
"Ich habe mal einen Traum geträumt,
doch man hat mich aufgeweckt."
1. Mutig, kampferfahren und loyal
Dort lag er also vor ihm, der besagte Wald. Seine Augen starrten, sich leicht bewegend, nur selten blinzelte er. Sein Blick schweifte langsam am Rand des Waldes entlang. Er sah weite Wiesen und Felder, bevor der Wald mit seiner dichten und dunklen Barriere aus Stämmen, Ästen und Blättern begann. Nur wenige Hügel erhoben sich zuweilen aus dem hohen Gras. Er selbst stand auf so einem Hügel, seine Augen suchten den Waldrand nach einem bestimmten Punkt ab. 'Wo könnten sie hinein und hinaus gehen?' , dachte er sich. Er kniff die Augen zusammen. An einigen Stellen war der Rand des Waldes lichter, nicht so dicht und dunkel,
doch nur an einer dieser Stellen war das hohe Gras niedergetrampelt.
<<Sie sind erst vor kurzem hineingegangen.>>
Flüsterte er grinsend vor sich hin.
<<Die Nacht ist noch nicht lange vorüber.>>
Mit der Gewissheit, die Lösung für sein Problem gefunden zu haben und mit dem Gefühl von Triumph trat er wieder von dem Hügel herunter. An der zum Wald hin abgewandten Seite warteten seine Männer. Ein Dutzend Reiterlegionäre, drei von ihnen geübt im Umgang mit dem Bogen. Als er von dem Hügel zurückkam, stieg einer der Reiter ab und trat auf ihn zu.
<<Ihr seid zurück, Primus. Konntet ihr etwas erspähen?>>
Der Soldat stellte seine Frage mit Würde und Ehrfurcht, er trug eine salkamaerische Rüstung von guter Qualität, wie es für die Reiterlegionäre üblich war. Am Gurt hing ein Spatha, ein Schwert mit einer langen und etwa handbreiten Klinge, wie es bei den berittenen Truppen Salkamars üblich war.
<<Ja, ich habe etwas gesehen, Caleius. Ich denke, die Banditen, die seit einiger Zeit diesen Landstrich in Aufruhr versetzen, verstecken sich bei Tag in dem naheliegenden Waldstück. Wir werden ihnen heute Nacht eine Falle stellen.>>
Kam die Antwort ruhig und doch bestimmt zurück.
<<Aber Primus..>>
Zögerte Caleius.
<<Der Morgen graut doch gerade erst, wir werden den ganzen Tag hier versteckt ausharren müssen.>>
Der Primus warf dem Soldaten einen ernsten Blick zu und antwortete knapp.
<<Dann warten wir.>>
Caleius zögerte erneut. Er überlegte sich, ob er wirklich noch weiter sprechen sollte, doch die Sehnsucht nach der Heimat zwang ihn dazu.
<<Wir sind jetzt lange im Dienste der Armee unterwegs gewesen, Primus. Wir befinden uns auf dem Weg nach Hause, eure Männer...>>
Er wurde von einem scharfen Blick des Primus erneut unterbrochen. Caleius stoppte. Kurz darauf lächelte sein Befehlshaber und antwortete ruhig.
<<Meine Männer sind mutig, kampferfahren und loyal. Du sagst, du willst zurück nach Hause? Zurück zu deiner Familie? Du wirst sie lebendig vorfinden wollen, und nicht von Banditen ermordet, nehme ich an?>>
Caleius nickte stumm, den Kopf etwas senkend.
<<Auch die Männer der Frauen und Kinder, die hier jede Nacht von raubenden Banditen bedroht werden, wollen ein Mal heimkehren und ihre Familie lebend vorfinden. Wir weden dafür sorgen, dass es so geschieht, so wie man es für uns tun würde.>>
Caleius nickte. Der Primus lächelte, ging an ihm vorüber zu den anderen Männern und legte ihm dabei noch eine Hand auf die Schulter.
<<Dies ist Salkamar, mein Freund, und wir sind die Legion. Wir sind das Bollwerk, dass die Ungerechtigkeit von den Gerechten fern hält.>>
Caleius war immer fasziniert von seinem Befehlshaber gewesen, er hatte selten einen Mann getroffen, der so überzeugt von der Mission und Tugend der Armee Salkamars gewesen war. Er lebte für die Ideale der Legionen, und er würde für sie sterben. Caleius war sich nicht sicher, ob er selbst einen ebenso festen Glauben hatte, aber jedes Mal, wenn er mit dem Primus geredet hatte, ließ ihn das neuen Mut schöpfen. Sie würde auf die Nacht warten und sie würden diesen Landstrich von den Banditen befreien.




