Heimkehr - ((pm falls jemand einsteigen will))
Posted: Wed Jun 15, 2011 1:35 pm
Am Abend des 1. Elos des Jahres 34, Koldamar
Meine geliebte Rowena,
Meine Bleibe hier ist noch dreckiger und kleiner als die vorhergehenden, dafür ist sie aber viermal so teuer. Auf dem Lande gibt es nicht halb so viel Elend wie ich es in diesen zwei Tagen in Koldamar gesehen habe. Doch nur in Städten gibt es Häfen, und nur in Häfen gibt es Schiffe. Ich brauche ein Schiff. Jetzt da es endlich wieder Frühling ist, habe ich mich in die Stadt gewagt, um mein Glück am Hafen zu versuchen. So es Sirani gefällt werde ich eine Überfahrt nach Gobaith finden. Gobaith - warum nur zieht es mich immer wieder dorthin zurück? Nach all dem Leid das mir dort widerfuhr sollte ich klüger sein als mein Glück ausgerechnet dort zu versuchen, ich sollte es besser wissen und die Insel meiden. Doch ich wusste schon bei meiner Abreise von dort dass ich Albar und dem Norden Salkamars besser fern bliebe, wenn mir mein Leben lieb ist. Ich habe diesem Wissen zuwidergeleistet, und nun ist mir selbst Gynk verwehrt. Der Besuch daheim war ein Fehler, das hast du gesagt, und ich weiß in meinem Kopf dass es die Wahrheit ist. Doch ich musste dich wiedersehen, diese eine Mal noch, ich musste meine Mutter wiedersehen. Nach Gorims Tod ward ihr beide das Einzige, was mir an Familie noch blieb und sich auch als solche verhielt. Ich bin nur der Stimme meines Herzens gefolgt, falls diese Torheit mich mein Leben kostet, sollst du das wissen.
Hab Dank dass du meiner Mutter Grab mit mir besucht hast. Ich weiß, sie war lediglich die Mätresse unseres Vaters, und für dich wohl nicht viel mehr als eine begabte Lautenlehrerin. Für mich war sie meine Welt. Ich hoffe dein Gemahl hat dich nicht zu hart bestraft, weil du mir abermals zur Flucht verholfen hast. Ich hoffe er hat es nicht erfahren. Verbrenne diesen Brief, sobald du ihn gelesen hast, nicht auszudenken was er dir antäte wenn er ihn fände.
Hab Dank für die vielen heimlichen Botschaften der letzten Jahre, ich weiß, was du meinetwegen riskiert hast. Ob ich in wenigen Stunden das Schiff erreiche oder unterwegs mein Leben lasse, dies ist auf jeden Fall das letzte Mal dass du von mir hören wirst. Ich kann nicht länger riskieren dir noch mehr Leid zuzufügen, als die Götter dir ohnehin schon aufgeladen haben. Du hast nun eine Tochter, die du beschützen musst, bitte denke zunächst an sie, und dann an dich selbst.
Möge Siranis heller Schein über deinen Pfaden leuchten wie auch in deinem reinen Herzen, geliebte Schwester und Freundin.
Dein Bruder, Alan Dantes.
Seufzend legte er die Feder bei Seite. Der billige Bogen Pergament war bis auf den letzten Rest gefüllt, nicht noch ein Buchstabe hätte darauf Platz gefunden, und das trotz Alans feiner, winziger und geübter Schrift, die ihm nun feucht schimmernd entgegen starrte. Worte, leere Worte. Doch mehr konnte, mehr durfte er nicht tun. Es endete hier und heute nacht.
Dankbar warf er einen Blick zurück zur Laute seiner Mutter, die an der kargen, verlausten Pritsche lehnte. Er hatte seine Mutter an ihrem Sterbebett gesehen, sie hatte ihr einziges Kind noch einmal in die Arme schließen dürfen. Allein das war sein Leben hundertfach wert. Sollte er aber davon kommen, würde er alles geben, ihr Vermächtnis in seiner Musik weiterleben zu lassen, bis Sirani ihn zu sich rief.
Endlich war die Tinte getrocknet. Alan faltete das Pergament zu einem sehr langen, schmalen Streifen und rollte diesen um das Bein der Taube, die seine Schwester ihm mitgegeben hatte, damit er ihr aus der Sicherheit schreiben konnte. Er bezweifelte, dass ihm soviel Zeit blieb. Seinen Segen musste er ihr schicken, sie war es, die ihm von der Krankheit seiner Mutter berichtet hatte. Rowena und er hatten stets eine sehr enge Bindung gehabt. Er würde sie dieses Mal noch stärker vermissen als all die Jahre zuvor, als er noch hin und wieder eine Notiz von ihr erhalten hatte.
Kritisch betrachtete er sein Werk, die Taube wand sich gurrend in seinen Händen. Die Pergamentrolle um ihren Fuß wirkte auf ihn grotesk groß und unförmig.
Einen langen Kuss drückte der Barde auf den Kopf der Taube, dann kniete er vor dem offenen Fenster und betrachtete die winzig schmale Mondsichel des Neujahrsabends, ein Nichts über der trüben Stadtluft. Leise betete er zu Sirani, bat sie um eine sichere Reise für die Taube, ehe er den gefiederten Botschafter in den Himmel warf. "Flieg nun, flieg nach Albar... flieg zu deiner Herrin..." murmelte er. All seine Gebete flogen mit ihr.
Und dann war es Zeit aufzubrechen. Das Schiff sollte mit der morgendlichen Flut auslaufen, er durfte es auf keinen Fall verpassen. Als Alan auf die Straße trat, hatte der Morgen noch nicht gedämmert. Auf seiner linken Schulter hockte der Falke Shadow, die Krallen fest in sein Leinenhemd geschlagen. Über der rechten Schulter trug er sein lächerlich kleines Bündel, die Laute in der linken, der vernarbten, steifen Hand. Ihm war schmerzlich bewusst wie leicht er zu finden sein würde, der schwarze Falke, die Laute und der hinkende Gang. Doch es musste gelingen, so Sirani ihre schützende Hand über ihn hielt, er musste es einfach an Bord der "Hrimnis vargur" schaffen, des Norodaj-Schiffes dessen Kapitän er für die Überfahrt bereits im Voraus bezahlt hatte.
Die dunkle Gestalt trat hinter ihm aus einem Hauseingang und folgte ihm, die Schritte weicher Sohlen auf dem Pflaster kaum hörbar. Stundenlang hatte sie darauf gewartet dass der Barde seine Stube verließ und sich dabei in die gefahrvollen Gassen Koldamars begab. Jetzt endlich war ihre Zeit gekommen.
Meine geliebte Rowena,
Meine Bleibe hier ist noch dreckiger und kleiner als die vorhergehenden, dafür ist sie aber viermal so teuer. Auf dem Lande gibt es nicht halb so viel Elend wie ich es in diesen zwei Tagen in Koldamar gesehen habe. Doch nur in Städten gibt es Häfen, und nur in Häfen gibt es Schiffe. Ich brauche ein Schiff. Jetzt da es endlich wieder Frühling ist, habe ich mich in die Stadt gewagt, um mein Glück am Hafen zu versuchen. So es Sirani gefällt werde ich eine Überfahrt nach Gobaith finden. Gobaith - warum nur zieht es mich immer wieder dorthin zurück? Nach all dem Leid das mir dort widerfuhr sollte ich klüger sein als mein Glück ausgerechnet dort zu versuchen, ich sollte es besser wissen und die Insel meiden. Doch ich wusste schon bei meiner Abreise von dort dass ich Albar und dem Norden Salkamars besser fern bliebe, wenn mir mein Leben lieb ist. Ich habe diesem Wissen zuwidergeleistet, und nun ist mir selbst Gynk verwehrt. Der Besuch daheim war ein Fehler, das hast du gesagt, und ich weiß in meinem Kopf dass es die Wahrheit ist. Doch ich musste dich wiedersehen, diese eine Mal noch, ich musste meine Mutter wiedersehen. Nach Gorims Tod ward ihr beide das Einzige, was mir an Familie noch blieb und sich auch als solche verhielt. Ich bin nur der Stimme meines Herzens gefolgt, falls diese Torheit mich mein Leben kostet, sollst du das wissen.
Hab Dank dass du meiner Mutter Grab mit mir besucht hast. Ich weiß, sie war lediglich die Mätresse unseres Vaters, und für dich wohl nicht viel mehr als eine begabte Lautenlehrerin. Für mich war sie meine Welt. Ich hoffe dein Gemahl hat dich nicht zu hart bestraft, weil du mir abermals zur Flucht verholfen hast. Ich hoffe er hat es nicht erfahren. Verbrenne diesen Brief, sobald du ihn gelesen hast, nicht auszudenken was er dir antäte wenn er ihn fände.
Hab Dank für die vielen heimlichen Botschaften der letzten Jahre, ich weiß, was du meinetwegen riskiert hast. Ob ich in wenigen Stunden das Schiff erreiche oder unterwegs mein Leben lasse, dies ist auf jeden Fall das letzte Mal dass du von mir hören wirst. Ich kann nicht länger riskieren dir noch mehr Leid zuzufügen, als die Götter dir ohnehin schon aufgeladen haben. Du hast nun eine Tochter, die du beschützen musst, bitte denke zunächst an sie, und dann an dich selbst.
Möge Siranis heller Schein über deinen Pfaden leuchten wie auch in deinem reinen Herzen, geliebte Schwester und Freundin.
Dein Bruder, Alan Dantes.
Seufzend legte er die Feder bei Seite. Der billige Bogen Pergament war bis auf den letzten Rest gefüllt, nicht noch ein Buchstabe hätte darauf Platz gefunden, und das trotz Alans feiner, winziger und geübter Schrift, die ihm nun feucht schimmernd entgegen starrte. Worte, leere Worte. Doch mehr konnte, mehr durfte er nicht tun. Es endete hier und heute nacht.
Dankbar warf er einen Blick zurück zur Laute seiner Mutter, die an der kargen, verlausten Pritsche lehnte. Er hatte seine Mutter an ihrem Sterbebett gesehen, sie hatte ihr einziges Kind noch einmal in die Arme schließen dürfen. Allein das war sein Leben hundertfach wert. Sollte er aber davon kommen, würde er alles geben, ihr Vermächtnis in seiner Musik weiterleben zu lassen, bis Sirani ihn zu sich rief.
Endlich war die Tinte getrocknet. Alan faltete das Pergament zu einem sehr langen, schmalen Streifen und rollte diesen um das Bein der Taube, die seine Schwester ihm mitgegeben hatte, damit er ihr aus der Sicherheit schreiben konnte. Er bezweifelte, dass ihm soviel Zeit blieb. Seinen Segen musste er ihr schicken, sie war es, die ihm von der Krankheit seiner Mutter berichtet hatte. Rowena und er hatten stets eine sehr enge Bindung gehabt. Er würde sie dieses Mal noch stärker vermissen als all die Jahre zuvor, als er noch hin und wieder eine Notiz von ihr erhalten hatte.
Kritisch betrachtete er sein Werk, die Taube wand sich gurrend in seinen Händen. Die Pergamentrolle um ihren Fuß wirkte auf ihn grotesk groß und unförmig.
Einen langen Kuss drückte der Barde auf den Kopf der Taube, dann kniete er vor dem offenen Fenster und betrachtete die winzig schmale Mondsichel des Neujahrsabends, ein Nichts über der trüben Stadtluft. Leise betete er zu Sirani, bat sie um eine sichere Reise für die Taube, ehe er den gefiederten Botschafter in den Himmel warf. "Flieg nun, flieg nach Albar... flieg zu deiner Herrin..." murmelte er. All seine Gebete flogen mit ihr.
Und dann war es Zeit aufzubrechen. Das Schiff sollte mit der morgendlichen Flut auslaufen, er durfte es auf keinen Fall verpassen. Als Alan auf die Straße trat, hatte der Morgen noch nicht gedämmert. Auf seiner linken Schulter hockte der Falke Shadow, die Krallen fest in sein Leinenhemd geschlagen. Über der rechten Schulter trug er sein lächerlich kleines Bündel, die Laute in der linken, der vernarbten, steifen Hand. Ihm war schmerzlich bewusst wie leicht er zu finden sein würde, der schwarze Falke, die Laute und der hinkende Gang. Doch es musste gelingen, so Sirani ihre schützende Hand über ihn hielt, er musste es einfach an Bord der "Hrimnis vargur" schaffen, des Norodaj-Schiffes dessen Kapitän er für die Überfahrt bereits im Voraus bezahlt hatte.
Die dunkle Gestalt trat hinter ihm aus einem Hauseingang und folgte ihm, die Schritte weicher Sohlen auf dem Pflaster kaum hörbar. Stundenlang hatte sie darauf gewartet dass der Barde seine Stube verließ und sich dabei in die gefahrvollen Gassen Koldamars begab. Jetzt endlich war ihre Zeit gekommen.