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Tradition und Eiszapfen
Posted: Mon Mar 28, 2011 7:26 pm
by Banduk
Da standen wir nun.
Mein Töchterchen Anteru, eingewickelt in warme und weiche Felle, hatte noch Tränen in den Augen, als sich ihr Interesse den Möwen auf der Reling, den Wellen und den Männern in der Takelage zuwendete. Sie hat sicher mitbekommen, dass die Eltern traurig waren. Aber dass sie Mama für eine lange Zeit nicht mehr wiedersehen würde, konnte sie mit ihren 8 Monaten noch nicht erfassen. Ich schon, und so blieb ich solange stehen, wie ich meine geliebte Liasany noch sehen konnte.
Ihr fragt Euch sicher warum ich mit meiner süßen, spitzohrigen Tochter Gobaith verlasse während ich ihre Mutter zurücklasse. Nein, wir haben uns nicht gestritten und auch nicht getrennt. Es ist einfach eine Tradition der Elfen, dass die kleinen Kinder während der ersten Jahre eine Weile bei den Großeltern leben sollen. Fragt mich nicht warum, es ist Tradition und die wird bei der Familie meiner Frau sehr hochgehalten. Und da Lia ihre Ausbildung zurzeit nicht unterbrechen kann, fahre ich alleine. Wir werden eine Weile bleiben, und dann wieder zurückreisen.
Natürlich habe ich das Traurige mit dem Nützlichen verbinden können. Im Bauch unseres breitbauchigen, fast neuen und wirklich seetüchtigen Schiffes, stapeln sich die berühmten Wolfsfelle und einige andere Waren, die auf dem Festland sicher einen guten Gewinn bringen.
Und diesmal habe ich das Schiff sehr sorgfältig ausgesucht. Es ist jetzt über 10 Jahre her, als meine Familie in den Fluten ertrank und ich an die Küste vor Gobaith gespült wurde. Wäre ich damals aufmerksamer gewesen, ich hätte es merken müssen, dass mit Treshwatr was nicht stimmte. Aber ich werde nicht klagen. Irmorom hat es so gewollt und heute halte ich statt eines Enkelkindes meine inzwischen recht zappelige Anteru im Arm und werfe meiner geliebten Liasany einen letzten Kuss zu.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Tue Mar 29, 2011 10:45 am
by Banduk
Wenn es jetzt Tag wäre, würde man kein Land sehen. Anteru schläft in ihrer Seemannskiste, die fest auf dem Boden steht und deren Deckel ich abgeschraubt habe. Meine Hängematte schaukelt sanft. Man hört das Rauschen der Wellen, die unser Schiff, getrieben von einer sanften Briese durchpflügt. Das Holz knarrt und die Schritte der Wache auf dem Deck wirken beruhigend. Die Nacht hat etwas Abkühlung in der Kajüte gebracht. Ab und zu lugt der Mond zwischen den Wolken durch und an Anterus Kiste glitzert ein kleiner Eiszapfen.
‚Schon wieder!’ geht mir durch den Kopf. Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir bei ihr am Bettchen Eiszapfen gefunden haben. Natürlich schmelzen die gleich wieder dahin, nur woher kommen die? Es ist immerhin Sommer und die kalten Gipfel als auch die Nordlande sind weit weg. Also muss es sich um etwas Außergewöhnliches handeln. Was liegt da näher, als Magie?
Ich muss gestehen, ich hatte gehofft, dass es nicht wieder auftritt. Zu Hause habe ich zwei Magienovizen. Daher lag nahe, dass es sich um verirrtes Mana handelt. Es ist ja erstaunlich wenig zu Bruch gegangen, in der Anfangszeit als Shandra und Lia stolz, aber noch unbeholfen ihre Magierstäbe handhabten. Wer weiß wo sich das verlorene Mana jetzt verborgen hält. Wenn es sich nicht manifestiert, es könnte ja sein, dass es sich irgendwo sammelt. Ich glaube etwas davon ist auch in der Kiste. Ich kann nur zu Irmorom beten, dass diese Eiszapfen ein letztes Aufbäumen darstellten und es sich nicht eines Tages so entlädt, dass meine Lieben Schaden nehmen.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Tue Mar 29, 2011 7:10 pm
by Banduk
Es ist Markttag in Laris. Anteru thront auf meinen Schultern und bekommt den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Die Plätze sind voll mit bunten Ständen, überall glitzert es und an jeder Ecke betören bekannte und unbekannte Düfte die Nase. Hier gibt es mehr Händler, als Trolls Bane Einwohner hat. Ich muss langsamer gehen damit unser Träger mit den ganzen Einkäufen hinterher kommt. Immer wieder hör ich Anteru juchzen oder vor wohligen Erschrecken kreischen. Sogar der außergewöhnliche Echsenpriester mit dolchartigen Zähnen und einer Waffensammlung, die jedem Meisterschmied zur Ehre gereichte hätte, hat sie nicht davon überzeugen können, dass es auch wirklich gefährliche Dinge auf der Welt gibt. Sie fühlt sich eben sicher bei Papa.
Für Lia habe ich gerade ein schneeweißes Pantherfell gefunden. Es ist ein hartes Stück Arbeit einen Preis zu finden, der meine Geldkatze nicht bis auf den Boden leert. Anteru findet stattdessen die Glaskugeln und gläsernen Figuren an Nachbarstand faszinierend. Der Händler hat sogar eine ganze Reihe gläserner Zapfen aufgehängt, so dass man im Zusammenhang mit den Pelzen des Nachbarn meinen könnte, einen nordischen Wintermarkt zu besuchen.
Während ich noch einige Worte mit dem Pelzhändler wechsele, sitzt Anteru auf meiner Schulter und spielt mit den Zapfen, die dort herumbaumeln. Der Glashändler ist ein würdiger Vertreter seiner Zunft und so gelingt es ihm auch meine Aufmerksamkeit zu erheischen. Als ich mich herumdrehe passiert es. Anteru wollte wohl ihr neues Spielzeug so schnell nicht hergeben. Da am Ende immer einer nachgeben muss und meine Tochter durchaus dickköpfig sein kann war es in diesem Fall die Aufhängung. Eine ganze Reihe dieser Glaszapfen segelte in die Felle des Nachbarstandes.
Anteru findet sich in den Armen des überraschten Glashändlers wieder. Beide sehen sich verdutzt an und sagen kein Wort während ich die heruntergefallenen Zapfen zwischen den Fellen suche und wieder aufhänge. Der letzte, ein besonders schönes Exemplar fühlte sich sogar richtig eiskalt an. Den kaufte ich und am Ende war auch der Mann, der den ganzen Tag schwungvoll mit zerbrechlichen Glas handelt, aber keine einzige Bewegung wagte, solange er meine Tochter hielt, zufrieden.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Wed Mar 30, 2011 7:39 pm
by Banduk
Reisen dauert. Das gilt auch für den Weg zum Wohnort der el Luasteleys, die ja nun auch meine Familie sind. Und wie üblich gibt es nicht nur die Straßen voller Leute sondern auch das ein oder andere Stück des Weges, auf dem man eher allein ist. Anteru habe ich gerade in einer Rückentrage sitzen. Ihr Kopf liegt auf meiner Schulter, sie schläft. Der Führer der Packpferde mit den Geschenken und Handelswaren bummelt auf diesen kurvenreichen Wegen. Wenn ich seine Gesten richtig verstehe, beschreibt er aber gerade nicht den Weg sondern preist den beiden Wachen die Vorzüge gewisser Damen an.
Die Sonne scheint und es könnte eigentlich nicht friedlicher sein. Doch genau das ist es nicht. Gerade noch tiefster Friede, steht wie aus dem Boden gewachsen, ein zerlumpter Kerl vor mir, der sein Schwert auch schon lange nicht mehr geschliffen hat. Was hinter mir passiert kann ich bei einer schnellen Drehung nur erahnen. Nur so viel, meine Wachen haben zu tun.
Inzwischen habe ich meine Schwerter in der Hand. Eine kurze Parade und ich merke, das Gewicht auf meinem Rücken. Jetzt nur nicht stolpern.
So ungelenkt, wie der Kerl aussieht ist er gar nicht. Sicher, kein ernstzunehmender Gegner, wenn da nicht meine liebste Tochter wäre und sich nicht noch ein zweiter Gegner dazugesellen würde. Der sieht nicht weniger erbärmlich aus und handhabt seinen Knüppel mit nichts als roher Gewalt.
Während ich mit einer Drehung dem von oben kommenden Knüppel ausweiche verpasse ich dem ersten eine Schramme am Arm. Der schreit und Anteru auch. Ich spüre wir der Knüppel uns beide leicht streift. Das wird gefährlich.
Plötzlich übertönt das Sirren eines Zauberspruchs alle anderen Geräusche. Ein Blitz explodiert im Gesicht des Kerls mit dem Knüppel. Ein kurzer Schritt nach vorn und 2 Schwerter finden 2 Ziele.
Schnell bringe ich einige Schritte zwischen die Getroffenen und mich und schau mich um. Der unbekannte Magier ist nicht zu sehen. Meine Wachen brauchen keine Hilfe mehr, die prügeln gerade die verbleibenden Banditen lachend in die Flucht.
Es dauert noch eine geraume Weile, bis die beiden, die sich mit mir angelegt haben transportfähig sind. Einer als Leiche, der andere wird wohl dem Amtmann im nächsten Dorf noch einiges erzählen müssen. Dumm nur, dass keiner von uns den Magier gesehen hat, der meinen Angreifer blendete. Das war sicher kein starker Zauberspruch, Shandra hat ihn mir mal gezeigt. Warum er sich nicht zeigt und warum er nicht einen weitern Spruch nachschickte wird wohl ein Rätsel bleiben.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Thu Mar 31, 2011 6:17 pm
by Banduk
Manche Nachrichten sind schneller, als man glaubt. Es ist sicher noch eine Stunde bis zu Lias Eltern, aber schon jetzt begleiten uns viele vorbei, die zufällig gerade in der Gegend jagen waren. Alternativ gab es noch Beerenpflücker und Kräutersammler. Alle fanden, das es Zeit wäre nach Hause zu gehen.
Anteru schläft friedlich in ihrem Tragekorb, den ich dem sanftesten Pferd der Stadt übergelegt habe. Zumindest behauptet der Pferdehändler, dass es kein sanfteres Tier als dieses im weiteren Umkreis gäbe. Sanft ist es schon, aber hören könnte das ausnehmend schöne, gescheckte Tier auch ab und zu mal. Es gibt von unserer stetig wachsenden Begleitung eine Menge Ideen, wie man das Tier dazu bewegen kann in die richtige Richtung weiterzutrotten. Die Meisten davon scheinen es nötig zu machen, dass jemand bestimmtes direkt neben dem Tragekorb gehen muss.
Damit ist unsere kleine Gruppe eher eine ausgewachsene Karawane, als wir das Anwesen der el Luasteleys erreichen. Das ganze Anwesen erblüht regelrecht in frischem Grün. Alles sieht wie neu geboren aus und ich bin mir sicher, dass eine Vielzahl der verschieden arrangierten Sprossen, Blüten und ranken traditionellen Hintergrund hat.
Lias Eltern, deren persönlicher Schmuck auch aus verschiedenen jungen Pflanzen besteht, erwarten uns am Eingang. Ich begrüße sie mit der Formel, die mir Lia eingeschärft hat. Meine Befürchtung, dass eine falsche Betonung auch den Inhalt verfälscht war grundlos.
Gleich nachdem den Eldern meiner Familie Respekt gezeugt wurde, reiche ich die Kleine meinem Schwiegervater, der diese wie ein besonders kostbares Juwel entgegennimmt. Anteru, die wieder einmal wach gemacht wird, kann die Aufmerksamkeit mit völlig verschlafenen Augen kaum noch genießen und setzt zum Weinen an. Glücklicherweise entscheidet meine Schwiegermutter ohne den geringsten Einspruch zuzulassen, dass die Kleine ins Bett gehört. Selbst ihr Mann kommt dagegen nicht an. Die enttäuschte Menge muss sich gedulden, aber ein ausgeschlafenes Kind ist doch viel lieblicher.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Fri Apr 01, 2011 5:34 pm
by Banduk
Kinder von Elfen sind nicht so häufig. Und so steht Anteru auch die nächsten Tage im Mittelpunkt der ganzen Siedlung. Ich bin überall hin eingeladen, und es wäre eine Beleidigung, wenn die Kleine nicht zwangsläufig mitgenommen wird. Heute Abend sitzen wir bei Verwandten, die allesamt starke Magier sind. Das heißt, dass alles was magisch geht, auch so aufgeboten wurde. Das Feuer und die Beleuchtung sowieso. Sogar Anterus Korb wird magisch herumgereicht. Mein Schelm spielt dabei immer wieder Schiff und schaukelt so heftig wie möglich.
Zauberei ist das Thema des Abends. Vom Elfischen versteh ich ja schon kaum ein Wort, aber selbst bei den Gesprächen in der allgemeinen Handelssprache kommen mir die Worte wohl bekannt vor während deren Sinn sich mir häufiger verschließt.
Mein Bericht von Lias Fortschritten wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ich gebe zu, über das ein oder andere Ereignis habe ich den Mantel des Schweigens gehüllt. Freundlicherweise fragt niemand nach all den kleinen Pannen, die man in einem Haushalt mit Magiernovizen erlebt. Dafür ernte ich immer wieder ein wissendes Lächeln.
Plötzlich breitet sich wie Frost Stille aus. Alle Gespräche verstummen nach und nach und die Gesichter wenden sich meiner Tochter zu. Anteru liegt in ihrem Körbchen und spielt unbeeindruckt mit einem Eiszapfen. Ein majestätischer Elf, ich glaube er heißt A’Matifa, lässt ihre Krippe zu sich schweben und berührt den Zapfen seinerseits. Den lässt er langsam kleiner und größer werden. Das ganze Auditorium schaut atemlos zu. Anteru verzieht verärgert das Gesicht. Hinterher werde ich erfahren, dass A’Matifa den Zapfen keinesfalls wachsen lassen hat, das war Anteru.
Als dann alle wie wild durcheinanderreden, nimmt mich mein Schwiegervater beiseite. Er will mich trösten und sagt, es wäre nur für eine kurze Zeit. Mehr verstehe ich nicht, nur so viel, Anteru kann Magie weben und das ist gefährlich.
Später sitze ich mit den Oberhäuptern der wichtigsten Familien zusammen und das, was sie mir berichten drückt mein Herz gleichzeitig zusammen und lässt es zerspringen.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Sat Apr 02, 2011 10:15 am
by Banduk
Neuerdings wacht immer ein Magier bei Anteru. Meine Verwandten wechseln sich dabei ab.
Wirklich ich hätte lieber eine Tochter, die als nicht so gefährlich angesehen wird. Es hat bestimmt nicht lange gedauert mich zu überzeugen, aber ich weiß nun, wer den Banditen geblendet hat. Und so manch anderes nicht erklärliches Ereignis erscheint in einem anderen Licht. Anteru kann zielgerichtet Magie einsetzen ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie ist dazu noch viel zu klein.
Man sagt, dass vor langer Zeit Kinder mit solchen Gaben getötet wurden. Das erfahre ich allerdings erst, nachdem man mir vom Kloster Findaris in den Bergen von Kidamru erzählt hatte. Ich weiß nicht ob ich nicht sofort Anteru genommen hätte und mich mit ihr so lange in der Wildnis versteckt hätte, bis sie ihre Gabe versteht. Sie will doch niemand schaden. Auch wenn ich nicht den geringsten Zwirnsfaden Magie zwirbeln kann, ich weiß dass ich sie so weit bringen kann, zu überleben.
Zum Glück gibt es in dem besagten Kloster eine weise Elfin, die genau wie Anteru als Baby bereits ihre Umwelt mit Magie in Angst und Schrecken versetzt hat. Ich habe nicht genau verstanden, wie sie es überlebt hat, aber es war wohl auch ein unerhörter Bruch der Traditionen dabei. Bei ihr wird Anteru die nächste Zeit bleiben müssen. Und wenn meine Elfenfamilie von kurzer Zeit spricht, dann kann diese verdammt lang werden. Man spricht von mindestens einem halben Jahr.
Bereits am nächsten Tag brechen wir auf. Anteru, ich und magischer Begleitschutz. Ich lasse es mir nicht nehmen, wenigstens dieses letzte Mal Anteru selber zu tragen. Unsere Begleiter haben nichts dagegen einzuwenden und meine kleine Rabaukin, zieht mir freudig an den Haaren.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Sun Apr 03, 2011 9:17 am
by Banduk
Das Kloster liegt malerisch in einem Tal verborgen. Reichtum im Sinne von Gold ist es nicht was der Ort ausstrahlt, dafür Ruhe, Geborgenheit und Kraft.
Die Elder führt mich in einen Raum, der die nächste Zeit Anterus Heimat sein wird. Das Entsetzen in den Augen meiner Begleiter spricht Bände. Hier herein hätte ich wohl nicht kommen dürfen, wenn man den uralten Traditionen folgt.
Die Puppe, die Liasany genäht hat und meine bunten Spielklötze werden beinahe wie Gaben an Götter auf einem kleinen Altar gelegt. Eine Locke von ihrem Haar werde ich mitnehmen. Und die Aufgabe in den bis zum ersten Schnee jeweils ein Haar jedem der Fünf an seinem Altar auf Gobaith zu opfern.
Dann werden wir Anteru wieder bei uns haben können, nur wann das verschweigen die Götter.
Bereits am nächsten Morgen ist es Zeit zum Abschied nehmen. Die Kleine begreift noch nicht, was passiert. Sie lacht aber auch nicht. Ich schäme mich nicht der Tränen und wäre gerne hier geblieben. Nur darf weder ich noch Liasany hier für 6 lange Monate vorbeischauen. Denn ansonsten, so sagt man, würde unser Sonnenschein bald mit den Göttern wandeln.
Man sagt, man soll sich beim Weggehen nicht umschauen. Das kann ich heute nicht. Immer wieder drehe ich mich um. Anteru ist schon lange zwischen den Bäumen verschwunden. Selbst die Gebäude sind nur noch als Schemen auszumachen. Dort wo wir auf dem Hinweg das erste Mal einen Blick auf das Tal geworfen haben verweile ich. Bilder ziehen vor meinen geschlossenen Augen vorbei. Lachende, weinende, muntere, müde, trotzige, freudige Gesichter meiner Tochter. Als letzten Gruß an Anteru binde ich ein Lätzchen wie eine Fahne an einen Baum.
Anteru, in 6 langen Monaten, werden Deine Eltern hier stehen.
Kurz darauf trennen sich meine Wege von denen meiner Begleiter. Ich werde so schnell wie möglich nach Gobaith reisen. Noch weiß Liasany nichts vom Schicksal ihrer Tochter.
Re: Tradition und Eiszapfen
Posted: Mon Apr 04, 2011 7:11 am
by Banduk
Am Horizont ist Land in Sicht. Den Hafen von Trolls Bane werden wir in bald erreichen. Anteru ist jetzt bereits eine Woche im Kloster. Es bleiben noch 23 Wochen bis ich sie wieder auf die Arme nehmen kann. Und Lia wird es in wenigen Stunden erfahren. Nein, ich habe ihr keine Nachricht geschickt. Ich möchte bei ihr sein, wenn sie es erfährt. Wochen wollten wir unterwegs sein. Am Ende werden es mehr als 6 Monate sein, bis wir unser Töchterchen wiedersehen. Uns bleiben bis dahin Erinnerungen, ein leeres Bettchen, eine Locke ihres Haares und ein warmer Eiszapfen aus Glas.