Eines Druiden Geschichte
Posted: Sat Aug 15, 2009 5:10 pm
((closed, spielt Anfang Bras, auch wenn der schon vorbei ist))
Fünf Jahre war es nun her. Vor fünf Jahren war Tybalt gestorben.
Merung hatte gar nicht mitbekommen, wie die Zeit vergangen war. Seit Tybalts Tod schien es, als sei die Zeit für ihn stehen geblieben. Und obgleich er von Zeit zu Zeit die Stille seines selbst gewählten Exils verlassen musste, fiel er immer wieder in seine eigene Welt zurück. Der Nordwald, seine Heimat, war eine beeindruckende Schöpfung der Natur und mit den Kräften selbiger ausgestattet. Doch auch wenn Merung sich mittels des Nordwaldes am Busen der Natur nährte und er immer wieder neue Kraft erhielt, nur um irgendwie weiter zu machen, blieb sein Innerstes leer. Die Lebensgeister der Natur konnten um ihn herum wetteifern wie sie wollten; das Leben erreichte den Druiden nicht mehr.
Merung saß auf dem Boden und lehnte seitlich gegen das steinerne Grabmal. Oberhalb seiner blonden Haare war in dem Stein der Name ‚Tybalt’ eingebrannt. Und an jenen Mann dachte Merung auch, während er auf das weite Meer hinausstarrte. Den Blaustein in seinen Händen drückte er fester zu und schloss die Augen. Er stellte sich vor in Tybalts Armen zu liegen. Dieser würde sein Nase in Merungs blondem Haar vergraben, wie er es gerne tat und der ganze Schmerz der letzten Jahre wäre verflogen. Sie wären wieder vereint – glücklich. Lange blieb Merung dort so sitzen und hing seinen Erinnerungen nach.
Die Sonne hatte schon lange ihren Zenit überschritten, als Merung sich erhob und zum Grab blickte. In seiner linken Hand hielt er weiter den Blaustein, mit der rechten strich er nun zart über die Buchstaben im Stein. „Tybalt…“, sagte er mit schwacher Stimme und lehnte seine Stirn gegen den kalten Stein, „Selbst jetzt wo ich schon so lange nicht mehr an deiner Seite bin, bist noch immer du es, der mir einzelne Momente des Glücks bringt. Du bist tot ja, doch glaube ich dich an einem herrlichen Ort zu wissen. Wahrscheinlich sitzt du am Rande eines riesigen Waldes, vor dir köchelt das Wasser im Topf, während du Gemüse hackst und voller Vorfreude darauf wartest, dass ich aus dem Wald mit einigen Pilzen zu dir komme.“
Ein kleines Lächeln zeigte sich auf den Lippen des Druiden, aber schon nach wenigen Sekunden verschwand es wieder. Er öffnete die Augen und blickte auf den im Stein gebrannten Namen. „Und irgendwann Tybalt, wenn meine Zeit hier vorbei ist, werde ich endlich aus dem Wald kommen und du wirst uns etwas leckeres kochen. Ich wünschte mir, ich könnte bereits zu dir kommen, doch versprach ich dir, meinem Leben selbst kein Ende zu setzt. Doch was ist das für ein Leben, das ich führe? Es ist keines. Ich lebe gar nicht. Und das war sicher nicht, was du von mir wolltest…“ Zitternd schloss Merung wieder seine Augen. Seine Fingernägel kratzen über den Stein, als sich seine rechte Hand zu einer Faust zusammen zog. Eine Träne bahnte sich ihren weg über die blassen Wange des Druiden und fiel in das Gras vor dem Grabmal. „Wenn die Zeit gekommen ist, wo ich diese Welt verlasse und zu dir komme, will ich es als glücklicher Mensch tun. Ich will der sein, in den du dich einst verliebt hast.“ Merung trat einen Schritt zurück und hob den Blaustein an seine Lippen, ehe er diesen in seiner Hosentasche verschwinden lies. Sehnsüchtig seufzt er leise auf und strich abermals über den Schriftzug, während er weiter sprach: „Ich werde dich nie vergessen, Tybalt. Dich und die Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit werde ich für immer in meinem Herzen bewahren. Ich will die Erinnerungen an dich nicht durch meine Trauer betrüben lassen; ich will mit Freude und Sehnsucht an die Zeit denken, in der wir beide wieder vereint sind. So wie du es wolltest, werde ich weiter leben. Mögen meine Lebensgeister zu mir zurückkehren, auf dass ich mein Werk in diesem Leben vollbringen mag!“ Merung beugte sich vor und flüsterte leise: „Auf Wiedersehen, Liebster.“, dann wandte er sich ab und schritt langsam vom Grab nach Nordosten, Richtung Nordwald.
Die Sonne färbte den Himmel in ein dumpfes Rot, während Merung langsamen Schrittes durch das Gehölz des Waldes schritt. Er fiel kaum auf, wie er dort mit nachdenklichem Blick zwischen den riesigen Bäumen ging. Seine Gedanken drehten sich noch immer um seinen Geliebten und wie es nun weiter gehen solle. Doch über Eines war er sich, nämlich dass er so nicht mehr weiter machen könnte. Tybalt hatte er einst ein versprechen gegeben und wollte dieses auch halten. Und irgendwann würde er ihn wieder sehen. Es waren die Dinge, die seine Freunde, die Brüder und Schwestern des Druidentums, schon oft zu ihm gesagt hatten, doch die er erst jetzt erkannte und verstand. Fünf Jahre lang hatte er sich also verschlossen, hatte die Hilfe seiner Freunde nicht annehmen können und auch die Hände der Natur, die sich ihm reichten, konnte er kaum ergreifen. Der Nordwald hatte ihn aufgefangen und sich wie die schützenden Arme der Natur um ihn gelegt, dies hatte er immer gewusst, doch hatte er es auch gewürdigt? Es war die letzten Jahre so gewesen, als ob sich die Wurzeln der mächtigsten Bäume des Waldes um Merungs Herz geschlungen hätten und es so weiter pumpen hatten lassen. Sicherlich, er hatte nicht nachgelassen seine Werke zu voll richten, doch er tat dies wie eine mechanische Puppe; kaum mehr fähig wirkliche Freude an seinem Tun oder den Offenbarungen der Natur zu haben. Doch diese Zeit sollte zu Ende gehen. Er würde wieder die Schönheiten der Natur bewundern, sich ihrer ganz hingeben und die Trauer würde der Liebe zu seinem Liebsten weichen.
Merung hatte mittlerweile seinen Hain erreicht. Er blickte hinauf zu der großen Eiche und wandte sich dann dem weiten Wald zu. Seine Hand glitt in seine Tasche und umgriff den Blaustein. „Ich bin wieder am leben.“, flüsterte er in den Wald, welcher für einen Moment der stillste Ort der Insel zu sein schien.
Fünf Jahre war es nun her. Vor fünf Jahren war Tybalt gestorben.
Merung hatte gar nicht mitbekommen, wie die Zeit vergangen war. Seit Tybalts Tod schien es, als sei die Zeit für ihn stehen geblieben. Und obgleich er von Zeit zu Zeit die Stille seines selbst gewählten Exils verlassen musste, fiel er immer wieder in seine eigene Welt zurück. Der Nordwald, seine Heimat, war eine beeindruckende Schöpfung der Natur und mit den Kräften selbiger ausgestattet. Doch auch wenn Merung sich mittels des Nordwaldes am Busen der Natur nährte und er immer wieder neue Kraft erhielt, nur um irgendwie weiter zu machen, blieb sein Innerstes leer. Die Lebensgeister der Natur konnten um ihn herum wetteifern wie sie wollten; das Leben erreichte den Druiden nicht mehr.
Merung saß auf dem Boden und lehnte seitlich gegen das steinerne Grabmal. Oberhalb seiner blonden Haare war in dem Stein der Name ‚Tybalt’ eingebrannt. Und an jenen Mann dachte Merung auch, während er auf das weite Meer hinausstarrte. Den Blaustein in seinen Händen drückte er fester zu und schloss die Augen. Er stellte sich vor in Tybalts Armen zu liegen. Dieser würde sein Nase in Merungs blondem Haar vergraben, wie er es gerne tat und der ganze Schmerz der letzten Jahre wäre verflogen. Sie wären wieder vereint – glücklich. Lange blieb Merung dort so sitzen und hing seinen Erinnerungen nach.
Die Sonne hatte schon lange ihren Zenit überschritten, als Merung sich erhob und zum Grab blickte. In seiner linken Hand hielt er weiter den Blaustein, mit der rechten strich er nun zart über die Buchstaben im Stein. „Tybalt…“, sagte er mit schwacher Stimme und lehnte seine Stirn gegen den kalten Stein, „Selbst jetzt wo ich schon so lange nicht mehr an deiner Seite bin, bist noch immer du es, der mir einzelne Momente des Glücks bringt. Du bist tot ja, doch glaube ich dich an einem herrlichen Ort zu wissen. Wahrscheinlich sitzt du am Rande eines riesigen Waldes, vor dir köchelt das Wasser im Topf, während du Gemüse hackst und voller Vorfreude darauf wartest, dass ich aus dem Wald mit einigen Pilzen zu dir komme.“
Ein kleines Lächeln zeigte sich auf den Lippen des Druiden, aber schon nach wenigen Sekunden verschwand es wieder. Er öffnete die Augen und blickte auf den im Stein gebrannten Namen. „Und irgendwann Tybalt, wenn meine Zeit hier vorbei ist, werde ich endlich aus dem Wald kommen und du wirst uns etwas leckeres kochen. Ich wünschte mir, ich könnte bereits zu dir kommen, doch versprach ich dir, meinem Leben selbst kein Ende zu setzt. Doch was ist das für ein Leben, das ich führe? Es ist keines. Ich lebe gar nicht. Und das war sicher nicht, was du von mir wolltest…“ Zitternd schloss Merung wieder seine Augen. Seine Fingernägel kratzen über den Stein, als sich seine rechte Hand zu einer Faust zusammen zog. Eine Träne bahnte sich ihren weg über die blassen Wange des Druiden und fiel in das Gras vor dem Grabmal. „Wenn die Zeit gekommen ist, wo ich diese Welt verlasse und zu dir komme, will ich es als glücklicher Mensch tun. Ich will der sein, in den du dich einst verliebt hast.“ Merung trat einen Schritt zurück und hob den Blaustein an seine Lippen, ehe er diesen in seiner Hosentasche verschwinden lies. Sehnsüchtig seufzt er leise auf und strich abermals über den Schriftzug, während er weiter sprach: „Ich werde dich nie vergessen, Tybalt. Dich und die Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit werde ich für immer in meinem Herzen bewahren. Ich will die Erinnerungen an dich nicht durch meine Trauer betrüben lassen; ich will mit Freude und Sehnsucht an die Zeit denken, in der wir beide wieder vereint sind. So wie du es wolltest, werde ich weiter leben. Mögen meine Lebensgeister zu mir zurückkehren, auf dass ich mein Werk in diesem Leben vollbringen mag!“ Merung beugte sich vor und flüsterte leise: „Auf Wiedersehen, Liebster.“, dann wandte er sich ab und schritt langsam vom Grab nach Nordosten, Richtung Nordwald.
Die Sonne färbte den Himmel in ein dumpfes Rot, während Merung langsamen Schrittes durch das Gehölz des Waldes schritt. Er fiel kaum auf, wie er dort mit nachdenklichem Blick zwischen den riesigen Bäumen ging. Seine Gedanken drehten sich noch immer um seinen Geliebten und wie es nun weiter gehen solle. Doch über Eines war er sich, nämlich dass er so nicht mehr weiter machen könnte. Tybalt hatte er einst ein versprechen gegeben und wollte dieses auch halten. Und irgendwann würde er ihn wieder sehen. Es waren die Dinge, die seine Freunde, die Brüder und Schwestern des Druidentums, schon oft zu ihm gesagt hatten, doch die er erst jetzt erkannte und verstand. Fünf Jahre lang hatte er sich also verschlossen, hatte die Hilfe seiner Freunde nicht annehmen können und auch die Hände der Natur, die sich ihm reichten, konnte er kaum ergreifen. Der Nordwald hatte ihn aufgefangen und sich wie die schützenden Arme der Natur um ihn gelegt, dies hatte er immer gewusst, doch hatte er es auch gewürdigt? Es war die letzten Jahre so gewesen, als ob sich die Wurzeln der mächtigsten Bäume des Waldes um Merungs Herz geschlungen hätten und es so weiter pumpen hatten lassen. Sicherlich, er hatte nicht nachgelassen seine Werke zu voll richten, doch er tat dies wie eine mechanische Puppe; kaum mehr fähig wirkliche Freude an seinem Tun oder den Offenbarungen der Natur zu haben. Doch diese Zeit sollte zu Ende gehen. Er würde wieder die Schönheiten der Natur bewundern, sich ihrer ganz hingeben und die Trauer würde der Liebe zu seinem Liebsten weichen.
Merung hatte mittlerweile seinen Hain erreicht. Er blickte hinauf zu der großen Eiche und wandte sich dann dem weiten Wald zu. Seine Hand glitt in seine Tasche und umgriff den Blaustein. „Ich bin wieder am leben.“, flüsterte er in den Wald, welcher für einen Moment der stillste Ort der Insel zu sein schien.