse zu ziehen, Isabelle“, erwidert er ruhig.
„Und du dazu unvorsichtig zu sein.“ kam knapp, fast bissig zurück und Hartwin musste schmunzeln. Er wusste das Gespräch war damit beendet. Jeder hat seinen Standpunkt klar gemacht und auch wenn seine Frau immer das letzte Wort behielt, so richtete sie sich nach seinen Entscheidungen, wie man es in ihrer Familie anerzogen hatte. Er liebte diese kleinen Auseinandersetzungen mit ihr.
Die Straßen waren gefüllt mit Menschen und viele grüßten die Familie Cad'ell auf dem Weg zu der Holzbühne die binnen kürzester Zeit ihren Aufbau auf dem Marktplatz gefunden hatte. Die Händler der Stadt nutzten den Aufruhr und priesen umso lauter ihre Waren an und die einzige die keinen großen Gefallen an dem Spektakel zu finden schien, war Isabelle.
Keine zwanzig Minuten später, vor versammelter Bühne, begann das Stück. Es war eine Komödie über Albar und Orks und Hartwin amüsierte sich, genau wie der Rest der Menge köstlich. Selbst Isabelle ringte sich zu dem ein oder anderem Lächeln durch und Hartwin fühlte sich dadurch bestätigt. Auch wenn sie ihm oft das Gegenteil weismachen wollte, so wusste er doch trotzdem woran sie wirklich Gefallen fand.
Als das Theaterstück dann ein Ende fand, lichtete sich die Menge aber keineswegs. Viele fanden Interesse daran sich mit den Schauspielern zu unterhalten, zu handeln oder einfach mit Freunden einem Plausch zu halten denen sie grade über den Weg gelaufen waren.
„Warte hier meine Liebe, ich geh zum Stand des Mundschenks und hol mir einen Met und dir einen Holundersaft. Die drängeln sich da drüben ganz schön und ich möchte dich nicht in dem Andrang verlieren.“, sprach Hartwin und gab seiner Frau, als auch seiner kleinen Tochter einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich zu dem Stand begab.
Isabelle lächelte still in sich hinein. Sie liebte Hartwins Aufmerksamkeit und die Zuneigung die er ihr entgegen brachte und seine Verständnis für ihre doch manchmal sture Art.
Als sie sich umdrehte um über das Geschehen am Marktplatz zu blicken, zuckte sie plötzlich zusammen. Vor ihr stand eine alte Frau, gekleidet in dunkelvioletten Gewändern, mit einigen Münzen daran gestickt und ein Tuch um ihr graues Haupt gewickelt. Freundlich lächelte die Alte Isabelle an. „Hallo Kindchen. Ich kam nicht umher euch hier in der Menge stehen zu sehen, ihr scheint mir ein wenig verloren?“
Isabelle blinzelte, doch gewann schnell die Fassung wieder. Sie warf einen kurzen Blick über ihre Schulter doch konnte Hartwin nicht mehr in der Menge sehen. Dann wandte sie sich zurück an die Alte und sprach:
„Euer Kind bin ich keineswegs. Und ich wüsste nicht was ich befügt mich so anzureden.“Die Alte schmuzelte und neigte entschuldigend ihr Haupt. „Verzeiht mir Lady. Es ist nur so...eure Tochter.“ „Was ist mit meiner Tochter?“, unterbrach Isabelle sie fast im herrischen Ton und drückte Gwendolin leicht enger an sich.
„Sie wird wunderschön werden“, fügte die Alte dann hinzu. „Das steht in ihr Gesicht geschrieben. Aber was seh ich nur für schwere Schicksalsschläge. Oh wie bitter und traurig ihr Leben doch wird.“ Isabelle machte den Mund auf, kurz davor wirklich laut zu werden, doch es war nicht mehr nötig.
„Schert euch fort von meiner Frau und meiner Tochter, Weib!“, drang Hartwins Stimme hinter Isabelle hervor. Er hielt zwei Tonbecher in seinen Händen und das Lächeln war aus seinem Gesicht gewichen.
„Führt eure Narretei woanders fort, aber verschont meine Familie mit euren giftigen Worten. Hinfort mit euch!“ Das ließ sich die Alte nicht zwei mal sagen und ungewöhnlich schnell machte sie auf ihrem Absatz kehrt.
Stirnrunzelnd blickte Isabelle über ihre Schulter zu Hartwin. Sie hatte ihn selten in solcher Rage gesehen, aber sie verstand ihn. Zu gut.
„Ich möchte nun bitte nach Hause, Hartwin...“
- Gwendolin Cad'ell
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1. Elos im Jahre -7
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Stadt Lichtenheim, das Landsgut Cad'ell
Die Dämmerung war schon hereingebrochen und Isabelle als auch Hartwin saßen beim Abendessen, während die kleine Gwendolin in der Krippe im Nebenzimmer friedlich schlummerte. Beide waren sie an diesem Abend eher still und die sonst erfrischende Konversation blieb aus und eine unheilsschwangere Stimmung lag über dem Esszimmer. Auch das wenige Personal das die Familie Cad'ell zu haben pflegte kam nicht ohnehin die bedrückende Atmosphäre zu bemerken und in der Küche wurde leise getuschelt, was wohl die Ursache dafür sein möge.
Die Ursache war wie immer die selbe. Hartwin Cad'ell würde als bald schon für ein paar Wochen nach Hohenfurt gehen. Es gab Gerüchte über eine drohende Gefahr aus dem Norden, wobei nicht viele Details bekannt waren. Er wusste nur, dass er sich so schnell wie möglich in die Hauptstadt Hohenfurt begeben sollte und so sehr es Hartwin missfiel seine Familie zurückzulassen, so klar war ihm dennoch, dass er eine Pflicht zu erfüllen hatte. Er war dankbar für Isabelles Mut und Stärke die sie an den Tag legte, aber er wusste auch, dass vieles nur Fassade war und unter jener Fassade hatte sie Angst. Angst davor, dass irgendwann nicht mehr Hartwin vor der Tür stehen würde um zurückzukehren, sondern nur ein Abgesandter des Fürsten, der ihr sein Beileid zum Verlust ihres Mannes aussprach. Sie sprach nie über jene Ängste.
Es klopfte dumpf an der Tür und anstatt auf das Personal zu warten, stand Hartwin selbst auf um jene zu öffnen. Das Abendessen wollte ihm sowieso nicht wirklich schmecken und sogar Isabelle schaffte es nicht sich zu einem missbilligen Blick durchzuringen, den sie ihm überlicherweise schenkte, wenn er die Aufgaben des Personals übernahm. Sie betrachtete stumm die Reste ihres Essen während sie erfolglos versuchte irgendwelche Worte aufzuschnappen die vom Vorraum kamen. Das Gespräch schien nur ein kurzes zu sein, denn die Türe schloß sich bald wieder und Hartwin kam zurück ins Esszimmer. Mit einem Brief in der Hand.
Er setzte sich still, betrachtete das Siegel einem Moment lang und öffnete das Schrifstück dann mit einer Sorgfältigkeit, die Isabelle schlimmes erahnen ließ.
Hartwins Blick flog über die Zeilen und für einen weiteren Augenblick herrschte bedrückende Stille. Bis er aus heiterem Himmel plötzlich zu lachen begann.
Verwirrung stand in Isabelles Gesicht geschrieben. „Was ist denn Hartwin?“, ergriff sie nun endlich das Wort. „Was ist so komisch?“
„Komisch ist nichts, meine Teure, aber erfreulich.“ er senkte den Brief und sah sie strahlend an, bevor er fortfuhr:
„Die Familie Meryadeles hat im Chos Nachwuchs bekommen. Siegfried und Lorelay sind nun stolze Eltern einer wundervollen Tochter namens Samantha.“
Isabelle lachte auf und die bedrückende Stimmung von noch Minuten zuvor war verschwunden. „Wir sollten ihnen einen Brief schreiben und unsere Glückwünsche kundtun“, sagte sie und Hartwin schüttelte den Kopf. „Nicht nötig.“ erwiderte er. „Ich muss sowieso in die Hauptstadt und...“, Hartwin hielt den Brief hoch. „...Siegfried hat uns herzlich eingeladen, nein gebeten, bei ihnen vorbeizuschauen.“
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Stadt Lichtenheim, das Landsgut Cad'ell
Die Dämmerung war schon hereingebrochen und Isabelle als auch Hartwin saßen beim Abendessen, während die kleine Gwendolin in der Krippe im Nebenzimmer friedlich schlummerte. Beide waren sie an diesem Abend eher still und die sonst erfrischende Konversation blieb aus und eine unheilsschwangere Stimmung lag über dem Esszimmer. Auch das wenige Personal das die Familie Cad'ell zu haben pflegte kam nicht ohnehin die bedrückende Atmosphäre zu bemerken und in der Küche wurde leise getuschelt, was wohl die Ursache dafür sein möge.
Die Ursache war wie immer die selbe. Hartwin Cad'ell würde als bald schon für ein paar Wochen nach Hohenfurt gehen. Es gab Gerüchte über eine drohende Gefahr aus dem Norden, wobei nicht viele Details bekannt waren. Er wusste nur, dass er sich so schnell wie möglich in die Hauptstadt Hohenfurt begeben sollte und so sehr es Hartwin missfiel seine Familie zurückzulassen, so klar war ihm dennoch, dass er eine Pflicht zu erfüllen hatte. Er war dankbar für Isabelles Mut und Stärke die sie an den Tag legte, aber er wusste auch, dass vieles nur Fassade war und unter jener Fassade hatte sie Angst. Angst davor, dass irgendwann nicht mehr Hartwin vor der Tür stehen würde um zurückzukehren, sondern nur ein Abgesandter des Fürsten, der ihr sein Beileid zum Verlust ihres Mannes aussprach. Sie sprach nie über jene Ängste.
Es klopfte dumpf an der Tür und anstatt auf das Personal zu warten, stand Hartwin selbst auf um jene zu öffnen. Das Abendessen wollte ihm sowieso nicht wirklich schmecken und sogar Isabelle schaffte es nicht sich zu einem missbilligen Blick durchzuringen, den sie ihm überlicherweise schenkte, wenn er die Aufgaben des Personals übernahm. Sie betrachtete stumm die Reste ihres Essen während sie erfolglos versuchte irgendwelche Worte aufzuschnappen die vom Vorraum kamen. Das Gespräch schien nur ein kurzes zu sein, denn die Türe schloß sich bald wieder und Hartwin kam zurück ins Esszimmer. Mit einem Brief in der Hand.
Er setzte sich still, betrachtete das Siegel einem Moment lang und öffnete das Schrifstück dann mit einer Sorgfältigkeit, die Isabelle schlimmes erahnen ließ.
Hartwins Blick flog über die Zeilen und für einen weiteren Augenblick herrschte bedrückende Stille. Bis er aus heiterem Himmel plötzlich zu lachen begann.
Verwirrung stand in Isabelles Gesicht geschrieben. „Was ist denn Hartwin?“, ergriff sie nun endlich das Wort. „Was ist so komisch?“
„Komisch ist nichts, meine Teure, aber erfreulich.“ er senkte den Brief und sah sie strahlend an, bevor er fortfuhr:
„Die Familie Meryadeles hat im Chos Nachwuchs bekommen. Siegfried und Lorelay sind nun stolze Eltern einer wundervollen Tochter namens Samantha.“
Isabelle lachte auf und die bedrückende Stimmung von noch Minuten zuvor war verschwunden. „Wir sollten ihnen einen Brief schreiben und unsere Glückwünsche kundtun“, sagte sie und Hartwin schüttelte den Kopf. „Nicht nötig.“ erwiderte er. „Ich muss sowieso in die Hauptstadt und...“, Hartwin hielt den Brief hoch. „...Siegfried hat uns herzlich eingeladen, nein gebeten, bei ihnen vorbeizuschauen.“
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24. Elos im Jahre -7
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Hauptstadt Hohenfurt, das Meryadeles Anwesen
Salkamaeria, das Land des Lichts. Ursprung der Einheitssprache und der Schrift. Berühmt für Barden und Poeten. Ein glorreiches Land mit einer glorreicheren Geschichte. Manche Münder behaupten, Zhambra selbst hätte die Menschen dort aus Ton geformt und Elara hätte sie mit Weisheit gesegnet, so gut und gerecht wurde das Land über Jahrhunderte regiert. Das Herrschersystem von Salkamaeria war eine Mischung aus Adel und Demokratie. Wo in Albar sich der Adel vom Volke abspaltete und es unterjochte, geschah in Salkamaeria das Gegenteil. Der Adel sah ich verantwortlich dafür, die Interessen des Volkes zu vertreten und so war es nicht unüblich 'Blaublütige' in Militärs- und Regierungsrängen zu finden. Nicht zu vergessen, dass Salkamaeria einen Kaiser als Vorstand hatte, jedoch eine konstitutionelle Monarchie mit verschiedenen Räten an seiner Seite gepflegt wurde.
Hartwin Cad'ell. Nun Hartwin Cad'ell hatte das Glück und den Segen in eine adelige Familie geboren worden zu sein. Das Landsgut Cad'ell war reich an fruchtbaren Feldern und seine Familie hatte schon immer großes Ansehen bei Volk und Adel. Die Cad'ells waren bekannt für ihre besondere Mischung aus Großherzigkeit, hervorragende Schwertführung und Strategie. Hartwin Cad'ell begann früh seine Laufbahn und diente in der Legion als Eques, dem doch etwas seltenen Ritterstand, dem er seiner Herkunft zu verdanken hatte. Schon früh erkannte man sein Talent und mit seinem herausragenden Wesen wurde er bald zum Tribun auf Lebenszeit ernannt. Hartwin jedoch war Einzelkind und als seine Eltern verstarben wurde er zum nachfolgenden Gutsherr des Cadell Besitzes. In die Fußstapfen seines Vaters tretend übernahm er dessen Verwaltung und als Gutsherr natürlich auch einen Sitz im Stadtrat Lichtenheims ein. Sein Rang als Tribun erforderte jedoch öfter seine Abwesenheit in Zeiten der Not.
„Wie lange dauert die Sitzung nun schon?“, fragte Isabelle und blickte hinüber zu Lorelay, welche ein kleines Bündel in ihren Armen wiegte. „Ich weiß es nicht Isabelle. Ein paar Stunden? Ich hoffe unsere Männer kommen noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause.“
Lorelay Meryadeles war eine Frau von außerordentlichem Liebreiz und Schönheit und Isabelle konnte gut verstehen warum Siegfried ihr verfallen war, auch ohne das sie einen Adelsstand innehatte. Wenn man nicht genau hinsah oder kein Auge dafür hatte, fiel einem dies auch keineswegs auf. Ihre Bewegungen waren bedacht und geschmeidig und ihre Gestik und Mimik zeugte von einer reinen Natur. Ein wenig Neid musste Isabelle sich eingestehen.
„Wenn du schon Hunger hast, kann ich das Hausmädchen rufen und ihr sagen dass das Abendessen für uns serviert werden soll.“, sprach Lorelay und sah auf, doch Isabelle winkte ab. „Nein, lass uns auf unsere Männer warten.“ Nach ein paar Sekunden des nachdenklichen Schweigens, fügte sie dann dazu. „Machst du dir Sorgen?“
„Warum sie seit Tagen diese langen Sitzungen halten? Ja. Aber das habe ich immer schon. Jetzt wo Samantha auf der Welt ist, noch eine Spur mehr.“
Isabelle nickte und schloß das Thema damit ab. Es war ihr noch nie leicht gefallen über Gefühle zu reden. Ihr Blick schweifte zu Gwendolin, welche aufrecht am Boden saß und mit ihren außergewöhnlich kristallblauen Augen das Holzbein eines Tisches anstarrte und man meinen könnte sie würde fast konzentriert aussehen. Ihre kleinen Hände griffen nach dem Holzbein und mit Müh' und Not schaffte sie es sich aufzurichten und stehenzubleiben. Sie gluckste freudig.
„Eines muss man deiner Tochter lassen“, sprach Lorelay die das ganze mit angesehen hatte. „Gwendolin scheint sehr früh gelernt zu haben auf eigenen Beinen zu stehen.“
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Hauptstadt Hohenfurt, das Meryadeles Anwesen
Salkamaeria, das Land des Lichts. Ursprung der Einheitssprache und der Schrift. Berühmt für Barden und Poeten. Ein glorreiches Land mit einer glorreicheren Geschichte. Manche Münder behaupten, Zhambra selbst hätte die Menschen dort aus Ton geformt und Elara hätte sie mit Weisheit gesegnet, so gut und gerecht wurde das Land über Jahrhunderte regiert. Das Herrschersystem von Salkamaeria war eine Mischung aus Adel und Demokratie. Wo in Albar sich der Adel vom Volke abspaltete und es unterjochte, geschah in Salkamaeria das Gegenteil. Der Adel sah ich verantwortlich dafür, die Interessen des Volkes zu vertreten und so war es nicht unüblich 'Blaublütige' in Militärs- und Regierungsrängen zu finden. Nicht zu vergessen, dass Salkamaeria einen Kaiser als Vorstand hatte, jedoch eine konstitutionelle Monarchie mit verschiedenen Räten an seiner Seite gepflegt wurde.
Hartwin Cad'ell. Nun Hartwin Cad'ell hatte das Glück und den Segen in eine adelige Familie geboren worden zu sein. Das Landsgut Cad'ell war reich an fruchtbaren Feldern und seine Familie hatte schon immer großes Ansehen bei Volk und Adel. Die Cad'ells waren bekannt für ihre besondere Mischung aus Großherzigkeit, hervorragende Schwertführung und Strategie. Hartwin Cad'ell begann früh seine Laufbahn und diente in der Legion als Eques, dem doch etwas seltenen Ritterstand, dem er seiner Herkunft zu verdanken hatte. Schon früh erkannte man sein Talent und mit seinem herausragenden Wesen wurde er bald zum Tribun auf Lebenszeit ernannt. Hartwin jedoch war Einzelkind und als seine Eltern verstarben wurde er zum nachfolgenden Gutsherr des Cadell Besitzes. In die Fußstapfen seines Vaters tretend übernahm er dessen Verwaltung und als Gutsherr natürlich auch einen Sitz im Stadtrat Lichtenheims ein. Sein Rang als Tribun erforderte jedoch öfter seine Abwesenheit in Zeiten der Not.
„Wie lange dauert die Sitzung nun schon?“, fragte Isabelle und blickte hinüber zu Lorelay, welche ein kleines Bündel in ihren Armen wiegte. „Ich weiß es nicht Isabelle. Ein paar Stunden? Ich hoffe unsere Männer kommen noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause.“
Lorelay Meryadeles war eine Frau von außerordentlichem Liebreiz und Schönheit und Isabelle konnte gut verstehen warum Siegfried ihr verfallen war, auch ohne das sie einen Adelsstand innehatte. Wenn man nicht genau hinsah oder kein Auge dafür hatte, fiel einem dies auch keineswegs auf. Ihre Bewegungen waren bedacht und geschmeidig und ihre Gestik und Mimik zeugte von einer reinen Natur. Ein wenig Neid musste Isabelle sich eingestehen.
„Wenn du schon Hunger hast, kann ich das Hausmädchen rufen und ihr sagen dass das Abendessen für uns serviert werden soll.“, sprach Lorelay und sah auf, doch Isabelle winkte ab. „Nein, lass uns auf unsere Männer warten.“ Nach ein paar Sekunden des nachdenklichen Schweigens, fügte sie dann dazu. „Machst du dir Sorgen?“
„Warum sie seit Tagen diese langen Sitzungen halten? Ja. Aber das habe ich immer schon. Jetzt wo Samantha auf der Welt ist, noch eine Spur mehr.“
Isabelle nickte und schloß das Thema damit ab. Es war ihr noch nie leicht gefallen über Gefühle zu reden. Ihr Blick schweifte zu Gwendolin, welche aufrecht am Boden saß und mit ihren außergewöhnlich kristallblauen Augen das Holzbein eines Tisches anstarrte und man meinen könnte sie würde fast konzentriert aussehen. Ihre kleinen Hände griffen nach dem Holzbein und mit Müh' und Not schaffte sie es sich aufzurichten und stehenzubleiben. Sie gluckste freudig.
„Eines muss man deiner Tochter lassen“, sprach Lorelay die das ganze mit angesehen hatte. „Gwendolin scheint sehr früh gelernt zu haben auf eigenen Beinen zu stehen.“
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2. Tanos im Jahre -7
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Hauptstadt Hohenfurt, vor dem Meryadeles Anwesen
Vor dem Meryadeles Anwesen tummelten sich die Soldaten. Viele bepackten noch ihre Pferde, einige unterhielten sich miteinander. Darunter auch Hartwin, nahe des Eingangs der Villa. Mit einem Ruck packte er den Sattel auf das stattliche, schwarze Ross und schnallte ihn fest. Siegfrieds Pferd gleich daneben war bereits besattelt und bepackt, jedoch war von ihm selbst noch keine Spur. Isabelle betrachtete das Geschehen mit Missmut, während Klein-Gwendolin neben ihr Stand und sich an ihrem Bein festhielt.
„Albarianische Flüchtlinge“, erklärte Hartwin knapp. „...hauptsächlich Leibeigene und ein paar Kleinbauern die diesen Winter fast verhungert wären. Jetzt wo der Schnee in den Bergen so gut wie geschmolzen ist, wagen sie die Reise hierher, doch die albarianischen Gardisten erschlagen sie auf dem Weg nach Salkamaeria. Das geht soweit, dass sie sie selbst bis über die Grenzen hinweg verfolgen und auf salkamaerischen Gebiet töten. Das müssen wir unterbinden.“
Isabelle schwieg. So wie sie es meistens tat, wenn ihr wirklich etwas nahe ging. Hartwin packte den letzten Proviant an den Sattel und wendete sich dann zu seiner Frau und seiner Tochter. Beide Hände auf ihre Arme legend zog er sie ein Stück näher und küsste sie liebevoll auf die Lippen. „Ich liebe dich Isabelle, mach nicht so ein Gesicht.“
„Ich mache kein Gesicht“, erwiderte Isabelle steif und fügte dann hinzu. „... und ich liebe dich auch, Hartwin. Lorelay hat mich gebeten hier zu bleiben, bis ihr wiederkehrt, aber ich weiß nicht wie lange euer Unternehmen dauern wird. Ich bleibe noch drei Tage, dann kehre ich nachhause zurück. Jemand muss sich um den Gutshof kümmern.“ „Das ist meine Frau“, erwiederte er und hob dann die kleine Gwendolin auf und sah sie stolz lächelnd an. „Ich werd dich vermissen mein Engel“. Er küsste sie auf die Stirn und Gwendolin gluckste freudig. „dada.“. Hartwin lachte und gab sie Isabelle auf den Arm.
Die Unruhe wuchs ein wenig zwischen den Männern. Bald schon würden sie aufbrechen und die meisten von ihnen wusste nicht wirklich was sie erwarten würde. Mit viel Glück würde es zu keinerlei Kampf kommen und eine einfache Verwarnung würde den albarianischen Gardisten reichen um sich aus dem salkamaerischen Gebiet zurückziehen. Außerdem ging das Gerücht herum, dass bisher noch nie eine Schlacht verloren gegangen war, in dem ein Meryadeles und ein Cad'ell Seite an Seite gekämpft haben.
Einige Blicke richteten sich nun zu den Fenstern des Meryadeles Anwesen und es wurde still. Stirnrunzelnd folgte Hartwin den Blick seiner Männer und konnte dann beobachten wie Siegfried Meryadeles in kompletter Kampfrüstung vor den Fenstern auf und ab ging, die kleine Samantha in seinen Armen wiegend und wie er leise ein Wiegenlied für sie sang.
Die darauffolgende Stille hielt an bis sich die Türen öffneten und Siegfried aus der Tür trat, seinen Helm aufsetzend.
„Bereit zu kämpfen und zu leben?“, sprach Hartwin gut hörbar zu Siegfried und lächelte.
„Jetzt, ja.“ war dessen Antwort.
Salkamaeria, Fürstentum Hohenfurt, Hauptstadt Hohenfurt, vor dem Meryadeles Anwesen
Vor dem Meryadeles Anwesen tummelten sich die Soldaten. Viele bepackten noch ihre Pferde, einige unterhielten sich miteinander. Darunter auch Hartwin, nahe des Eingangs der Villa. Mit einem Ruck packte er den Sattel auf das stattliche, schwarze Ross und schnallte ihn fest. Siegfrieds Pferd gleich daneben war bereits besattelt und bepackt, jedoch war von ihm selbst noch keine Spur. Isabelle betrachtete das Geschehen mit Missmut, während Klein-Gwendolin neben ihr Stand und sich an ihrem Bein festhielt.
„Albarianische Flüchtlinge“, erklärte Hartwin knapp. „...hauptsächlich Leibeigene und ein paar Kleinbauern die diesen Winter fast verhungert wären. Jetzt wo der Schnee in den Bergen so gut wie geschmolzen ist, wagen sie die Reise hierher, doch die albarianischen Gardisten erschlagen sie auf dem Weg nach Salkamaeria. Das geht soweit, dass sie sie selbst bis über die Grenzen hinweg verfolgen und auf salkamaerischen Gebiet töten. Das müssen wir unterbinden.“
Isabelle schwieg. So wie sie es meistens tat, wenn ihr wirklich etwas nahe ging. Hartwin packte den letzten Proviant an den Sattel und wendete sich dann zu seiner Frau und seiner Tochter. Beide Hände auf ihre Arme legend zog er sie ein Stück näher und küsste sie liebevoll auf die Lippen. „Ich liebe dich Isabelle, mach nicht so ein Gesicht.“
„Ich mache kein Gesicht“, erwiderte Isabelle steif und fügte dann hinzu. „... und ich liebe dich auch, Hartwin. Lorelay hat mich gebeten hier zu bleiben, bis ihr wiederkehrt, aber ich weiß nicht wie lange euer Unternehmen dauern wird. Ich bleibe noch drei Tage, dann kehre ich nachhause zurück. Jemand muss sich um den Gutshof kümmern.“ „Das ist meine Frau“, erwiederte er und hob dann die kleine Gwendolin auf und sah sie stolz lächelnd an. „Ich werd dich vermissen mein Engel“. Er küsste sie auf die Stirn und Gwendolin gluckste freudig. „dada.“. Hartwin lachte und gab sie Isabelle auf den Arm.
Die Unruhe wuchs ein wenig zwischen den Männern. Bald schon würden sie aufbrechen und die meisten von ihnen wusste nicht wirklich was sie erwarten würde. Mit viel Glück würde es zu keinerlei Kampf kommen und eine einfache Verwarnung würde den albarianischen Gardisten reichen um sich aus dem salkamaerischen Gebiet zurückziehen. Außerdem ging das Gerücht herum, dass bisher noch nie eine Schlacht verloren gegangen war, in dem ein Meryadeles und ein Cad'ell Seite an Seite gekämpft haben.
Einige Blicke richteten sich nun zu den Fenstern des Meryadeles Anwesen und es wurde still. Stirnrunzelnd folgte Hartwin den Blick seiner Männer und konnte dann beobachten wie Siegfried Meryadeles in kompletter Kampfrüstung vor den Fenstern auf und ab ging, die kleine Samantha in seinen Armen wiegend und wie er leise ein Wiegenlied für sie sang.
Die darauffolgende Stille hielt an bis sich die Türen öffneten und Siegfried aus der Tür trat, seinen Helm aufsetzend.
„Bereit zu kämpfen und zu leben?“, sprach Hartwin gut hörbar zu Siegfried und lächelte.
„Jetzt, ja.“ war dessen Antwort.
- Gwendolin Cad'ell
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3. Tanos im Jahre -7
Salkamaeria, Gebirge zwischen Salkamaeria und Albar, Grenze von Hohenfurt.
Hartwin und Siegfried ritten nebeneinander, die kleine Gruppe an Legionären anführend. Einige von ihnen kamen erst frisch aus der Ausbildung und fanden sich nun auf ihrer ersten Mission. Es war nichts neues dass die Albarer Flüchtlinge auf dem Weg aus Albar hinaus niedermetzelten, doch bewirkte es meist das Gegenteil von dem erwünschten Effekt. Anstatt das die Leibeigenen und Bauern sich fügten und abgeschreckt wurden, waren nur noch mehr bereit zu entfliehen. Der Winter war hart und Hartwin konnte sich nicht ausmalen wieviele Menschen in Albar wohl an Hungersnot gestorben waren.
Vor ihnen im Nordwesten erstreckte sich das Gebirge dass die Grenze zwischen Salkamaeria und Albar markierte. Ein paar Stunden hinter ihnen lag das Dorf Zerenberg, bei welchem sie eine kurze Rast gemachten hatten, bevor sie ihren Weg fortsetzten.
Siegfried konnte in der Ferne einige Gestalten entdecken und nickte Hartwin zu, woraufhin beide einlenkten und einige Momente später erreichten sie eine Gruppe, bestehend aus drei Männern, vier Frauen und ein Kind, welches von einem der Männer getragen wurde, da es wohl vor Schwäche nicht mehr selbst gehen konnten. Die meisten von ihnen trugen leicht zerschlissene Kleidung über ihre abgemagerten Körper und es war unschwer zu erkennen, wie sehr sie froren. Furcht stand ihnen ins Gesicht geschrieben und Siegfried ergriff das Wort. Ohne eine Frage zu stellen, sprach er:
"Willkommen in Salkamaeria, Leute aus Albar. Ihr seid herlich willkommen in unser Land einzuziehen und euch eine neue Existenz aufzubauen. Wenn ihr den Weg hier weiter nach Südosten folgt, kommt ihr in das Dorf Zerenberg. Proviant und Kleidung stehen für euch bereit."
Stille. Die Furcht war aus den Gesichtern der Flüchtlinge verschwunden und Überraschung machte sich in ihren Blicken breit. Überrascht über die Gastfreundlichkeit. Der Mann mit dem Jungen im Arm trat nun vor. Seine Stimme schwanke und mit tränengefüllten Augen sprach er zögernd:
"Der Ruf Salkamaerias Güte reicht weit. Tief bis in die Länder Albars. Doch der Ruf mag nicht im entferntesten der Wirklichkeit gerecht werden. Mein Herr, in meinem Namen und im Namen meines Sohnes, danke ich für euer großes Herz... Mögen die Götter es euch nie vergessen."
Siegfried nickte und Hartwin kam nicht umher zu lächeln, denn ihm war die Stille hinter ihm nicht entgangen. Keiner der Legionäre hatte ein Wort getätigt, nicht mal geflüstert, und Hartwin konnte sich nur denken, dass jene ebenso überrascht worden waren wie die Flüchtlinge selbst. Ein Blick über die Schulter reichte um zu erkennen, dass seine Männer geschockt waren von der Armut und dem Schrecken in Albar, von dem sie bisher nur Gerüchte gehört hatten. Wie in jeder Stadt gab es auch in Salkamaeria mittellose Menschen. Wie in jeder Stadt gab es verschiedene Schichten in der Gesellschaft... doch Leibeigenschaft? Sklavenhaltung? Nach dem Anblick dieser halbverhungerten Menschen, wuchs das Unverständnis über Albar in den Köpfen der Legionäre nur noch mehr.
Die Stille wurde von einem plötzlichen Aufschluchzen einer der Frauen unterbrochen. Bitter weinend warf sie sich auf ihre Knie und vergrub einen Moment ihr Gesicht in ihren Händen, bevor sie schluchzend zu Hartwin und Siegfried aufsah. Hartwin stieg von seinem Pferd und tätschelte dessen Hals damit es ruhig stehen blieb, während die Frau weinend berichtete: "Wir sind noch mehr. Wir wurden getrennt als sie uns verfolgt haben. Der Großteil von uns.. ungefähr.. 9 oder 10 Personen.. wurden tiefer in die albarianischen Gebirge gedrängt. Darunter mein Mann und mein Sohn... sie werden nicht an den Gardisten vorbeikommen.. sie werden alle..", dann gab ihre Stimme nach. Hartwin, der inzwischen neben ihr stand, packte sie sanft am Arm und half ihr wieder auf ihre Füße. "Beruhige dich, Frau. Spare deine Kraft, es sind noch zwei bis drei Stunden Fußmarsch nach Zerenberg. Du wirst sie brauchen. Und mach dir keine Sorgen um deinen Mann und deinem Sohn. In welche Richtung wurden sie getrieben?"
Die Frauen und Männer gaben eine kurze Beschreibung wo sie getrennt und in welche Richtung die anderen getrieben wurden. Hartwins Miene verdunkelte sich leicht. Sie waren wirklich tiefer in das albarianische Gebiet gedrungen und nicht nur ihm schien dieser Gedanke zu gefallen. Siegfried sah still zu den Gebirgen. Hartwin wusste bereits, dass er eine Entscheidung getroffen hatte. Er kannte Siegfried lange genug um seine stille Art zu durchschauen. Manche verwechselten seine Ruhe mit Unsicherheit, oder zögern, doch das war nicht der Fall. Siegfried wusste schon immer was er wollte und er erreichte seine Ziele stets mit einer Leichtigkeit die andere vor Neid erblassen ließen. Doch prahlte er niemals. Nach außen hin bewieß er immer Contenance, Introvertiertheit und Kühle. Das machte ihn zu einem guten Strategen... und Kartenspieler.
Siegfried wandte nun endlich seinen Blick ab und ohne das Hartwin eine Frage stellen musste, nickte er. „Wunderbar“, dachte Hartwin und wandte sich den Flüchtlingen und Legionären zu.
„Ihr beide“, er deutete auf zwei junge Legionäre. „... ihr begleitet die Leute hier zurück nach Zerenberg. Wir werden aufbrechen und den Rest von euch in Sicherheit bringen.“
„... Herr“, sprach nun einer der beiden Legionöre und sagte, was sich bereits alle anderen gedacht hatten: „wenn wir als salkamaerische Legion in albarianisches Gebiet eindringen und Gardisten töten, könnten wir damit einen Krieg entfachen.“ Stille folgte, doch Hartwin lächelte. Er nahm seinen Tribunsorden ab und seinen Helm, in den er jenen warf und reichte ihm den Soldaten. „Nehmt dies mit Soldat und reicht ihn mir wenn ich wieder in Zerenberg bin. Ich bin vielleicht Tribun, aber ich bin vor allem Mensch. Und Menschlichkeit ist es, was hier grade gefragt ist.“
Mit diesen Worten stieg Hartwin wieder auf sein Pferd, rieß die Zügel herum. „Auf!“, rief her und jagte das schwarze Roß in Richtung Gebirge. Siegfried hatte ihn rasch eingeholt und ritt nun neben ihn, gefolgt von den Legionären.
Siegfried schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Das du immer so theatralisch sein musst.“ und Hartwin lachte.
Salkamaeria, Gebirge zwischen Salkamaeria und Albar, Grenze von Hohenfurt.
Hartwin und Siegfried ritten nebeneinander, die kleine Gruppe an Legionären anführend. Einige von ihnen kamen erst frisch aus der Ausbildung und fanden sich nun auf ihrer ersten Mission. Es war nichts neues dass die Albarer Flüchtlinge auf dem Weg aus Albar hinaus niedermetzelten, doch bewirkte es meist das Gegenteil von dem erwünschten Effekt. Anstatt das die Leibeigenen und Bauern sich fügten und abgeschreckt wurden, waren nur noch mehr bereit zu entfliehen. Der Winter war hart und Hartwin konnte sich nicht ausmalen wieviele Menschen in Albar wohl an Hungersnot gestorben waren.
Vor ihnen im Nordwesten erstreckte sich das Gebirge dass die Grenze zwischen Salkamaeria und Albar markierte. Ein paar Stunden hinter ihnen lag das Dorf Zerenberg, bei welchem sie eine kurze Rast gemachten hatten, bevor sie ihren Weg fortsetzten.
Siegfried konnte in der Ferne einige Gestalten entdecken und nickte Hartwin zu, woraufhin beide einlenkten und einige Momente später erreichten sie eine Gruppe, bestehend aus drei Männern, vier Frauen und ein Kind, welches von einem der Männer getragen wurde, da es wohl vor Schwäche nicht mehr selbst gehen konnten. Die meisten von ihnen trugen leicht zerschlissene Kleidung über ihre abgemagerten Körper und es war unschwer zu erkennen, wie sehr sie froren. Furcht stand ihnen ins Gesicht geschrieben und Siegfried ergriff das Wort. Ohne eine Frage zu stellen, sprach er:
"Willkommen in Salkamaeria, Leute aus Albar. Ihr seid herlich willkommen in unser Land einzuziehen und euch eine neue Existenz aufzubauen. Wenn ihr den Weg hier weiter nach Südosten folgt, kommt ihr in das Dorf Zerenberg. Proviant und Kleidung stehen für euch bereit."
Stille. Die Furcht war aus den Gesichtern der Flüchtlinge verschwunden und Überraschung machte sich in ihren Blicken breit. Überrascht über die Gastfreundlichkeit. Der Mann mit dem Jungen im Arm trat nun vor. Seine Stimme schwanke und mit tränengefüllten Augen sprach er zögernd:
"Der Ruf Salkamaerias Güte reicht weit. Tief bis in die Länder Albars. Doch der Ruf mag nicht im entferntesten der Wirklichkeit gerecht werden. Mein Herr, in meinem Namen und im Namen meines Sohnes, danke ich für euer großes Herz... Mögen die Götter es euch nie vergessen."
Siegfried nickte und Hartwin kam nicht umher zu lächeln, denn ihm war die Stille hinter ihm nicht entgangen. Keiner der Legionäre hatte ein Wort getätigt, nicht mal geflüstert, und Hartwin konnte sich nur denken, dass jene ebenso überrascht worden waren wie die Flüchtlinge selbst. Ein Blick über die Schulter reichte um zu erkennen, dass seine Männer geschockt waren von der Armut und dem Schrecken in Albar, von dem sie bisher nur Gerüchte gehört hatten. Wie in jeder Stadt gab es auch in Salkamaeria mittellose Menschen. Wie in jeder Stadt gab es verschiedene Schichten in der Gesellschaft... doch Leibeigenschaft? Sklavenhaltung? Nach dem Anblick dieser halbverhungerten Menschen, wuchs das Unverständnis über Albar in den Köpfen der Legionäre nur noch mehr.
Die Stille wurde von einem plötzlichen Aufschluchzen einer der Frauen unterbrochen. Bitter weinend warf sie sich auf ihre Knie und vergrub einen Moment ihr Gesicht in ihren Händen, bevor sie schluchzend zu Hartwin und Siegfried aufsah. Hartwin stieg von seinem Pferd und tätschelte dessen Hals damit es ruhig stehen blieb, während die Frau weinend berichtete: "Wir sind noch mehr. Wir wurden getrennt als sie uns verfolgt haben. Der Großteil von uns.. ungefähr.. 9 oder 10 Personen.. wurden tiefer in die albarianischen Gebirge gedrängt. Darunter mein Mann und mein Sohn... sie werden nicht an den Gardisten vorbeikommen.. sie werden alle..", dann gab ihre Stimme nach. Hartwin, der inzwischen neben ihr stand, packte sie sanft am Arm und half ihr wieder auf ihre Füße. "Beruhige dich, Frau. Spare deine Kraft, es sind noch zwei bis drei Stunden Fußmarsch nach Zerenberg. Du wirst sie brauchen. Und mach dir keine Sorgen um deinen Mann und deinem Sohn. In welche Richtung wurden sie getrieben?"
Die Frauen und Männer gaben eine kurze Beschreibung wo sie getrennt und in welche Richtung die anderen getrieben wurden. Hartwins Miene verdunkelte sich leicht. Sie waren wirklich tiefer in das albarianische Gebiet gedrungen und nicht nur ihm schien dieser Gedanke zu gefallen. Siegfried sah still zu den Gebirgen. Hartwin wusste bereits, dass er eine Entscheidung getroffen hatte. Er kannte Siegfried lange genug um seine stille Art zu durchschauen. Manche verwechselten seine Ruhe mit Unsicherheit, oder zögern, doch das war nicht der Fall. Siegfried wusste schon immer was er wollte und er erreichte seine Ziele stets mit einer Leichtigkeit die andere vor Neid erblassen ließen. Doch prahlte er niemals. Nach außen hin bewieß er immer Contenance, Introvertiertheit und Kühle. Das machte ihn zu einem guten Strategen... und Kartenspieler.
Siegfried wandte nun endlich seinen Blick ab und ohne das Hartwin eine Frage stellen musste, nickte er. „Wunderbar“, dachte Hartwin und wandte sich den Flüchtlingen und Legionären zu.
„Ihr beide“, er deutete auf zwei junge Legionäre. „... ihr begleitet die Leute hier zurück nach Zerenberg. Wir werden aufbrechen und den Rest von euch in Sicherheit bringen.“
„... Herr“, sprach nun einer der beiden Legionöre und sagte, was sich bereits alle anderen gedacht hatten: „wenn wir als salkamaerische Legion in albarianisches Gebiet eindringen und Gardisten töten, könnten wir damit einen Krieg entfachen.“ Stille folgte, doch Hartwin lächelte. Er nahm seinen Tribunsorden ab und seinen Helm, in den er jenen warf und reichte ihm den Soldaten. „Nehmt dies mit Soldat und reicht ihn mir wenn ich wieder in Zerenberg bin. Ich bin vielleicht Tribun, aber ich bin vor allem Mensch. Und Menschlichkeit ist es, was hier grade gefragt ist.“
Mit diesen Worten stieg Hartwin wieder auf sein Pferd, rieß die Zügel herum. „Auf!“, rief her und jagte das schwarze Roß in Richtung Gebirge. Siegfried hatte ihn rasch eingeholt und ritt nun neben ihn, gefolgt von den Legionären.
Siegfried schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Das du immer so theatralisch sein musst.“ und Hartwin lachte.