Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
Posted: Tue Aug 25, 2026 9:15 pm
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Teil 1 --- Der Brief
Der Regen hatte bereits vor Sonnenaufgang eingesetzt und lag seit Stunden wie ein feiner Schleier über dem Land. Er war nicht stark genug, um die Wege in Schlamm zu verwandeln, doch beständig genug, um jedes Blatt, jeden Stein und jeden hölzernen Balken mit einem dünnen Film aus Wasser zu überziehen. Von den Ästen der alten Bäume tropfte es in regelmäßigen Abständen herab, während sich zwischen den niedrigen Hügeln und den weitläufigen Wiesen ein dichter, grauer Nebel hielt. Die Landschaft lag still unter dem bedeckten Himmel. Nur hin und wieder war das ferne Rufen eines Vogels zu hören oder das leise Plätschern eines Baches, dessen Wasser nach den vergangenen Regentagen deutlich schneller floss als gewöhnlich.
Die Gegend lag weit abseits der größeren Städte und Handelswege. Wer hier unterwegs war, tat dies selten ohne einen guten Grund. Die nächste größere Siedlung befand sich mehrere Stunden entfernt, und selbst dort gab es wenig, was einen Reisenden lange halten konnte. Einige Bauernhöfe und kleine Ansiedlungen lagen verstreut zwischen den Feldern, verbunden durch alte Wege, die sich durch Wälder und über offene Wiesen zogen. Händler kamen gelegentlich vorbei, ebenso Reisende, die auf ihrem Weg in entlegenere Gegenden waren, doch für gewöhnlich blieb die Landschaft sich selbst überlassen. Es war eine jener Gegenden, die man durchquerte, ohne sich ihren Namen zu merken.
Auf einem sanften Hügel, etwas abseits der Straße, stand ein einzelnes Haus. Es war nicht besonders groß und hätte sich zwischen den zahlreichen Gebäuden größerer Städte vermutlich kaum hervorgetan, doch hier, inmitten der weitläufigen Landschaft, wirkte es beinahe wie ein bewusst gesetzter Ruhepunkt. Das Fundament bestand aus hellem, grob behauenem Stein, auf dem sich ein zweigeschossiges Gebäude aus dunklem Holz erhob. Die Balken waren sichtbar und teilten die Fassade in regelmäßige Felder, während das steile Dach weit über die Außenwände ragte und einen Teil der oberen Fenster vor dem Regen schützte. Das Holz war nicht neu, doch offensichtlich gut gepflegt. An manchen Stellen hatte die Witterung die Oberfläche über die Jahre aufgehellt, ohne dass irgendwo Fäulnis oder Verfall zu erkennen gewesen wäre.
Vor dem Haus führte ein schmaler, gepflasterter Weg von der Straße bis zur Eingangstür. Zwischen den Steinen wuchs vereinzelt Moos, doch auch dieses wurde offenbar regelmäßig zurückgeschnitten. Neben der Tür hing eine einfache eiserne Laterne, deren Flamme selbst im feuchten Morgenlicht ruhig brannte. Es gab kein Schild, kein Wappen und keinen Namen, der einem Besucher verraten hätte, wer hier lebte. Die Fenster waren hoch und schmal, ihre Rahmen dunkel gestrichen und ebenso schlicht gehalten wie der Rest des Gebäudes. Hinter dem Haus befand sich ein kleiner Garten, der sich deutlich von der wilden Landschaft ringsum unterschied. Kräuter wuchsen in sorgfältig angelegten Beeten, einige Pflanzen standen in sauber gezogenen Reihen, während andere etwas abseits an der Hauswand wuchsen. Nichts davon wirkte zufällig. Selbst dort, wo die Natur scheinbar frei wachsen durfte, hatte jemand entschieden, wo sie ihren Platz bekam.
Das Innere des Hauses war ebenso zurückhaltend wie seine äußere Erscheinung. Dunkles Holz dominierte die Räume, während schwere Stoffe die Fenster teilweise bedeckten und das einfallende Licht dämpften. Im Erdgeschoss befanden sich eine kleine Küche, ein schlicht eingerichteter Aufenthaltsraum und ein Arbeitszimmer. Die Möbel waren von guter Qualität, aber frei von unnötigem Prunk. Ein großer Tisch stand nahe einem der Fenster, daneben mehrere Stühle und ein hohes Regal, dessen Fächer mit Büchern gefüllt waren. Weitere Bücher befanden sich in beinahe jedem Raum des Hauses. Manche standen ordentlich nebeneinander, andere lagen auf kleinen Stapeln auf Tischen oder Fensterbänken. Einige Einbände waren alt und an den Kanten deutlich abgenutzt, während andere wesentlich neuer wirkten. Es war nicht die Sammlung eines Menschen, der Bücher nur zur Zierde besaß. Die meisten davon waren offensichtlich gelesen worden.
Auf dem großen Tisch lagen mehrere Pergamente, einige davon beschrieben, andere noch vollkommen leer. Ein Tintenfass stand neben einer Feder, deren Spitze sorgfältig gereinigt worden war. Daneben befand sich ein kleines Messer zum Schneiden der Federkiele. Alles hatte seinen Platz, und selbst die Gegenstände, die gerade nicht benutzt wurden, schienen bewusst so abgelegt worden zu sein, dass sie jederzeit wiedergefunden werden konnten.
Im Obergeschoss war es noch ruhiger. Ein Schlafzimmer und ein größeres Arbeitszimmer nahmen beinahe die gesamte Fläche ein. Das Arbeitszimmer wurde von einem hohen Bücherregal beherrscht, das sich über eine komplette Wand erstreckte. Die oberen Fächer waren nur mit einer kleinen hölzernen Trittleiter erreichbar, die an der Seite des Regals lehnte. Vor dem größten Fenster stand ein schwerer Schreibtisch, dessen Oberfläche nur wenig freie Fläche bot. Mehrere Bücher lagen geöffnet darauf, einige Pergamente waren mit feinen Notizen versehen und ein kleines, geschlossenes Kästchen stand neben einer brennenden Kerze.
Andokai saß dort und las.
Seine Erscheinung hob sich deutlich von der dunklen Einrichtung des Raumes ab. Das lange, weiße Haar fiel über seine Schultern und lag teilweise auf der dunklen Robe, die seinen Körper beinahe vollständig bedeckte. Der hohe Kragen seines Gewandes lag eng an seinem Hals an, während mehrere dunkle Stofflagen übereinanderfielen und unter der langen äußeren Robe verschwanden. Die Ärmel waren weit geschnitten und ließen seine Bewegungen beinahe vollständig darin verschwinden. Schwarze Handschuhe bedeckten seine Hände, deren Bewegungen ruhig und präzise waren, während er eine Seite nach der anderen umblätterte.
Sein Gesicht zeigte dabei kaum eine Regung. Die dunklen Augen wanderten langsam über die Zeilen, während draußen der Regen gegen das Glas schlug. Seit einiger Zeit hatte sich an seiner Haltung nichts verändert. Nur das gelegentliche Umblättern und das leise Knacken der Kerze durchbrachen die Stille des Raumes.
Dann war ein anderes Geräusch zu hören.
Ein kurzes Flattern vor dem Fenster, gefolgt von einem leisen Kratzen auf dem hölzernen Sims.
Andokai hob den Blick.
Auf dem äußeren Fenstersims saß ein kleiner Vogel, dessen Gefieder vom Regen leicht durchnässt war. An einem seiner Beine war ein schmales Stück Pergament befestigt. Der Elf betrachtete das Tier einen Augenblick, bevor er das Buch vor sich langsam schloss und sich erhob.
Seine Bewegungen waren ruhig und ohne Hast. Er trat zum Fenster, öffnete es und ließ die kalte, feuchte Morgenluft in den Raum. Der Vogel wich nicht zurück. Andokai löste das Pergament vorsichtig von seinem Bein und ließ das Tier anschließend davonfliegen. Einen Moment lang blieb er am geöffneten Fenster stehen und beobachtete, wie der Vogel zwischen den nassen Baumkronen verschwand. Erst dann schloss er das Fenster wieder.
Das Pergament war mit einer einfachen Schnur zusammengebunden. Es trug kein auffälliges Siegel und kein Wappen, das ihm auf den ersten Blick bekannt gewesen wäre. Auch die Handschrift auf der Außenseite gab keinen Hinweis auf den Absender. Andokai betrachtete die Nachricht einige Sekunden, bevor er die Schnur löste und das Pergament auseinanderfaltete.
Die Nachricht war kurz und präzise gehalten. Eine Einladung, verbunden mit der Bitte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort einzufinden. Kein langer Gruß, keine ausführliche Erklärung und keine Begründung dafür, weshalb gerade er eingeladen worden war. Der genannte Ort sagte ihm nichts. Ebenso wenig verriet die Nachricht, was ihn dort erwarten würde. Der Name des Absenders fehlte vollständig.
Andokai las die Zeilen einmal, faltete das Pergament jedoch nicht sofort zusammen. Stattdessen blieb sein Blick einige Augenblicke auf der letzten Zeile ruhen, bevor er die Nachricht erneut von Anfang an las. Erst beim dritten Durchgang schien er für sich zu einem Entschluss gekommen zu sein. Er faltete das Pergament sorgfältig zusammen und steckte es in eine Innentasche seiner Robe.
Danach blieb er noch einen Moment am Fenster stehen.
Der Regen war inzwischen schwächer geworden. Zwischen den Wolken zeigte sich ein heller Streifen am Horizont, und der Nebel begann sich langsam aus den Senken zurückzuziehen. Die ersten Sonnenstrahlen waren noch weit entfernt, doch das Land wirkte bereits weniger dunkel als zuvor. Auf der Straße bewegte sich ein einzelner Reisender, eingehüllt in einen schweren Umhang. Er ging langsam und verschwand schließlich hinter einer Gruppe alter Bäume.
Andokai wandte sich vom Fenster ab.
Er verließ das Arbeitszimmer und ging die Treppe hinunter. Im Eingangsbereich blieb er vor einem schmalen Schrank stehen. Die Tür öffnete sich beinahe lautlos. Darin lagen nur wenige Dinge, die er für eine Reise benötigen konnte: ein dunkler Reiseumhang, zusätzliche Handschuhe, einige leere Pergamente, ein kleiner Beutel und ein paar andere Gegenstände, deren Zweck sich nicht unmittelbar erschloss. Andokai nahm den Umhang heraus und legte ihn über seine Schultern. Der schwere Stoff fiel beinahe bis zu seinen Knöcheln und schützte einen Großteil seiner Robe vor dem Wetter.
Anschließend griff er nach seinem Gehstock.
Das schwarze Holz lag ruhig in seiner Hand. Über den Schaft zogen sich die feinen Runen, deren dunkle Linien sich zwischen den eingelassenen Edelsteinen verloren. Im schwachen Licht der Eingangslampe schimmerte einer der Steine kurz auf, und für einen kaum wahrnehmbaren Moment schien sich ein feines Leuchten durch eine der Runen zu ziehen. Dann war der Effekt verschwunden.
Andokai richtete den Stoff seines Umhangs und öffnete die Haustür.
Die Luft draußen war kühl und roch nach nasser Erde und feuchtem Holz. Der Regen hatte fast vollständig aufgehört. Auf dem gepflasterten Weg standen kleine Pfützen, in denen sich die graue Wolkendecke spiegelte. Von den Ästen tropfte weiterhin Wasser, und aus der Ferne war das Rauschen eines Baches zu hören.
Er trat hinaus und schloss die Tür hinter sich.
Für einen Augenblick stand er still auf dem Weg und blickte über die Landschaft. Das Haus lag hinter ihm ruhig und beinahe unscheinbar auf dem Hügel. Von hier aus konnte man erkennen, wie weit die Gegend tatsächlich war. Keine hohen Türme, keine Mauern und keine größeren Gebäude unterbrachen die Landschaft. Nur Felder, Wälder, Hügel und die schmale Straße, die sich wie eine dunkle Linie durch das Land zog.
Andokai setzte sich in Bewegung.
Der Gehstock berührte bei jedem Schritt leise den nassen Stein. Sein langer Umhang bewegte sich leicht im Wind, während das weiße Haar über seine Schultern fiel. Er ging nicht besonders schnell. Es gab keinen Grund dazu.
Die Einladung befand sich sicher in seiner Robe.
Er hatte einen Ort zu erreichen.
Doch bevor er dorthin aufbrechen konnte, würde er eine Gruppe benötigen.
Eine Reise allein wäre möglich gewesen, doch darum ging es nicht. Die Nachricht hatte ihn an einen Ort gerufen, dessen Entfernung, Umgebung und mögliche Gefahren ihm unbekannt waren. Es war daher sinnvoller, sich nicht allein auf den Weg zu machen. Er würde Personen benötigen, die ihn begleiten konnten, die im Notfall mit einer Waffe umgehen konnten und die nicht bei der ersten Schwierigkeit die Reise abbrechen würden.
Vor allem aber würde er jemanden benötigen, der bereit war, einen Auftrag anzunehmen, ohne sofort auf jede Frage eine Antwort zu verlangen.
Wo er solche Personen finden würde, wusste Andokai noch nicht.
Vielleicht in der nächsten größeren Siedlung.
Vielleicht in einer Schenke an der Straße.
Vielleicht bei einer Gruppe von Reisenden, die gerade selbst nach Arbeit suchte.
Vielleicht würde sich die Gelegenheit vollkommen anders ergeben.
Er hatte keinen Grund, dies jetzt zu entscheiden.
Die Straße führte vom Hügel hinunter und verschwand nach einigen hundert Schritten zwischen den Bäumen. Der Boden war vom Regen weich geworden, und an den Seiten sammelte sich Wasser in kleinen Vertiefungen. Andokai folgte dem Weg, während hinter ihm das Haus immer kleiner wurde.
Die Landschaft veränderte sich nur langsam. Aus den offenen Feldern wurden schmalere Wiesen, dann dichter stehende Baumgruppen. Zwischen den Stämmen lag feuchtes Laub, und das wenige Licht, das durch die Wolken drang, wurde vom Blätterdach gebrochen. Hier war kaum noch etwas von der Straße zu hören.
Andokai ging weiter.
Er wusste nicht, wer die Einladung geschickt hatte.
Er wusste nicht, weshalb man ihn ausgewählt hatte.
Er wusste nicht, wohin die Reise führen würde.
Und er wusste nicht, was ihn an ihrem Ende erwartete.
Doch eines wusste er.
Er würde nicht allein dorthin gehen.
Noch bevor der Tag seinen Mittag erreichte, musste er jemanden finden, der bereit war, ihn zu begleiten.
Und so begann seine Reise nicht mit einem großen Aufbruch, keinem bekannten Ziel und keiner klaren Antwort auf die Frage, was ihn erwartete.
Sie begann mit einem Stück Pergament, das in der Innentasche seiner dunklen Robe verborgen lag, während ein hochgewachsener Elf mit weißem Haar und schwarzem Gehstock eine unbekannte Straße entlangging.
Vor ihm lag ein weiter Weg.
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Part 1 - The Letter
The rain had begun before sunrise and had lingered over the land for hours, falling as a fine, steady veil. It was not heavy enough to turn the roads into mud, yet persistent enough to cover every leaf, stone, and wooden beam with a thin sheen of water. Droplets fell from the branches of the old trees at regular intervals, while a thick grey mist lingered between the low hills and the sprawling meadows. The landscape lay quiet beneath the overcast sky. Every now and then, the distant call of a bird could be heard, or the soft murmur of a stream whose waters had swollen considerably after the days of rain.
The region lay far from the larger cities and well-traveled roads. Those who traveled through these lands rarely did so without good reason. The nearest sizable settlement was several hours away, and even there, there was little to keep a traveler for long. A handful of farms and small settlements were scattered among the fields, connected by old roads winding through forests and across open meadows. Merchants passed through from time to time, as did travelers bound for more remote regions, but for the most part, the countryside was left to itself. It was one of those places one passed through without ever bothering to remember its name.
Upon a gentle hill, somewhat removed from the road, stood a solitary house. It was not particularly large, and in one of the great cities it would likely have attracted little attention. Here, however, surrounded by the open countryside, it seemed almost like a deliberate point of stillness. Its foundation was built from pale, roughly hewn stone, upon which a two-story structure of dark timber had been raised. The wooden beams remained visible, dividing the facade into regular sections, while the steep roof extended well beyond the walls and sheltered parts of the upper windows from the rain. The timber was old, but clearly well maintained. In places, the weather had lightened its surface over the years, yet nowhere could rot or decay be seen.
A narrow paved path led from the road to the front door. Moss grew sporadically between the stones, though even that appeared to be trimmed regularly. Beside the door hung a simple iron lantern, its flame burning steadily despite the damp morning air. There was no sign, no crest, and no name to tell a visitor who lived there. The windows were tall and narrow, their frames painted dark and kept just as simple as the rest of the building. Behind the house lay a small garden, noticeably different from the wild landscape surrounding it. Herbs grew in carefully arranged beds, some plants standing in neat rows while others grew somewhat apart along the walls of the house. Nothing appeared accidental. Even where nature had been allowed to grow freely, someone had clearly decided where it was meant to belong.
The interior of the house was just as restrained as its exterior. Dark wood dominated the rooms, while heavy fabrics partially covered the windows and softened the light that entered. The ground floor consisted of a small kitchen, a simply furnished sitting room, and a study. The furniture was of good quality but entirely free of unnecessary ornamentation. A large table stood near one of the windows, surrounded by several chairs and a tall bookcase whose shelves were filled with books. More books could be found in almost every room of the house. Some stood neatly beside one another, while others rested in small stacks on tables or windowsills. Some bindings were old and visibly worn at the edges, while others appeared considerably newer. It was not the collection of someone who owned books merely for decoration. Most of them had clearly been read.
Several pieces of parchment lay across the large table, some covered in writing while others remained completely blank. An inkpot stood beside a quill whose tip had been carefully cleaned. A small knife for trimming quills lay next to it. Everything had its place, and even those objects that were not currently in use seemed to have been deliberately positioned so they could easily be found again.
The upper floor was quieter still. A bedroom and a larger study occupied nearly the entire level. The study was dominated by a tall bookcase that covered an entire wall. The upper shelves could only be reached with the help of a small wooden step ladder leaning against its side. A heavy desk stood before the largest window, its surface offering little empty space. Several books lay open upon it, some parchments covered in fine notes, and a small, closed box rested beside a burning candle.
Andokai sat there, reading.
His appearance stood out against the dark furnishings of the room. His long white hair fell over his shoulders, partially resting upon the dark robe that covered almost his entire figure. The high collar of his garment sat closely around his neck, while several dark layers of fabric overlapped one another before disappearing beneath the long outer robe. The sleeves were wide, concealing most of his movements. Black gloves covered his hands, which moved calmly and precisely as he turned one page after another.
His face revealed almost no emotion. His dark eyes moved slowly across the lines of text while the rain tapped against the window. For some time, nothing about his posture had changed. Only the occasional turning of a page and the quiet crackle of the candle disturbed the silence of the room.
Then another sound could be heard.
A brief flutter outside the window, followed by a faint scratching against the wooden sill.
Andokai raised his gaze.
A small bird sat upon the outer windowsill, its feathers slightly damp from the rain. A narrow piece of parchment was attached to one of its legs. The elf regarded the creature for a moment before slowly closing the book in front of him and rising from his chair.
His movements were calm and unhurried. He crossed the room, opened the window, and allowed the cold, damp morning air to enter. The bird did not retreat. Andokai carefully removed the parchment from its leg and then allowed the creature to fly away. For a moment, he remained by the open window, watching as the bird disappeared among the wet treetops. Only then did he close the window again.
The parchment was tied with a simple piece of string. There was no conspicuous seal and no crest that he immediately recognized. Nor did the handwriting on the outside provide any obvious indication of the sender. Andokai studied the message for several seconds before loosening the string and unfolding the parchment.
The message itself was brief and precise. An invitation, accompanied by a request that he appear at a certain place at a certain time. There was no lengthy greeting, no detailed explanation, and no reason given as to why he had been invited. The place mentioned meant nothing to him. The message offered no indication of what awaited him there. The name of the sender was entirely absent.
Andokai read the lines once, but did not immediately fold the parchment away. Instead, his gaze remained upon the final line for several moments before he read the message again from the beginning. Only after the third reading did he seem to reach a decision. He carefully folded the parchment and slipped it into an inner pocket of his robe.
He remained by the window for another moment.
The rain had weakened considerably. A pale strip of light had appeared along the horizon, and the mist was slowly beginning to withdraw from the low ground. The first rays of sunlight were still some time away, yet the land already seemed less dark than before. A lone traveler moved along the road below, wrapped in a heavy cloak against the cold. Andokai watched until the figure disappeared behind a cluster of old trees.
Then he turned away from the window.
He left the study and descended the stairs. In the entrance hall, he stopped before a narrow cupboard. The door opened almost silently. Inside lay only a few things he might need for a journey: a dark traveling cloak, an additional pair of gloves, several sheets of blank parchment, a small pouch, and a few other objects whose purpose was not immediately apparent. Andokai took out the cloak and placed it around his shoulders. The heavy fabric fell almost to his ankles, shielding much of his robe from the weather.
Then he reached for his walking staff.
The black wood rested calmly in his hand. Fine runes ran along the shaft, their dark lines disappearing between the gemstones set into the wood. In the dim light of the entrance lantern, one of the stones briefly caught the light, and for the smallest moment, a faint glow seemed to travel through one of the runes.
Then it was gone.
Andokai adjusted the fabric of his cloak and opened the front door.
The air outside was cool and carried the scent of wet earth and damp wood. The rain had almost completely stopped. Small puddles covered parts of the paved path, reflecting the grey sky above. Water continued to drip from the branches, and somewhere in the distance, the sound of a stream could be heard.
He stepped outside and closed the door behind him.
For a moment, he stood still upon the path, looking out across the landscape. The house behind him stood quietly upon the hill, almost unremarkable. From here, the true extent of the surrounding countryside became apparent. There were no tall towers, no walls, and no large buildings breaking the horizon. Only fields, forests, hills, and the narrow road that wound like a dark line through the land.
Andokai began to walk.
The tip of his staff touched the wet stone with every step. His long cloak moved slightly in the breeze, while his white hair fell over his shoulders. He did not walk particularly quickly. There was no reason to.
The invitation was safely hidden beneath the layers of his clothing.
He had a place to reach.
But before he could set out on the journey, he would need a group.
Traveling alone would have been possible, but that was not the point. The message had called him to a place whose distance, surroundings, and possible dangers were entirely unknown to him. It would therefore be wiser not to make the journey alone. He would need people who could accompany him, people capable of defending themselves if necessary, and people who would not abandon the journey at the first sign of difficulty.
Most importantly, he would need people willing to accept a task without immediately demanding an answer to every question.
Where he would find such people, Andokai did not yet know.
Perhaps in the nearest sizable settlement.
Perhaps in an inn along the road.
Perhaps among a group of travelers who were themselves looking for work.
Perhaps the opportunity would arise somewhere entirely unexpected.
There was no reason to decide that now.
The road led down from the hill and disappeared between the trees several hundred paces ahead. The ground had softened beneath the rain, and water gathered in shallow depressions along the roadside. Andokai followed the path as the open fields gradually gave way to narrower meadows and then denser clusters of trees. Between the trunks lay damp leaves, while the little sunlight that managed to break through the clouds was scattered by the canopy above.
There was little sound of the road here.
Andokai continued walking.
He did not know who had sent the invitation.
He did not know why he had been chosen.
He did not know where the journey would take him.
And he did not know what awaited him at its end.
But one thing was certain.
He would not go there alone.
Before the day reached its height, he would have to find someone willing to accompany him.
And so his journey did not begin with a grand departure, a known destination, or any clear answer to the question of what awaited him.
It began with a single piece of parchment hidden within the inner pocket of a dark robe, while a tall elf with white hair and a black walking staff followed an unfamiliar road through the countryside.
A long road lay ahead.
Teil 1 --- Der Brief
Der Regen hatte bereits vor Sonnenaufgang eingesetzt und lag seit Stunden wie ein feiner Schleier über dem Land. Er war nicht stark genug, um die Wege in Schlamm zu verwandeln, doch beständig genug, um jedes Blatt, jeden Stein und jeden hölzernen Balken mit einem dünnen Film aus Wasser zu überziehen. Von den Ästen der alten Bäume tropfte es in regelmäßigen Abständen herab, während sich zwischen den niedrigen Hügeln und den weitläufigen Wiesen ein dichter, grauer Nebel hielt. Die Landschaft lag still unter dem bedeckten Himmel. Nur hin und wieder war das ferne Rufen eines Vogels zu hören oder das leise Plätschern eines Baches, dessen Wasser nach den vergangenen Regentagen deutlich schneller floss als gewöhnlich.
Die Gegend lag weit abseits der größeren Städte und Handelswege. Wer hier unterwegs war, tat dies selten ohne einen guten Grund. Die nächste größere Siedlung befand sich mehrere Stunden entfernt, und selbst dort gab es wenig, was einen Reisenden lange halten konnte. Einige Bauernhöfe und kleine Ansiedlungen lagen verstreut zwischen den Feldern, verbunden durch alte Wege, die sich durch Wälder und über offene Wiesen zogen. Händler kamen gelegentlich vorbei, ebenso Reisende, die auf ihrem Weg in entlegenere Gegenden waren, doch für gewöhnlich blieb die Landschaft sich selbst überlassen. Es war eine jener Gegenden, die man durchquerte, ohne sich ihren Namen zu merken.
Auf einem sanften Hügel, etwas abseits der Straße, stand ein einzelnes Haus. Es war nicht besonders groß und hätte sich zwischen den zahlreichen Gebäuden größerer Städte vermutlich kaum hervorgetan, doch hier, inmitten der weitläufigen Landschaft, wirkte es beinahe wie ein bewusst gesetzter Ruhepunkt. Das Fundament bestand aus hellem, grob behauenem Stein, auf dem sich ein zweigeschossiges Gebäude aus dunklem Holz erhob. Die Balken waren sichtbar und teilten die Fassade in regelmäßige Felder, während das steile Dach weit über die Außenwände ragte und einen Teil der oberen Fenster vor dem Regen schützte. Das Holz war nicht neu, doch offensichtlich gut gepflegt. An manchen Stellen hatte die Witterung die Oberfläche über die Jahre aufgehellt, ohne dass irgendwo Fäulnis oder Verfall zu erkennen gewesen wäre.
Vor dem Haus führte ein schmaler, gepflasterter Weg von der Straße bis zur Eingangstür. Zwischen den Steinen wuchs vereinzelt Moos, doch auch dieses wurde offenbar regelmäßig zurückgeschnitten. Neben der Tür hing eine einfache eiserne Laterne, deren Flamme selbst im feuchten Morgenlicht ruhig brannte. Es gab kein Schild, kein Wappen und keinen Namen, der einem Besucher verraten hätte, wer hier lebte. Die Fenster waren hoch und schmal, ihre Rahmen dunkel gestrichen und ebenso schlicht gehalten wie der Rest des Gebäudes. Hinter dem Haus befand sich ein kleiner Garten, der sich deutlich von der wilden Landschaft ringsum unterschied. Kräuter wuchsen in sorgfältig angelegten Beeten, einige Pflanzen standen in sauber gezogenen Reihen, während andere etwas abseits an der Hauswand wuchsen. Nichts davon wirkte zufällig. Selbst dort, wo die Natur scheinbar frei wachsen durfte, hatte jemand entschieden, wo sie ihren Platz bekam.
Das Innere des Hauses war ebenso zurückhaltend wie seine äußere Erscheinung. Dunkles Holz dominierte die Räume, während schwere Stoffe die Fenster teilweise bedeckten und das einfallende Licht dämpften. Im Erdgeschoss befanden sich eine kleine Küche, ein schlicht eingerichteter Aufenthaltsraum und ein Arbeitszimmer. Die Möbel waren von guter Qualität, aber frei von unnötigem Prunk. Ein großer Tisch stand nahe einem der Fenster, daneben mehrere Stühle und ein hohes Regal, dessen Fächer mit Büchern gefüllt waren. Weitere Bücher befanden sich in beinahe jedem Raum des Hauses. Manche standen ordentlich nebeneinander, andere lagen auf kleinen Stapeln auf Tischen oder Fensterbänken. Einige Einbände waren alt und an den Kanten deutlich abgenutzt, während andere wesentlich neuer wirkten. Es war nicht die Sammlung eines Menschen, der Bücher nur zur Zierde besaß. Die meisten davon waren offensichtlich gelesen worden.
Auf dem großen Tisch lagen mehrere Pergamente, einige davon beschrieben, andere noch vollkommen leer. Ein Tintenfass stand neben einer Feder, deren Spitze sorgfältig gereinigt worden war. Daneben befand sich ein kleines Messer zum Schneiden der Federkiele. Alles hatte seinen Platz, und selbst die Gegenstände, die gerade nicht benutzt wurden, schienen bewusst so abgelegt worden zu sein, dass sie jederzeit wiedergefunden werden konnten.
Im Obergeschoss war es noch ruhiger. Ein Schlafzimmer und ein größeres Arbeitszimmer nahmen beinahe die gesamte Fläche ein. Das Arbeitszimmer wurde von einem hohen Bücherregal beherrscht, das sich über eine komplette Wand erstreckte. Die oberen Fächer waren nur mit einer kleinen hölzernen Trittleiter erreichbar, die an der Seite des Regals lehnte. Vor dem größten Fenster stand ein schwerer Schreibtisch, dessen Oberfläche nur wenig freie Fläche bot. Mehrere Bücher lagen geöffnet darauf, einige Pergamente waren mit feinen Notizen versehen und ein kleines, geschlossenes Kästchen stand neben einer brennenden Kerze.
Andokai saß dort und las.
Seine Erscheinung hob sich deutlich von der dunklen Einrichtung des Raumes ab. Das lange, weiße Haar fiel über seine Schultern und lag teilweise auf der dunklen Robe, die seinen Körper beinahe vollständig bedeckte. Der hohe Kragen seines Gewandes lag eng an seinem Hals an, während mehrere dunkle Stofflagen übereinanderfielen und unter der langen äußeren Robe verschwanden. Die Ärmel waren weit geschnitten und ließen seine Bewegungen beinahe vollständig darin verschwinden. Schwarze Handschuhe bedeckten seine Hände, deren Bewegungen ruhig und präzise waren, während er eine Seite nach der anderen umblätterte.
Sein Gesicht zeigte dabei kaum eine Regung. Die dunklen Augen wanderten langsam über die Zeilen, während draußen der Regen gegen das Glas schlug. Seit einiger Zeit hatte sich an seiner Haltung nichts verändert. Nur das gelegentliche Umblättern und das leise Knacken der Kerze durchbrachen die Stille des Raumes.
Dann war ein anderes Geräusch zu hören.
Ein kurzes Flattern vor dem Fenster, gefolgt von einem leisen Kratzen auf dem hölzernen Sims.
Andokai hob den Blick.
Auf dem äußeren Fenstersims saß ein kleiner Vogel, dessen Gefieder vom Regen leicht durchnässt war. An einem seiner Beine war ein schmales Stück Pergament befestigt. Der Elf betrachtete das Tier einen Augenblick, bevor er das Buch vor sich langsam schloss und sich erhob.
Seine Bewegungen waren ruhig und ohne Hast. Er trat zum Fenster, öffnete es und ließ die kalte, feuchte Morgenluft in den Raum. Der Vogel wich nicht zurück. Andokai löste das Pergament vorsichtig von seinem Bein und ließ das Tier anschließend davonfliegen. Einen Moment lang blieb er am geöffneten Fenster stehen und beobachtete, wie der Vogel zwischen den nassen Baumkronen verschwand. Erst dann schloss er das Fenster wieder.
Das Pergament war mit einer einfachen Schnur zusammengebunden. Es trug kein auffälliges Siegel und kein Wappen, das ihm auf den ersten Blick bekannt gewesen wäre. Auch die Handschrift auf der Außenseite gab keinen Hinweis auf den Absender. Andokai betrachtete die Nachricht einige Sekunden, bevor er die Schnur löste und das Pergament auseinanderfaltete.
Die Nachricht war kurz und präzise gehalten. Eine Einladung, verbunden mit der Bitte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort einzufinden. Kein langer Gruß, keine ausführliche Erklärung und keine Begründung dafür, weshalb gerade er eingeladen worden war. Der genannte Ort sagte ihm nichts. Ebenso wenig verriet die Nachricht, was ihn dort erwarten würde. Der Name des Absenders fehlte vollständig.
Andokai las die Zeilen einmal, faltete das Pergament jedoch nicht sofort zusammen. Stattdessen blieb sein Blick einige Augenblicke auf der letzten Zeile ruhen, bevor er die Nachricht erneut von Anfang an las. Erst beim dritten Durchgang schien er für sich zu einem Entschluss gekommen zu sein. Er faltete das Pergament sorgfältig zusammen und steckte es in eine Innentasche seiner Robe.
Danach blieb er noch einen Moment am Fenster stehen.
Der Regen war inzwischen schwächer geworden. Zwischen den Wolken zeigte sich ein heller Streifen am Horizont, und der Nebel begann sich langsam aus den Senken zurückzuziehen. Die ersten Sonnenstrahlen waren noch weit entfernt, doch das Land wirkte bereits weniger dunkel als zuvor. Auf der Straße bewegte sich ein einzelner Reisender, eingehüllt in einen schweren Umhang. Er ging langsam und verschwand schließlich hinter einer Gruppe alter Bäume.
Andokai wandte sich vom Fenster ab.
Er verließ das Arbeitszimmer und ging die Treppe hinunter. Im Eingangsbereich blieb er vor einem schmalen Schrank stehen. Die Tür öffnete sich beinahe lautlos. Darin lagen nur wenige Dinge, die er für eine Reise benötigen konnte: ein dunkler Reiseumhang, zusätzliche Handschuhe, einige leere Pergamente, ein kleiner Beutel und ein paar andere Gegenstände, deren Zweck sich nicht unmittelbar erschloss. Andokai nahm den Umhang heraus und legte ihn über seine Schultern. Der schwere Stoff fiel beinahe bis zu seinen Knöcheln und schützte einen Großteil seiner Robe vor dem Wetter.
Anschließend griff er nach seinem Gehstock.
Das schwarze Holz lag ruhig in seiner Hand. Über den Schaft zogen sich die feinen Runen, deren dunkle Linien sich zwischen den eingelassenen Edelsteinen verloren. Im schwachen Licht der Eingangslampe schimmerte einer der Steine kurz auf, und für einen kaum wahrnehmbaren Moment schien sich ein feines Leuchten durch eine der Runen zu ziehen. Dann war der Effekt verschwunden.
Andokai richtete den Stoff seines Umhangs und öffnete die Haustür.
Die Luft draußen war kühl und roch nach nasser Erde und feuchtem Holz. Der Regen hatte fast vollständig aufgehört. Auf dem gepflasterten Weg standen kleine Pfützen, in denen sich die graue Wolkendecke spiegelte. Von den Ästen tropfte weiterhin Wasser, und aus der Ferne war das Rauschen eines Baches zu hören.
Er trat hinaus und schloss die Tür hinter sich.
Für einen Augenblick stand er still auf dem Weg und blickte über die Landschaft. Das Haus lag hinter ihm ruhig und beinahe unscheinbar auf dem Hügel. Von hier aus konnte man erkennen, wie weit die Gegend tatsächlich war. Keine hohen Türme, keine Mauern und keine größeren Gebäude unterbrachen die Landschaft. Nur Felder, Wälder, Hügel und die schmale Straße, die sich wie eine dunkle Linie durch das Land zog.
Andokai setzte sich in Bewegung.
Der Gehstock berührte bei jedem Schritt leise den nassen Stein. Sein langer Umhang bewegte sich leicht im Wind, während das weiße Haar über seine Schultern fiel. Er ging nicht besonders schnell. Es gab keinen Grund dazu.
Die Einladung befand sich sicher in seiner Robe.
Er hatte einen Ort zu erreichen.
Doch bevor er dorthin aufbrechen konnte, würde er eine Gruppe benötigen.
Eine Reise allein wäre möglich gewesen, doch darum ging es nicht. Die Nachricht hatte ihn an einen Ort gerufen, dessen Entfernung, Umgebung und mögliche Gefahren ihm unbekannt waren. Es war daher sinnvoller, sich nicht allein auf den Weg zu machen. Er würde Personen benötigen, die ihn begleiten konnten, die im Notfall mit einer Waffe umgehen konnten und die nicht bei der ersten Schwierigkeit die Reise abbrechen würden.
Vor allem aber würde er jemanden benötigen, der bereit war, einen Auftrag anzunehmen, ohne sofort auf jede Frage eine Antwort zu verlangen.
Wo er solche Personen finden würde, wusste Andokai noch nicht.
Vielleicht in der nächsten größeren Siedlung.
Vielleicht in einer Schenke an der Straße.
Vielleicht bei einer Gruppe von Reisenden, die gerade selbst nach Arbeit suchte.
Vielleicht würde sich die Gelegenheit vollkommen anders ergeben.
Er hatte keinen Grund, dies jetzt zu entscheiden.
Die Straße führte vom Hügel hinunter und verschwand nach einigen hundert Schritten zwischen den Bäumen. Der Boden war vom Regen weich geworden, und an den Seiten sammelte sich Wasser in kleinen Vertiefungen. Andokai folgte dem Weg, während hinter ihm das Haus immer kleiner wurde.
Die Landschaft veränderte sich nur langsam. Aus den offenen Feldern wurden schmalere Wiesen, dann dichter stehende Baumgruppen. Zwischen den Stämmen lag feuchtes Laub, und das wenige Licht, das durch die Wolken drang, wurde vom Blätterdach gebrochen. Hier war kaum noch etwas von der Straße zu hören.
Andokai ging weiter.
Er wusste nicht, wer die Einladung geschickt hatte.
Er wusste nicht, weshalb man ihn ausgewählt hatte.
Er wusste nicht, wohin die Reise führen würde.
Und er wusste nicht, was ihn an ihrem Ende erwartete.
Doch eines wusste er.
Er würde nicht allein dorthin gehen.
Noch bevor der Tag seinen Mittag erreichte, musste er jemanden finden, der bereit war, ihn zu begleiten.
Und so begann seine Reise nicht mit einem großen Aufbruch, keinem bekannten Ziel und keiner klaren Antwort auf die Frage, was ihn erwartete.
Sie begann mit einem Stück Pergament, das in der Innentasche seiner dunklen Robe verborgen lag, während ein hochgewachsener Elf mit weißem Haar und schwarzem Gehstock eine unbekannte Straße entlangging.
Vor ihm lag ein weiter Weg.
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Part 1 - The Letter
The rain had begun before sunrise and had lingered over the land for hours, falling as a fine, steady veil. It was not heavy enough to turn the roads into mud, yet persistent enough to cover every leaf, stone, and wooden beam with a thin sheen of water. Droplets fell from the branches of the old trees at regular intervals, while a thick grey mist lingered between the low hills and the sprawling meadows. The landscape lay quiet beneath the overcast sky. Every now and then, the distant call of a bird could be heard, or the soft murmur of a stream whose waters had swollen considerably after the days of rain.
The region lay far from the larger cities and well-traveled roads. Those who traveled through these lands rarely did so without good reason. The nearest sizable settlement was several hours away, and even there, there was little to keep a traveler for long. A handful of farms and small settlements were scattered among the fields, connected by old roads winding through forests and across open meadows. Merchants passed through from time to time, as did travelers bound for more remote regions, but for the most part, the countryside was left to itself. It was one of those places one passed through without ever bothering to remember its name.
Upon a gentle hill, somewhat removed from the road, stood a solitary house. It was not particularly large, and in one of the great cities it would likely have attracted little attention. Here, however, surrounded by the open countryside, it seemed almost like a deliberate point of stillness. Its foundation was built from pale, roughly hewn stone, upon which a two-story structure of dark timber had been raised. The wooden beams remained visible, dividing the facade into regular sections, while the steep roof extended well beyond the walls and sheltered parts of the upper windows from the rain. The timber was old, but clearly well maintained. In places, the weather had lightened its surface over the years, yet nowhere could rot or decay be seen.
A narrow paved path led from the road to the front door. Moss grew sporadically between the stones, though even that appeared to be trimmed regularly. Beside the door hung a simple iron lantern, its flame burning steadily despite the damp morning air. There was no sign, no crest, and no name to tell a visitor who lived there. The windows were tall and narrow, their frames painted dark and kept just as simple as the rest of the building. Behind the house lay a small garden, noticeably different from the wild landscape surrounding it. Herbs grew in carefully arranged beds, some plants standing in neat rows while others grew somewhat apart along the walls of the house. Nothing appeared accidental. Even where nature had been allowed to grow freely, someone had clearly decided where it was meant to belong.
The interior of the house was just as restrained as its exterior. Dark wood dominated the rooms, while heavy fabrics partially covered the windows and softened the light that entered. The ground floor consisted of a small kitchen, a simply furnished sitting room, and a study. The furniture was of good quality but entirely free of unnecessary ornamentation. A large table stood near one of the windows, surrounded by several chairs and a tall bookcase whose shelves were filled with books. More books could be found in almost every room of the house. Some stood neatly beside one another, while others rested in small stacks on tables or windowsills. Some bindings were old and visibly worn at the edges, while others appeared considerably newer. It was not the collection of someone who owned books merely for decoration. Most of them had clearly been read.
Several pieces of parchment lay across the large table, some covered in writing while others remained completely blank. An inkpot stood beside a quill whose tip had been carefully cleaned. A small knife for trimming quills lay next to it. Everything had its place, and even those objects that were not currently in use seemed to have been deliberately positioned so they could easily be found again.
The upper floor was quieter still. A bedroom and a larger study occupied nearly the entire level. The study was dominated by a tall bookcase that covered an entire wall. The upper shelves could only be reached with the help of a small wooden step ladder leaning against its side. A heavy desk stood before the largest window, its surface offering little empty space. Several books lay open upon it, some parchments covered in fine notes, and a small, closed box rested beside a burning candle.
Andokai sat there, reading.
His appearance stood out against the dark furnishings of the room. His long white hair fell over his shoulders, partially resting upon the dark robe that covered almost his entire figure. The high collar of his garment sat closely around his neck, while several dark layers of fabric overlapped one another before disappearing beneath the long outer robe. The sleeves were wide, concealing most of his movements. Black gloves covered his hands, which moved calmly and precisely as he turned one page after another.
His face revealed almost no emotion. His dark eyes moved slowly across the lines of text while the rain tapped against the window. For some time, nothing about his posture had changed. Only the occasional turning of a page and the quiet crackle of the candle disturbed the silence of the room.
Then another sound could be heard.
A brief flutter outside the window, followed by a faint scratching against the wooden sill.
Andokai raised his gaze.
A small bird sat upon the outer windowsill, its feathers slightly damp from the rain. A narrow piece of parchment was attached to one of its legs. The elf regarded the creature for a moment before slowly closing the book in front of him and rising from his chair.
His movements were calm and unhurried. He crossed the room, opened the window, and allowed the cold, damp morning air to enter. The bird did not retreat. Andokai carefully removed the parchment from its leg and then allowed the creature to fly away. For a moment, he remained by the open window, watching as the bird disappeared among the wet treetops. Only then did he close the window again.
The parchment was tied with a simple piece of string. There was no conspicuous seal and no crest that he immediately recognized. Nor did the handwriting on the outside provide any obvious indication of the sender. Andokai studied the message for several seconds before loosening the string and unfolding the parchment.
The message itself was brief and precise. An invitation, accompanied by a request that he appear at a certain place at a certain time. There was no lengthy greeting, no detailed explanation, and no reason given as to why he had been invited. The place mentioned meant nothing to him. The message offered no indication of what awaited him there. The name of the sender was entirely absent.
Andokai read the lines once, but did not immediately fold the parchment away. Instead, his gaze remained upon the final line for several moments before he read the message again from the beginning. Only after the third reading did he seem to reach a decision. He carefully folded the parchment and slipped it into an inner pocket of his robe.
He remained by the window for another moment.
The rain had weakened considerably. A pale strip of light had appeared along the horizon, and the mist was slowly beginning to withdraw from the low ground. The first rays of sunlight were still some time away, yet the land already seemed less dark than before. A lone traveler moved along the road below, wrapped in a heavy cloak against the cold. Andokai watched until the figure disappeared behind a cluster of old trees.
Then he turned away from the window.
He left the study and descended the stairs. In the entrance hall, he stopped before a narrow cupboard. The door opened almost silently. Inside lay only a few things he might need for a journey: a dark traveling cloak, an additional pair of gloves, several sheets of blank parchment, a small pouch, and a few other objects whose purpose was not immediately apparent. Andokai took out the cloak and placed it around his shoulders. The heavy fabric fell almost to his ankles, shielding much of his robe from the weather.
Then he reached for his walking staff.
The black wood rested calmly in his hand. Fine runes ran along the shaft, their dark lines disappearing between the gemstones set into the wood. In the dim light of the entrance lantern, one of the stones briefly caught the light, and for the smallest moment, a faint glow seemed to travel through one of the runes.
Then it was gone.
Andokai adjusted the fabric of his cloak and opened the front door.
The air outside was cool and carried the scent of wet earth and damp wood. The rain had almost completely stopped. Small puddles covered parts of the paved path, reflecting the grey sky above. Water continued to drip from the branches, and somewhere in the distance, the sound of a stream could be heard.
He stepped outside and closed the door behind him.
For a moment, he stood still upon the path, looking out across the landscape. The house behind him stood quietly upon the hill, almost unremarkable. From here, the true extent of the surrounding countryside became apparent. There were no tall towers, no walls, and no large buildings breaking the horizon. Only fields, forests, hills, and the narrow road that wound like a dark line through the land.
Andokai began to walk.
The tip of his staff touched the wet stone with every step. His long cloak moved slightly in the breeze, while his white hair fell over his shoulders. He did not walk particularly quickly. There was no reason to.
The invitation was safely hidden beneath the layers of his clothing.
He had a place to reach.
But before he could set out on the journey, he would need a group.
Traveling alone would have been possible, but that was not the point. The message had called him to a place whose distance, surroundings, and possible dangers were entirely unknown to him. It would therefore be wiser not to make the journey alone. He would need people who could accompany him, people capable of defending themselves if necessary, and people who would not abandon the journey at the first sign of difficulty.
Most importantly, he would need people willing to accept a task without immediately demanding an answer to every question.
Where he would find such people, Andokai did not yet know.
Perhaps in the nearest sizable settlement.
Perhaps in an inn along the road.
Perhaps among a group of travelers who were themselves looking for work.
Perhaps the opportunity would arise somewhere entirely unexpected.
There was no reason to decide that now.
The road led down from the hill and disappeared between the trees several hundred paces ahead. The ground had softened beneath the rain, and water gathered in shallow depressions along the roadside. Andokai followed the path as the open fields gradually gave way to narrower meadows and then denser clusters of trees. Between the trunks lay damp leaves, while the little sunlight that managed to break through the clouds was scattered by the canopy above.
There was little sound of the road here.
Andokai continued walking.
He did not know who had sent the invitation.
He did not know why he had been chosen.
He did not know where the journey would take him.
And he did not know what awaited him at its end.
But one thing was certain.
He would not go there alone.
Before the day reached its height, he would have to find someone willing to accompany him.
And so his journey did not begin with a grand departure, a known destination, or any clear answer to the question of what awaited him.
It began with a single piece of parchment hidden within the inner pocket of a dark robe, while a tall elf with white hair and a black walking staff followed an unfamiliar road through the countryside.
A long road lay ahead.