Träume

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Kranek
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Träume

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((geschlossen. nur für Rhianna und Vigalf))

„Vigalf, mach endlich!“ Der Hauptmann fuhr ihn an, schlug ihn leicht in den Magen und griff sein Gesicht. „Mach hinne...oder wir besuchen mal dein Kaff!“ Wütend ließ der Mann sein Gesicht los.
Mit abgewandtem Gesicht warf Vigalf die Fackel in die einfache Strohhütte. Sofort fingen die Wände Feuer. Die Flammen fraßen sich bis zum Dach und innerhalb von Sekunden stand die Hütte komplett im Feuer.
„Wenigstens sind sie nich mehr drin...“ Unwillkürlich ging sein Blick zu den Bergen in denen die Aufständischen vermutet wurden. Dort sollten sie hocken...den Umsturz vorbereiten...wenn man dem Hauptmann glauben durfte...
Ein unterdrückter Schrei ließ ihn herumfahren. Mitten in den Flammen, eingeschloßen vom Feuer, schob sich eine junge Frau mit einem Kind auf dem Arm aus einer alten großen Truhe. Sie hatten sich versteckt, hatten gehofft zu überleben. Doch sie waren gefangen in der Hitze. Panisch blickte die Frau um sich, drückte ihr Kind fest an sich. Ihr Blick fiel auf Vigalf. Flehen in den Augen ging sie auf ihn zu. Nicht mehr an etwas anderes denkend stürmte er auf die Hütte zu, wollte die Frau retten, die er selber in Gefahr gebracht hatte. Hätte ihn sein Freund Davis nicht aufgehalten, er wäre in die Flammen gestürmt.
„Junge, lass den Scheiß! Was willst du da drin?“ Davis‘ Blick fiel in die Hütte sah die Frau in den Flammen. Er wandte sich dem sich windenden Vigalf zu. „Vergiss es! Für die kommt jede Hilfe zu spät!“
In diesem Moment fing ihr Kleid Feuer. Panisch versuchte sie die Flammen mit einer Hand auszuschlagen. Doch sie fraßen sich hoch, verbrannten ihre Haut, ihr Fleisch. Innerhalb von Sekunden stand sie komplett in Flammen, das kreischende Kind noch in ihrem Arm. Sie wurde zu einer lebenden Fackel, taumelte, schrie, fiel um. Als die Dachbalken brennend auf sie stürzten war sie schon tot.
Schreiend verfolgte Vigalf ihren Tod. Den er selbst verschuldet hatte.
Doch diesmal blieb sie nicht liegen. Schwankend richtete sie sich auf. Brennend bahnte sie sich ihren Weg durch die Flammen, kam auf ihn zu. Unfähig sich zu bewegen stand Vigalf da als sie zu ihm kam, ihre brennenden schwarzen Arme ihn umschlagen und mit sich zogen, zurück in ihr flammendes Grab...

Schweißgebadet, mit einem stummen Schrei auf den Lippen fuhr Vigalf aus dem Bett hoch. Den Brandgeruch noch in der Nase blickte er sich in dem stillen Schlafsaal um. Nur das schnarchen und atmen der anderen Marker war zu hören. Dann fiel sein Blick auf die junge Frau die neben ihm lag. Ihr wurde wieder klar, dass es nur die Schatten der Vergangenheit waren die ihn verfolgten. Er hoffte, dass sie ihn nie wieder einholen würden. Er küsste Rhianna auf die Stirn, legte sich dann neben sie. Nach endlosen Minuten fiel er in einen unruhigen Schlaf...
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Rhianna Morgan
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Es war früh am Morgen. Rhianna wachte zitternd in der Kälte des Schlafsaals auf. Sie raffte die dünne Decke enger um sich, die Vigalf sorgfältig über sie gebreitet und festgestopft hatte, bevor er gegangen war.
Schlaftrunken richtete sich die junge Frau auf und sah sich um, die Augen noch trüb von den verschwommenen Träumen der vergangenen Nacht. Sie runzelte die Stirn, und strich sich eine wirre Locke aus dem Gesicht. Nein. Sie erinnerte sich nicht. Eine Menge verworrener Unsinn, soviel stand fest.

Seufzend stand sie auf, die Decke um sich gelegt. Sie schob den Vorhang bei Seite und trat hinaus in die Weite des großen Raumes, das Schnarchen der Männer um sie toste sofort lauter. Rhianna schob sich zwischen ihnen hindurch, darauf bedacht niemand zu wecken, und ging durch die Tür in den Hof hinaus. Nebelig und feucht waberte es an den Steinmauern.

"Vigalf?"

Sie tappte barfuss weiter, sich in der Borg und, durch das Hoftor, nach ihm umsehend. Sie fand ihn nicht. Erst wollte sie sich ängstigen, aber sie beruhigte sich selber. Er würde zurechtkommen. Sicherlich. Rhianna ging zurück in das Gebäude und kuschelte sich hinter ihrem Vorhang wieder in die Kissen, seltsam erschöpft von ihrem kleinen Ausflug. Durch das Schnarchen der Männer hindurch zwitscherten die ersten Vögel.

Rhianna legte einen Arm über ihre erhitzte Stirn. Ihre Augen brannten und hinter ihren Schläfen wirbelten die Gedanken umeinander wie Blätter im Herbst. Sie meinte, der Kopf müsste ihr zerbersten, und trotzdem war es angenehm hier zu liegen. Auf ihrem weichen Fell, bedeckt mit feinem Wollstoff. Nur dass sie das Gefühl hatte ein Teil ihres Körpers fehle, weil Vigalf nicht neben ihr lag.
Last edited by Rhianna Morgan on Tue May 13, 2008 9:11 am, edited 1 time in total.
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Kranek
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„Dieser Mann zweifelte an der gegebenen Ordnung!“
Der Hauptmann spie Gift und Galle als er auf Davis zeigte der, mit einer Schlinge um den Hals, auf der Bühne stand und mit panischen Augen umherblickte.
„Nicht nur, dass er es wagte einen Befehl in Frage zu stellen! Nein! Er hat auch sein ganzes Dorf aufgehetzt um zu rebellieren!“
Der Hauptmann lies seinen Blick über den versammelten Trupp gleiten, der geschlossen antreten musste um den Tod des Verräters zu verfolgen.
„Aufgrund dieser Verbrechen wurde Davis Ertwein aus dem Dorfe Jall zum Tode durch den Strang verurteilt! Möge sein Tod eine Warnung an alle sein, die denken die Ordnung hintergehen zu müssen!“
Der Hauptmann gab dem Henker mit einem Nicken ein Zeichen. Einen kurzen Zug am Hebel später fiel Davis durch die Falltür. Der Strick um seinen Hals zog sich zu, zerrte mit einem Ruck an seinem Nacken. Doch er brach ihn nicht. Mit festgebunden Händen, offenen Augen und raushängender Zunge erstickte er. Nach einigen Minuten war es vorbei und nur noch das Schwingen des Stricks hielt seinen Körper in Bewegung.
„Und jetzt marschieren wir nach Jall! Es gibt noch einige Aufrührer zu bestrafen!“
Der Hauptmann verliess die Bühne, ging in sein Zelt und machte sich fertig. Während die Menge sich zerteilte, blickte Vigalf auf den toten Körper seines Freundes. Doch es war nicht Davis‘ Gesicht, dass da blau und leblos hing. Es war sein eigenes...


Vigalf schreckte aus dem Schlaf auf. Er zitterte am ganzen Körper. Den Schweiß aus seinem Gesicht wischend sah er sich um. Er war nicht mehr auf dem alten Bauernhof. Des Hauptmann war tot...er war in der Mark. In Sicherheit. Noch...
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Rhianna Morgan
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Ein frischer Wind vom Meer wehte um ihre Nasenspitze, als sie den Hof verliess. Eine Schere in der Hand. Sie brauchte wieder Wolle.

Drei der Nordmarkschafe kannten sie schon sehr gut und trotteten zu ihr herüber. Bei Rhia gab es hin und wieder Salz.
Ohne lange nachzudenken wählte sie eins der Tiere aus, und schor es, mechanisch, ihre Gedanken weit weg.
Geschickte Finger in flauschigem Flies. Eine scharfe Schere in der Hand. Frischen Meerwind im Gesicht.
Ihr Kopf schmerzte noch immer. Seit drei Tagen jetzt. Rhianna wischte sich mit dem Handgelenk eine Strähne aus der Stirn. Die Haut ihrer Hand fettig vom Flies des Tieres.

Drei Schafe schor sie, dann ging sie das filzige, schmuddelige Flies waschen und trocknen. Geübt bereitete sie es auf, und krempelte es geschickt und ohne Eile.
Das Spinnrad surrte und sie summte dazu ein altes Lied über das Meer, sie dachte dabei an Vigalf. Er war manchmal düster in letzter Zeit. Eine Falte in seiner Stirn, direkt über seiner Nasenwurzel, die vorher nicht da gewesen war. Er schlief unruhig. Und er war schweigsamer als sie es von ihm kannte.

Du bist nicht seine Frau, schalt eine leise Stimme in ihrem Kopf. Lass ihn nachdenken so viel er will. Er wird dich schon noch einweihen wenn er es für angemessen hält und wenn nicht... Die Stimme wurde boshaft. Nun, wir wissen beide dass du ihm auch längst nicht alles erzählst... Du hast auch deine Geheimnisse...
Schon, hielt sie der Stimme vor, ja, ich habe Geheimnisse. Und? Wenn er etwas über meine Vergangenheit wissen will soll er doch fragen...
Du hintergehst ihn wenn du es ihm nicht sagst, er hat ein Recht auf dieses Wissen. Du hast es ja auch Ancharis, Baldur und Harald erzählt. Steht er dir nicht viel näher?

Der Faden riss durch, und sie stach sich den Finger an der Spindel blutig. Wütend über sich selber lutschte sie an ihrem Finger, die volle Spule abwickelnd und der Stimme in ihrem Kopf zaghaft antwortend.
Er bedeutet mir mehr als irgendein anderer Mensch mir je bedeutet hat. Das ist wahr. Aber genau darum kann ich es ihm nicht sagen weil... weil...
Sie flüsterte die Antwort leise, sie war alleine im Schneiderzimmer.

"Weil ich Angst hätte ihn zu verlieren..."

Feigling zischte ihr die Stimme ins Ohr. Und noch einmal: Feigling! War es denn so falsch jemand zu lieben und ihn festhalten zu wollen?
Wenn du ihm nicht vertraust, raunte die Stimme boshaft, wenn du ihm so wenig vertraust dann liebst du ihn auch nicht.

Eine vereinzelte Träne lief über ihre Wange, und tropfte in ihren Ausschnitt.

"Ich liebe ihn aber." antwortete sie sich selber. "Und ich vertraue ihm. Er ist ein guter Mensch. Das ist es ja. Ich will ihn nicht mit meiner Bürde belasten."

Sie wartete, aber es kam keine Antwort mehr. Die Stimme in ihr war verstummt.
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Kranek
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Nichts warnte die Bewohner. Kein Anzeichen, kein Warnruf. Denn niemand hielt Wache, niemand suchte den Horizont nach Feinden ab. Denn...welche Feinde sollte ein einfaches Dorf schon haben in Friedenszeiten?
Die Bewohner, gefangen in ihrem Alltagstrott, spürten nicht, dass sich blanker Stahl näherte. Angetrieben von Blutlust oder Angst. Bei manchen verwischten die Grenzen dazwischen. Doch angeführt wurden sie vom Hauptmann. Davis hatte es gewagt einen Befehl zu verweigern. Er hatte dafür bezahlt. Doch damit war nicht genug. Der Hauptmann sah in Jall, Davis' Heimatdorf den Quell des Widerstandes. Ein Nest von Aufwieglern. Und dieses sollte heute ausgeräuchert werden. Bis zum letzten Blutstropfen...
Jedem der Männer war klar, was passieren würde, wenn sie sich weigerten. Ihr eigenes Blut würde fließen. Ihres, und das ihrer Familien und Freunde. Die meisten hatten dies bereits akzeptiert. Sie taten immer wie ihnen geheißen. In der kalten Hoffnung, dass ihre Dörfer verschont blieben. So atmeten sie tief durch, erhöhten den Druck um ihre Schwertgriffe und folgten dem berittenen Hauptmann durch das Unterholz. Eine kurze Pause kurz vorm Waldesrand. Und dann, mit einem Aufschrei, stürmten sie aus dem Gebüsch, metztelten alles und jeden nieder der ihnen im Weg stand. Ob alt, jung, schwach, stark, wehrlos oder wehrhaft. Es gab keine Gnade.
Als die Dörfler die Gefahr erkannten und ihre Freunde sterben sahen, rannten sie in die Dorfmitte. Suchten Zuflucht im Haupthaus, verriegelten das Holztor, zogen alte Schwerter in der schwachen Hoffnung sich wehren zu können.
Das Feuer auf dem Strohdach trieb sie wieder hinaus. Hustend, mit tränenden Augen stolperten sie durch das Tor, mitten in die blutgetränkten Schwerter. Vigalf stand unter ihnen, rammte sein Schwert emotionslos in Fleisch und Haut. Er sah einen Jungen auf sich zukommen. Vielleicht 6 Sommer alt. Weinend schrie er nach seiner Mutter, erkannte nicht, dass diese bereits im eigenen Blute lag. Vigalfs Klinge bereitete seinem jungen Leben ein schmerzhaftes, aber immerhin schnelles Ende. Er wollte gerade das Schwert aus dem Bauch des Jungen ziehen, als dieser dieses festhielt und zu ihm aufsah. Sein Gesicht erinnerte Vigalf plötzlich an sein eigenes. Doch die Augen. Zwei Augen, eines blau, eines grün, starrten ihn fassungslos an.
"Warum hast du das getan Vater?"
Vigalf wich zurück, das Entsetzen in seinen Augen. Sein Blick fiel auf die tote Mutter, die er selber kurz vorher erschlagen hatte. Ihr Gesicht kam ihm so schmerzhaft bekannt vor. Trotz des Blutes und ihrem entstellten Gesicht erkannte er Rhianna.
"Nein! Ihr Götter, nein!"


Schweißgebadet, mit schreckensbleichem Gesicht, fuhr Vigalf aus dem Schlaf. Panisch sah er sich um, der Platz neben ihm war leer. Hastig stand er auf, rannte zur Tür. Ihm war schlecht, dringend brauchte er frische Luft...
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Rhianna Morgan
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Rhia schreckte auf, als sie neben sich eine heftige Bewegung spürte. Vigalf drehte sich unruhig. Wieder und wieder hörte sie ihn murmeln, ohne ein Wort zu verstehen. Finster war es in dem Schlafsaal und stickig wegen des rauchigen Feuers, das die Norodaj gegen die Kälte angezündet hatten. In ihrer Kehle würgte es, wie unterdrücktes Schluchzen.
Wieder und wieder, immer derselbe Traum.

“Harald, warum kannst du mich nicht loslassen… Warum träume ich immer von deinem Tod… Immer…“

Zitternd und bebend richtete sie sich auf, kalter Schweiß in ihrem Gesicht. Die Übelkeit kam schneller als die in der Nacht zuvor. Schneller als die in allen Nächten der vergangenen Wochen.
Kaum blieb ihr die Zeit, eine der Decken um sich zu raffen und hinaus zu stolpern. Krank war sie, kränker noch als gestern, sie spürte es. Fiebrig, und erschöpft.
Sie brach draußen auf die Knie, und ihr Magen entleerte sich mit einer bisher ungeahnten Heftigkeit. Sie spuckte und würgte, und die Tränen liefen ihr über das Gesicht.

“Oh ihr Götter… Womit verdiene ich das… Was habe ich getan…“

Sie reinigte die Stelle mit einem Grasbüschel, und stand auf, den fahlen Geschmack noch im Mund. Kühles, feuchtes Gras unter ihren bloßen Füßen, während sie zum Meer hinunter ging. Nebel umtanzte sie. Ihre Knie waren zittrig, wie die einer alten müden Frau.
Sie sank in den kalten Sand. Blickte aufs Meer hinaus. Der Abend, an dem sie zum ersten Mal mit Vigalf hier gewesen war, stand ihr direkt vor Augen. Die Magie die in der Luft lag, dieser Zauber. So viel Liebe…
Sie durfte ihm nicht sagen dass es ihr schlecht ging. Er brauchte seine Stärke sicher für andere Dinge. Er war unglücklich, sie wusste es, und sie sah sein Leid jede Nacht, wenn sie ihn alleine liegen lassen musste, alleine in seinem unruhigen, ängstlichen Schlaf. Wieso nur sah er nachts so hilflos aus?
Ihre Finger gruben sich in den Sand. Es würde nicht mehr lange dauern jetzt…

Und kaum dass sie das gedacht hatte, war es wieder so weit. Sie würgte, und beugte sich krampfhaft vor, die Decke um sich gerafft. Nur bitterer Schleim dieses Mal, allein von dem Geschmack wurde ihr ganz elend, als sie ihn krampfhaft wieder herunterschluckte.
Hilfe, dachte sie ängstlich, Hilfe
Genau in diesem Augenblick legte er ihr beschwichtigend die Hand auf den Rücken, und sie wandte sich um. Ein grünes und ein blaues Auge blickten in zwei blaue. Rhianna suchte nach Halt in Vigalfs Augen, und las in einem Moment den Schmerz und die Panik in den seinen, die nichts mit ihrem Zustand zu tun hatten.

“Vigalf…“ flüsterte sie besorgt, „Ist alles in Ordnung mit dir? Sind es wieder diese Träume?“

Ihre Hände fanden einander, ohne Worte, als er sich neben sie auf den grauen Sand hockte.
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Rhianna Morgan
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Er setzte sich neben sie in den kühlen Sand, seinen Umhang um ihre Schultern gelegt.

„Rhianna...es sind Träume...alte Schatten der Vergangenheit...grausam... aber doch nur Träume...“

Er sah ihr besorgt ins Gesicht. Sie wirkte blass, sogar leicht grün wirkte sie im fahlen Mondlicht. Sanft strich er ihr über die kühle, schweißnasse Wange.

„Aber was ist mir dir? Bist du krank?“

Sie überging die Frage, als hätte er sie nie gestellt.

„Erzähl mir von diesen Träumen. Du quälst dich damit, ich sehe es, Nacht für Nacht.“

Ihre Hand strich zitternd, kühl, über die Seite seines Gesichts.

„Was ist geschehen, Liebster? Was ist nur geschehen?“

Nach ihrer Frage sah er aufs Meer hinaus und schwieg. Die Minuten verstrichen. Sie wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als er anfing:

„Ich habe dir doch erzählt, dass ich als Leibeigener geboren wurde. Ich war kaum 13 Sommer alt, als mein Lehnsherr..." er zischte das Wort durch seine Zähne "...einen Streit mit seinem Nachbarn hatte. Anstatt diesen selbst zu lösen, stellten die beiden ein Heer auf um ihr Problem mit einem Blutbad zu lösen. Ich gehörte zu den Zwangsrekrutierten. Man warf uns ein Lederwams über, drückte uns eine Keule in die Hand und schickte uns dann um die anderen zu töten. Ich war flink, und recht stark für mein Alter. Ich überlebte mit leichten Verletzungen. Nach der Schlacht "belohnte" mich mein Herr, indem er mich und die anderen Überlebenden in die Miliz "aufnahm".
Da die Streitigkeit gelöst war, hatten wir am Anfang wenig zu tun, außer etwas zu trainieren, uns anbrüllen zu lassen und Wache zu schieben. Doch nach ein paar Jahren fand unser Herr einen neuen Grund für einen Kampf. Diesmal waren es angebliche Aufwiegler. Bauern und Leibeigene, die gegen das System und die Unterdrückung kämpfen würden. In Wahrheit waren es nur eine Handvoll Bauern die eine Bitte vorgebracht hatten die Steuern zu senken. Wir sollten sie gnadenlos abschlachten, als abschreckendes Beispiel für andere. Sollten wir es nicht tun...würde man uns zu Aufwieglern ernennen und hinrichten. Zusammen mit unseren Familien.“


Er schluckte schwer, brauchte etwas Zeit um weiter zu erzählen.

„Es war ein kleines Dorf, kaum wehrhaft. Es war ein Blutbad. Wir töteten alles und jeden. Männer...Frauen...Kinder...“

Gequält schloss er die Augen, ließ seinen Kopf sinken.

Rhianna wurde sehr blass, während er erzählte, Tränen auf ihren Wangen. Verstört sah sie ihn an, als er geendet hatte, und sah ihn eine Minute nur an. Dann endlich, als er schon nicht wusste wie sie reagieren würde, strichen ihre schlanken kleinen Hände über seine gerunzelte Stirn, als wollten sie allen Kummer vertreiben, und sie neigte sich ihm zu.
Ein einziger, warmer Kuss war die ganze Antwort, die sie ihm gab, Trost in dieser schweren Stunde.
Dann aber sah sie zu ihm auf, und ein leichtes Stirnrunzeln begleitete ihren Blick.

„Aber wenn ihr euch alle gewehrt hättet... Oder die Bevölkerung gewarnt hättet... Irgendetwas...“

Sie schluckte schwer.

„Ich meine... es wäre doch sicher möglich gewesen zumindest einen Teil der Menschen zu retten... oder?“

Ihre Augen waren wie die eines Kindes jetzt, wie die Augen in seinem Traum. Blau und Grün, feucht schimmernd, über den blassen Wangen. Tiefe Schatten unter ihnen, und die Wimpern fein und lang, weich... Traurige, müde, ernste Kinderaugen.
Er erwiderte ihren Blick, schüttelte dann leicht den Kopf.

„Man konnte nicht mal seinen Kameraden trauen. Jeder ausgelieferte Nörgler würde belohnt...“

Er drückte sie fest an sich.

„Wenn du siehst wie andere Menschen sterben, wie leicht ein Leben ausgelöscht wird...willst du nur noch eins...die beschützen, die du liebst...selbst wenn du deine Seele dafür verkaufen musst...“

Er schluckte hart.

„Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen...aber ich war damals weder besonders mutig noch besonders klug...ich sah nur Hoffnung darin, das zu tun, was man mir befahl...erst als es zu spät war begriff ich...und floh...“

Er blickte nach unten, betrachtete seine Handflächen, als ob er auf ihnen etwas suchen würde.
Rhianna überkam eine neue Welle der Übelkeit, und sie musste hart an sich halten, um nicht wieder zu erbrechen. Sie zitterte am ganzen Körper, und in ihrem Kopf formte sich die Gewissheit dass sie es ihm nicht sagen konnte, es nicht sagen durfte, er hatte an seinem Leid genug zu tragen.
Sie lehnte sich an seinen Oberkörper, so eng sie konnte, und kämpfte um ihre Fassung. Seine Worte in ihrem Kopf drangen erst so allmählich ganz zu ihr durch, sie schmerzten wie Dolche in ihrer Brust.
Noch immer konnte sie nicht fassen was er getan hatte. Nicht fassen, dass es ER gewesen war, der diese schrecklichen Dinge getan hatte. Ihr Vigalf, und jener Vigalf, das waren zwei verschiedene Menschen… Sie presste ihren Rücken an ihn, und flüsterte traurig:

„Halt mich fest… halt mich einfach nur fest.“

Eng umschlungen saßen sie im Morgennebel, sie konnte seinen Herzschlag in ihrem Rücken spüren. Und allein dieses Gefühl tröstete sie mehr als sie gedacht hätte.
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Rhianna Morgan
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Post by Rhianna Morgan »

Es war spät am Nachmittag, und sie arbeitete gerade am Webstuhl... oder tat zumindest so. In Wirklichkeit grübelte sie, seit Stunden, immer und immer wieder.
Sie kam zu nur einem Ergebnis, und obwohl es ihr davor graute wusste sie dass sie nichts anderes tun konnte. Sie konnte es Vigalf nicht erzählen. Sie KONNTE nicht, es ging nicht. Der Schmerz, und die Angst in seinem Blick verfolgten sie wohin sie an diesem Tag auch ging. Sie konnte nicht mehr ignorieren dass es ihr immer schlechter ging, ihre Kraft floss geradezu aus ihr heraus und so hatte sie immer weniger Energie ihre eigenen Alpträume zu verdauen. Zu wenig Energie.
Sie brauchte Hilfe. Nur wollte sie niemanden darum bitten der es Vigalf sagen würde. Sie wollte ihn nicht damit belasten, sie DURFTE nicht. Gerade weil sie ihn liebte, konnte sie ihm das nicht antun.

Plötzlich entschlossen stand sie auf, und ging zu ihrer Truhe, ein Schwert und einen Dolch herausnehmend. Warme Kleider, um den Schnee und die Kälte abzuwehren. Eine Tasche mit Proviant, und die Hälfte ihrer Ersparnisse, hoffend dass das reichen würde.
Die Druiden im Süden waren in der Nordmark nicht allzu angesehen, einige von ihnen waren elfischer Herkunft. Aber wen sonst hätte sie bitten können? Sie kannte den Weg nach Bane, und erinnerte sich dass mal jemand ihr gesagt hatte wie sie zu den Druiden kam ohne durch die Stadt zu müssen.

Sorgfältig schloss sie die Borg hinter sich zu und verstaute ihre Schlüssel in der sicheren Truhe am anderen Ende der Zugbrücke.

Und dann... stapfte sie langsam los, die Hand auf ihrem leicht geschwollenen Bauch, über dem sich das Hemd leicht spannte. Früher war es doch immer so weich darüber geflossen...

Ihre Gestalt verschwand bald im Süden. Vigalf hatte sie nicht gesehen. Besser so.
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Leise schloss sich die Tür des Druidenhauses hinter ihr, und Rhia atmete unwillkürlich auf. Nie war sie krank gewesen, und die Untersuchung durch die Heilerin hatte sie mitgenommen, obwohl die Elfe sehr freundlich und einfühlsam gewesen war.
Ihre Schritte knirschten langsam über den Schnee, sie hielt sich an der Küste auf ihrem langen Weg nordwärts. Wie im Traum schritt sie aus, langsam aber beschwingt. Glück empfand sie, unbändige Freude, am liebsten hätte sie sie in alle Welt hinaus geschrieen. Aber sie versagte sich das. Sie musste vorsichtiger sein als sonst.
Sie würde den Klang von Auroras Stimme nie vergessen, als sie ihr das große Geheimnis mitteilte. In ihrem ganzen Leben nicht. Gleich, wie lange es währen mochte. Nie.
Ein Geheimnis in der Tat – außer ihr und Aurora wusste es niemand – und Aurora würde es nicht weitersagen.
Rhianna blieb stehen, verwundert über den Gang ihrer Gedanken, den Sturm der Gefühle in ihrem Herz, nie hatte sie gedacht dass man so empfinden könne. Ihre Ängste, Sorgen und Schmerzen waren wie weggeblasen, fort. In ihr wuchs ein neues Leben heran, wie eine zarte Knospe, ein neues, ungeahntes Leben.
Und doch hatte sie Angst, ja, sie zitterte ein wenig. Wie sollte sie ihrem Kind eine gute Mutter sein? Sie selber hatte nie eine Mutter gehabt, sie wusste nicht wie man ein Kind versorgt. Woher auch? Ihr Leben hatte stets daraus bestanden vor Verantwortung und Gefahren davonzulaufen statt sie anzunehmen. Konnte sie diesem Kind ein Zuhause bieten, das es verdiente, diesem kleinen unschuldigen Wesen, ihrem Kind, Vigalfs Kind? Gedankenverloren hatte sie die Hände über ihren Bauch gelegt, und lauschte in sich hinein. Sie nahm nichts wahr, keine Berührung oder dergleichen. Aber sie wusste dass es da war, trotzdem, sie spürte es so wie sie gespürt hatte dass sie Vigalf liebte, als es so weit war.

Was würde er sagen, was tun? Sicher nahm er ihr übel dass sie ihm nichts von ihren Ängsten erzählt hatte. Sie hätte es tun sollen, aber sie hatte nicht gekonnt.
Rhianna schüttelte den Kopf, und ging langsam weiter während ihre gemischten Gefühle in ihr weiterbrodelten.
Stunden später tauchte Bane vor ihr auf, gerade als es begann dunkel zu werden und sie sich Sorgen zu machen begann, wo sie die Nacht verbringen sollte. Borgate nickte ihr nur zu, als sie ins Fluffy Sheep trat, und wandte sich wieder seinen Krügen zu. Sie setzte sich in eine dunkle Ecke und dämmerte ein, wobei ihr schmerzlich bewusst war wie alleine sie sich fühlte ohne ihn neben sich, ohne die Wärme seines Körpers neben ihrem… Sie vermisste ihn.
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Zwei Tage später, in der Nordmark, wachte sie wieder auf. Sofort lächelte sie, ganz von alleine. Der gestrige Tag war einfach zu schön gewesen, auch wenn er weniger schön begonnen hatte, als sie aus der Taverne trat und sich zunächst übergeben musste, wie immer morgens. Man hatte gedacht sie habe zuviel getrunken… Und sie stehen lassen als sie beteuerte dem sei nicht so. Kein Frühstück, und nur ein wenig flüchtige Wärme am Lagerfeuer hatten ihr auch nicht eben gut getan. Aber dass Vigalf dort aufgetaucht war, aufgetaucht um sie zu suchen…
Rhianna strahlte wieder als sie an ihn dachte, und strich mit dem Finger über den Ring an ihrer Hand, den er ihr geschenkt hatte zu einer Zeit, als Harald noch lebte. Dann über den anderen Ring, den sie an einer feinen Lederschnur um den Hals trug weil er ihr zu groß war. Das war Glück.
Erschrocken sprang sie auf, und rannte mehr heraus als dass sie ging. Sich übergebend. Erbärmlich. Obwohl sie gestern nichts gegessen hatte würgte sie immer noch… bitteren, unangenehmen Schleim. Sie fühlte sich elend.
Aber ihr Herz schlug wieder schneller. Ihre Freude, Vigalfs Freude über dieses Kind, dieses Geschenk waren übermächtig. Über das Kind und noch über etwas anderes.
Sie konnte kaum fassen dass er sie gefragt hatte, sie wirklich gefragt hatte – und dass sie Ja gesagt hatte. Sie würde heiraten.
Heiraten, ein Wort, dass in ihrer Familie sicher nie eine große Rolle gespielt hatte bedachte man wer ihre Eltern gewesen sein mussten. Heiraten, wie eine ehrbare Frau. Eine Frau, die man als gleichwertig akzeptierte. Aber nicht diese Gleichwertigkeit ließ ihr Herz höher schlagen. Er liebte sie, und sie liebte ihn, und sie würden den Rest ihres Lebens miteinander verbringen, sie würden eine Familie haben, vielleicht ein kleines Haus. Sie würden glücklich sein. Zusammen. Rhianna stand leise auf und schlich sich zurück in den Schlafsaal, wo sie sich wieder neben den ruhig schlafenden Vigalf legte. Geborgenheit und Wärme umfingen sie, während sie dalag und darauf wartete, dass sie wieder einschlief.
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Beinahe zwei Jahre waren ins Land gegangen, und Rhiannas Gedanken waren andere, während sie neben ihrem schlafenden Ehemann lag.
Sie dachte an Ylvas erste Stehversuche, daran dass Harald einen Laut über die Lippen gebracht hatte der schon beinahe nach einem Wort klang. Sie dachte darüber nach, dass sie am nächsten Morgen Wäsche waschen musste, weil die Windeln wieder mal zur Neige gingen, und dass die Kinder schon wieder grössere Kleidung brauchten.

Aber diese Gedanken über die kleinen Sorgen des Alltags wurden von einer grösseren Bedrohung überschattet, von Troll's Banes neuer Politik. Sie verstand leider nicht sehr viel von solcherlei Händel, und ganz sicher verstand sie nicht jedes Wort das Cromwell oder Henneghan in ihren Anschlägen verwendeten. Wohl aber verstand sie den Sinn dahinter. Sie bauten die Stadt in einen strafferen Staat um, eine längst fällige Maßnahme, die sie stärken und gegen äußere Bedrohung wappnen würde. Auch würden so die inneren Sorgen der Stadt, die Kriminalität und die häufige Gewalt, abnehmen.

Doch für sie, eine Nordmarkerin, waren diese Reformen voller Gefahr. Viel zu sehr klangen sie nach albarischen Ansichten. Viel zu sehr nach der Unterdrückung von Nichtbürgern, und der Erhebung von Schutzzöllen. Vor allem klangen sie in ihren Augen wie Machthunger, und der Eifer, die Insel bestmöglich zu kontrollieren.
Die Geplänkel Banes ließen sie dieses Mal keineswegs kalt. Wenn die Stadt den feinen Herren nicht mehr reichte, würden sie sich weiter ausbreiten, und die Nordmark wurde schwächer. Trotzdem Tanora, Malachin und Irmorom auf Seiten der Norodaj und ihrer Verbündeten waren, mit einer Armee konnten sie es nicht aufnehmen. Die Borg würde sie schützen, aber das Dorf war den Feinden schutzlos ausgeliefert, und um Magier zurückzuschlagen, dazu fehlte es ihnen an Mannesstärke.

Rhianna seufzte, und sah zu Vigalf hinüber, ein trauriges Lächeln auf ihren Zügen, während sie ihn beim Schlafen betrachtete. Wie friedlich er dort lag, und doch hatte er noch vor wenigen Stunden mit Dariya über die Bedrohung durch die Baner diskutiert. Er war beides, er war Familienvater und Krieger.
Und um den Krieger fürchtete sie.

Zum zweiten Mal in zwei Nächten musste sie sich eilig erheben, und das Langhaus verlassen, die Knie weich und zittrig. Eine Hand presste sie vor den Mund, als sie hinauswankte, sich draussen auf die Knie sinken ließ und sich übergab.
Als es vorüber war, stand sie auf, wankte zum Brunnen und besprengte ihr Gesicht mit eisigem Wasser. Sie musste der Tatsache ins Auge sehen: Ihre Blutung blieb nicht ohne Grund zum dritten Mal aus...

Ein Kind. Wie eine Ohrfeige traf sie die Erkenntnis, und in ihre unbändige Freude mischte sich sofort Angst. Ein Kind in diese Welt zu gebären... gerade jetzt ihre Bewegungsfreiheit, ihre Unabhängigkeit einzubüßen... jetzt, da Ylva und Harald endlich alt genug wurden, um sie notfalls bei Katarine zu lassen...

Der Zeitpunkt war völlig falsch. Dennoch war das Gefühl wundervoll.
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Es war ruhig gewesen. Den ganzen Tag schon. Kein einziges Tier des Waldes meldete sich. Weder die Gnolle im Herzwald, noch die Wölfe im Nordwald. Selbst Vögel flogen kaum. Vigalf ahnte was im Gange war.
Sie hatten die Halblinge aus Briar erwartet. Doch diese kamen nicht. Auch Wilf, der losgegangen war um den Halblingen entgegenzulaufen, war nicht zurückgekehrt.
Gerüstet stand Vigalf am Burggraben. An seinem Gürtel hingen seine 2 Schwerter, in Schrägscheiden am Rücken seine Äxte und darüber hing sein Schild. Die letzten Monate waren gefährlich gewesen. Immer wieder waren vereinzelte Eindringlinge in der Mark gewesen. Die Schädelpfosten an den Grenzen der Mark zeigten was mit Angreifern geschah. Doch das hier war kein Einzelner. Auch keine kleine Gruppe. Irgendwo im Nordwald versteckte sich ein kleines Heer.
Und mit einem Mal kam es zum Vorschein. Eine breite Mauer aus Wallschilden, die Krieger dahinter versteckend, schob sich aus dem Nordwald in Richtung Borg. Ein leises Knarzen war zu hören, dann schoßen hinter dem Schildwall eine Wolke Pfeile empor. Vigalf riss sich seinen Schild vom Rücken und rief noch "DECKUNG!", da waren die Pfeile bereits angekommen. Die Schmerzensschreie einiger Krieger ließen Vigalf heftig schlucken. Sie waren überrascht worden und der Erstschlag war ein Volltreffer. Kaum war die erste Salve am Boden, war bereits die zweite unterwegs. Unter seinem Schild halbwegs gedeckt rannte Vigalf zum Langhaus. Er riss die Tür auf und stürmte hinein. Verängstigt drängten sich die Überlebenden in die Ecken des Gebäudes, hilflos nach Schutz suchend. Gerade wollte ein Krieger ins Langhaus stürmen, als ihn die zweite Salve gnadenlos niedermähte. Heftig atmend sah Vigalf zu wie der junge Krieger langsam verblutete, dabei immer wieder krampfhaft zuckte, bis er endlich liegenblieb.
Die nächste Salve kam nicht. Als nach einigen Augenblicken keine neuen Pfeile vom Himmel regneten, verließ Vigalf vorsichtig das Langhaus. Als er über die Hecke spähte, da sah hinter dem Schildwall Rauch aufsteigen. Er wurde blass als er realisierte dass das kein normaler Angriff war um die Mark zu erobern. Es war ein Angriff sie zu vernichten. Einige Male hatte Vigalf solche Angriffe miterlebt. Doch dieses Mal stand er auf der Seite der Verteidiger. Und er war machtlos. Betend fiel er auf die Knie und flehte die Götte rum Gnade für seinen Clan an, als die Feuerwolke sich auf die Borg ergoss und alles und jeden in Brand setzte.


Als er aufwachte brauchte er einige Augenblicke um zu merken, dass er nicht mehr atmete. Mit einem tiefen Luftzug drang kühle Luft in seine Lungen. Der Schweiß bildete einen kalten Film auf seinem Gesicht, das Blut schien seinen Körper verlassen zu haben.
Ruhelos lies er seinen Blick durch den ruhigen Schlafsaal gleiten.
Leise betete er zu den Göttern, dass sie seinen Clan beschützen würden...
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Rhianna Morgan
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Rhianna fühlte die Müdigkeit gleich einem schweren Stein in ihrem Bauch als sie endlich die Brücke passierte, durchs Torhaus ging und nach sorgfältigem Abschließen hinüber ins Langhaus stapfte. Das Rennen war für ihren noch strapazierten Körper wohl doch anstrengender gewesen als sie befürchtet hätte. Sie, die flinkste wenn sie in Form war, nur von Nordaja geschlagen, war langsamer gelaufen als selbst Halbling, Zwerg, und Ritter. Wenn sie nur der Mensch übertroffen hätte, hätte sie wohl damit leben können. So aber schämte sie sich, denn die Beine ihrer Gegner – derer die letztlich gewonnen hatten! – waren kürzer als ihre, und sicher nicht so geübt im Rennen.
Die Tür öffnete sich, und sie entkam endlich der Kälte und dem Schnee, den sie durch Aufstampfen von den Stiefeln schüttelte. Alle Marker lagen bereits unter ihren angestammten Fellen, selbst die Kinder. Ansonsten herrschte das Chaos, so wie sie es befürchtet hatte. Die Mädel s und sie hatten einen harten Aufräumtag vor sich morgen.

Seufzend zerrte sie sich die klammen Stiefel von der feuchten Hose, schälte sich auch aus diesem Kleidungsstück, und schlüpfte aus dem weiten Wollkleid das sie mit einem Gürtel befestigt tunikaähnlich darüber getragen hatte. Unbekleidet schlüpfte sie zu ihrem Gatten, dem Jarl, unter die Felle, und schnurrte in Anbetracht der dort vorherrschenden Wärme beinahe auf. Nur um festzustellen dass ihr Mann nicht tief schlief, sondern ungeduldig auf sie gewartet hatte. Auf die knappe Frage „Silberbrand?“ schüttelte sie nur traurig den Kopf, was ihm ein leises, aber nicht allzu betroffenes Knurren entlockte. Und dann beschäftigten sie sich mit wirklich wichtigeren Diskussionsthemen…
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Rhianna Morgan
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Sommer in den Bäumen, und Vögel in der Luft. Rhianna genoss die Wärme aus vollen Zügen, während sie ihren Weg in Richtung Heimat durch die Wildnis bahnte. Greenbriar hatte sie mit offenen Armen empfangen, doch nun zog es sie wieder in den Norden, zu ihren Kindern, die schon sehnsüchtig auf sei warten mussten. Ragnar auf ihrer Hüfte und den prallen Bauch vor sich hertragend, so kam sie eher langsam voran, aber das machte nichts. Sie hatte den ganzen Tag Zeit, und nun, da sie sich der Südgrenze näherte, war es erst später Nachmittag. Bis die Sonne unterginge würden noch Stunden vergehen.
Ragnar lachte und zeigte auf einige Hasen, und um ihm die Freude zu machen, näherte Rhianna sich ihnen so leise es ihr möglich war. Dann ging sie in die Hocke und die beiden Marker, einer kaum eineinhalb Jahre, seine Mutter in ihren frühen Zwanzigern, beobachteten die possierlichen Tiere wie sie umeinander hoppelten, ohne Scheu oder Sorgen.
Schließlich küsste sie ihren Sohn auf die Stirn, und richtete sich auf, ihren fünfmonatigen Bauch mit der Hand abstützend. Zur Grenze war es nicht mehr weit.

Elfenköpfe auf Stäben – nach nun beinah zwei Jahren gruselte sie der Anblick noch immer. Zwar waren die Gesichter längst unkenntlich, und die Verwesung und das Getier der Wildnis hatten ein übriges getan, um hier nur Totenschädel übrigzulassen. Doch sie konnte den Blick…
Und da sah sie es. Das Gesicht der Elfe, so makellos schön wie an dem Tag ihres Todes, und ihre kalten Augen – noch ebenso starr und kalt wie damals. Und da verzog sich der Mund zu einem grausamen Lächeln. Der Stab wurde zu Rauch, breitete sich aus, und vor der Markerin stand nicht länger ein Pfosten. Die Elfenmagierin breitete die Arme in der weiten Robe aus wie Flügel, als heiße sie sie willkommen, doch dann richteten sich ihre Finger wieder auf Rhiannas Bauch, so wie sie es damals schon getan hatten, krümmten sich zu einer obskuren Geste, und sie flüsterte das Wort in einer fremden, arkanen Sprache.
Der Schmerz kam so unerwartet wie das letzte Mal und ebenso schockierend. Als würde ihr Ungeborenes aus ihr herausgepresst und ihr Unterleib entzwei gerissen. Dieses Mal jedoch endete die Qual nicht, während sie sich krümmend auf den Boden sackte, ihre Sohn halb hinter sich schiebend in der Hoffnung die Elfenmagierin würde wenigstens ihn verschonen, würde zulassen dass er bei ihrer Leiche blieb und auf seinen Vater wartete… oder auf die Wölfe…
Ihr Schrei fuhr ihr selber durch Mark und Bein, und entsetzt gewahrte sie wie das helle Leinenkleid auf der Höhe ihres Schoßes dunkel von Blut wurde, während Krämpfe sie brutal schüttelten.


Und nun endlich wachte sie auf. Marker hatten sich überall aufgesetzt und Wulfgar hing besorgt über ihren Oberkörper und quietschte in ihr Ohr irgendeinen nordischen Satz den er von Olaf aufgeschnappt haben musste, oder auch von Wilf… Sie konnte sich gerade nicht darauf konzentrieren. Ihr Mann hockte ebenso besorgt neben ihr, wie Nordaja die hinzugeeilt war. Rhianna schenkte keinem von ihnen einen Blick. Sie schlug die Felldecke über ihrem flachen Bauch zurück. Blut nässte das Stroh zwischen ihren Beinen. Und es war nicht die Zeit ihrer Regel…
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Kranek
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Zufrieden genoss Vigalf die Wärme der Haut seiner einzigen Frau. Nach den letzten Monaten in denen Rhianna wegen ihrer Schwangerschaft sein Bett nicht mehr teilen konnte freute er sich besonders über ihre Nähe. Endlich hatte er wieder seine innere Ruhe die er verlor während seine Frau zu einer Schönheit reifte...und ihm dennoch versagt blieb.
Diese innere Ruhe, fast schon Glückseligkeit, wurde jäh unterbrochen als sich ihr Körper aufrichtet und ein Schrei aus ihrer Kehle drang. Verwirrt, ziellos blickten ihre Augen in den kalten Schlafsaal in dem sich auch die anderen Marker alarmiert regten. Erst nach einigen Sekunden, die Stunden glichen, klärte sich ihr Blick. Hektisch, fast panisch schlug sie ihre Bettdecke zur Seite, ungeachtet der Kälte. Als ob sie ahnte was sie erwarten würde. Dennoch...wirkte sie geschockt. Vigalf kannte sich nicht sonderlich gut aus, doch er wusste...dieses Blut kam als es nicht kommen sollte.
Ernst blickte seiner Frau ins Gesicht. Von seinen Lippen kam etwas, das durch seine Seltenheit wichtiger war als so manches. Leise betete Vigalf zu Tanora...




Seit dem Morgen war Rhianna am arbeiten. Trotz besorgter Blicke, heftiger Reden und verzweifeltem Flehen. Weder gönnte sie sich eine Pause, noch beachtete sie die Blutung. Besorgt musterte Vigalf das blasse, fast blutarme Gesicht seiner Frau. Mit jeder Minute, jeder Stunde die verging, machte er sich mehr Sorgen. Als die Sonne am höchsten Stand und ihr kaltes Licht auf dem Schnee spiegelte stand Vigalf auf, packte seine Sachen, griff sich das schärfste Beil der Mark und verließ die Borg. Mit grimmigem Gesicht, bereit sich durch alles zu schlagen dass sich ihm in den Weg stellen sollte, betrat der den Nordwald. Und marschierte in Richtung des Hauses, das er als Druidenhaus kennen gelernt hatte...
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Kranek
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Die Krieger und Jäger des Clans schliefen im Gästehaus. Und selbst wenn sie in der Borg arbeiteten hielten sie sich vom Langhaus fern.
Der Jarl hatte jeden weggeschickt der noch nicht infiziert war. Als einziger Gesunder hielt er sich am Langhaus auf, half seiner erkrankten Frau die Kinder und die anderen Erkrankten zu pflegen.
Immer wenn es etwas still war und der Husten abebbte ging Vigalf zur Eiche und betete. Doch heute konnte er seine Gedanken nicht auf das Gebet konzentrieren. Mit leeren Augen blickte er zu dem verbrannten Gras. An dieser Stelle hat er seinen Sohn vor 2 Tagen den Flammen übergeben.
Still, fast apathisch richtete er sich auf, ging zum Langhaus zurück, zu seinen Leuten, seiner Familie...und der Krankheit die dabei war die Marker hinzuraffen...

Er sah die dunkle Decke des Langhauses als er die Augen aufschlug, in die Dunkelheit horchend. Sein Körper war nass vom Schweiß, sein Gesicht blutleer. Als er ein leises Husten aus der Ecke der Kinder hörte sprang er fast vom Fell auf, nur um fast augenblicklich wegzuknicken...
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