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Teil 1 --- Der Brief
Der Regen hatte bereits vor Sonnenaufgang eingesetzt und lag seit Stunden wie ein feiner Schleier über dem Land. Er war nicht stark genug, um die Wege in Schlamm zu verwandeln, doch beständig genug, um jedes Blatt, jeden Stein und jeden hölzernen Balken mit einem dünnen Film aus Wasser zu überziehen. Von den Ästen der alten Bäume tropfte es in regelmäßigen Abständen herab, während sich zwischen den niedrigen Hügeln und den weitläufigen Wiesen ein dichter, grauer Nebel hielt. Die Landschaft lag still unter dem bedeckten Himmel. Nur hin und wieder war das ferne Rufen eines Vogels zu hören oder das leise Plätschern eines Baches, dessen Wasser nach den vergangenen Regentagen deutlich schneller floss als gewöhnlich.
Die Gegend lag weit abseits der größeren Städte und Handelswege. Wer hier unterwegs war, tat dies selten ohne einen guten Grund. Die nächste größere Siedlung befand sich mehrere Stunden entfernt, und selbst dort gab es wenig, was einen Reisenden lange halten konnte. Einige Bauernhöfe und kleine Ansiedlungen lagen verstreut zwischen den Feldern, verbunden durch alte Wege, die sich durch Wälder und über offene Wiesen zogen. Händler kamen gelegentlich vorbei, ebenso Reisende, die auf ihrem Weg in entlegenere Gegenden waren, doch für gewöhnlich blieb die Landschaft sich selbst überlassen. Es war eine jener Gegenden, die man durchquerte, ohne sich ihren Namen zu merken.
Auf einem sanften Hügel, etwas abseits der Straße, stand ein einzelnes Haus. Es war nicht besonders groß und hätte sich zwischen den zahlreichen Gebäuden größerer Städte vermutlich kaum hervorgetan, doch hier, inmitten der weitläufigen Landschaft, wirkte es beinahe wie ein bewusst gesetzter Ruhepunkt. Das Fundament bestand aus hellem, grob behauenem Stein, auf dem sich ein zweigeschossiges Gebäude aus dunklem Holz erhob. Die Balken waren sichtbar und teilten die Fassade in regelmäßige Felder, während das steile Dach weit über die Außenwände ragte und einen Teil der oberen Fenster vor dem Regen schützte. Das Holz war nicht neu, doch offensichtlich gut gepflegt. An manchen Stellen hatte die Witterung die Oberfläche über die Jahre aufgehellt, ohne dass irgendwo Fäulnis oder Verfall zu erkennen gewesen wäre.
Vor dem Haus führte ein schmaler, gepflasterter Weg von der Straße bis zur Eingangstür. Zwischen den Steinen wuchs vereinzelt Moos, doch auch dieses wurde offenbar regelmäßig zurückgeschnitten. Neben der Tür hing eine einfache eiserne Laterne, deren Flamme selbst im feuchten Morgenlicht ruhig brannte. Es gab kein Schild, kein Wappen und keinen Namen, der einem Besucher verraten hätte, wer hier lebte. Die Fenster waren hoch und schmal, ihre Rahmen dunkel gestrichen und ebenso schlicht gehalten wie der Rest des Gebäudes. Hinter dem Haus befand sich ein kleiner Garten, der sich deutlich von der wilden Landschaft ringsum unterschied. Kräuter wuchsen in sorgfältig angelegten Beeten, einige Pflanzen standen in sauber gezogenen Reihen, während andere etwas abseits an der Hauswand wuchsen. Nichts davon wirkte zufällig. Selbst dort, wo die Natur scheinbar frei wachsen durfte, hatte jemand entschieden, wo sie ihren Platz bekam.
Das Innere des Hauses war ebenso zurückhaltend wie seine äußere Erscheinung. Dunkles Holz dominierte die Räume, während schwere Stoffe die Fenster teilweise bedeckten und das einfallende Licht dämpften. Im Erdgeschoss befanden sich eine kleine Küche, ein schlicht eingerichteter Aufenthaltsraum und ein Arbeitszimmer. Die Möbel waren von guter Qualität, aber frei von unnötigem Prunk. Ein großer Tisch stand nahe einem der Fenster, daneben mehrere Stühle und ein hohes Regal, dessen Fächer mit Büchern gefüllt waren. Weitere Bücher befanden sich in beinahe jedem Raum des Hauses. Manche standen ordentlich nebeneinander, andere lagen auf kleinen Stapeln auf Tischen oder Fensterbänken. Einige Einbände waren alt und an den Kanten deutlich abgenutzt, während andere wesentlich neuer wirkten. Es war nicht die Sammlung eines Menschen, der Bücher nur zur Zierde besaß. Die meisten davon waren offensichtlich gelesen worden.
Auf dem großen Tisch lagen mehrere Pergamente, einige davon beschrieben, andere noch vollkommen leer. Ein Tintenfass stand neben einer Feder, deren Spitze sorgfältig gereinigt worden war. Daneben befand sich ein kleines Messer zum Schneiden der Federkiele. Alles hatte seinen Platz, und selbst die Gegenstände, die gerade nicht benutzt wurden, schienen bewusst so abgelegt worden zu sein, dass sie jederzeit wiedergefunden werden konnten.
Im Obergeschoss war es noch ruhiger. Ein Schlafzimmer und ein größeres Arbeitszimmer nahmen beinahe die gesamte Fläche ein. Das Arbeitszimmer wurde von einem hohen Bücherregal beherrscht, das sich über eine komplette Wand erstreckte. Die oberen Fächer waren nur mit einer kleinen hölzernen Trittleiter erreichbar, die an der Seite des Regals lehnte. Vor dem größten Fenster stand ein schwerer Schreibtisch, dessen Oberfläche nur wenig freie Fläche bot. Mehrere Bücher lagen geöffnet darauf, einige Pergamente waren mit feinen Notizen versehen und ein kleines, geschlossenes Kästchen stand neben einer brennenden Kerze.
Andokai saß dort und las.
Seine Erscheinung hob sich deutlich von der dunklen Einrichtung des Raumes ab. Das lange, weiße Haar fiel über seine Schultern und lag teilweise auf der dunklen Robe, die seinen Körper beinahe vollständig bedeckte. Der hohe Kragen seines Gewandes lag eng an seinem Hals an, während mehrere dunkle Stofflagen übereinanderfielen und unter der langen äußeren Robe verschwanden. Die Ärmel waren weit geschnitten und ließen seine Bewegungen beinahe vollständig darin verschwinden. Schwarze Handschuhe bedeckten seine Hände, deren Bewegungen ruhig und präzise waren, während er eine Seite nach der anderen umblätterte.
Sein Gesicht zeigte dabei kaum eine Regung. Die dunklen Augen wanderten langsam über die Zeilen, während draußen der Regen gegen das Glas schlug. Seit einiger Zeit hatte sich an seiner Haltung nichts verändert. Nur das gelegentliche Umblättern und das leise Knacken der Kerze durchbrachen die Stille des Raumes.
Dann war ein anderes Geräusch zu hören.
Ein kurzes Flattern vor dem Fenster, gefolgt von einem leisen Kratzen auf dem hölzernen Sims.
Andokai hob den Blick.
Auf dem äußeren Fenstersims saß ein kleiner Vogel, dessen Gefieder vom Regen leicht durchnässt war. An einem seiner Beine war ein schmales Stück Pergament befestigt. Der Elf betrachtete das Tier einen Augenblick, bevor er das Buch vor sich langsam schloss und sich erhob.
Seine Bewegungen waren ruhig und ohne Hast. Er trat zum Fenster, öffnete es und ließ die kalte, feuchte Morgenluft in den Raum. Der Vogel wich nicht zurück. Andokai löste das Pergament vorsichtig von seinem Bein und ließ das Tier anschließend davonfliegen. Einen Moment lang blieb er am geöffneten Fenster stehen und beobachtete, wie der Vogel zwischen den nassen Baumkronen verschwand. Erst dann schloss er das Fenster wieder.
Das Pergament war mit einer einfachen Schnur zusammengebunden. Es trug kein auffälliges Siegel und kein Wappen, das ihm auf den ersten Blick bekannt gewesen wäre. Auch die Handschrift auf der Außenseite gab keinen Hinweis auf den Absender. Andokai betrachtete die Nachricht einige Sekunden, bevor er die Schnur löste und das Pergament auseinanderfaltete.
Die Nachricht war kurz und präzise gehalten. Eine Einladung, verbunden mit der Bitte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort einzufinden. Kein langer Gruß, keine ausführliche Erklärung und keine Begründung dafür, weshalb gerade er eingeladen worden war. Der genannte Ort sagte ihm nichts. Ebenso wenig verriet die Nachricht, was ihn dort erwarten würde. Der Name des Absenders fehlte vollständig.
Andokai las die Zeilen einmal, faltete das Pergament jedoch nicht sofort zusammen. Stattdessen blieb sein Blick einige Augenblicke auf der letzten Zeile ruhen, bevor er die Nachricht erneut von Anfang an las. Erst beim dritten Durchgang schien er für sich zu einem Entschluss gekommen zu sein. Er faltete das Pergament sorgfältig zusammen und steckte es in eine Innentasche seiner Robe.
Danach blieb er noch einen Moment am Fenster stehen.
Der Regen war inzwischen schwächer geworden. Zwischen den Wolken zeigte sich ein heller Streifen am Horizont, und der Nebel begann sich langsam aus den Senken zurückzuziehen. Die ersten Sonnenstrahlen waren noch weit entfernt, doch das Land wirkte bereits weniger dunkel als zuvor. Auf der Straße bewegte sich ein einzelner Reisender, eingehüllt in einen schweren Umhang. Er ging langsam und verschwand schließlich hinter einer Gruppe alter Bäume.
Andokai wandte sich vom Fenster ab.
Er verließ das Arbeitszimmer und ging die Treppe hinunter. Im Eingangsbereich blieb er vor einem schmalen Schrank stehen. Die Tür öffnete sich beinahe lautlos. Darin lagen nur wenige Dinge, die er für eine Reise benötigen konnte: ein dunkler Reiseumhang, zusätzliche Handschuhe, einige leere Pergamente, ein kleiner Beutel und ein paar andere Gegenstände, deren Zweck sich nicht unmittelbar erschloss. Andokai nahm den Umhang heraus und legte ihn über seine Schultern. Der schwere Stoff fiel beinahe bis zu seinen Knöcheln und schützte einen Großteil seiner Robe vor dem Wetter.
Anschließend griff er nach seinem Gehstock.
Das schwarze Holz lag ruhig in seiner Hand. Über den Schaft zogen sich die feinen Runen, deren dunkle Linien sich zwischen den eingelassenen Edelsteinen verloren. Im schwachen Licht der Eingangslampe schimmerte einer der Steine kurz auf, und für einen kaum wahrnehmbaren Moment schien sich ein feines Leuchten durch eine der Runen zu ziehen. Dann war der Effekt verschwunden.
Andokai richtete den Stoff seines Umhangs und öffnete die Haustür.
Die Luft draußen war kühl und roch nach nasser Erde und feuchtem Holz. Der Regen hatte fast vollständig aufgehört. Auf dem gepflasterten Weg standen kleine Pfützen, in denen sich die graue Wolkendecke spiegelte. Von den Ästen tropfte weiterhin Wasser, und aus der Ferne war das Rauschen eines Baches zu hören.
Er trat hinaus und schloss die Tür hinter sich.
Für einen Augenblick stand er still auf dem Weg und blickte über die Landschaft. Das Haus lag hinter ihm ruhig und beinahe unscheinbar auf dem Hügel. Von hier aus konnte man erkennen, wie weit die Gegend tatsächlich war. Keine hohen Türme, keine Mauern und keine größeren Gebäude unterbrachen die Landschaft. Nur Felder, Wälder, Hügel und die schmale Straße, die sich wie eine dunkle Linie durch das Land zog.
Andokai setzte sich in Bewegung.
Der Gehstock berührte bei jedem Schritt leise den nassen Stein. Sein langer Umhang bewegte sich leicht im Wind, während das weiße Haar über seine Schultern fiel. Er ging nicht besonders schnell. Es gab keinen Grund dazu.
Die Einladung befand sich sicher in seiner Robe.
Er hatte einen Ort zu erreichen.
Doch bevor er dorthin aufbrechen konnte, würde er eine Gruppe benötigen.
Eine Reise allein wäre möglich gewesen, doch darum ging es nicht. Die Nachricht hatte ihn an einen Ort gerufen, dessen Entfernung, Umgebung und mögliche Gefahren ihm unbekannt waren. Es war daher sinnvoller, sich nicht allein auf den Weg zu machen. Er würde Personen benötigen, die ihn begleiten konnten, die im Notfall mit einer Waffe umgehen konnten und die nicht bei der ersten Schwierigkeit die Reise abbrechen würden.
Vor allem aber würde er jemanden benötigen, der bereit war, einen Auftrag anzunehmen, ohne sofort auf jede Frage eine Antwort zu verlangen.
Wo er solche Personen finden würde, wusste Andokai noch nicht.
Vielleicht in der nächsten größeren Siedlung.
Vielleicht in einer Schenke an der Straße.
Vielleicht bei einer Gruppe von Reisenden, die gerade selbst nach Arbeit suchte.
Vielleicht würde sich die Gelegenheit vollkommen anders ergeben.
Er hatte keinen Grund, dies jetzt zu entscheiden.
Die Straße führte vom Hügel hinunter und verschwand nach einigen hundert Schritten zwischen den Bäumen. Der Boden war vom Regen weich geworden, und an den Seiten sammelte sich Wasser in kleinen Vertiefungen. Andokai folgte dem Weg, während hinter ihm das Haus immer kleiner wurde.
Die Landschaft veränderte sich nur langsam. Aus den offenen Feldern wurden schmalere Wiesen, dann dichter stehende Baumgruppen. Zwischen den Stämmen lag feuchtes Laub, und das wenige Licht, das durch die Wolken drang, wurde vom Blätterdach gebrochen. Hier war kaum noch etwas von der Straße zu hören.
Andokai ging weiter.
Er wusste nicht, wer die Einladung geschickt hatte.
Er wusste nicht, weshalb man ihn ausgewählt hatte.
Er wusste nicht, wohin die Reise führen würde.
Und er wusste nicht, was ihn an ihrem Ende erwartete.
Doch eines wusste er.
Er würde nicht allein dorthin gehen.
Noch bevor der Tag seinen Mittag erreichte, musste er jemanden finden, der bereit war, ihn zu begleiten.
Und so begann seine Reise nicht mit einem großen Aufbruch, keinem bekannten Ziel und keiner klaren Antwort auf die Frage, was ihn erwartete.
Sie begann mit einem Stück Pergament, das in der Innentasche seiner dunklen Robe verborgen lag, während ein hochgewachsener Elf mit weißem Haar und schwarzem Gehstock eine unbekannte Straße entlangging.
Vor ihm lag ein weiter Weg.
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Part 1 - The Letter
The rain had begun before sunrise and had lingered over the land for hours, falling as a fine, steady veil. It was not heavy enough to turn the roads into mud, yet persistent enough to cover every leaf, stone, and wooden beam with a thin sheen of water. Droplets fell from the branches of the old trees at regular intervals, while a thick grey mist lingered between the low hills and the sprawling meadows. The landscape lay quiet beneath the overcast sky. Every now and then, the distant call of a bird could be heard, or the soft murmur of a stream whose waters had swollen considerably after the days of rain.
The region lay far from the larger cities and well-traveled roads. Those who traveled through these lands rarely did so without good reason. The nearest sizable settlement was several hours away, and even there, there was little to keep a traveler for long. A handful of farms and small settlements were scattered among the fields, connected by old roads winding through forests and across open meadows. Merchants passed through from time to time, as did travelers bound for more remote regions, but for the most part, the countryside was left to itself. It was one of those places one passed through without ever bothering to remember its name.
Upon a gentle hill, somewhat removed from the road, stood a solitary house. It was not particularly large, and in one of the great cities it would likely have attracted little attention. Here, however, surrounded by the open countryside, it seemed almost like a deliberate point of stillness. Its foundation was built from pale, roughly hewn stone, upon which a two-story structure of dark timber had been raised. The wooden beams remained visible, dividing the facade into regular sections, while the steep roof extended well beyond the walls and sheltered parts of the upper windows from the rain. The timber was old, but clearly well maintained. In places, the weather had lightened its surface over the years, yet nowhere could rot or decay be seen.
A narrow paved path led from the road to the front door. Moss grew sporadically between the stones, though even that appeared to be trimmed regularly. Beside the door hung a simple iron lantern, its flame burning steadily despite the damp morning air. There was no sign, no crest, and no name to tell a visitor who lived there. The windows were tall and narrow, their frames painted dark and kept just as simple as the rest of the building. Behind the house lay a small garden, noticeably different from the wild landscape surrounding it. Herbs grew in carefully arranged beds, some plants standing in neat rows while others grew somewhat apart along the walls of the house. Nothing appeared accidental. Even where nature had been allowed to grow freely, someone had clearly decided where it was meant to belong.
The interior of the house was just as restrained as its exterior. Dark wood dominated the rooms, while heavy fabrics partially covered the windows and softened the light that entered. The ground floor consisted of a small kitchen, a simply furnished sitting room, and a study. The furniture was of good quality but entirely free of unnecessary ornamentation. A large table stood near one of the windows, surrounded by several chairs and a tall bookcase whose shelves were filled with books. More books could be found in almost every room of the house. Some stood neatly beside one another, while others rested in small stacks on tables or windowsills. Some bindings were old and visibly worn at the edges, while others appeared considerably newer. It was not the collection of someone who owned books merely for decoration. Most of them had clearly been read.
Several pieces of parchment lay across the large table, some covered in writing while others remained completely blank. An inkpot stood beside a quill whose tip had been carefully cleaned. A small knife for trimming quills lay next to it. Everything had its place, and even those objects that were not currently in use seemed to have been deliberately positioned so they could easily be found again.
The upper floor was quieter still. A bedroom and a larger study occupied nearly the entire level. The study was dominated by a tall bookcase that covered an entire wall. The upper shelves could only be reached with the help of a small wooden step ladder leaning against its side. A heavy desk stood before the largest window, its surface offering little empty space. Several books lay open upon it, some parchments covered in fine notes, and a small, closed box rested beside a burning candle.
Andokai sat there, reading.
His appearance stood out against the dark furnishings of the room. His long white hair fell over his shoulders, partially resting upon the dark robe that covered almost his entire figure. The high collar of his garment sat closely around his neck, while several dark layers of fabric overlapped one another before disappearing beneath the long outer robe. The sleeves were wide, concealing most of his movements. Black gloves covered his hands, which moved calmly and precisely as he turned one page after another.
His face revealed almost no emotion. His dark eyes moved slowly across the lines of text while the rain tapped against the window. For some time, nothing about his posture had changed. Only the occasional turning of a page and the quiet crackle of the candle disturbed the silence of the room.
Then another sound could be heard.
A brief flutter outside the window, followed by a faint scratching against the wooden sill.
Andokai raised his gaze.
A small bird sat upon the outer windowsill, its feathers slightly damp from the rain. A narrow piece of parchment was attached to one of its legs. The elf regarded the creature for a moment before slowly closing the book in front of him and rising from his chair.
His movements were calm and unhurried. He crossed the room, opened the window, and allowed the cold, damp morning air to enter. The bird did not retreat. Andokai carefully removed the parchment from its leg and then allowed the creature to fly away. For a moment, he remained by the open window, watching as the bird disappeared among the wet treetops. Only then did he close the window again.
The parchment was tied with a simple piece of string. There was no conspicuous seal and no crest that he immediately recognized. Nor did the handwriting on the outside provide any obvious indication of the sender. Andokai studied the message for several seconds before loosening the string and unfolding the parchment.
The message itself was brief and precise. An invitation, accompanied by a request that he appear at a certain place at a certain time. There was no lengthy greeting, no detailed explanation, and no reason given as to why he had been invited. The place mentioned meant nothing to him. The message offered no indication of what awaited him there. The name of the sender was entirely absent.
Andokai read the lines once, but did not immediately fold the parchment away. Instead, his gaze remained upon the final line for several moments before he read the message again from the beginning. Only after the third reading did he seem to reach a decision. He carefully folded the parchment and slipped it into an inner pocket of his robe.
He remained by the window for another moment.
The rain had weakened considerably. A pale strip of light had appeared along the horizon, and the mist was slowly beginning to withdraw from the low ground. The first rays of sunlight were still some time away, yet the land already seemed less dark than before. A lone traveler moved along the road below, wrapped in a heavy cloak against the cold. Andokai watched until the figure disappeared behind a cluster of old trees.
Then he turned away from the window.
He left the study and descended the stairs. In the entrance hall, he stopped before a narrow cupboard. The door opened almost silently. Inside lay only a few things he might need for a journey: a dark traveling cloak, an additional pair of gloves, several sheets of blank parchment, a small pouch, and a few other objects whose purpose was not immediately apparent. Andokai took out the cloak and placed it around his shoulders. The heavy fabric fell almost to his ankles, shielding much of his robe from the weather.
Then he reached for his walking staff.
The black wood rested calmly in his hand. Fine runes ran along the shaft, their dark lines disappearing between the gemstones set into the wood. In the dim light of the entrance lantern, one of the stones briefly caught the light, and for the smallest moment, a faint glow seemed to travel through one of the runes.
Then it was gone.
Andokai adjusted the fabric of his cloak and opened the front door.
The air outside was cool and carried the scent of wet earth and damp wood. The rain had almost completely stopped. Small puddles covered parts of the paved path, reflecting the grey sky above. Water continued to drip from the branches, and somewhere in the distance, the sound of a stream could be heard.
He stepped outside and closed the door behind him.
For a moment, he stood still upon the path, looking out across the landscape. The house behind him stood quietly upon the hill, almost unremarkable. From here, the true extent of the surrounding countryside became apparent. There were no tall towers, no walls, and no large buildings breaking the horizon. Only fields, forests, hills, and the narrow road that wound like a dark line through the land.
Andokai began to walk.
The tip of his staff touched the wet stone with every step. His long cloak moved slightly in the breeze, while his white hair fell over his shoulders. He did not walk particularly quickly. There was no reason to.
The invitation was safely hidden beneath the layers of his clothing.
He had a place to reach.
But before he could set out on the journey, he would need a group.
Traveling alone would have been possible, but that was not the point. The message had called him to a place whose distance, surroundings, and possible dangers were entirely unknown to him. It would therefore be wiser not to make the journey alone. He would need people who could accompany him, people capable of defending themselves if necessary, and people who would not abandon the journey at the first sign of difficulty.
Most importantly, he would need people willing to accept a task without immediately demanding an answer to every question.
Where he would find such people, Andokai did not yet know.
Perhaps in the nearest sizable settlement.
Perhaps in an inn along the road.
Perhaps among a group of travelers who were themselves looking for work.
Perhaps the opportunity would arise somewhere entirely unexpected.
There was no reason to decide that now.
The road led down from the hill and disappeared between the trees several hundred paces ahead. The ground had softened beneath the rain, and water gathered in shallow depressions along the roadside. Andokai followed the path as the open fields gradually gave way to narrower meadows and then denser clusters of trees. Between the trunks lay damp leaves, while the little sunlight that managed to break through the clouds was scattered by the canopy above.
There was little sound of the road here.
Andokai continued walking.
He did not know who had sent the invitation.
He did not know why he had been chosen.
He did not know where the journey would take him.
And he did not know what awaited him at its end.
But one thing was certain.
He would not go there alone.
Before the day reached its height, he would have to find someone willing to accompany him.
And so his journey did not begin with a grand departure, a known destination, or any clear answer to the question of what awaited him.
It began with a single piece of parchment hidden within the inner pocket of a dark robe, while a tall elf with white hair and a black walking staff followed an unfamiliar road through the countryside.
A long road lay ahead.
Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
Moderator: Gamemasters
Re: Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
Teil 2 – Unter fremden Dächern
Der Weg hatte sich über Stunden gezogen, und obwohl Andokai am Morgen aufgebrochen war, stand die Sonne bereits deutlich tiefer, als er schließlich die ersten Anzeichen einer Siedlung bemerkte. Die Landschaft hatte sich im Laufe des Tages mehrfach verändert. Die offenen Wiesen waren nach und nach schmaler geworden, Felder hatten sich zwischen die bewaldeten Hügel geschoben und die Straße, die am frühen Morgen noch kaum mehr als ein feuchter Pfad gewesen war, hatte sich schließlich zu einem befestigten Weg verbreitert, auf dem deutlich mehr Spuren von Reisenden zu erkennen waren. Tiefe Wagenrinnen durchzogen den aufgeweichten Boden, an einigen Stellen so dicht nebeneinander, dass kaum noch zu erkennen war, welcher Karren welche Spur hinterlassen hatte. Hufabdrücke lagen dazwischen, manche frisch und noch mit Wasser gefüllt, andere bereits vom Regen der vergangenen Nacht ausgewaschen.
Andokai war diesen Weg ohne besondere Eile gegangen. Sein dunkler Reiseumhang hatte ihn vor dem wechselhaften Wetter geschützt, auch wenn der Stoff an den unteren Rändern inzwischen deutlich vom Staub und der Feuchtigkeit der Straße gezeichnet war. Das lange weiße Haar, das ihm zu Beginn des Tages noch beinahe makellos über die Schultern gefallen war, hatte sich durch Wind und die feuchte Luft etwas gelockert. Einige Strähnen lagen nun lose an seinem Gesicht und bewegten sich bei jedem Schritt leicht im Wind. Er hatte sich nicht darum gekümmert.
Die Umgebung war mittlerweile deutlich belebter geworden. Wo am Vormittag kaum ein Mensch zu sehen gewesen war, begegneten ihm nun immer häufiger Reisende. Ein alter Bauer führte zwei schwer beladene Ochsen über den Weg, deren Hufe tief in den weichen Boden sanken. Hinter ihm folgte ein kleiner Karren, auf dem Säcke und Holzkisten übereinandergestapelt waren. Der Fahrer, ein breitschultriger Mann mit wettergegerbtem Gesicht, hielt eine Hand über die Augen, um gegen die tief stehende Sonne sehen zu können, und warf Andokai nur einen kurzen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor sich richtete.
Wenige hundert Schritte weiter kam ihm eine kleine Gruppe von Reisenden entgegen. Zwei Männer trugen einfache Lederwesten und führten kurze Schwerter an ihren Seiten, während eine Frau zwischen ihnen ging, deren Kleidung deutlich weniger auf einen Kampf als auf eine längere Reise ausgelegt war. Ihre Unterhaltung verstummte für einen Moment, als sie an Andokai vorbeikamen. Einer der Männer sah kurz auf den schwarzen Gehstock, dann auf die ungewöhnliche Größe des Elfen und schließlich in dessen dunkle Augen. Andokai erwiderte den Blick nicht länger als nötig und setzte seinen Weg fort.
Er hatte inzwischen gelernt, dass die meisten Menschen einen Fremden nur solange betrachteten, wie sie glaubten, etwas Interessantes an ihm entdecken zu können.
Und Andokai war zweifellos ein ungewöhnlicher Fremder.
Nicht nur seine Größe fiel auf. Es war vor allem die Kombination aus seinem langen weißen Haar, der hellen Haut, den dunklen Gewändern und dem schwarzen Stock, die ihn aus der Menge der Reisenden hervorhob. Hinzu kam seine beinahe unerschütterliche Ruhe. Während andere Reisende ihre Kleidung gegen den Wind festhielten, ihre Lasten überprüften oder sich über den Zustand der Straße beschwerten, ging Andokai mit gleichmäßigen Schritten weiter, als wäre der lange Weg kaum mehr als ein notwendiger Teil des Tages.
Gegen Abend wurde die Straße breiter.
Die ersten Häuser tauchten zwischen den Bäumen auf, zunächst vereinzelt und mit deutlichem Abstand voneinander, später immer dichter. Es waren einfache Gebäude aus Holz, Lehm und Stein, einige mit kleinen Gärten oder eingezäunten Flächen davor. Zwischen den Häusern verliefen schmale Wege, die von der Hauptstraße abzweigten und zu Ställen, Werkstätten oder kleinen Höfen führten. Aus einem offenen Schuppen drang das rhythmische Geräusch eines Hammers, während ein Schmied dabei war, ein Stück Metall auf seinem Amboss zu bearbeiten. Der Klang wanderte durch die Abendluft und vermischte sich mit dem Rufen von Kindern, dem Wiehern eines Pferdes und dem gelegentlichen Knarren eines Wagens.
Die Siedlung war nicht groß genug, um sich selbst als bedeutende Stadt zu bezeichnen, aber groß genug, um Reisende anzuziehen. Ihre Lage an der Straße machte sie zu einem natürlichen Zwischenhalt für Händler, Handwerker, Söldner und all jene, die zwischen den größeren Orten unterwegs waren. Die Häuser standen nicht nach einem festen Plan. Manche waren alt und schief, andere erst vor wenigen Jahren errichtet worden. Zwischen ihnen fanden sich kleine Plätze, Brunnen und überdachte Stände, an denen Händler ihre Waren anboten.
Einige Bewohner schlossen bereits ihre Fensterläden, während andere erst damit begannen, ihre Stände für den nächsten Morgen vorzubereiten. Der Duft von gebratenem Fleisch, frischem Brot und Kräutern hing über der Straße. Aus einem kleinen Laden drang der Geruch von Leder, aus einer Werkstatt der von Kohle und heißem Metall. Überall waren Stimmen zu hören.
Andokai verlangsamte seinen Schritt.
Nicht weil er müde war.
Zumindest ließ er es sich nicht anmerken.
Er betrachtete die Gebäude und die Menschen, die sich zwischen ihnen bewegten, und ließ seinen Blick schließlich über die Straße wandern. Die Einladung, die er am Morgen erhalten hatte, lag noch immer sicher in seiner Robe. Sie war der Grund für seine Reise, doch sie war nicht der Grund, weshalb er nun stehen blieb.
Er benötigte zunächst einen Ort für die Nacht.
Und vielleicht würde er dort auch finden, wonach er suchte.
Eine Taverne.
Es dauerte nicht lange, bis er eine fand.
Das Gebäude lag etwas zurückgesetzt von der Hauptstraße und war größer als die meisten umliegenden Häuser. Zwei Stockwerke erhoben sich über einem breiten Erdgeschoss, aus dessen Fenstern warmes Licht auf den inzwischen dunkler werdenden Weg fiel. Über der Eingangstür hing ein hölzernes Schild, das von Wind und Wetter gezeichnet war. Darauf war das verblasste Bild eines Kruges zu erkennen. Der Name darunter war durch die Jahre kaum noch lesbar.
Vor dem Gebäude standen mehrere Bänke und ein langer Tisch, an dem zwei Männer saßen und sich lautstark über irgendeinen Streit unterhielten. Neben der Tür standen mehrere Fässer, einige davon bereits leer. Ein alter Karren war an der Seite des Hauses abgestellt worden, während zwei Pferde an einem einfachen Pfosten befestigt waren und langsam aus einer hölzernen Krippe fraßen.
Aus dem Inneren der Taverne drangen Stimmen und Gelächter.
Nicht das laute, ausgelassene Grölen eines Trinkgelages, sondern das ganz gewöhnliche Geräusch eines Ortes, an dem Menschen nach einem langen Tag zusammenkamen.
Andokai blieb vor der Tür stehen.
Einen Augenblick lang betrachtete er das Schild.
Dann öffnete er die Tür.
Wärme schlug ihm entgegen.
Die Taverne war deutlich größer, als es von außen den Anschein gemacht hatte. Ein breiter Schankraum erstreckte sich über die gesamte Vorderseite des Gebäudes. Der Boden bestand aus dunklen, abgenutzten Holzdielen, die an manchen Stellen bereits glatt geworden waren, weil unzählige Füße über Jahrzehnte hinweg darüber gegangen waren. Entlang der Wände standen Tische und Bänke, dazwischen einzelne Stühle. Einige Tische waren klein und für zwei oder drei Personen gedacht, während sich in der Mitte des Raumes eine lange Tafel befand, an der bereits mehrere Gäste saßen.
An der hinteren Wand befand sich die Theke.
Sie war aus massivem Holz gefertigt und zeigte zahlreiche Kratzer und kleine Kerben. Hinter ihr standen Fässer, Krüge und Flaschen in unterschiedlichen Formen und Größen. Einige der Flaschen waren mit handgeschriebenen Etiketten versehen, andere besaßen überhaupt keine Kennzeichnung. Über der Theke hingen getrocknete Kräuterbündel, die einen würzigen Geruch im Raum verbreiteten.
Ein großer Kamin nahm einen Teil der Seitenwand ein. Darin brannte ein ordentliches Feuer, dessen Licht über die Wände und Gesichter der Gäste wanderte. Ein gusseiserner Topf hing über den Flammen, und aus ihm stieg der Duft einer kräftigen Suppe auf.
An einem Tisch nahe dem Kamin saßen drei Händler, deren Kleidung deutlich von der langen Reise gezeichnet war. Einer hatte die Stiefel ausgezogen und massierte sich den Fuß, während die anderen beiden über eine Ladung Waren diskutierten. Ein Stück weiter saß eine junge Frau mit einem Bündel Pergamente vor sich und las bei Kerzenlicht, während ihr gegenüber ein älterer Mann immer wieder versuchte, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
In einer Ecke des Raumes würfelten zwei Reisende um kleine Münzen. Einer von ihnen schien mit dem bisherigen Verlauf des Spiels nicht besonders zufrieden zu sein. An einem anderen Tisch saß ein Mann mit einer Axt an der Seite und einer breiten Narbe über dem Kinn. Er trank schweigend und beobachtete gelegentlich die Tür.
Auch einige Einheimische waren anwesend.
Ein Bauer, dessen Hände noch immer Spuren von Erde trugen. Eine ältere Frau, die mit einer jüngeren Begleiterin leise sprach. Zwei Handwerker, die offenbar gerade von ihrer Arbeit gekommen waren und ihre Becher vor sich stehen hatten.
Niemand schenkte Andokai länger als einige Augenblicke Aufmerksamkeit.
Zumindest zunächst.
Dann bemerkten ihn einige der Gäste genauer.
Der Elf war groß.
Sehr groß.
Sein weißes Haar fiel deutlich gegen den dunklen Stoff seiner Robe ab, und der schwarze Gehstock mit den eingelassenen Steinen war in dem warmen Licht des Feuers kaum zu übersehen. Dazu kam seine ungewöhnliche Ruhe. Er betrat den Raum nicht wie ein Reisender, der nach einem langen Tag nur noch einen Platz zum Sitzen suchte. Er wirkte eher wie jemand, der sich zunächst einen Überblick verschaffen wollte.
Andokai ließ seinen Blick langsam durch den Raum wandern.
Nicht neugierig.
Eher aufmerksam.
Er betrachtete die freien Tische, den Kamin, die Fenster, den Ausgang und schließlich die Theke.
Dann ging er dorthin.
Der Wirt, ein kräftiger Mann mit grauem Bart und hochgekrempelten Ärmeln, hob den Kopf. Sein Blick blieb einen Moment an Andokai hängen.
„Einen guten Abend“, sagte er schließlich.
Andokai neigte leicht den Kopf.
„Guten Abend.“
Seine Stimme war ruhig und tief.
Der Wirt musterte ihn noch einmal, diesmal etwas weniger offensichtlich. Dann deutete er auf einen freien Tisch nahe dem Kamin.
„Wenn Ihr etwas essen wollt, setzt Euch. Die Küche hat noch offen.“
Andokai bedankte sich knapp und nahm den angebotenen Platz.
Er legte den Gehstock neben sich, sorgfältig gegen die Tischkante gelehnt. Das schwarze Holz wirkte beinahe fremd zwischen den einfachen Möbeln der Taverne. Die Runen waren im warmen Licht des Feuers nur schwach zu erkennen, und die dunklen Edelsteine spiegelten gelegentlich den Schein der Flammen.
Andokai zog seinen Reiseumhang aus und legte ihn ordentlich über die Rückenlehne des Stuhls. Darunter kam die lange dunkle Robe vollständig zum Vorschein. Die feinen Verzierungen an den Säumen waren im Licht des Feuers besser zu erkennen als draußen. Die dunklen Stickereien bildeten geschwungene Linien, die sich über die Ärmel und entlang des Kragens zogen.
Der Elf setzte sich aufrecht hin.
Wenig später stellte der Wirt einen Teller vor ihn.
Eine einfache, kräftige Mahlzeit.
Brot.
Gebratenes Fleisch.
Wurzelgemüse.
Etwas gedünstetes Grünzeug.
Dazu ein Becher Wasser und später, auf Andokais Nachfrage, ein schlichtes Glas Wein.
Er begann zu essen.
Langsam.
Ohne Eile.
Die Taverne wurde währenddessen voller.
Die Tür öffnete sich immer wieder, und mit jedem neuen Gast kam ein kurzer Schwall kalter Abendluft herein. Ein Händler betrat den Raum, gefolgt von einem jungen Burschen, der zwei schwere Taschen trug. Eine Gruppe Reisender kam wenig später herein und musste zunächst feststellen, dass kaum noch ein gemeinsamer Tisch frei war. Ein älterer Mann setzte sich allein an einen Platz nahe dem Fenster und bestellte eine Suppe.
Die Gespräche wurden lauter.
Das Feuer im Kamin knackte.
Geschirr klapperte.
Ein Becher fiel irgendwo zu Boden und wurde unter Gelächter wieder aufgehoben.
Jemand begann eine Geschichte zu erzählen, die offensichtlich bereits mehrfach erzählt worden war.
Andokai blieb an seinem Tisch.
Er aß.
Er trank.
Und er beobachtete.
Er schien nicht bewusst nach jemandem zu suchen. Zumindest war es nicht offensichtlich. Sein Blick wanderte gelegentlich durch den Raum, blieb für einen Augenblick an einem Gespräch hängen oder folgte einem Reisenden, der gerade die Taverne betrat.
Er drängte sich niemandem auf.
Er sprach niemanden an.
Doch wer aufmerksam genug war, konnte erkennen, dass er seine Umgebung durchaus wahrnahm.
Neben seinem Teller lag die linke Hand ruhig auf dem Tisch, während die rechte gelegentlich den Becher anhob. Die schwarzen Handschuhe hatte er inzwischen ausgezogen und ordentlich neben seinem Reiseumhang abgelegt.
Das Licht des Kamins fiel auf seine Hände, auf die feinen Linien seiner Finger und schließlich auf sein Gesicht.
Er wirkte inmitten dieser einfachen Taverne beinahe fehl am Platz.
Nicht weil er sich zu schade für einen solchen Ort zu sein schien.
Vielmehr wirkte es, als wäre er jemand, der schon an sehr viele verschiedene Orte gehört hatte und deshalb keinen davon als ungewöhnlich empfand.
Nachdem er gegessen hatte, blieb er sitzen.
Er bestellte noch etwas zu trinken.
Der Wirt brachte ihm einen weiteren Becher und verschwand wieder hinter der Theke.
Andokai nahm einen kleinen Schluck und lehnte sich kaum merklich zurück.
Draußen war es inzwischen vollständig dunkel geworden.
Durch die Fenster drang nur noch das schwache Licht einiger Laternen, während die Taverne selbst zunehmend vom Schein des Kamins und der zahlreichen Kerzen erhellt wurde.
Die Gespräche waren inzwischen lauter geworden.
Die Würfelspieler hatten Gesellschaft bekommen.
Die Händler am Kamin waren zu einem neuen Thema übergegangen.
Der Mann mit der Narbe diskutierte nun mit einem anderen Gast über die Qualität eines Pferdes, das vermutlich niemand von beiden tatsächlich gesehen hatte.
In einer Ecke wurde leise gesungen.
Nicht besonders gut.
Aber mit Überzeugung.
Andokai saß mitten in diesem Treiben und schien dennoch vollkommen ruhig.
Die Reise hatte ihn hierher geführt.
Weiter würde er morgen gehen.
Wohin genau, blieb offen.
Doch bevor es soweit war, musste er eine Gruppe finden, die bereit war, ihn auf seinem weiteren Weg zu begleiten.
Vielleicht befand sich jemand in diesem Raum, der genau das konnte.
Vielleicht saß bereits jemand wenige Tische entfernt, der nach Arbeit suchte.
Vielleicht würde ein Reisender durch die Tür kommen.
Vielleicht würde jemand schlicht neugierig genug sein, den ungewöhnlichen Elf mit dem schwarzen Gehstock anzusprechen.
Andokai wusste es nicht.
Er hatte keinen Grund, es zu erzwingen.
Also blieb er sitzen.
Der Wein stand vor ihm, das Feuer spiegelte sich schwach in den dunklen Edelsteinen seines Gehstockes, und um ihn herum füllte sich die Taverne zunehmend mit den Stimmen fremder Menschen und anderer Reisender.
Für diesen Abend hatte er keinen weiteren Weg vor sich.
Nur einen Tisch.
Eine Mahlzeit.
Ein Getränk.
Und Zeit.
Zeit, um zu beobachten.
Zeit, um zuzuhören.
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Part 2 – Beneath Foreign Roofs
The road had stretched on for hours, and although Andokai had set out in the morning, the sun was already noticeably lower in the sky when he finally saw the first signs of a settlement. Throughout the day, the landscape had changed several times. The open meadows had gradually narrowed, fields had begun to appear between wooded hills, and the road that in the early morning had been little more than a damp path had eventually widened into a proper, well-traveled road. Deep wagon ruts ran through the softened earth, in some places so numerous that it was difficult to tell which cart had left which track. Hoofprints lay between them, some fresh and still filled with rainwater, others already washed away by the previous night's weather.
Andokai had traveled the road without any particular haste. His dark traveling cloak had protected him from the changing weather, though the lower edges of the fabric were now clearly marked by dust and moisture from the road. The long white hair that had fallen almost perfectly over his shoulders when he had left that morning had been loosened somewhat by the wind and damp air. A few strands now rested loosely against his face, moving slightly with every passing breeze. He paid them no attention.
The surroundings had become considerably more lively. Where scarcely a person had been visible during the morning, he now encountered travelers with increasing frequency. An elderly farmer led two heavily laden oxen along the road, their hooves sinking deep into the softened earth. Behind him came a small cart stacked with sacks and wooden crates. The driver, a broad-shouldered man with a weathered face, raised one hand to shield his eyes from the low sun and gave Andokai only a brief glance before returning his attention to the road ahead.
A few hundred paces farther on, a small group of travelers approached from the opposite direction. Two men wore simple leather vests and carried short swords at their sides, while a woman walked between them, dressed in clothing more suited to a long journey than to combat. Their conversation fell silent for a moment as they passed Andokai. One of the men glanced briefly at the black walking staff, then at the elf's unusual height, and finally into his dark eyes. Andokai returned the look no longer than necessary and continued on his way.
He had learned that most people only watched a stranger for as long as they believed there was something interesting to discover.
And Andokai was undoubtedly an unusual stranger.
It was not merely his height that drew attention. It was the combination of his long white hair, pale skin, dark clothing, and black staff that set him apart from the other travelers. There was also his almost unwavering calm. While other travelers tightened their cloaks against the wind, checked their belongings, or complained about the state of the road, Andokai continued with steady steps, as though the long journey were little more than a necessary part of the day.
As evening approached, the road widened.
The first houses appeared between the trees, at first scattered and standing some distance apart, then gradually becoming more numerous. They were simple buildings of wood, stone, and plaster, some with small gardens or fenced areas in front. Narrow paths branched away from the main road toward stables, workshops, and small courtyards. From an open shed came the rhythmic ringing of a hammer as a blacksmith worked a piece of metal upon his anvil. The sound carried through the evening air and mingled with the voices of children, the occasional whinny of a horse, and the creaking of a passing wagon.
The settlement was not large enough to call itself an important city, yet it was large enough to attract travelers. Its position along the road made it a natural stopping point for merchants, craftsmen, mercenaries, and all those journeying between the larger settlements. The houses had not been built according to any strict plan. Some were old and slightly crooked, while others appeared to have been constructed only a few years earlier. Between them were small squares, wells, and covered stalls where merchants displayed their wares.
Some inhabitants were already closing their shutters, while others had only just begun preparing their stalls for the following morning. The scent of roasted meat, fresh bread, and herbs lingered over the streets. From a small shop came the smell of leather, while another workshop carried the scent of coal and hot metal. Voices could be heard everywhere.
Andokai slowed his pace.
Not because he was tired.
At least, he gave no indication of being so.
He studied the buildings and the people moving between them, eventually allowing his gaze to travel along the street. The invitation he had received that morning remained safely hidden within his robe. It was the reason for his journey, but it was not the reason he stopped.
He needed somewhere to spend the night.
And perhaps, in such a place, he might also find what he was looking for.
An inn.
It did not take long before he found one.
The building stood slightly set back from the main road and was larger than most of the surrounding houses. Two stories rose above a broad ground floor, whose windows cast warm light across the increasingly darkening road. A wooden sign hung above the entrance, weathered by years of wind and rain. Upon it, the faded image of a drinking vessel could still be made out. The name beneath it had been worn away by time until it was barely readable.
Several benches and a long table stood outside. Two men were seated there, loudly arguing about some disagreement. Several barrels stood beside the entrance, some of them already empty. An old cart had been left against the side of the building, while two horses were tethered to a simple wooden post, slowly eating from a wooden trough.
Voices and laughter drifted from within.
Not the loud, drunken roar of a wild gathering, but the ordinary sound of a place where people came together after a long day.
Andokai stopped before the door.
For a moment, he looked at the sign.
Then he opened the door.
Warmth greeted him.
The tavern was considerably larger than it had appeared from outside. A broad common room stretched across the entire front of the building. The floor consisted of dark, worn wooden planks, polished smooth in places by the countless feet that had crossed them over the years. Tables and benches stood along the walls, accompanied by individual chairs. Some tables were small enough for two or three people, while a long communal table occupied the center of the room, already surrounded by several guests.
At the far end stood the bar.
It had been made from solid wood and bore countless scratches and small cuts. Behind it stood barrels, jugs, and bottles of all shapes and sizes. Some of the bottles had handwritten labels attached to them, while others bore no markings at all. Bundles of dried herbs hung above the counter, filling the room with a pleasant, earthy scent.
A large fireplace occupied part of one wall. A well-kept fire burned within it, its light moving across the walls and the faces of the guests. A heavy iron pot hung above the flames, filling the room with the smell of a rich, hearty stew.
Three merchants sat at a table near the fireplace, their clothing clearly marked by the hardships of the road. One had removed his boots and was massaging his foot while the other two argued over a shipment of goods. A little farther away, a young woman sat with several pieces of parchment spread before her, reading by candlelight while the older man seated opposite her repeatedly attempted to gain her attention.
In one corner, two travelers were gambling with dice for small coins. One of them did not appear particularly pleased with how the game was progressing. At another table sat a man with an axe at his side and a broad scar running across his chin. He drank in silence, occasionally glancing toward the door.
There were locals as well.
A farmer whose hands still carried traces of earth. An older woman speaking quietly with a younger companion. Two craftsmen who had apparently only just finished work, their cups already standing before them.
At first, nobody paid Andokai more than a few moments of attention.
At least, not at first.
Then several of the guests began to look more closely.
The elf was tall.
Very tall.
His white hair stood out clearly against the dark fabric of his robe, and the black walking staff with its embedded stones was difficult to overlook in the warm firelight. Then there was his unusual composure. He did not enter the room like a traveler who had spent an exhausting day on the road and was simply looking for somewhere to sit. Instead, he seemed like someone who first wished to understand the place he had entered.
Andokai slowly allowed his gaze to travel across the room.
Not curiously.
Attentively.
He looked at the empty tables, the fireplace, the windows, the entrance, and finally the bar.
Then he walked toward it.
The innkeeper, a sturdy man with a grey beard and rolled-up sleeves, raised his head. His eyes remained on Andokai for a moment.
"Good evening," he said eventually.
Andokai inclined his head slightly.
"Good evening."
His voice was calm and deep.
The innkeeper studied him once more, this time somewhat less obviously, then gestured toward an empty table near the fireplace.
"If you're looking for food, take a seat. The kitchen is still open."
Andokai gave a brief nod of thanks and took the offered place.
He placed the walking staff beside him, leaning it carefully against the edge of the table. The black wood looked almost out of place among the simple furniture of the tavern. The runes were only faintly visible beneath the warm firelight, while the dark gemstones occasionally reflected the glow of the flames.
Andokai removed his traveling cloak and placed it neatly over the back of the chair. Beneath it, the full length of his dark robe became visible. The fine details along its edges were easier to see in the warm light than they had been outside. Subtle dark embroidery formed flowing patterns along the sleeves and around the collar.
The elf sat upright.
Not long afterward, the innkeeper placed a plate before him.
A simple but hearty meal.
Bread.
Roasted meat.
Root vegetables.
Some cooked greens.
Alongside it came a cup of water and, later, at Andokai's request, a simple glass of wine.
He began to eat.
Slowly.
Without haste.
The tavern grew busier around him.
The door opened again and again, each new arrival bringing a brief gust of cold evening air into the room. A merchant entered, followed by a young lad carrying two heavy bags. A group of travelers came in shortly afterward and discovered that there was scarcely a table large enough for them all. An elderly man took a seat alone near the window and ordered a bowl of soup.
The conversations grew louder.
The fire crackled.
Dishes clattered.
Somewhere, a cup fell to the floor and was met with laughter as someone picked it up again.
Someone began telling a story that had clearly been told many times before.
Andokai remained at his table.
He ate.
He drank.
And he watched.
It did not appear that he was deliberately searching for anyone. At least, it was not obvious. His gaze occasionally wandered across the room, resting for a moment on a conversation or following a traveler as they entered through the door.
He did not impose himself upon anyone.
He approached no one.
Yet anyone paying close enough attention might have noticed that he was perfectly aware of his surroundings.
His left hand rested quietly upon the table while his right occasionally lifted the cup. He had removed his black gloves and placed them neatly beside his traveling cloak.
The firelight fell across his hands, over the fine lines of his fingers, and finally across his face.
Among the simple surroundings of the tavern, he seemed almost out of place.
Not because he appeared too proud to be there.
Rather, he seemed like someone who had belonged to many different places and therefore found none of them particularly strange.
After finishing his meal, he remained seated.
He ordered another drink.
The innkeeper brought him another cup and disappeared behind the bar.
Andokai took a small sip and leaned back only slightly.
Outside, darkness had fully settled over the settlement.
Only the faint glow of a few lanterns could be seen through the windows, while inside the tavern the room was increasingly illuminated by the fireplace and numerous candles.
The conversations had grown louder.
The gamblers had gained company.
The merchants near the fireplace had moved on to another subject.
The scarred man was now arguing with another guest about the quality of a horse that neither of them had probably even seen.
Someone in the corner had begun singing quietly.
Not particularly well.
But with conviction.
Andokai sat in the middle of it all and remained perfectly calm.
The journey had brought him here.
Tomorrow, he would continue.
Where exactly, remained uncertain.
But before that happened, he needed to find a group willing to accompany him on the road ahead.
Perhaps someone in this very room could do so.
Perhaps someone only a few tables away was looking for work.
Perhaps another traveler would soon walk through the door.
Perhaps someone would simply be curious enough to approach the unusual elf with the black walking staff.
Andokai did not know.
He had no reason to force the matter.
So he remained where he was.
The wine stood before him, the fire reflected faintly in the dark gemstones of his walking staff, and around him the tavern continued to fill with the voices of strangers and fellow travelers.
For tonight, there was nowhere else he needed to be.
Only a table.
A meal.
A drink.
And time.
Time to observe.
Time to listen.
Der Weg hatte sich über Stunden gezogen, und obwohl Andokai am Morgen aufgebrochen war, stand die Sonne bereits deutlich tiefer, als er schließlich die ersten Anzeichen einer Siedlung bemerkte. Die Landschaft hatte sich im Laufe des Tages mehrfach verändert. Die offenen Wiesen waren nach und nach schmaler geworden, Felder hatten sich zwischen die bewaldeten Hügel geschoben und die Straße, die am frühen Morgen noch kaum mehr als ein feuchter Pfad gewesen war, hatte sich schließlich zu einem befestigten Weg verbreitert, auf dem deutlich mehr Spuren von Reisenden zu erkennen waren. Tiefe Wagenrinnen durchzogen den aufgeweichten Boden, an einigen Stellen so dicht nebeneinander, dass kaum noch zu erkennen war, welcher Karren welche Spur hinterlassen hatte. Hufabdrücke lagen dazwischen, manche frisch und noch mit Wasser gefüllt, andere bereits vom Regen der vergangenen Nacht ausgewaschen.
Andokai war diesen Weg ohne besondere Eile gegangen. Sein dunkler Reiseumhang hatte ihn vor dem wechselhaften Wetter geschützt, auch wenn der Stoff an den unteren Rändern inzwischen deutlich vom Staub und der Feuchtigkeit der Straße gezeichnet war. Das lange weiße Haar, das ihm zu Beginn des Tages noch beinahe makellos über die Schultern gefallen war, hatte sich durch Wind und die feuchte Luft etwas gelockert. Einige Strähnen lagen nun lose an seinem Gesicht und bewegten sich bei jedem Schritt leicht im Wind. Er hatte sich nicht darum gekümmert.
Die Umgebung war mittlerweile deutlich belebter geworden. Wo am Vormittag kaum ein Mensch zu sehen gewesen war, begegneten ihm nun immer häufiger Reisende. Ein alter Bauer führte zwei schwer beladene Ochsen über den Weg, deren Hufe tief in den weichen Boden sanken. Hinter ihm folgte ein kleiner Karren, auf dem Säcke und Holzkisten übereinandergestapelt waren. Der Fahrer, ein breitschultriger Mann mit wettergegerbtem Gesicht, hielt eine Hand über die Augen, um gegen die tief stehende Sonne sehen zu können, und warf Andokai nur einen kurzen Blick zu, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor sich richtete.
Wenige hundert Schritte weiter kam ihm eine kleine Gruppe von Reisenden entgegen. Zwei Männer trugen einfache Lederwesten und führten kurze Schwerter an ihren Seiten, während eine Frau zwischen ihnen ging, deren Kleidung deutlich weniger auf einen Kampf als auf eine längere Reise ausgelegt war. Ihre Unterhaltung verstummte für einen Moment, als sie an Andokai vorbeikamen. Einer der Männer sah kurz auf den schwarzen Gehstock, dann auf die ungewöhnliche Größe des Elfen und schließlich in dessen dunkle Augen. Andokai erwiderte den Blick nicht länger als nötig und setzte seinen Weg fort.
Er hatte inzwischen gelernt, dass die meisten Menschen einen Fremden nur solange betrachteten, wie sie glaubten, etwas Interessantes an ihm entdecken zu können.
Und Andokai war zweifellos ein ungewöhnlicher Fremder.
Nicht nur seine Größe fiel auf. Es war vor allem die Kombination aus seinem langen weißen Haar, der hellen Haut, den dunklen Gewändern und dem schwarzen Stock, die ihn aus der Menge der Reisenden hervorhob. Hinzu kam seine beinahe unerschütterliche Ruhe. Während andere Reisende ihre Kleidung gegen den Wind festhielten, ihre Lasten überprüften oder sich über den Zustand der Straße beschwerten, ging Andokai mit gleichmäßigen Schritten weiter, als wäre der lange Weg kaum mehr als ein notwendiger Teil des Tages.
Gegen Abend wurde die Straße breiter.
Die ersten Häuser tauchten zwischen den Bäumen auf, zunächst vereinzelt und mit deutlichem Abstand voneinander, später immer dichter. Es waren einfache Gebäude aus Holz, Lehm und Stein, einige mit kleinen Gärten oder eingezäunten Flächen davor. Zwischen den Häusern verliefen schmale Wege, die von der Hauptstraße abzweigten und zu Ställen, Werkstätten oder kleinen Höfen führten. Aus einem offenen Schuppen drang das rhythmische Geräusch eines Hammers, während ein Schmied dabei war, ein Stück Metall auf seinem Amboss zu bearbeiten. Der Klang wanderte durch die Abendluft und vermischte sich mit dem Rufen von Kindern, dem Wiehern eines Pferdes und dem gelegentlichen Knarren eines Wagens.
Die Siedlung war nicht groß genug, um sich selbst als bedeutende Stadt zu bezeichnen, aber groß genug, um Reisende anzuziehen. Ihre Lage an der Straße machte sie zu einem natürlichen Zwischenhalt für Händler, Handwerker, Söldner und all jene, die zwischen den größeren Orten unterwegs waren. Die Häuser standen nicht nach einem festen Plan. Manche waren alt und schief, andere erst vor wenigen Jahren errichtet worden. Zwischen ihnen fanden sich kleine Plätze, Brunnen und überdachte Stände, an denen Händler ihre Waren anboten.
Einige Bewohner schlossen bereits ihre Fensterläden, während andere erst damit begannen, ihre Stände für den nächsten Morgen vorzubereiten. Der Duft von gebratenem Fleisch, frischem Brot und Kräutern hing über der Straße. Aus einem kleinen Laden drang der Geruch von Leder, aus einer Werkstatt der von Kohle und heißem Metall. Überall waren Stimmen zu hören.
Andokai verlangsamte seinen Schritt.
Nicht weil er müde war.
Zumindest ließ er es sich nicht anmerken.
Er betrachtete die Gebäude und die Menschen, die sich zwischen ihnen bewegten, und ließ seinen Blick schließlich über die Straße wandern. Die Einladung, die er am Morgen erhalten hatte, lag noch immer sicher in seiner Robe. Sie war der Grund für seine Reise, doch sie war nicht der Grund, weshalb er nun stehen blieb.
Er benötigte zunächst einen Ort für die Nacht.
Und vielleicht würde er dort auch finden, wonach er suchte.
Eine Taverne.
Es dauerte nicht lange, bis er eine fand.
Das Gebäude lag etwas zurückgesetzt von der Hauptstraße und war größer als die meisten umliegenden Häuser. Zwei Stockwerke erhoben sich über einem breiten Erdgeschoss, aus dessen Fenstern warmes Licht auf den inzwischen dunkler werdenden Weg fiel. Über der Eingangstür hing ein hölzernes Schild, das von Wind und Wetter gezeichnet war. Darauf war das verblasste Bild eines Kruges zu erkennen. Der Name darunter war durch die Jahre kaum noch lesbar.
Vor dem Gebäude standen mehrere Bänke und ein langer Tisch, an dem zwei Männer saßen und sich lautstark über irgendeinen Streit unterhielten. Neben der Tür standen mehrere Fässer, einige davon bereits leer. Ein alter Karren war an der Seite des Hauses abgestellt worden, während zwei Pferde an einem einfachen Pfosten befestigt waren und langsam aus einer hölzernen Krippe fraßen.
Aus dem Inneren der Taverne drangen Stimmen und Gelächter.
Nicht das laute, ausgelassene Grölen eines Trinkgelages, sondern das ganz gewöhnliche Geräusch eines Ortes, an dem Menschen nach einem langen Tag zusammenkamen.
Andokai blieb vor der Tür stehen.
Einen Augenblick lang betrachtete er das Schild.
Dann öffnete er die Tür.
Wärme schlug ihm entgegen.
Die Taverne war deutlich größer, als es von außen den Anschein gemacht hatte. Ein breiter Schankraum erstreckte sich über die gesamte Vorderseite des Gebäudes. Der Boden bestand aus dunklen, abgenutzten Holzdielen, die an manchen Stellen bereits glatt geworden waren, weil unzählige Füße über Jahrzehnte hinweg darüber gegangen waren. Entlang der Wände standen Tische und Bänke, dazwischen einzelne Stühle. Einige Tische waren klein und für zwei oder drei Personen gedacht, während sich in der Mitte des Raumes eine lange Tafel befand, an der bereits mehrere Gäste saßen.
An der hinteren Wand befand sich die Theke.
Sie war aus massivem Holz gefertigt und zeigte zahlreiche Kratzer und kleine Kerben. Hinter ihr standen Fässer, Krüge und Flaschen in unterschiedlichen Formen und Größen. Einige der Flaschen waren mit handgeschriebenen Etiketten versehen, andere besaßen überhaupt keine Kennzeichnung. Über der Theke hingen getrocknete Kräuterbündel, die einen würzigen Geruch im Raum verbreiteten.
Ein großer Kamin nahm einen Teil der Seitenwand ein. Darin brannte ein ordentliches Feuer, dessen Licht über die Wände und Gesichter der Gäste wanderte. Ein gusseiserner Topf hing über den Flammen, und aus ihm stieg der Duft einer kräftigen Suppe auf.
An einem Tisch nahe dem Kamin saßen drei Händler, deren Kleidung deutlich von der langen Reise gezeichnet war. Einer hatte die Stiefel ausgezogen und massierte sich den Fuß, während die anderen beiden über eine Ladung Waren diskutierten. Ein Stück weiter saß eine junge Frau mit einem Bündel Pergamente vor sich und las bei Kerzenlicht, während ihr gegenüber ein älterer Mann immer wieder versuchte, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
In einer Ecke des Raumes würfelten zwei Reisende um kleine Münzen. Einer von ihnen schien mit dem bisherigen Verlauf des Spiels nicht besonders zufrieden zu sein. An einem anderen Tisch saß ein Mann mit einer Axt an der Seite und einer breiten Narbe über dem Kinn. Er trank schweigend und beobachtete gelegentlich die Tür.
Auch einige Einheimische waren anwesend.
Ein Bauer, dessen Hände noch immer Spuren von Erde trugen. Eine ältere Frau, die mit einer jüngeren Begleiterin leise sprach. Zwei Handwerker, die offenbar gerade von ihrer Arbeit gekommen waren und ihre Becher vor sich stehen hatten.
Niemand schenkte Andokai länger als einige Augenblicke Aufmerksamkeit.
Zumindest zunächst.
Dann bemerkten ihn einige der Gäste genauer.
Der Elf war groß.
Sehr groß.
Sein weißes Haar fiel deutlich gegen den dunklen Stoff seiner Robe ab, und der schwarze Gehstock mit den eingelassenen Steinen war in dem warmen Licht des Feuers kaum zu übersehen. Dazu kam seine ungewöhnliche Ruhe. Er betrat den Raum nicht wie ein Reisender, der nach einem langen Tag nur noch einen Platz zum Sitzen suchte. Er wirkte eher wie jemand, der sich zunächst einen Überblick verschaffen wollte.
Andokai ließ seinen Blick langsam durch den Raum wandern.
Nicht neugierig.
Eher aufmerksam.
Er betrachtete die freien Tische, den Kamin, die Fenster, den Ausgang und schließlich die Theke.
Dann ging er dorthin.
Der Wirt, ein kräftiger Mann mit grauem Bart und hochgekrempelten Ärmeln, hob den Kopf. Sein Blick blieb einen Moment an Andokai hängen.
„Einen guten Abend“, sagte er schließlich.
Andokai neigte leicht den Kopf.
„Guten Abend.“
Seine Stimme war ruhig und tief.
Der Wirt musterte ihn noch einmal, diesmal etwas weniger offensichtlich. Dann deutete er auf einen freien Tisch nahe dem Kamin.
„Wenn Ihr etwas essen wollt, setzt Euch. Die Küche hat noch offen.“
Andokai bedankte sich knapp und nahm den angebotenen Platz.
Er legte den Gehstock neben sich, sorgfältig gegen die Tischkante gelehnt. Das schwarze Holz wirkte beinahe fremd zwischen den einfachen Möbeln der Taverne. Die Runen waren im warmen Licht des Feuers nur schwach zu erkennen, und die dunklen Edelsteine spiegelten gelegentlich den Schein der Flammen.
Andokai zog seinen Reiseumhang aus und legte ihn ordentlich über die Rückenlehne des Stuhls. Darunter kam die lange dunkle Robe vollständig zum Vorschein. Die feinen Verzierungen an den Säumen waren im Licht des Feuers besser zu erkennen als draußen. Die dunklen Stickereien bildeten geschwungene Linien, die sich über die Ärmel und entlang des Kragens zogen.
Der Elf setzte sich aufrecht hin.
Wenig später stellte der Wirt einen Teller vor ihn.
Eine einfache, kräftige Mahlzeit.
Brot.
Gebratenes Fleisch.
Wurzelgemüse.
Etwas gedünstetes Grünzeug.
Dazu ein Becher Wasser und später, auf Andokais Nachfrage, ein schlichtes Glas Wein.
Er begann zu essen.
Langsam.
Ohne Eile.
Die Taverne wurde währenddessen voller.
Die Tür öffnete sich immer wieder, und mit jedem neuen Gast kam ein kurzer Schwall kalter Abendluft herein. Ein Händler betrat den Raum, gefolgt von einem jungen Burschen, der zwei schwere Taschen trug. Eine Gruppe Reisender kam wenig später herein und musste zunächst feststellen, dass kaum noch ein gemeinsamer Tisch frei war. Ein älterer Mann setzte sich allein an einen Platz nahe dem Fenster und bestellte eine Suppe.
Die Gespräche wurden lauter.
Das Feuer im Kamin knackte.
Geschirr klapperte.
Ein Becher fiel irgendwo zu Boden und wurde unter Gelächter wieder aufgehoben.
Jemand begann eine Geschichte zu erzählen, die offensichtlich bereits mehrfach erzählt worden war.
Andokai blieb an seinem Tisch.
Er aß.
Er trank.
Und er beobachtete.
Er schien nicht bewusst nach jemandem zu suchen. Zumindest war es nicht offensichtlich. Sein Blick wanderte gelegentlich durch den Raum, blieb für einen Augenblick an einem Gespräch hängen oder folgte einem Reisenden, der gerade die Taverne betrat.
Er drängte sich niemandem auf.
Er sprach niemanden an.
Doch wer aufmerksam genug war, konnte erkennen, dass er seine Umgebung durchaus wahrnahm.
Neben seinem Teller lag die linke Hand ruhig auf dem Tisch, während die rechte gelegentlich den Becher anhob. Die schwarzen Handschuhe hatte er inzwischen ausgezogen und ordentlich neben seinem Reiseumhang abgelegt.
Das Licht des Kamins fiel auf seine Hände, auf die feinen Linien seiner Finger und schließlich auf sein Gesicht.
Er wirkte inmitten dieser einfachen Taverne beinahe fehl am Platz.
Nicht weil er sich zu schade für einen solchen Ort zu sein schien.
Vielmehr wirkte es, als wäre er jemand, der schon an sehr viele verschiedene Orte gehört hatte und deshalb keinen davon als ungewöhnlich empfand.
Nachdem er gegessen hatte, blieb er sitzen.
Er bestellte noch etwas zu trinken.
Der Wirt brachte ihm einen weiteren Becher und verschwand wieder hinter der Theke.
Andokai nahm einen kleinen Schluck und lehnte sich kaum merklich zurück.
Draußen war es inzwischen vollständig dunkel geworden.
Durch die Fenster drang nur noch das schwache Licht einiger Laternen, während die Taverne selbst zunehmend vom Schein des Kamins und der zahlreichen Kerzen erhellt wurde.
Die Gespräche waren inzwischen lauter geworden.
Die Würfelspieler hatten Gesellschaft bekommen.
Die Händler am Kamin waren zu einem neuen Thema übergegangen.
Der Mann mit der Narbe diskutierte nun mit einem anderen Gast über die Qualität eines Pferdes, das vermutlich niemand von beiden tatsächlich gesehen hatte.
In einer Ecke wurde leise gesungen.
Nicht besonders gut.
Aber mit Überzeugung.
Andokai saß mitten in diesem Treiben und schien dennoch vollkommen ruhig.
Die Reise hatte ihn hierher geführt.
Weiter würde er morgen gehen.
Wohin genau, blieb offen.
Doch bevor es soweit war, musste er eine Gruppe finden, die bereit war, ihn auf seinem weiteren Weg zu begleiten.
Vielleicht befand sich jemand in diesem Raum, der genau das konnte.
Vielleicht saß bereits jemand wenige Tische entfernt, der nach Arbeit suchte.
Vielleicht würde ein Reisender durch die Tür kommen.
Vielleicht würde jemand schlicht neugierig genug sein, den ungewöhnlichen Elf mit dem schwarzen Gehstock anzusprechen.
Andokai wusste es nicht.
Er hatte keinen Grund, es zu erzwingen.
Also blieb er sitzen.
Der Wein stand vor ihm, das Feuer spiegelte sich schwach in den dunklen Edelsteinen seines Gehstockes, und um ihn herum füllte sich die Taverne zunehmend mit den Stimmen fremder Menschen und anderer Reisender.
Für diesen Abend hatte er keinen weiteren Weg vor sich.
Nur einen Tisch.
Eine Mahlzeit.
Ein Getränk.
Und Zeit.
Zeit, um zu beobachten.
Zeit, um zuzuhören.
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Part 2 – Beneath Foreign Roofs
The road had stretched on for hours, and although Andokai had set out in the morning, the sun was already noticeably lower in the sky when he finally saw the first signs of a settlement. Throughout the day, the landscape had changed several times. The open meadows had gradually narrowed, fields had begun to appear between wooded hills, and the road that in the early morning had been little more than a damp path had eventually widened into a proper, well-traveled road. Deep wagon ruts ran through the softened earth, in some places so numerous that it was difficult to tell which cart had left which track. Hoofprints lay between them, some fresh and still filled with rainwater, others already washed away by the previous night's weather.
Andokai had traveled the road without any particular haste. His dark traveling cloak had protected him from the changing weather, though the lower edges of the fabric were now clearly marked by dust and moisture from the road. The long white hair that had fallen almost perfectly over his shoulders when he had left that morning had been loosened somewhat by the wind and damp air. A few strands now rested loosely against his face, moving slightly with every passing breeze. He paid them no attention.
The surroundings had become considerably more lively. Where scarcely a person had been visible during the morning, he now encountered travelers with increasing frequency. An elderly farmer led two heavily laden oxen along the road, their hooves sinking deep into the softened earth. Behind him came a small cart stacked with sacks and wooden crates. The driver, a broad-shouldered man with a weathered face, raised one hand to shield his eyes from the low sun and gave Andokai only a brief glance before returning his attention to the road ahead.
A few hundred paces farther on, a small group of travelers approached from the opposite direction. Two men wore simple leather vests and carried short swords at their sides, while a woman walked between them, dressed in clothing more suited to a long journey than to combat. Their conversation fell silent for a moment as they passed Andokai. One of the men glanced briefly at the black walking staff, then at the elf's unusual height, and finally into his dark eyes. Andokai returned the look no longer than necessary and continued on his way.
He had learned that most people only watched a stranger for as long as they believed there was something interesting to discover.
And Andokai was undoubtedly an unusual stranger.
It was not merely his height that drew attention. It was the combination of his long white hair, pale skin, dark clothing, and black staff that set him apart from the other travelers. There was also his almost unwavering calm. While other travelers tightened their cloaks against the wind, checked their belongings, or complained about the state of the road, Andokai continued with steady steps, as though the long journey were little more than a necessary part of the day.
As evening approached, the road widened.
The first houses appeared between the trees, at first scattered and standing some distance apart, then gradually becoming more numerous. They were simple buildings of wood, stone, and plaster, some with small gardens or fenced areas in front. Narrow paths branched away from the main road toward stables, workshops, and small courtyards. From an open shed came the rhythmic ringing of a hammer as a blacksmith worked a piece of metal upon his anvil. The sound carried through the evening air and mingled with the voices of children, the occasional whinny of a horse, and the creaking of a passing wagon.
The settlement was not large enough to call itself an important city, yet it was large enough to attract travelers. Its position along the road made it a natural stopping point for merchants, craftsmen, mercenaries, and all those journeying between the larger settlements. The houses had not been built according to any strict plan. Some were old and slightly crooked, while others appeared to have been constructed only a few years earlier. Between them were small squares, wells, and covered stalls where merchants displayed their wares.
Some inhabitants were already closing their shutters, while others had only just begun preparing their stalls for the following morning. The scent of roasted meat, fresh bread, and herbs lingered over the streets. From a small shop came the smell of leather, while another workshop carried the scent of coal and hot metal. Voices could be heard everywhere.
Andokai slowed his pace.
Not because he was tired.
At least, he gave no indication of being so.
He studied the buildings and the people moving between them, eventually allowing his gaze to travel along the street. The invitation he had received that morning remained safely hidden within his robe. It was the reason for his journey, but it was not the reason he stopped.
He needed somewhere to spend the night.
And perhaps, in such a place, he might also find what he was looking for.
An inn.
It did not take long before he found one.
The building stood slightly set back from the main road and was larger than most of the surrounding houses. Two stories rose above a broad ground floor, whose windows cast warm light across the increasingly darkening road. A wooden sign hung above the entrance, weathered by years of wind and rain. Upon it, the faded image of a drinking vessel could still be made out. The name beneath it had been worn away by time until it was barely readable.
Several benches and a long table stood outside. Two men were seated there, loudly arguing about some disagreement. Several barrels stood beside the entrance, some of them already empty. An old cart had been left against the side of the building, while two horses were tethered to a simple wooden post, slowly eating from a wooden trough.
Voices and laughter drifted from within.
Not the loud, drunken roar of a wild gathering, but the ordinary sound of a place where people came together after a long day.
Andokai stopped before the door.
For a moment, he looked at the sign.
Then he opened the door.
Warmth greeted him.
The tavern was considerably larger than it had appeared from outside. A broad common room stretched across the entire front of the building. The floor consisted of dark, worn wooden planks, polished smooth in places by the countless feet that had crossed them over the years. Tables and benches stood along the walls, accompanied by individual chairs. Some tables were small enough for two or three people, while a long communal table occupied the center of the room, already surrounded by several guests.
At the far end stood the bar.
It had been made from solid wood and bore countless scratches and small cuts. Behind it stood barrels, jugs, and bottles of all shapes and sizes. Some of the bottles had handwritten labels attached to them, while others bore no markings at all. Bundles of dried herbs hung above the counter, filling the room with a pleasant, earthy scent.
A large fireplace occupied part of one wall. A well-kept fire burned within it, its light moving across the walls and the faces of the guests. A heavy iron pot hung above the flames, filling the room with the smell of a rich, hearty stew.
Three merchants sat at a table near the fireplace, their clothing clearly marked by the hardships of the road. One had removed his boots and was massaging his foot while the other two argued over a shipment of goods. A little farther away, a young woman sat with several pieces of parchment spread before her, reading by candlelight while the older man seated opposite her repeatedly attempted to gain her attention.
In one corner, two travelers were gambling with dice for small coins. One of them did not appear particularly pleased with how the game was progressing. At another table sat a man with an axe at his side and a broad scar running across his chin. He drank in silence, occasionally glancing toward the door.
There were locals as well.
A farmer whose hands still carried traces of earth. An older woman speaking quietly with a younger companion. Two craftsmen who had apparently only just finished work, their cups already standing before them.
At first, nobody paid Andokai more than a few moments of attention.
At least, not at first.
Then several of the guests began to look more closely.
The elf was tall.
Very tall.
His white hair stood out clearly against the dark fabric of his robe, and the black walking staff with its embedded stones was difficult to overlook in the warm firelight. Then there was his unusual composure. He did not enter the room like a traveler who had spent an exhausting day on the road and was simply looking for somewhere to sit. Instead, he seemed like someone who first wished to understand the place he had entered.
Andokai slowly allowed his gaze to travel across the room.
Not curiously.
Attentively.
He looked at the empty tables, the fireplace, the windows, the entrance, and finally the bar.
Then he walked toward it.
The innkeeper, a sturdy man with a grey beard and rolled-up sleeves, raised his head. His eyes remained on Andokai for a moment.
"Good evening," he said eventually.
Andokai inclined his head slightly.
"Good evening."
His voice was calm and deep.
The innkeeper studied him once more, this time somewhat less obviously, then gestured toward an empty table near the fireplace.
"If you're looking for food, take a seat. The kitchen is still open."
Andokai gave a brief nod of thanks and took the offered place.
He placed the walking staff beside him, leaning it carefully against the edge of the table. The black wood looked almost out of place among the simple furniture of the tavern. The runes were only faintly visible beneath the warm firelight, while the dark gemstones occasionally reflected the glow of the flames.
Andokai removed his traveling cloak and placed it neatly over the back of the chair. Beneath it, the full length of his dark robe became visible. The fine details along its edges were easier to see in the warm light than they had been outside. Subtle dark embroidery formed flowing patterns along the sleeves and around the collar.
The elf sat upright.
Not long afterward, the innkeeper placed a plate before him.
A simple but hearty meal.
Bread.
Roasted meat.
Root vegetables.
Some cooked greens.
Alongside it came a cup of water and, later, at Andokai's request, a simple glass of wine.
He began to eat.
Slowly.
Without haste.
The tavern grew busier around him.
The door opened again and again, each new arrival bringing a brief gust of cold evening air into the room. A merchant entered, followed by a young lad carrying two heavy bags. A group of travelers came in shortly afterward and discovered that there was scarcely a table large enough for them all. An elderly man took a seat alone near the window and ordered a bowl of soup.
The conversations grew louder.
The fire crackled.
Dishes clattered.
Somewhere, a cup fell to the floor and was met with laughter as someone picked it up again.
Someone began telling a story that had clearly been told many times before.
Andokai remained at his table.
He ate.
He drank.
And he watched.
It did not appear that he was deliberately searching for anyone. At least, it was not obvious. His gaze occasionally wandered across the room, resting for a moment on a conversation or following a traveler as they entered through the door.
He did not impose himself upon anyone.
He approached no one.
Yet anyone paying close enough attention might have noticed that he was perfectly aware of his surroundings.
His left hand rested quietly upon the table while his right occasionally lifted the cup. He had removed his black gloves and placed them neatly beside his traveling cloak.
The firelight fell across his hands, over the fine lines of his fingers, and finally across his face.
Among the simple surroundings of the tavern, he seemed almost out of place.
Not because he appeared too proud to be there.
Rather, he seemed like someone who had belonged to many different places and therefore found none of them particularly strange.
After finishing his meal, he remained seated.
He ordered another drink.
The innkeeper brought him another cup and disappeared behind the bar.
Andokai took a small sip and leaned back only slightly.
Outside, darkness had fully settled over the settlement.
Only the faint glow of a few lanterns could be seen through the windows, while inside the tavern the room was increasingly illuminated by the fireplace and numerous candles.
The conversations had grown louder.
The gamblers had gained company.
The merchants near the fireplace had moved on to another subject.
The scarred man was now arguing with another guest about the quality of a horse that neither of them had probably even seen.
Someone in the corner had begun singing quietly.
Not particularly well.
But with conviction.
Andokai sat in the middle of it all and remained perfectly calm.
The journey had brought him here.
Tomorrow, he would continue.
Where exactly, remained uncertain.
But before that happened, he needed to find a group willing to accompany him on the road ahead.
Perhaps someone in this very room could do so.
Perhaps someone only a few tables away was looking for work.
Perhaps another traveler would soon walk through the door.
Perhaps someone would simply be curious enough to approach the unusual elf with the black walking staff.
Andokai did not know.
He had no reason to force the matter.
So he remained where he was.
The wine stood before him, the fire reflected faintly in the dark gemstones of his walking staff, and around him the tavern continued to fill with the voices of strangers and fellow travelers.
For tonight, there was nowhere else he needed to be.
Only a table.
A meal.
A drink.
And time.
Time to observe.
Time to listen.
Re: Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
Teil 3 – Der Weg hinaus
Die Nacht war ruhig vergangen.
Andokai hatte die Taverne nicht verlassen, nachdem die meisten Gäste gegangen waren. Er hatte noch eine Weile am Feuer gesessen, die Stimmen der letzten Reisenden im Hintergrund wahrgenommen und den Gesprächen gelauscht, ohne selbst Teil davon zu werden. Es hatte nichts gegeben, das seine Aufmerksamkeit lange genug gefesselt hätte. Keine Person, bei der er das Gefühl gehabt hätte, sie müsse ihn begleiten. Keine Nachricht, kein Zufall und kein Hinweis darauf, dass die Antwort auf seine Einladung ausgerechnet hier auf ihn warten würde.
Vielleicht war es auch gar nicht notwendig.
Er hatte den vergangenen Tag damit verbracht, auf eine Gelegenheit zu warten.
Nun würde er sie nicht länger erwarten.
Am frühen Morgen war die Taverne wieder stiller geworden. Das Feuer im Kamin brannte nur noch schwach, und durch die Fenster fiel das fahle Licht eines bedeckten Himmels. Einige der Tische waren bereits abgeräumt, während der Wirt hinter dem Tresen damit beschäftigt war, die letzten Spuren der vergangenen Nacht zu beseitigen.
Andokai saß noch einmal an seinem Tisch.
Vor ihm stand ein Becher, den er kaum angerührt hatte.
Sein schwarzer Gehstock lehnte neben ihm, und sein Reiseumhang lag bereits über seinen Schultern. Das lange weiße Haar fiel ihm über den Rücken und hob sich deutlich von dem dunklen Stoff seiner Kleidung ab.
Er hatte seine Entscheidung getroffen.
Er würde aufbrechen.
Der Brief befand sich sicher in seiner Kleidung. Er hatte ihn nicht noch einmal hervorgeholt. Die wenigen Worte, die darauf standen, kannte er inzwischen beinahe auswendig. Ein Ort. Eine Zeit. Eine Einladung ohne Erklärung.
Mehr hatte er nicht.
Aber es war genug.
Zumindest für den nächsten Schritt.
Andokai legte einige Münzen auf den Tisch und erhob sich.
Der Wirt sah zu ihm herüber.
„Ihr reist weiter?“
„Ja.“
„Schon?“
Andokai zog seine Handschuhe an.
„Ich bin lange genug geblieben.“
Der Wirt nickte, als würde er die Antwort verstehen.
„Die Straße nach Westen ist heute Morgen ziemlich ruhig. Wenn Ihr dorthin wollt, solltet Ihr den alten Handelsweg nehmen. Der ist zwar länger, aber besser begehbar.“
Andokai blieb kurz stehen.
„Und die andere Straße?“
„Die durch den Wald?“
„Ja.“
Der Wirt verzog das Gesicht.
„Weniger Leute. Schlechterer Weg. Nach dem Regen der letzten Tage wahrscheinlich ziemlich matschig.“
Andokai nickte.
„Dann nehme ich die Straße durch den Wald.“
Der Wirt sah ihn einen Augenblick an.
„Natürlich.“
Andokai öffnete die Tür.
Kalte Morgenluft drang in den warmen Schankraum.
Für einen kurzen Moment blieb er auf der Schwelle stehen.
Hinter ihm lag die Taverne, in der er gehofft hatte, jemanden zu finden, der ihn auf seiner Reise begleiten würde.
Vor ihm lag die Straße.
Er hatte keine Gewissheit, was ihn erwartete.
Vielleicht war das der einzige Weg, wie diese Reise überhaupt beginnen konnte.
Andokai trat hinaus.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
Die Siedlung wirkte am Morgen beinahe wie ein anderer Ort als am vergangenen Abend. Wo gestern noch Händler, Reisende und Bauern die Straßen gefüllt hatten, herrschte nun eine gedämpfte Geschäftigkeit. Türen wurden geöffnet, Pferde aus Ställen geführt und Wagen für den kommenden Tag beladen.
Andokai ging schweigend durch die Straßen.
Niemand hielt ihn auf.
Niemand fragte nach seinem Ziel.
Das war ihm recht.
Am Rand der Siedlung wurde der Weg schmaler. Die Häuser standen weiter auseinander, bis schließlich nur noch einzelne Höfe zwischen den Feldern zu sehen waren. Hinter ihnen erhoben sich die ersten bewaldeten Hügel.
Andokai folgte dem Weg.
Mit jedem Schritt entfernte er sich weiter von der Siedlung.
Bald war von ihr kaum noch etwas zu sehen.
Die Straße führte zunächst über offene Felder. Feuchte Erde klebte an seinen Stiefeln, und der Wind trug den Geruch von nassem Gras und Holz aus den Wäldern herüber. Die Wolken hingen tief, doch der Regen blieb aus.
Andokai ging gleichmäßig.
Sein schwarzer Stab berührte bei jedem zweiten Schritt den Boden.
Er dachte an das Schreiben.
An den unbekannten Ort.
An den unbekannten Absender.
Und an die Frage, weshalb ausgerechnet er eingeladen worden war.
Je länger er darüber nachdachte, desto weniger Antworten fand er.
Also hörte er irgendwann damit auf.
Der Weg war wichtiger.
Er musste den Ort erreichen.
Was dort auf ihn wartete, würde er erfahren, wenn er angekommen war.
Nach ungefähr einer Stunde begann der Weg anzusteigen. Die Felder verschwanden langsam hinter ihm und machten dichtem Unterholz Platz. Alte Bäume standen dicht am Weg und ließen nur wenig Licht durch ihr Blätterdach.
Der Wald war still.
Zu still.
Andokai blieb stehen.
Sein Blick wanderte über den Weg.
Nichts.
Nur Bäume.
Wind.
Das Knacken eines Astes irgendwo zwischen den Stämmen.
Er wartete.
Dann hörte er es wieder.
Diesmal deutlicher.
Ein Geräusch aus einiger Entfernung.
Metall.
Ein dumpfer Schlag.
Dann eine Stimme.
Andokai setzte sich in Bewegung.
Er verließ den Weg nicht sofort. Stattdessen ging er langsam weiter, bis er die Ursache des Geräusches erkennen konnte.
Ein kleiner Karren stand quer über der Straße.
Ein Rad war abgebrochen.
Daneben lag ein Pferd auf dem Boden.
Es war noch am Leben, bewegte sich jedoch unruhig und versuchte vergeblich, wieder auf die Beine zu kommen.
Neben dem Wagen kniete eine Person.
Eine junge Frau.
Ihr Mantel war vom Schlamm durchnässt, und eine ihrer Hände lag auf dem Hals des Pferdes. Mit der anderen versuchte sie, einen Lederriemen zu lösen, der sich offenbar irgendwo unter dem Wagen verfangen hatte.
Andokai blieb einige Schritte entfernt stehen.
Die Frau bemerkte ihn erst nach einigen Sekunden.
Sie hob den Kopf.
Ihre Augen trafen auf seine.
Einen Moment lang sagte keiner etwas.
Dann sah sie kurz zu seinem Stab und wieder in sein Gesicht.
„Wenn Ihr zufällig vorhabt, einfach weiterzugehen“, sagte sie erschöpft, „wäre jetzt vermutlich der richtige Zeitpunkt.“
Andokai betrachtete den Wagen.
„Was ist passiert?“
„Das Rad.“
Er sah es an.
„Das sehe ich.“
Die Frau atmete hörbar aus.
„Dann wisst Ihr bereits mehr als ich.“
Andokai trat näher.
Das Pferd versuchte erneut, sich zu bewegen.
„Ist es verletzt?“
„Ich glaube nicht schwer. Aber ich bekomme es nicht frei.“
Andokai ging in die Hocke.
Der Riemen hatte sich tatsächlich unter einer Strebe des Wagens verklemmt. Er zog vorsichtig daran, doch das Leder gab nicht nach.
„Habt Ihr ein Messer?“
Die Frau griff an ihren Gürtel.
„Ja.“
Sie reichte ihm ein kleines Messer.
Andokai setzte die Klinge an.
Mit etwas Geduld gelang es ihm, den Riemen zu durchtrennen.
Das Pferd konnte den Kopf bewegen und versuchte erneut, sich aufzurichten.
„Langsam“, sagte die Frau und legte eine Hand an seinen Hals.
Nach einigen Versuchen gelang es dem Tier schließlich, auf die Vorderbeine zu kommen. Wenig später stand es wieder vollständig.
Es war erschöpft, aber offenbar nicht ernsthaft verletzt.
Die Frau atmete erleichtert auf.
„Gut.“
Andokai erhob sich.
„Euer Wagen ist nicht mehr fahrbereit.“
„Das ist mir ebenfalls aufgefallen.“
Er sah sich das abgebrochene Rad an.
„Wie weit ist die nächste Siedlung?“
„Wenn Ihr die meint, aus der Ihr vermutlich kommt: ein paar Stunden.“
Andokai schwieg.
„Und die nächste in der anderen Richtung?“
„Keine Ahnung.“
Sie sah den Weg entlang.
„Ich wollte eigentlich weiter nach Westen.“
Andokai sah sie an.
„Ich ebenfalls.“
Die Frau musterte ihn.
„Ihr seid also auch unterwegs.“
„Ja.“
„Allein?“
„Bisher.“
Sie nickte langsam.
Dann sah sie zu ihrem Wagen.
„Das ist ungünstig.“
Andokai betrachtete die Straße.
Dann das Pferd.
Dann wieder den Wagen.
„Was transportiert Ihr?“
„Nichts, das einen Umweg wert wäre.“
„Dann lasst den Wagen zurück.“
Sie sah ihn an, als hätte er gerade vorgeschlagen, ihren Mantel zu verbrennen.
„Das ist mein Wagen.“
„Er ist kaputt.“
„Das habe ich bemerkt.“
„Dann ist er kein Grund, hierzubleiben.“
Die Frau schwieg.
Andokai wandte sich dem Weg zu.
„Wenn Ihr nach Westen wollt, könnt Ihr Euch mir anschließen.“
Sie sah ihn überrascht an.
„Ihr kennt mich nicht.“
„Nein.“
„Ihr wisst nicht, wer ich bin.“
„Nein.“
„Und Ihr wisst nicht einmal, ob ich gefährlich bin.“
Andokai sah über die Schulter.
„Das gilt umgekehrt ebenfalls.“
Für einen Moment herrschte Stille.
Dann musste die Frau trotz ihrer offensichtlichen Erschöpfung leicht lächeln.
„Ihr seid ein merkwürdiger Mann.“
Andokai setzte seinen Weg fort.
„Das wurde mir bereits gesagt.“
Sie blieb noch einen Augenblick bei ihrem Pferd stehen.
Dann blickte sie auf den zerstörten Wagen.
Auf die Straße.
Und schließlich auf den Fremden, der bereits einige Schritte entfernt war.
„Wartet!“
Andokai blieb stehen.
Die Frau nahm ihr Gepäck aus dem Wagen und befestigte es am Sattel ihres Pferdes. Viel war es nicht. Ein kleiner Lederrucksack, eine zusammengerollte Decke und eine schmale Tasche, deren Inhalt Andokai nicht erkennen konnte.
Sie nahm die Zügel in die Hand.
„Wenn Ihr tatsächlich nach Westen geht“, sagte sie, „kann ich zumindest bis zur nächsten größeren Straße mit Euch gehen.“
Andokai nickte.
„Gut.“
„Mehr nicht?“
„Was sollte ich sonst sagen?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Nichts.“
Sie gingen weiter.
Eine Weile blieb die Frau schweigend neben ihm.
Dann sagte sie:
„Mein Name ist übrigens Elira.“
Andokai sah kurz zu ihr.
„Andokai.“
„Nur Andokai?“
„Das genügt.“
Elira hob eine Augenbraue.
„Natürlich.“
Wieder kehrte Stille ein.
Doch diesmal war sie anders.
Andokai war nicht mehr allein auf dem Weg.
Noch wusste er nicht, wie lange sie gemeinsam reisen würden.
Vielleicht nur bis zur nächsten Kreuzung.
Vielleicht bis zur nächsten Siedlung.
Vielleicht länger.
Das spielte für den Moment keine Rolle.
Der Wald lag vor ihnen, und irgendwo dahinter führte die Straße weiter nach Westen.
Dorthin, wo Andokai sein Ziel vermutete.
Dorthin, wo eine Einladung auf ihn wartete, deren Bedeutung er noch immer nicht verstand.
Er ging weiter.
Neben ihm führte Elira ihr Pferd.
Hinter ihnen blieb der beschädigte Wagen auf dem Weg zurück.
Und mit jedem Schritt verschwanden die letzten Spuren der Siedlung endgültig zwischen den Bäumen.
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Part 3 – The Road Beyond
The night had passed quietly.
Andokai had remained at the tavern after most of the other guests had gone. He had spent some time sitting by the fire, listening to the last conversations of the departing travelers without ever becoming part of them himself. Nothing had caught his attention long enough to make him reconsider his plans. No one had appeared whom he felt compelled to take with him. No message, no chance encounter, and no indication that the answer to his invitation was waiting for him here.
Perhaps it was not necessary.
He had spent the previous day waiting for an opportunity.
Now, he would wait no longer.
Early in the morning, the tavern had become quiet again. The fire in the hearth burned low, and pale light filtered through the windows beneath an overcast sky. A few of the tables had already been cleared, while the innkeeper stood behind the counter, busy removing the last traces of the previous night.
Andokai sat at his table one last time.
A cup stood before him, barely touched.
His black walking staff rested beside him, and his traveling cloak was already draped over his shoulders. His long white hair fell down his back, standing out starkly against the dark fabric of his clothing.
He had made his decision.
He would leave.
The letter was safely tucked away in his clothing. He had not taken it out again. By now, he knew the few words written upon it almost by heart. A place. A time. An invitation without explanation.
That was all he had.
But it was enough.
Enough for the next step, at least.
Andokai placed a few coins on the table and rose.
The innkeeper looked over at him.
“You’re moving on?”
“Yes.”
“Already?”
Andokai pulled on his gloves.
“I have stayed long enough.”
The innkeeper nodded as though he understood.
“The western road is fairly quiet this morning. If you’re heading that way, you should take the old trade road. It’s longer, but easier to travel.”
Andokai paused.
“And the other road?”
“The one through the forest?”
“Yes.”
The innkeeper's expression changed slightly.
“Fewer people. Worse road. After all the rain we’ve had, probably plenty of mud.”
Andokai nodded.
“Then I will take the road through the forest.”
The innkeeper looked at him for a moment.
“Of course you will.”
Andokai opened the door.
Cold morning air entered the warm tavern.
For a brief moment, he stood in the doorway.
Behind him was the tavern where he had hoped to find someone willing to accompany him on his journey.
Before him was the road.
He had no certainty about what awaited him.
Perhaps that was the only way the journey could truly begin.
Andokai stepped outside.
The door closed behind him.
The settlement looked almost like a different place in the morning. Where merchants, travelers, and farmers had filled the streets the previous evening, there was now only a muted sense of activity. Doors were being opened, horses led from stables, and carts prepared for the day ahead.
Andokai walked silently through the streets.
No one stopped him.
No one asked where he was going.
He preferred it that way.
At the edge of the settlement, the road narrowed. The houses became more scattered until only a few farms remained between the fields. Beyond them, the first wooded hills rose into view.
Andokai followed the road.
With every step, he moved farther away from the settlement.
Soon, there was little left to see of it.
The road led first through open fields. Damp earth clung to his boots, and the wind carried the scent of wet grass and wood from the forest ahead. The clouds hung low, but the rain held off.
Andokai walked at an even pace.
His black staff touched the ground with every other step.
He thought of the letter.
Of the unknown place.
Of the unknown sender.
And of the question of why he had been invited in the first place.
The longer he considered it, the fewer answers he found.
Eventually, he stopped trying.
The road was more important.
He had to reach the place.
Whatever awaited him there, he would learn when he arrived.
After roughly an hour, the road began to rise. The fields slowly disappeared behind him, replaced by dense undergrowth. Old trees stood close to the road, allowing little light to pass through their branches.
The forest was quiet.
Too quiet.
Andokai stopped.
His eyes moved across the road.
Nothing.
Only trees.
The wind.
The distant crack of a branch somewhere between the trunks.
He waited.
Then he heard it again.
This time, more clearly.
A sound coming from somewhere ahead.
Metal.
A dull impact.
Then a voice.
Andokai began to move.
He did not immediately leave the road. Instead, he continued slowly until he could see the source of the noise.
A small cart stood sideways across the road.
One of its wheels had broken.
Beside it lay a horse.
It was still alive, but restless, struggling in vain to get back onto its feet.
A young woman knelt beside it.
Her cloak was soaked with mud, and one hand rested against the horse's neck. With the other, she was trying to free a leather strap that appeared to have become caught beneath the cart.
Andokai stopped a few steps away.
The woman did not notice him for several seconds.
Then she raised her head.
Her eyes met his.
For a moment, neither of them spoke.
Then she glanced briefly at his staff before looking back at his face.
“If you happen to be planning on simply walking past,” she said tiredly, “now would probably be the appropriate time.”
Andokai looked at the cart.
“What happened?”
“The wheel.”
“I can see that.”
The woman let out a weary breath.
“Then you already know more than I do.”
Andokai stepped closer.
The horse tried to move again.
“Is it injured?”
“I don't think badly. But I can't get it free.”
Andokai crouched down.
The strap had indeed become caught beneath one of the wooden supports. He pulled carefully, but the leather would not give.
“Do you have a knife?”
The woman reached for her belt.
“Yes.”
She handed him a small knife.
Andokai positioned the blade against the strap.
With some patience, he managed to cut through it.
The horse was able to move its head and tried once more to rise.
“Easy,” the woman said, placing a hand against its neck.
After several attempts, the animal finally managed to get onto its front legs.
A moment later, it was standing again.
It was exhausted, but apparently not seriously injured.
The woman let out a relieved breath.
“Good.”
Andokai rose.
“Your cart is no longer roadworthy.”
She looked at him.
“I had noticed.”
He examined the broken wheel.
“How far is the nearest settlement?”
“If you mean the one you presumably came from, a few hours.”
Andokai remained silent.
“And the nearest one in the other direction?”
“No idea.”
She looked down the road.
“I was actually heading west.”
Andokai looked at her.
“So am I.”
The woman studied him.
“You’re traveling, then.”
“Yes.”
“Alone?”
“So far.”
She nodded slowly.
Then she looked at her cart.
“That is unfortunate.”
Andokai examined the road.
Then the horse.
Then the cart once more.
“What are you carrying?”
“Nothing worth taking a detour for.”
“Then leave the cart.”
She looked at him as though he had just suggested burning her cloak.
“That is my cart.”
“It is broken.”
“I noticed that too.”
“Then it is no reason to remain here.”
The woman fell silent.
Andokai turned toward the road.
“If you are heading west, you may join me.”
She looked at him in surprise.
“You don't know me.”
“No.”
“You don't know who I am.”
“No.”
“And you don't even know whether I'm dangerous.”
Andokai glanced back over his shoulder.
“The same applies to you.”
For a moment, silence settled between them.
Then, despite her obvious exhaustion, the woman smiled faintly.
“You're a strange man.”
Andokai continued down the road.
“I have been told that before.”
She remained beside her horse for another moment.
Then she looked at the ruined cart.
At the road.
And finally at the stranger who was already several steps away.
“Wait!”
Andokai stopped.
The woman removed her belongings from the cart and secured them to the horse's saddle. There was not much: a small leather pack, a rolled blanket, and a narrow satchel whose contents Andokai could not see.
She took the reins in one hand.
“If you really are heading west,” she said, “I can at least travel with you as far as the next major road.”
Andokai nodded.
“Good.”
“That's all?”
“What else should I say?”
She shook her head.
“Nothing.”
They continued onward.
For a while, the woman walked beside him in silence.
Then she spoke.
“My name is Elira, by the way.”
Andokai glanced at her.
“Andokai.”
“Just Andokai?”
“That is sufficient.”
Elira raised an eyebrow.
“Of course.”
Silence returned.
But this time, it felt different.
Andokai was no longer alone on the road.
He did not yet know how long they would travel together.
Perhaps only until the next crossroads.
Perhaps until the next settlement.
Perhaps longer.
For the moment, it did not matter.
The forest lay ahead of them, and somewhere beyond it the road continued west.
Toward the place Andokai believed to be his destination.
Toward the invitation whose meaning he still did not understand.
He continued walking.
Beside him, Elira led her horse.
Behind them, the broken cart remained abandoned on the road.
And with every step, the last traces of the settlement disappeared between the trees.
Die Nacht war ruhig vergangen.
Andokai hatte die Taverne nicht verlassen, nachdem die meisten Gäste gegangen waren. Er hatte noch eine Weile am Feuer gesessen, die Stimmen der letzten Reisenden im Hintergrund wahrgenommen und den Gesprächen gelauscht, ohne selbst Teil davon zu werden. Es hatte nichts gegeben, das seine Aufmerksamkeit lange genug gefesselt hätte. Keine Person, bei der er das Gefühl gehabt hätte, sie müsse ihn begleiten. Keine Nachricht, kein Zufall und kein Hinweis darauf, dass die Antwort auf seine Einladung ausgerechnet hier auf ihn warten würde.
Vielleicht war es auch gar nicht notwendig.
Er hatte den vergangenen Tag damit verbracht, auf eine Gelegenheit zu warten.
Nun würde er sie nicht länger erwarten.
Am frühen Morgen war die Taverne wieder stiller geworden. Das Feuer im Kamin brannte nur noch schwach, und durch die Fenster fiel das fahle Licht eines bedeckten Himmels. Einige der Tische waren bereits abgeräumt, während der Wirt hinter dem Tresen damit beschäftigt war, die letzten Spuren der vergangenen Nacht zu beseitigen.
Andokai saß noch einmal an seinem Tisch.
Vor ihm stand ein Becher, den er kaum angerührt hatte.
Sein schwarzer Gehstock lehnte neben ihm, und sein Reiseumhang lag bereits über seinen Schultern. Das lange weiße Haar fiel ihm über den Rücken und hob sich deutlich von dem dunklen Stoff seiner Kleidung ab.
Er hatte seine Entscheidung getroffen.
Er würde aufbrechen.
Der Brief befand sich sicher in seiner Kleidung. Er hatte ihn nicht noch einmal hervorgeholt. Die wenigen Worte, die darauf standen, kannte er inzwischen beinahe auswendig. Ein Ort. Eine Zeit. Eine Einladung ohne Erklärung.
Mehr hatte er nicht.
Aber es war genug.
Zumindest für den nächsten Schritt.
Andokai legte einige Münzen auf den Tisch und erhob sich.
Der Wirt sah zu ihm herüber.
„Ihr reist weiter?“
„Ja.“
„Schon?“
Andokai zog seine Handschuhe an.
„Ich bin lange genug geblieben.“
Der Wirt nickte, als würde er die Antwort verstehen.
„Die Straße nach Westen ist heute Morgen ziemlich ruhig. Wenn Ihr dorthin wollt, solltet Ihr den alten Handelsweg nehmen. Der ist zwar länger, aber besser begehbar.“
Andokai blieb kurz stehen.
„Und die andere Straße?“
„Die durch den Wald?“
„Ja.“
Der Wirt verzog das Gesicht.
„Weniger Leute. Schlechterer Weg. Nach dem Regen der letzten Tage wahrscheinlich ziemlich matschig.“
Andokai nickte.
„Dann nehme ich die Straße durch den Wald.“
Der Wirt sah ihn einen Augenblick an.
„Natürlich.“
Andokai öffnete die Tür.
Kalte Morgenluft drang in den warmen Schankraum.
Für einen kurzen Moment blieb er auf der Schwelle stehen.
Hinter ihm lag die Taverne, in der er gehofft hatte, jemanden zu finden, der ihn auf seiner Reise begleiten würde.
Vor ihm lag die Straße.
Er hatte keine Gewissheit, was ihn erwartete.
Vielleicht war das der einzige Weg, wie diese Reise überhaupt beginnen konnte.
Andokai trat hinaus.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
Die Siedlung wirkte am Morgen beinahe wie ein anderer Ort als am vergangenen Abend. Wo gestern noch Händler, Reisende und Bauern die Straßen gefüllt hatten, herrschte nun eine gedämpfte Geschäftigkeit. Türen wurden geöffnet, Pferde aus Ställen geführt und Wagen für den kommenden Tag beladen.
Andokai ging schweigend durch die Straßen.
Niemand hielt ihn auf.
Niemand fragte nach seinem Ziel.
Das war ihm recht.
Am Rand der Siedlung wurde der Weg schmaler. Die Häuser standen weiter auseinander, bis schließlich nur noch einzelne Höfe zwischen den Feldern zu sehen waren. Hinter ihnen erhoben sich die ersten bewaldeten Hügel.
Andokai folgte dem Weg.
Mit jedem Schritt entfernte er sich weiter von der Siedlung.
Bald war von ihr kaum noch etwas zu sehen.
Die Straße führte zunächst über offene Felder. Feuchte Erde klebte an seinen Stiefeln, und der Wind trug den Geruch von nassem Gras und Holz aus den Wäldern herüber. Die Wolken hingen tief, doch der Regen blieb aus.
Andokai ging gleichmäßig.
Sein schwarzer Stab berührte bei jedem zweiten Schritt den Boden.
Er dachte an das Schreiben.
An den unbekannten Ort.
An den unbekannten Absender.
Und an die Frage, weshalb ausgerechnet er eingeladen worden war.
Je länger er darüber nachdachte, desto weniger Antworten fand er.
Also hörte er irgendwann damit auf.
Der Weg war wichtiger.
Er musste den Ort erreichen.
Was dort auf ihn wartete, würde er erfahren, wenn er angekommen war.
Nach ungefähr einer Stunde begann der Weg anzusteigen. Die Felder verschwanden langsam hinter ihm und machten dichtem Unterholz Platz. Alte Bäume standen dicht am Weg und ließen nur wenig Licht durch ihr Blätterdach.
Der Wald war still.
Zu still.
Andokai blieb stehen.
Sein Blick wanderte über den Weg.
Nichts.
Nur Bäume.
Wind.
Das Knacken eines Astes irgendwo zwischen den Stämmen.
Er wartete.
Dann hörte er es wieder.
Diesmal deutlicher.
Ein Geräusch aus einiger Entfernung.
Metall.
Ein dumpfer Schlag.
Dann eine Stimme.
Andokai setzte sich in Bewegung.
Er verließ den Weg nicht sofort. Stattdessen ging er langsam weiter, bis er die Ursache des Geräusches erkennen konnte.
Ein kleiner Karren stand quer über der Straße.
Ein Rad war abgebrochen.
Daneben lag ein Pferd auf dem Boden.
Es war noch am Leben, bewegte sich jedoch unruhig und versuchte vergeblich, wieder auf die Beine zu kommen.
Neben dem Wagen kniete eine Person.
Eine junge Frau.
Ihr Mantel war vom Schlamm durchnässt, und eine ihrer Hände lag auf dem Hals des Pferdes. Mit der anderen versuchte sie, einen Lederriemen zu lösen, der sich offenbar irgendwo unter dem Wagen verfangen hatte.
Andokai blieb einige Schritte entfernt stehen.
Die Frau bemerkte ihn erst nach einigen Sekunden.
Sie hob den Kopf.
Ihre Augen trafen auf seine.
Einen Moment lang sagte keiner etwas.
Dann sah sie kurz zu seinem Stab und wieder in sein Gesicht.
„Wenn Ihr zufällig vorhabt, einfach weiterzugehen“, sagte sie erschöpft, „wäre jetzt vermutlich der richtige Zeitpunkt.“
Andokai betrachtete den Wagen.
„Was ist passiert?“
„Das Rad.“
Er sah es an.
„Das sehe ich.“
Die Frau atmete hörbar aus.
„Dann wisst Ihr bereits mehr als ich.“
Andokai trat näher.
Das Pferd versuchte erneut, sich zu bewegen.
„Ist es verletzt?“
„Ich glaube nicht schwer. Aber ich bekomme es nicht frei.“
Andokai ging in die Hocke.
Der Riemen hatte sich tatsächlich unter einer Strebe des Wagens verklemmt. Er zog vorsichtig daran, doch das Leder gab nicht nach.
„Habt Ihr ein Messer?“
Die Frau griff an ihren Gürtel.
„Ja.“
Sie reichte ihm ein kleines Messer.
Andokai setzte die Klinge an.
Mit etwas Geduld gelang es ihm, den Riemen zu durchtrennen.
Das Pferd konnte den Kopf bewegen und versuchte erneut, sich aufzurichten.
„Langsam“, sagte die Frau und legte eine Hand an seinen Hals.
Nach einigen Versuchen gelang es dem Tier schließlich, auf die Vorderbeine zu kommen. Wenig später stand es wieder vollständig.
Es war erschöpft, aber offenbar nicht ernsthaft verletzt.
Die Frau atmete erleichtert auf.
„Gut.“
Andokai erhob sich.
„Euer Wagen ist nicht mehr fahrbereit.“
„Das ist mir ebenfalls aufgefallen.“
Er sah sich das abgebrochene Rad an.
„Wie weit ist die nächste Siedlung?“
„Wenn Ihr die meint, aus der Ihr vermutlich kommt: ein paar Stunden.“
Andokai schwieg.
„Und die nächste in der anderen Richtung?“
„Keine Ahnung.“
Sie sah den Weg entlang.
„Ich wollte eigentlich weiter nach Westen.“
Andokai sah sie an.
„Ich ebenfalls.“
Die Frau musterte ihn.
„Ihr seid also auch unterwegs.“
„Ja.“
„Allein?“
„Bisher.“
Sie nickte langsam.
Dann sah sie zu ihrem Wagen.
„Das ist ungünstig.“
Andokai betrachtete die Straße.
Dann das Pferd.
Dann wieder den Wagen.
„Was transportiert Ihr?“
„Nichts, das einen Umweg wert wäre.“
„Dann lasst den Wagen zurück.“
Sie sah ihn an, als hätte er gerade vorgeschlagen, ihren Mantel zu verbrennen.
„Das ist mein Wagen.“
„Er ist kaputt.“
„Das habe ich bemerkt.“
„Dann ist er kein Grund, hierzubleiben.“
Die Frau schwieg.
Andokai wandte sich dem Weg zu.
„Wenn Ihr nach Westen wollt, könnt Ihr Euch mir anschließen.“
Sie sah ihn überrascht an.
„Ihr kennt mich nicht.“
„Nein.“
„Ihr wisst nicht, wer ich bin.“
„Nein.“
„Und Ihr wisst nicht einmal, ob ich gefährlich bin.“
Andokai sah über die Schulter.
„Das gilt umgekehrt ebenfalls.“
Für einen Moment herrschte Stille.
Dann musste die Frau trotz ihrer offensichtlichen Erschöpfung leicht lächeln.
„Ihr seid ein merkwürdiger Mann.“
Andokai setzte seinen Weg fort.
„Das wurde mir bereits gesagt.“
Sie blieb noch einen Augenblick bei ihrem Pferd stehen.
Dann blickte sie auf den zerstörten Wagen.
Auf die Straße.
Und schließlich auf den Fremden, der bereits einige Schritte entfernt war.
„Wartet!“
Andokai blieb stehen.
Die Frau nahm ihr Gepäck aus dem Wagen und befestigte es am Sattel ihres Pferdes. Viel war es nicht. Ein kleiner Lederrucksack, eine zusammengerollte Decke und eine schmale Tasche, deren Inhalt Andokai nicht erkennen konnte.
Sie nahm die Zügel in die Hand.
„Wenn Ihr tatsächlich nach Westen geht“, sagte sie, „kann ich zumindest bis zur nächsten größeren Straße mit Euch gehen.“
Andokai nickte.
„Gut.“
„Mehr nicht?“
„Was sollte ich sonst sagen?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Nichts.“
Sie gingen weiter.
Eine Weile blieb die Frau schweigend neben ihm.
Dann sagte sie:
„Mein Name ist übrigens Elira.“
Andokai sah kurz zu ihr.
„Andokai.“
„Nur Andokai?“
„Das genügt.“
Elira hob eine Augenbraue.
„Natürlich.“
Wieder kehrte Stille ein.
Doch diesmal war sie anders.
Andokai war nicht mehr allein auf dem Weg.
Noch wusste er nicht, wie lange sie gemeinsam reisen würden.
Vielleicht nur bis zur nächsten Kreuzung.
Vielleicht bis zur nächsten Siedlung.
Vielleicht länger.
Das spielte für den Moment keine Rolle.
Der Wald lag vor ihnen, und irgendwo dahinter führte die Straße weiter nach Westen.
Dorthin, wo Andokai sein Ziel vermutete.
Dorthin, wo eine Einladung auf ihn wartete, deren Bedeutung er noch immer nicht verstand.
Er ging weiter.
Neben ihm führte Elira ihr Pferd.
Hinter ihnen blieb der beschädigte Wagen auf dem Weg zurück.
Und mit jedem Schritt verschwanden die letzten Spuren der Siedlung endgültig zwischen den Bäumen.
***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***---***
Part 3 – The Road Beyond
The night had passed quietly.
Andokai had remained at the tavern after most of the other guests had gone. He had spent some time sitting by the fire, listening to the last conversations of the departing travelers without ever becoming part of them himself. Nothing had caught his attention long enough to make him reconsider his plans. No one had appeared whom he felt compelled to take with him. No message, no chance encounter, and no indication that the answer to his invitation was waiting for him here.
Perhaps it was not necessary.
He had spent the previous day waiting for an opportunity.
Now, he would wait no longer.
Early in the morning, the tavern had become quiet again. The fire in the hearth burned low, and pale light filtered through the windows beneath an overcast sky. A few of the tables had already been cleared, while the innkeeper stood behind the counter, busy removing the last traces of the previous night.
Andokai sat at his table one last time.
A cup stood before him, barely touched.
His black walking staff rested beside him, and his traveling cloak was already draped over his shoulders. His long white hair fell down his back, standing out starkly against the dark fabric of his clothing.
He had made his decision.
He would leave.
The letter was safely tucked away in his clothing. He had not taken it out again. By now, he knew the few words written upon it almost by heart. A place. A time. An invitation without explanation.
That was all he had.
But it was enough.
Enough for the next step, at least.
Andokai placed a few coins on the table and rose.
The innkeeper looked over at him.
“You’re moving on?”
“Yes.”
“Already?”
Andokai pulled on his gloves.
“I have stayed long enough.”
The innkeeper nodded as though he understood.
“The western road is fairly quiet this morning. If you’re heading that way, you should take the old trade road. It’s longer, but easier to travel.”
Andokai paused.
“And the other road?”
“The one through the forest?”
“Yes.”
The innkeeper's expression changed slightly.
“Fewer people. Worse road. After all the rain we’ve had, probably plenty of mud.”
Andokai nodded.
“Then I will take the road through the forest.”
The innkeeper looked at him for a moment.
“Of course you will.”
Andokai opened the door.
Cold morning air entered the warm tavern.
For a brief moment, he stood in the doorway.
Behind him was the tavern where he had hoped to find someone willing to accompany him on his journey.
Before him was the road.
He had no certainty about what awaited him.
Perhaps that was the only way the journey could truly begin.
Andokai stepped outside.
The door closed behind him.
The settlement looked almost like a different place in the morning. Where merchants, travelers, and farmers had filled the streets the previous evening, there was now only a muted sense of activity. Doors were being opened, horses led from stables, and carts prepared for the day ahead.
Andokai walked silently through the streets.
No one stopped him.
No one asked where he was going.
He preferred it that way.
At the edge of the settlement, the road narrowed. The houses became more scattered until only a few farms remained between the fields. Beyond them, the first wooded hills rose into view.
Andokai followed the road.
With every step, he moved farther away from the settlement.
Soon, there was little left to see of it.
The road led first through open fields. Damp earth clung to his boots, and the wind carried the scent of wet grass and wood from the forest ahead. The clouds hung low, but the rain held off.
Andokai walked at an even pace.
His black staff touched the ground with every other step.
He thought of the letter.
Of the unknown place.
Of the unknown sender.
And of the question of why he had been invited in the first place.
The longer he considered it, the fewer answers he found.
Eventually, he stopped trying.
The road was more important.
He had to reach the place.
Whatever awaited him there, he would learn when he arrived.
After roughly an hour, the road began to rise. The fields slowly disappeared behind him, replaced by dense undergrowth. Old trees stood close to the road, allowing little light to pass through their branches.
The forest was quiet.
Too quiet.
Andokai stopped.
His eyes moved across the road.
Nothing.
Only trees.
The wind.
The distant crack of a branch somewhere between the trunks.
He waited.
Then he heard it again.
This time, more clearly.
A sound coming from somewhere ahead.
Metal.
A dull impact.
Then a voice.
Andokai began to move.
He did not immediately leave the road. Instead, he continued slowly until he could see the source of the noise.
A small cart stood sideways across the road.
One of its wheels had broken.
Beside it lay a horse.
It was still alive, but restless, struggling in vain to get back onto its feet.
A young woman knelt beside it.
Her cloak was soaked with mud, and one hand rested against the horse's neck. With the other, she was trying to free a leather strap that appeared to have become caught beneath the cart.
Andokai stopped a few steps away.
The woman did not notice him for several seconds.
Then she raised her head.
Her eyes met his.
For a moment, neither of them spoke.
Then she glanced briefly at his staff before looking back at his face.
“If you happen to be planning on simply walking past,” she said tiredly, “now would probably be the appropriate time.”
Andokai looked at the cart.
“What happened?”
“The wheel.”
“I can see that.”
The woman let out a weary breath.
“Then you already know more than I do.”
Andokai stepped closer.
The horse tried to move again.
“Is it injured?”
“I don't think badly. But I can't get it free.”
Andokai crouched down.
The strap had indeed become caught beneath one of the wooden supports. He pulled carefully, but the leather would not give.
“Do you have a knife?”
The woman reached for her belt.
“Yes.”
She handed him a small knife.
Andokai positioned the blade against the strap.
With some patience, he managed to cut through it.
The horse was able to move its head and tried once more to rise.
“Easy,” the woman said, placing a hand against its neck.
After several attempts, the animal finally managed to get onto its front legs.
A moment later, it was standing again.
It was exhausted, but apparently not seriously injured.
The woman let out a relieved breath.
“Good.”
Andokai rose.
“Your cart is no longer roadworthy.”
She looked at him.
“I had noticed.”
He examined the broken wheel.
“How far is the nearest settlement?”
“If you mean the one you presumably came from, a few hours.”
Andokai remained silent.
“And the nearest one in the other direction?”
“No idea.”
She looked down the road.
“I was actually heading west.”
Andokai looked at her.
“So am I.”
The woman studied him.
“You’re traveling, then.”
“Yes.”
“Alone?”
“So far.”
She nodded slowly.
Then she looked at her cart.
“That is unfortunate.”
Andokai examined the road.
Then the horse.
Then the cart once more.
“What are you carrying?”
“Nothing worth taking a detour for.”
“Then leave the cart.”
She looked at him as though he had just suggested burning her cloak.
“That is my cart.”
“It is broken.”
“I noticed that too.”
“Then it is no reason to remain here.”
The woman fell silent.
Andokai turned toward the road.
“If you are heading west, you may join me.”
She looked at him in surprise.
“You don't know me.”
“No.”
“You don't know who I am.”
“No.”
“And you don't even know whether I'm dangerous.”
Andokai glanced back over his shoulder.
“The same applies to you.”
For a moment, silence settled between them.
Then, despite her obvious exhaustion, the woman smiled faintly.
“You're a strange man.”
Andokai continued down the road.
“I have been told that before.”
She remained beside her horse for another moment.
Then she looked at the ruined cart.
At the road.
And finally at the stranger who was already several steps away.
“Wait!”
Andokai stopped.
The woman removed her belongings from the cart and secured them to the horse's saddle. There was not much: a small leather pack, a rolled blanket, and a narrow satchel whose contents Andokai could not see.
She took the reins in one hand.
“If you really are heading west,” she said, “I can at least travel with you as far as the next major road.”
Andokai nodded.
“Good.”
“That's all?”
“What else should I say?”
She shook her head.
“Nothing.”
They continued onward.
For a while, the woman walked beside him in silence.
Then she spoke.
“My name is Elira, by the way.”
Andokai glanced at her.
“Andokai.”
“Just Andokai?”
“That is sufficient.”
Elira raised an eyebrow.
“Of course.”
Silence returned.
But this time, it felt different.
Andokai was no longer alone on the road.
He did not yet know how long they would travel together.
Perhaps only until the next crossroads.
Perhaps until the next settlement.
Perhaps longer.
For the moment, it did not matter.
The forest lay ahead of them, and somewhere beyond it the road continued west.
Toward the place Andokai believed to be his destination.
Toward the invitation whose meaning he still did not understand.
He continued walking.
Beside him, Elira led her horse.
Behind them, the broken cart remained abandoned on the road.
And with every step, the last traces of the settlement disappeared between the trees.
Re: Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
((No.92, Sour milk maid_1))
Teil 1 – Auf der Spur
Ein Winken und die Gespenster kamen aus dem Waldrand gekrochen.
Die Subjekte waren vor einiger Zeit in der Wegkurve verschwunden, der Wald stand geräuschlos.
Das Kettenhemd kratzte leise durch den Farn.
Ein Wagen, das war etwas.
Sie trat näher heran, die Gespenster standen schon um den Wagen.
Sie nickt hinab zu den fragenden Gesichtern und zeigt auf ein Gebüsch näher am Weg, dahinter.
Ein paar der Gespenster hängen sich an die Deichsel und die Orkin wuchtet den Wagen an.
Zwei Gespenster kommen aus dem Wald, einen Trieb einer Eibe schleppend.
Zwei Gespenster hasten nach Osten, eine Eisenkrampe holen und einen alten Ochsen auslösen.
Spuren werden verwischt.
Murli beugt letztlich den ältesten der Gespenster das Haupt zu und folgt den Subjekten.
~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~~* ~~*~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~ *~~~
Part 1 – On Track
A wave and the ghosts came crawling from the edge of the woods.
The subjects just had disappeared into a bend of the road, the wood stood noiseless.
The chain mail scraped lowly through the fern.
A cart, that was something.
She stepped closer, the ghosts already surrounding the carriage.
She nods down to the questioning faces and points to the brushes closer to the road, behind it.
Some of the ghosts cling to the draw bars and the female orc heaves up the cart.
Two ghosts come from the woods, dragging a sprout of a yew.
Two ghosts haste east, to get an iron staple and redeem an old ox.
Traces are cleared.
Murli finally bows her head to the eldest of the ghosts and follows the subjects.
Teil 1 – Auf der Spur
Ein Winken und die Gespenster kamen aus dem Waldrand gekrochen.
Die Subjekte waren vor einiger Zeit in der Wegkurve verschwunden, der Wald stand geräuschlos.
Das Kettenhemd kratzte leise durch den Farn.
Ein Wagen, das war etwas.
Sie trat näher heran, die Gespenster standen schon um den Wagen.
Sie nickt hinab zu den fragenden Gesichtern und zeigt auf ein Gebüsch näher am Weg, dahinter.
Ein paar der Gespenster hängen sich an die Deichsel und die Orkin wuchtet den Wagen an.
Zwei Gespenster kommen aus dem Wald, einen Trieb einer Eibe schleppend.
Zwei Gespenster hasten nach Osten, eine Eisenkrampe holen und einen alten Ochsen auslösen.
Spuren werden verwischt.
Murli beugt letztlich den ältesten der Gespenster das Haupt zu und folgt den Subjekten.
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Part 1 – On Track
A wave and the ghosts came crawling from the edge of the woods.
The subjects just had disappeared into a bend of the road, the wood stood noiseless.
The chain mail scraped lowly through the fern.
A cart, that was something.
She stepped closer, the ghosts already surrounding the carriage.
She nods down to the questioning faces and points to the brushes closer to the road, behind it.
Some of the ghosts cling to the draw bars and the female orc heaves up the cart.
Two ghosts come from the woods, dragging a sprout of a yew.
Two ghosts haste east, to get an iron staple and redeem an old ox.
Traces are cleared.
Murli finally bows her head to the eldest of the ghosts and follows the subjects.
Re: Jenseits der bekannten Wege ***---*** Beyond the Known Roads
Teil 4 – Wo die Wege sich trennen
Der Wald lichtete sich erst gegen Mittag.
Bis dahin hatte sich der Weg in langen, unregelmäßigen Bögen zwischen den alten Bäumen hindurchgeschlängelt, mal über flache, von Wurzeln durchzogene Erde, mal über steinige Abschnitte, auf denen sich das Regenwasser in schmalen Rinnen gesammelt hatte. Die Feuchtigkeit der vergangenen Tage lag noch immer in der Landschaft. Moos überzog die unteren Teile der Baumstämme, und auf den breiten Blättern des Unterholzes glitzerten vereinzelte Wassertropfen, sobald ein schmaler Lichtstrahl durch das Blätterdach fiel. Unter ihren Füßen gab der Boden stellenweise weich nach, während an anderen Stellen trockenere Nadeln und abgefallene Blätter ein leises Rascheln verursachten.
Andokai ging mit seinem gewohnten, gleichmäßigen Schritt voran. Sein schwarzer Stab berührte gelegentlich den Boden, wenn der Pfad uneben wurde, und der Saum seines dunklen Reiseumhangs streifte das hohe Gras am Wegrand. Elira hielt sich in seiner Nähe, ihr Pferd führte sie an den Zügeln. Seit ihrer Begegnung hatten sie nur wenig gesprochen. Es gab keinen besonderen Grund dafür, und keiner von beiden schien das Schweigen als störend zu empfinden. Die gelegentlichen Geräusche des Waldes, das Knacken eines Astes unter einem Huf oder das ferne Rufen eines Vogels füllten die Pausen mühelos.
Als sie schließlich den Rand des Waldes erreichten, öffnete sich die Landschaft vor ihnen, als hätte jemand einen schweren Vorhang beiseitegezogen.
Vor ihnen erstreckte sich ein weites Tal, dessen sanfte Hänge von Wiesen, Feldern und verstreuten Baumgruppen bedeckt waren. Ein schmaler Fluss zog sich durch das Land, schlängelte sich zwischen niedrigen Ufern hindurch und verschwand weiter westlich hinter einer Reihe bewaldeter Hügel. Das Wasser war vom Regen noch leicht angeschwollen. Wo es über flache Steine floss, entstanden helle, schäumende Strömungen, während es in den tieferen Abschnitten dunkel und beinahe unbewegt wirkte. Entlang der Ufer standen Weiden, deren langen Zweige sich im Wind bewegten und gelegentlich die Wasseroberfläche berührten.
Über dem Tal lag ein kühler, klarer Dunst. Er schwebte dicht über den feuchten Wiesen und löste sich langsam auf, während die Wolken auseinanderzogen. An den Hängen leuchteten vereinzelte Flächen in frischem Grün, unterbrochen von dunklen Erdstreifen, auf denen Bauern bereits ihre Felder bestellt hatten. Kleine Höfe lagen weit voneinander entfernt, manche von niedrigen Steinmauern umgeben, andere kaum mehr als eine Ansammlung schiefergedeckter Gebäude mit schmalen Schornsteinen. Aus einem der Häuser stieg Rauch auf, der vom Wind über die Felder getragen wurde.
In der Ferne waren die Umrisse eines weiteren Waldes zu erkennen. Dahinter erhoben sich größere Hügel, deren höchste Stellen noch immer von Wolken verdeckt wurden. Die Landschaft wirkte friedlich, beinahe unberührt, doch bei genauerem Hinsehen verrieten schmale Pfade, eingezäunte Weiden und die Spuren alter Wagenräder, dass Menschen seit langer Zeit durch diese Gegend zogen.
Elira blieb für einen Moment stehen, um ihr Pferd trinken zu lassen. Von der Höhe aus konnte man den Weg erkennen, dem sie bisher gefolgt waren. Er wand sich aus dem Wald heraus, führte zwischen zwei Wiesen hindurch und verlor sich schließlich in der offenen Landschaft. Weiter westlich traf er auf eine breitere Straße, die sich wie ein blasses Band durch das Tal zog.
„Dort entlang“, sagte Elira und deutete mit dem Kopf in Richtung der Straße. „Wenn wir ihr folgen, erreichen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit eine Stadt.“
Andokai betrachtete den Horizont.
„Wie groß?“
„Groß genug für ein ordentliches Bett und eine warme Mahlzeit.“
Das war Antwort genug.
Sie stiegen den Hang hinab und erreichten wenig später den Fluss. Eine schmale Holzbrücke überspannte das Wasser an einer Stelle, an der sich die Strömung zwischen zwei flachen Felsvorsprüngen hindurchzwängte. Die Balken waren vom Wetter dunkel geworden, und an den Rändern wuchs Moos zwischen den Brettern. Das Geländer war an mehreren Stellen ausgebessert worden, doch die Konstruktion schien stabil genug, um selbst einen beladenen Karren zu tragen.
Unter ihnen rauschte das Wasser über die Steine. Kleine Zweige und einzelne Blätter wurden von der Strömung mitgerissen und verschwanden zwischen den Felsen. Am Ufer wuchsen Schilf und hohe Gräser, in denen sich der Wind fing. Ein Reiher stand reglos im flachen Wasser, den langen Hals eingezogen, bis das Geräusch ihrer Schritte ihn aufschreckte. Mit langsamen, schweren Flügelschlägen erhob er sich und glitt über den Fluss, bis er hinter den Weiden verschwand.
Auf der anderen Seite wurde das Gelände trockener. Der Weg verlief nun zwischen niedrigen Steinmauern und Weiden, auf denen Schafe grasten. Einige Tiere hoben neugierig die Köpfe, als die Reisenden vorbeigingen, bevor sie sich wieder dem Gras zuwandten. In der Nähe eines kleinen Hofes reparierte ein Mann einen Zaun. Er blickte kurz auf, musterte die beiden Fremden und arbeitete anschließend weiter.
Der Nachmittag verging auf diese Weise. Der Weg führte sie durch wechselnde Landschaften, vorbei an Feldern, kleinen Ansiedlungen und vereinzelten Waldstücken, deren Schatten sich lang über die Straße legten. Je weiter sie nach Westen kamen, desto häufiger begegneten ihnen andere Reisende. Ein schwer beladener Wagen rumpelte ihnen entgegen, gezogen von zwei kräftigen Ochsen. Dahinter folgte ein Händler mit einem kleinen Packpferd, dessen Satteltaschen so voll waren, dass an den Seiten nur noch wenig Platz blieb. Später überholten sie eine Familie, die ihre Habseligkeiten auf einem Handkarren transportierte und offenbar ebenfalls auf dem Weg in die Stadt war.
Andokai nahm seine Umgebung aufmerksam wahr. Er betrachtete die Weggabelungen, die Beschaffenheit des Bodens und die Richtung, in die sich die größeren Straßen wandten. Auch wenn er den Weg nicht aus eigener Erfahrung kannte, versuchte er, sich die Landschaft einzuprägen. Ein niedriger Hügel mit einer gespaltenen Felskrone, ein einzelner Baum neben einer alten Grenzmauer, ein verlassener Wachturm auf einer Anhöhe – solche Einzelheiten blieben ihm im Gedächtnis, während die Stunden vergingen.
Der Brief lag weiterhin sicher unter seiner Kleidung.
Manchmal spürte er das Pergament bei einer Bewegung an seiner Brust, und für einen kurzen Augenblick kehrten seine Gedanken zu der Einladung zurück. Er wusste noch immer nicht, wer sie geschickt hatte oder weshalb er ihr folgen sollte. Doch der unbekannte Ort lag vor ihm, irgendwo jenseits dieser Hügel und Straßen. Jede zurückgelegte Meile brachte ihn ihm zumindest ein Stück näher.
Als die Sonne tiefer sank, veränderte sich das Licht über dem Land. Die hellen Farben der Wiesen wurden dunkler, und die Schatten der Bäume reichten weit über die Felder. In den Pfützen entlang des Weges spiegelte sich ein blasses Gold, während die Wolken am westlichen Horizont einen rötlichen Rand erhielten. Die Luft kühlte merklich ab. Elira zog ihren Mantel enger um die Schultern und führte ihr Pferd etwas näher an den Weg, wo der Boden weniger feucht war.
Dann tauchte am Horizont etwas auf, das sich deutlich von den umliegenden Höfen unterschied.
Zunächst waren es nur einzelne Dächer, kaum mehr als dunkle Formen zwischen den Hügeln. Mit jedem weiteren Stück des Weges wurden sie deutlicher. Dahinter erhoben sich die Dächer größerer Gebäude, einige mit steilen Giebeln, andere mit breiten Schornsteinen und kleinen Türmen. Ein hoher steinerner Bau ragte über die übrigen Häuser hinaus. Weiter rechts verlief eine niedrige Mauer um einen Teil der Stadt, unterbrochen von einem breiten Tor, zu dem sich die Straße hinzog.
Es war keine gewaltige Metropole, doch verglichen mit der Siedlung, die Andokai am Morgen verlassen hatte, war dieser Ort bedeutend größer. Schon von außerhalb konnte man die Bewegung auf den Straßen erahnen. Wagen standen vor den Toren, Händler hatten ihre Waren auf kleinen Tischen ausgebreitet, und Menschen gingen zwischen den Häusern umher, während die letzten Geschäfte des Tages abgewickelt wurden.
Vor den Mauern lagen mehrere Felder und Gärten. Ein kleiner Bach floss an der Straße entlang, bevor er unter einem steinernen Durchlass verschwand. In der Nähe des Tores befanden sich ein Stall und ein längliches Gebäude mit einem breiten Vordach, unter dem einige Karren abgestellt waren. Der Geruch von Pferden, feuchtem Holz und den ersten Abendmahlzeiten hing in der Luft.
Als Andokai und Elira sich dem Tor näherten, wurden sie kaum beachtet. Die Wachen waren damit beschäftigt, einen Wagen zu kontrollieren, dessen Besitzer offenbar Schwierigkeiten hatte, die Herkunft seiner Ladung überzeugend zu erklären. Andere Reisende gingen an ihnen vorbei, manche mit eiligen Schritten, andere in der gelassenen Haltung von Menschen, die das Ende ihrer Tagesreise erreicht hatten.
Hinter dem Tor öffnete sich eine breite Straße, gesäumt von mehrstöckigen Häusern aus Stein und Fachwerk. Die unteren Stockwerke bestanden häufig aus grob behauenen Steinen, während die oberen aus dunklem Holz errichtet waren und sich über die Straße hinauslehnten. Zwischen den Gebäuden hingen Schilder an eisernen Halterungen. Einige zeigten einfache Symbole wie einen Krug, einen Hammer oder einen Laib Brot. Andere waren so verwittert, dass ihre ursprüngliche Bedeutung kaum noch zu erkennen war.
Aus offenen Türen drangen Stimmen und der Duft warmer Speisen. In einer Schmiede schlugen die letzten Hammerschläge des Tages auf glühendes Metall. Ein Bäcker trug ein Blech mit frischem Brot in den Verkaufsraum, während ein paar Kinder über das Pflaster liefen und beinahe mit einem Mann zusammenstießen, der einen Korb voller Äpfel trug. Weiter entfernt rief ein Händler seine Waren aus, doch seine Stimme wurde vom Lärm der Wagen und dem Murmeln der Menschen verschluckt.
Die Stadt war lebendig, ohne hektisch zu wirken. Sie schien ein Ort zu sein, an dem Reisende aus verschiedenen Richtungen zusammenkamen, ihre Vorräte auffüllten, Geschäfte erledigten und sich für die nächste Etappe ihrer Reise stärkten.
Für Andokai war sie vor allem eines: ein Ort zum Ausruhen.
Sie fanden eine Herberge in einer Seitenstraße, nicht weit von einem kleinen Marktplatz entfernt. Das Gebäude war aus hellem Stein errichtet, mit einem dunklen Fachwerkaufsatz und einem breiten Dach, dessen Schindeln an den Rändern bereits vom Wetter gezeichnet waren. Über der Eingangstür hing ein hölzernes Schild, auf dem ein weißer Hirsch abgebildet war. Licht fiel durch die Fenster, und aus dem Inneren drangen das Klappern von Geschirr und das gedämpfte Stimmengewirr der Gäste.
Die Herberge war einfacher als manche der größeren Gasthäuser entlang der Handelsstraßen, aber sauber und gut geführt. Der Schankraum besaß einen breiten Kamin, mehrere lange Tische und eine Theke aus dunklem Holz. An den Wänden hingen alte Schilde, Jagdtrophäen und verblasste Karten der umliegenden Gegend. Der Boden war von zahlreichen Stiefeln glatt getreten worden, und in der Luft lagen der Duft von gebratenem Fleisch, frischem Brot und würzigem Eintopf.
Andokai und Elira bezahlten für Unterkunft und Mahlzeit. Sie fanden einen freien Tisch am Rand des Raumes, von dem aus man sowohl die Tür als auch den Kamin im Blick hatte. Für den Abend gab es wenig zu besprechen. Sie aßen, tranken und ließen die Anstrengung des Tages allmählich von sich abfallen.
Erst später, als der Schankraum ruhiger geworden war und die letzten Gäste ihre Becher leerten, wandte Elira sich an Andokai.
„Ich werde ein paar Tage hierbleiben.“
Er sah sie an.
„Um Euch auszuruhen?“
„Auch. Ich muss Vorräte kaufen und mich um das Pferd kümmern. Außerdem kenne ich jemanden in der Stadt.“
Andokai nickte.
Es war eine vernünftige Entscheidung. Das Pferd hatte eine lange Strecke zurückgelegt, und Elira selbst sah nicht so aus, als würde sie eine weitere Reise ohne Pause besonders begrüßen. Auch er hätte die Gelegenheit nutzen können, seine Vorräte zu ergänzen und sich für einige Tage von den Strapazen des Weges zu erholen.
Doch der Gedanke, an diesem Ort länger zu bleiben, ließ ihn nicht los.
Die Stadt mochte angenehm sein, und ein paar Tage Ruhe wären gewiss nicht unwillkommen. Aber sie lag nicht an dem Ort, den er erreichen musste. Jeder zusätzliche Tag bedeutete, dass er die Reise aufschob, ohne dass es dafür einen zwingenden Grund gab.
„Ich werde morgen weiterreisen“, sagte er.
Elira nickte, als hätte sie mit dieser Antwort gerechnet.
„Dann wünsche ich Euch einen guten Weg.“
„Euch ebenfalls.“
Mehr brauchte es nicht.
Am nächsten Morgen zeigte sich die Stadt unter einem klareren Himmel. Die Wolken der vergangenen Tage waren nach Osten gezogen, und die ersten Sonnenstrahlen legten sich auf die Dächer und Mauern. Auf dem Marktplatz wurden Stände aufgebaut, Händler breiteten Stoffe und Waren aus, und aus den offenen Fenstern der umliegenden Häuser drang der Geruch von frisch gebackenem Brot. Die Straßen füllten sich nach und nach mit Menschen, Wagen und dem üblichen Lärm eines neuen Tages.
Andokai war früh aufgestanden.
Er hatte seine Sachen bereits gepackt und den schwarzen Stab neben sich stehen. Nach einem einfachen Frühstück kontrollierte er noch einmal seine Vorräte, verstaute das wenige Gepäck, das er mit sich führte, und zog seinen Reiseumhang an. Die Stadt erwachte um ihn herum, doch seine Gedanken waren bereits wieder auf der Straße.
Elira begleitete ihn bis zum Ausgang der Herberge.
Sie wirkte ausgeruhter als am Vortag. Ihr Pferd stand im Hof und scharrte ungeduldig mit einem Huf, während sie die letzten Riemen ihres Gepäcks überprüfte. Für die nächsten Tage würde sie in der Stadt bleiben, und es schien, als habe sie bereits eine Vorstellung davon, womit sie ihre Zeit verbringen wollte.
Sie gingen gemeinsam durch die schmalen Straßen, bis sie den Marktplatz erreichten. Dort trennten sich die Wege der Reisenden in mehrere Richtungen. Eine Straße führte zurück in das Tal, aus dem sie gekommen waren, eine andere verlief nach Norden, während die breite westliche Straße zwischen den Häusern hindurch zum Stadttor führte.
Am Rand des Platzes blieben sie stehen.
Für einen Moment sahen sie einander an, ohne dass einer von ihnen etwas sagte. Ihre gemeinsame Reise war kurz gewesen, und dennoch hatte Elira Andokai geholfen, den Wald hinter sich zu lassen und einen sicheren Ort für eine Rast zu erreichen. Es gab keinen Grund, daraus mehr zu machen, als es war.
„Vielleicht begegnen wir uns wieder“, sagte Elira schließlich.
Andokai neigte leicht den Kopf.
„Die Wege sind selten so vorhersehbar, wie man glaubt.“
„Das klingt beinahe wie ein Abschied.“
„Es ist einer.“
Elira lächelte schwach.
Dann wandte sie sich ab und führte ihr Pferd in Richtung der Stallungen. Schon nach wenigen Schritten wurde sie von den Menschen auf dem Platz verdeckt. Andokai sah ihr nicht lange nach. Er hatte keinen Grund, sie aufzuhalten, und sie keinen Grund, ihm weiter zu folgen.
Ihre Wege hatten sich gekreuzt, und nun trennten sie sich wieder.
So einfach konnte es sein.
Andokai setzte seinen Weg zum westlichen Tor fort.
Als er die Stadt hinter sich ließ, öffnete sich die Landschaft erneut. Die Straße verlief zunächst zwischen niedrigen Mauern und gepflegten Gärten hindurch, bevor sie sich allmählich in die offene Ebene erstreckte. Auf der einen Seite lagen Felder und Weiden, auf der anderen erhoben sich bewaldete Hügel, die sich in der Ferne zu einer längeren Bergkette verdichteten. Der Morgenwind strich über das Land und bewegte das Gras in langen, gleichmäßigen Wellen. Über den Wiesen kreisten Vögel, und irgendwo zwischen den Bäumen war das helle Läuten einer kleinen Glocke zu hören.
Andokai ging allein.
Der Lärm der Stadt wurde rasch leiser, bis nur noch das Knirschen seiner Schritte und das gelegentliche Klopfen seines Stabes auf den Boden zu hören waren. Vor ihm lag eine Straße, deren Ende er nicht sehen konnte. Sie führte an Feldern vorbei, über flache Hügel und weiter in ein Land, das ihm noch fremd war.
Er wusste nicht, was ihn auf diesem Weg erwarten würde.
Doch er wusste, dass er ihn gehen musste.
Der Brief lag sicher verborgen unter seiner Kleidung. Sein Ziel war noch immer weit entfernt, und die Antworten, die er suchte, lagen irgendwo jenseits der Landschaft, die sich vor ihm erstreckte.
Andokai zog den Umhang etwas enger um die Schultern und setzte seinen Weg fort.
Hinter ihm blieb die Stadt zurück, mit ihren Märkten, Herbergen und geschäftigen Straßen. Vor ihm lag die offene Weite des Landes.
Und während die Sonne höher stieg, wurde der Weg vor ihm langsam heller, ohne dadurch weniger unbekannt zu werden.
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Part 4 - Where the Roads Part
The forest did not begin to thin until midday.
Until then, the path had wound its way between ancient trees in long, irregular curves, sometimes crossing flat ground tangled with roots, sometimes passing over stony stretches where rainwater had gathered in narrow channels. The dampness of the previous days still lingered throughout the landscape. Moss covered the lower portions of the tree trunks, and droplets of water glistened on the broad leaves of the undergrowth whenever a narrow shaft of sunlight found its way through the canopy. Beneath their feet, the earth gave way softly in some places, while dry needles and fallen leaves rustled beneath their boots in others.
Andokai walked ahead at his usual, steady pace. His black staff occasionally touched the ground whenever the path grew uneven, and the hem of his dark traveling cloak brushed against the tall grass along the roadside. Elira kept close by, leading her horse by the reins. Since their encounter, they had spoken very little. There was no particular reason for the silence, and neither seemed troubled by it. The occasional sounds of the forest, the snap of a branch beneath a hoof, or the distant call of a bird filled the pauses easily enough.
When they finally reached the edge of the forest, the landscape opened before them as though someone had drawn aside a heavy curtain.
A broad valley stretched out below, its gentle slopes covered in meadows, fields, and scattered clusters of trees. A narrow river wound its way through the land, curving between low banks before disappearing behind a line of wooded hills farther west. The water was still slightly swollen from the recent rain. Where it passed over flat stones, pale foam formed along the rushing current, while the deeper stretches appeared dark and almost motionless. Willows stood along the banks, their long branches swaying in the wind and occasionally brushing the surface of the water.
A cool, clear haze hung over the valley. It hovered close to the damp meadows, slowly dissolving as the clouds began to part. Here and there, fresh green fields brightened the slopes, interrupted by dark strips of earth where farmers had already begun their work. Small farmsteads lay far apart from one another, some enclosed by low stone walls, others consisting of little more than a cluster of weathered buildings with slate-covered roofs and narrow chimneys. Smoke rose from one of the houses, drifting across the fields on the breeze.
In the distance, the outlines of another forest could be seen. Beyond it rose larger hills, their highest peaks still hidden behind clouds. The landscape appeared peaceful, almost untouched, yet a closer look revealed narrow footpaths, fenced pastures, and the tracks of old wagon wheels, all signs that people had traveled through this region for generations.
Elira stopped for a moment to let her horse drink. From their elevated position, they could see the path they had followed thus far. It emerged from the forest, crossed between two meadows, and eventually disappeared into the open countryside. Farther west, it joined a wider road that stretched through the valley like a pale ribbon.
“That way,” Elira said, nodding toward the road. “If we follow it, we should reach a town before nightfall.”
Andokai studied the horizon.
“How large?”
“Large enough for a proper bed and a hot meal.”
That was answer enough.
They descended the slope and reached the river shortly afterward. A narrow wooden bridge spanned the water where the current squeezed between two low rocky outcrops. The beams had darkened with age and weather, and moss grew between the boards along the edges. The railing had been repaired in several places, but the structure appeared sturdy enough to support even a heavily laden cart.
Below them, the water rushed over the stones. Small branches and individual leaves were swept along by the current and vanished between the rocks. Reeds and tall grasses grew along the banks, catching the wind as it passed. A heron stood motionless in the shallows, its long neck drawn in, until the sound of their footsteps startled it. With slow, heavy beats of its wings, it rose into the air and glided over the river before disappearing behind the willows.
The ground grew drier on the other side. The road now ran between low stone walls and pastures where sheep grazed. Several animals raised their heads curiously as the travelers passed before returning to the grass. Near a small farmstead, a man was repairing a fence. He looked up briefly, examined the two strangers, and then returned to his work.
The afternoon passed in much the same way. The road led them through changing landscapes, past fields, small settlements, and occasional patches of woodland whose shadows stretched across the road. The farther west they traveled, the more frequently they encountered other people. A heavily laden wagon rumbled toward them, drawn by two sturdy oxen. Behind it followed a merchant leading a small packhorse, its saddlebags so full that little room remained at either side. Later, they overtook a family transporting their belongings on a handcart, apparently heading toward the town as well.
Andokai paid close attention to his surroundings. He studied the forks in the road, the condition of the ground, and the directions taken by the larger routes. Though he had never traveled this way before, he made an effort to remember the landscape. A low hill crowned by a split rock, a solitary tree beside an old boundary wall, an abandoned watchtower on a distant rise—such details remained in his memory as the hours passed.
The letter remained safely tucked beneath his clothing.
From time to time, he could feel the parchment shift against his chest as he moved, and for a brief moment his thoughts returned to the invitation. He still did not know who had sent it or why he had been chosen. Yet the unknown place lay somewhere ahead of him, beyond these hills and roads. Every mile brought him at least a little closer.
As the sun descended, the light across the countryside began to change. The bright colors of the meadows deepened, and the shadows of the trees stretched far across the fields. The puddles along the road reflected a pale golden glow, while the clouds along the western horizon took on reddish edges. The air grew noticeably colder. Elira drew her cloak more tightly around her shoulders and guided her horse closer to the road, where the ground was less damp.
Then something appeared on the horizon, distinctly different from the scattered farmsteads around it.
At first, there were only a few rooftops, little more than dark shapes between the hills. With every step, they became clearer. Behind them rose the roofs of larger buildings, some with steep gables, others with broad chimneys and small towers. A tall stone structure stood above the surrounding houses. Farther to the right, a low wall enclosed part of the town, broken by a wide gate toward which the road gradually led.
It was no vast metropolis, but compared to the settlement Andokai had left that morning, it was a considerable place. Even from outside, there were signs of movement along its streets. Wagons stood near the gates, merchants had spread their wares across small tables, and people moved between the buildings as the last business of the day was conducted.
Fields and gardens stretched outside the walls. A small stream followed the road before disappearing beneath a stone culvert. Near the gate stood a stable and a long building with a broad overhang beneath which several carts had been parked. The scent of horses, damp wood, and the first evening meals lingered in the air.
As Andokai and Elira approached the gate, they attracted little attention. The guards were occupied with inspecting a wagon whose owner seemed to be having difficulty explaining the origins of his cargo convincingly. Other travelers passed them, some walking with hurried steps, others carrying the relaxed air of people who had reached the end of their day's journey.
Beyond the gate, a broad street opened between rows of multistory stone and half-timbered houses. The lower floors were often built from roughly hewn stone, while the upper stories consisted of dark timber and projected over the street below. Signs hung from iron brackets between the buildings. Some displayed simple symbols such as a tankard, a hammer, or a loaf of bread. Others had weathered so badly that their original meaning was difficult to discern.
Voices and the scent of warm food drifted through open doorways. In a blacksmith's workshop, the final hammer blows of the day rang against glowing metal. A baker carried a tray of fresh bread into his shop, while a few children raced across the cobblestones, nearly colliding with a man carrying a basket full of apples. Farther away, a merchant called out his wares, but his voice was swallowed by the noise of wagons and the murmur of the crowd.
The town was lively without feeling frantic. It seemed to be a place where travelers from different directions gathered, replenished their supplies, conducted their business, and prepared themselves for the next leg of their journeys.
For Andokai, it was above all a place to rest.
They found an inn on a side street not far from a small market square. The building was constructed of pale stone, with a dark half-timbered upper story and a broad roof whose shingles showed the marks of years of exposure to the weather. A wooden sign hung above the entrance, depicting a white stag. Warm light shone through the windows, and the clatter of dishes and muted conversations drifted from within.
The inn was simpler than some of the larger establishments along the trade routes, but it was clean and well maintained. The common room contained a broad fireplace, several long tables, and a counter made from dark wood. Old shields, hunting trophies, and faded maps of the surrounding region adorned the walls. Countless boots had worn the floor smooth, and the air carried the scents of roasted meat, fresh bread, and a hearty, spiced stew.
Andokai and Elira paid for their rooms and a meal. They found an empty table at the edge of the room, from which they could keep both the entrance and the fireplace in view. There was little to discuss that evening. They ate, drank, and gradually allowed the strain of the day's journey to leave them.
Only later, when the common room had grown quieter and the last guests were finishing their drinks, did Elira turn to Andokai.
“I'll be staying here for a few days.”
He looked at her.
“To rest?”
“That too. I need to buy supplies and tend to the horse. Besides, I know someone in town.”
Andokai nodded.
It was a sensible decision. The horse had covered a considerable distance, and Elira herself did not appear particularly eager to undertake another journey without a break. He could have used the opportunity to replenish his supplies and spend a few days recovering from the hardships of the road as well.
Yet the thought of remaining in this place for any longer would not leave him.
The town might be pleasant, and a few days of rest would certainly not be unwelcome. But it was not the place he needed to reach. Every additional day would mean delaying his journey without any compelling reason to do so.
“I'll leave tomorrow,” he said.
Elira nodded, as though she had expected that answer.
“Then I wish you a safe journey.”
“And I wish you the same.”
Nothing more was needed.
The following morning, the town revealed itself beneath a clearer sky. The clouds of the previous days had drifted eastward, and the first rays of sunlight settled across the rooftops and walls. Stalls were being assembled in the market square, merchants were laying out fabrics and goods, and the smell of freshly baked bread drifted from the open windows of nearby houses. The streets gradually filled with people, wagons, and the familiar noise of a new day.
Andokai had risen early.
His belongings were already packed, and his black staff stood beside him. After a simple breakfast, he checked his supplies once more, secured the little luggage he carried, and put on his traveling cloak. The town was awakening around him, but his thoughts had already returned to the road.
Elira accompanied him to the entrance of the inn.
She looked more rested than she had the previous day. Her horse stood in the courtyard, impatiently pawing at the ground while she checked the last of its straps. She would remain in town for the next few days, and it seemed she already had some idea of how she intended to spend her time.
They walked together through the narrow streets until they reached the market square. There, the roads diverged in several directions. One led back into the valley from which they had come, another ran north, while the broad western road passed between the houses toward the town gate.
They stopped at the edge of the square.
For a moment, they looked at one another without speaking. Their journey together had been brief, yet Elira had helped Andokai leave the forest behind and reach a safe place to rest. There was no reason to make it into anything more than it was.
“Perhaps we'll meet again,” Elira said at last.
Andokai inclined his head slightly.
“Roads are rarely as predictable as one might think.”
“That almost sounds like a farewell.”
“It is.”
Elira smiled faintly.
Then she turned and led her horse toward the stables. After only a few steps, the people crossing the square obscured her from view. Andokai did not watch her for long. There was no reason to stop her, and she had no reason to follow him any farther.
Their paths had crossed, and now they parted once more.
It was as simple as that.
Andokai continued toward the western gate.
Once he had left the town behind, the landscape opened up again. The road first ran between low walls and well-kept gardens before gradually extending into the open countryside. Fields and pastures lay on one side, while wooded hills rose on the other, growing into a longer mountain range in the distance. The morning breeze swept across the land, moving the grass in long, even waves. Birds circled above the meadows, and somewhere among the trees came the clear ringing of a small bell.
Andokai walked alone.
The noise of the town quickly faded until all that remained was the crunch of his footsteps and the occasional tap of his staff against the ground. Before him stretched a road whose end he could not see. It led past fields, over low hills, and onward into a land that was still unfamiliar to him.
He did not know what awaited him along the way.
But he knew that he had to follow it.
The letter remained safely hidden beneath his clothing. His destination was still far away, and the answers he sought lay somewhere beyond the landscape unfolding before him.
Andokai drew his cloak a little tighter around his shoulders and continued on his way.
Behind him lay the town, with its markets, inns, and bustling streets. Before him stretched the open expanse of the countryside.
And as the sun climbed higher, the road ahead slowly grew brighter, without becoming any less unknown.
Der Wald lichtete sich erst gegen Mittag.
Bis dahin hatte sich der Weg in langen, unregelmäßigen Bögen zwischen den alten Bäumen hindurchgeschlängelt, mal über flache, von Wurzeln durchzogene Erde, mal über steinige Abschnitte, auf denen sich das Regenwasser in schmalen Rinnen gesammelt hatte. Die Feuchtigkeit der vergangenen Tage lag noch immer in der Landschaft. Moos überzog die unteren Teile der Baumstämme, und auf den breiten Blättern des Unterholzes glitzerten vereinzelte Wassertropfen, sobald ein schmaler Lichtstrahl durch das Blätterdach fiel. Unter ihren Füßen gab der Boden stellenweise weich nach, während an anderen Stellen trockenere Nadeln und abgefallene Blätter ein leises Rascheln verursachten.
Andokai ging mit seinem gewohnten, gleichmäßigen Schritt voran. Sein schwarzer Stab berührte gelegentlich den Boden, wenn der Pfad uneben wurde, und der Saum seines dunklen Reiseumhangs streifte das hohe Gras am Wegrand. Elira hielt sich in seiner Nähe, ihr Pferd führte sie an den Zügeln. Seit ihrer Begegnung hatten sie nur wenig gesprochen. Es gab keinen besonderen Grund dafür, und keiner von beiden schien das Schweigen als störend zu empfinden. Die gelegentlichen Geräusche des Waldes, das Knacken eines Astes unter einem Huf oder das ferne Rufen eines Vogels füllten die Pausen mühelos.
Als sie schließlich den Rand des Waldes erreichten, öffnete sich die Landschaft vor ihnen, als hätte jemand einen schweren Vorhang beiseitegezogen.
Vor ihnen erstreckte sich ein weites Tal, dessen sanfte Hänge von Wiesen, Feldern und verstreuten Baumgruppen bedeckt waren. Ein schmaler Fluss zog sich durch das Land, schlängelte sich zwischen niedrigen Ufern hindurch und verschwand weiter westlich hinter einer Reihe bewaldeter Hügel. Das Wasser war vom Regen noch leicht angeschwollen. Wo es über flache Steine floss, entstanden helle, schäumende Strömungen, während es in den tieferen Abschnitten dunkel und beinahe unbewegt wirkte. Entlang der Ufer standen Weiden, deren langen Zweige sich im Wind bewegten und gelegentlich die Wasseroberfläche berührten.
Über dem Tal lag ein kühler, klarer Dunst. Er schwebte dicht über den feuchten Wiesen und löste sich langsam auf, während die Wolken auseinanderzogen. An den Hängen leuchteten vereinzelte Flächen in frischem Grün, unterbrochen von dunklen Erdstreifen, auf denen Bauern bereits ihre Felder bestellt hatten. Kleine Höfe lagen weit voneinander entfernt, manche von niedrigen Steinmauern umgeben, andere kaum mehr als eine Ansammlung schiefergedeckter Gebäude mit schmalen Schornsteinen. Aus einem der Häuser stieg Rauch auf, der vom Wind über die Felder getragen wurde.
In der Ferne waren die Umrisse eines weiteren Waldes zu erkennen. Dahinter erhoben sich größere Hügel, deren höchste Stellen noch immer von Wolken verdeckt wurden. Die Landschaft wirkte friedlich, beinahe unberührt, doch bei genauerem Hinsehen verrieten schmale Pfade, eingezäunte Weiden und die Spuren alter Wagenräder, dass Menschen seit langer Zeit durch diese Gegend zogen.
Elira blieb für einen Moment stehen, um ihr Pferd trinken zu lassen. Von der Höhe aus konnte man den Weg erkennen, dem sie bisher gefolgt waren. Er wand sich aus dem Wald heraus, führte zwischen zwei Wiesen hindurch und verlor sich schließlich in der offenen Landschaft. Weiter westlich traf er auf eine breitere Straße, die sich wie ein blasses Band durch das Tal zog.
„Dort entlang“, sagte Elira und deutete mit dem Kopf in Richtung der Straße. „Wenn wir ihr folgen, erreichen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit eine Stadt.“
Andokai betrachtete den Horizont.
„Wie groß?“
„Groß genug für ein ordentliches Bett und eine warme Mahlzeit.“
Das war Antwort genug.
Sie stiegen den Hang hinab und erreichten wenig später den Fluss. Eine schmale Holzbrücke überspannte das Wasser an einer Stelle, an der sich die Strömung zwischen zwei flachen Felsvorsprüngen hindurchzwängte. Die Balken waren vom Wetter dunkel geworden, und an den Rändern wuchs Moos zwischen den Brettern. Das Geländer war an mehreren Stellen ausgebessert worden, doch die Konstruktion schien stabil genug, um selbst einen beladenen Karren zu tragen.
Unter ihnen rauschte das Wasser über die Steine. Kleine Zweige und einzelne Blätter wurden von der Strömung mitgerissen und verschwanden zwischen den Felsen. Am Ufer wuchsen Schilf und hohe Gräser, in denen sich der Wind fing. Ein Reiher stand reglos im flachen Wasser, den langen Hals eingezogen, bis das Geräusch ihrer Schritte ihn aufschreckte. Mit langsamen, schweren Flügelschlägen erhob er sich und glitt über den Fluss, bis er hinter den Weiden verschwand.
Auf der anderen Seite wurde das Gelände trockener. Der Weg verlief nun zwischen niedrigen Steinmauern und Weiden, auf denen Schafe grasten. Einige Tiere hoben neugierig die Köpfe, als die Reisenden vorbeigingen, bevor sie sich wieder dem Gras zuwandten. In der Nähe eines kleinen Hofes reparierte ein Mann einen Zaun. Er blickte kurz auf, musterte die beiden Fremden und arbeitete anschließend weiter.
Der Nachmittag verging auf diese Weise. Der Weg führte sie durch wechselnde Landschaften, vorbei an Feldern, kleinen Ansiedlungen und vereinzelten Waldstücken, deren Schatten sich lang über die Straße legten. Je weiter sie nach Westen kamen, desto häufiger begegneten ihnen andere Reisende. Ein schwer beladener Wagen rumpelte ihnen entgegen, gezogen von zwei kräftigen Ochsen. Dahinter folgte ein Händler mit einem kleinen Packpferd, dessen Satteltaschen so voll waren, dass an den Seiten nur noch wenig Platz blieb. Später überholten sie eine Familie, die ihre Habseligkeiten auf einem Handkarren transportierte und offenbar ebenfalls auf dem Weg in die Stadt war.
Andokai nahm seine Umgebung aufmerksam wahr. Er betrachtete die Weggabelungen, die Beschaffenheit des Bodens und die Richtung, in die sich die größeren Straßen wandten. Auch wenn er den Weg nicht aus eigener Erfahrung kannte, versuchte er, sich die Landschaft einzuprägen. Ein niedriger Hügel mit einer gespaltenen Felskrone, ein einzelner Baum neben einer alten Grenzmauer, ein verlassener Wachturm auf einer Anhöhe – solche Einzelheiten blieben ihm im Gedächtnis, während die Stunden vergingen.
Der Brief lag weiterhin sicher unter seiner Kleidung.
Manchmal spürte er das Pergament bei einer Bewegung an seiner Brust, und für einen kurzen Augenblick kehrten seine Gedanken zu der Einladung zurück. Er wusste noch immer nicht, wer sie geschickt hatte oder weshalb er ihr folgen sollte. Doch der unbekannte Ort lag vor ihm, irgendwo jenseits dieser Hügel und Straßen. Jede zurückgelegte Meile brachte ihn ihm zumindest ein Stück näher.
Als die Sonne tiefer sank, veränderte sich das Licht über dem Land. Die hellen Farben der Wiesen wurden dunkler, und die Schatten der Bäume reichten weit über die Felder. In den Pfützen entlang des Weges spiegelte sich ein blasses Gold, während die Wolken am westlichen Horizont einen rötlichen Rand erhielten. Die Luft kühlte merklich ab. Elira zog ihren Mantel enger um die Schultern und führte ihr Pferd etwas näher an den Weg, wo der Boden weniger feucht war.
Dann tauchte am Horizont etwas auf, das sich deutlich von den umliegenden Höfen unterschied.
Zunächst waren es nur einzelne Dächer, kaum mehr als dunkle Formen zwischen den Hügeln. Mit jedem weiteren Stück des Weges wurden sie deutlicher. Dahinter erhoben sich die Dächer größerer Gebäude, einige mit steilen Giebeln, andere mit breiten Schornsteinen und kleinen Türmen. Ein hoher steinerner Bau ragte über die übrigen Häuser hinaus. Weiter rechts verlief eine niedrige Mauer um einen Teil der Stadt, unterbrochen von einem breiten Tor, zu dem sich die Straße hinzog.
Es war keine gewaltige Metropole, doch verglichen mit der Siedlung, die Andokai am Morgen verlassen hatte, war dieser Ort bedeutend größer. Schon von außerhalb konnte man die Bewegung auf den Straßen erahnen. Wagen standen vor den Toren, Händler hatten ihre Waren auf kleinen Tischen ausgebreitet, und Menschen gingen zwischen den Häusern umher, während die letzten Geschäfte des Tages abgewickelt wurden.
Vor den Mauern lagen mehrere Felder und Gärten. Ein kleiner Bach floss an der Straße entlang, bevor er unter einem steinernen Durchlass verschwand. In der Nähe des Tores befanden sich ein Stall und ein längliches Gebäude mit einem breiten Vordach, unter dem einige Karren abgestellt waren. Der Geruch von Pferden, feuchtem Holz und den ersten Abendmahlzeiten hing in der Luft.
Als Andokai und Elira sich dem Tor näherten, wurden sie kaum beachtet. Die Wachen waren damit beschäftigt, einen Wagen zu kontrollieren, dessen Besitzer offenbar Schwierigkeiten hatte, die Herkunft seiner Ladung überzeugend zu erklären. Andere Reisende gingen an ihnen vorbei, manche mit eiligen Schritten, andere in der gelassenen Haltung von Menschen, die das Ende ihrer Tagesreise erreicht hatten.
Hinter dem Tor öffnete sich eine breite Straße, gesäumt von mehrstöckigen Häusern aus Stein und Fachwerk. Die unteren Stockwerke bestanden häufig aus grob behauenen Steinen, während die oberen aus dunklem Holz errichtet waren und sich über die Straße hinauslehnten. Zwischen den Gebäuden hingen Schilder an eisernen Halterungen. Einige zeigten einfache Symbole wie einen Krug, einen Hammer oder einen Laib Brot. Andere waren so verwittert, dass ihre ursprüngliche Bedeutung kaum noch zu erkennen war.
Aus offenen Türen drangen Stimmen und der Duft warmer Speisen. In einer Schmiede schlugen die letzten Hammerschläge des Tages auf glühendes Metall. Ein Bäcker trug ein Blech mit frischem Brot in den Verkaufsraum, während ein paar Kinder über das Pflaster liefen und beinahe mit einem Mann zusammenstießen, der einen Korb voller Äpfel trug. Weiter entfernt rief ein Händler seine Waren aus, doch seine Stimme wurde vom Lärm der Wagen und dem Murmeln der Menschen verschluckt.
Die Stadt war lebendig, ohne hektisch zu wirken. Sie schien ein Ort zu sein, an dem Reisende aus verschiedenen Richtungen zusammenkamen, ihre Vorräte auffüllten, Geschäfte erledigten und sich für die nächste Etappe ihrer Reise stärkten.
Für Andokai war sie vor allem eines: ein Ort zum Ausruhen.
Sie fanden eine Herberge in einer Seitenstraße, nicht weit von einem kleinen Marktplatz entfernt. Das Gebäude war aus hellem Stein errichtet, mit einem dunklen Fachwerkaufsatz und einem breiten Dach, dessen Schindeln an den Rändern bereits vom Wetter gezeichnet waren. Über der Eingangstür hing ein hölzernes Schild, auf dem ein weißer Hirsch abgebildet war. Licht fiel durch die Fenster, und aus dem Inneren drangen das Klappern von Geschirr und das gedämpfte Stimmengewirr der Gäste.
Die Herberge war einfacher als manche der größeren Gasthäuser entlang der Handelsstraßen, aber sauber und gut geführt. Der Schankraum besaß einen breiten Kamin, mehrere lange Tische und eine Theke aus dunklem Holz. An den Wänden hingen alte Schilde, Jagdtrophäen und verblasste Karten der umliegenden Gegend. Der Boden war von zahlreichen Stiefeln glatt getreten worden, und in der Luft lagen der Duft von gebratenem Fleisch, frischem Brot und würzigem Eintopf.
Andokai und Elira bezahlten für Unterkunft und Mahlzeit. Sie fanden einen freien Tisch am Rand des Raumes, von dem aus man sowohl die Tür als auch den Kamin im Blick hatte. Für den Abend gab es wenig zu besprechen. Sie aßen, tranken und ließen die Anstrengung des Tages allmählich von sich abfallen.
Erst später, als der Schankraum ruhiger geworden war und die letzten Gäste ihre Becher leerten, wandte Elira sich an Andokai.
„Ich werde ein paar Tage hierbleiben.“
Er sah sie an.
„Um Euch auszuruhen?“
„Auch. Ich muss Vorräte kaufen und mich um das Pferd kümmern. Außerdem kenne ich jemanden in der Stadt.“
Andokai nickte.
Es war eine vernünftige Entscheidung. Das Pferd hatte eine lange Strecke zurückgelegt, und Elira selbst sah nicht so aus, als würde sie eine weitere Reise ohne Pause besonders begrüßen. Auch er hätte die Gelegenheit nutzen können, seine Vorräte zu ergänzen und sich für einige Tage von den Strapazen des Weges zu erholen.
Doch der Gedanke, an diesem Ort länger zu bleiben, ließ ihn nicht los.
Die Stadt mochte angenehm sein, und ein paar Tage Ruhe wären gewiss nicht unwillkommen. Aber sie lag nicht an dem Ort, den er erreichen musste. Jeder zusätzliche Tag bedeutete, dass er die Reise aufschob, ohne dass es dafür einen zwingenden Grund gab.
„Ich werde morgen weiterreisen“, sagte er.
Elira nickte, als hätte sie mit dieser Antwort gerechnet.
„Dann wünsche ich Euch einen guten Weg.“
„Euch ebenfalls.“
Mehr brauchte es nicht.
Am nächsten Morgen zeigte sich die Stadt unter einem klareren Himmel. Die Wolken der vergangenen Tage waren nach Osten gezogen, und die ersten Sonnenstrahlen legten sich auf die Dächer und Mauern. Auf dem Marktplatz wurden Stände aufgebaut, Händler breiteten Stoffe und Waren aus, und aus den offenen Fenstern der umliegenden Häuser drang der Geruch von frisch gebackenem Brot. Die Straßen füllten sich nach und nach mit Menschen, Wagen und dem üblichen Lärm eines neuen Tages.
Andokai war früh aufgestanden.
Er hatte seine Sachen bereits gepackt und den schwarzen Stab neben sich stehen. Nach einem einfachen Frühstück kontrollierte er noch einmal seine Vorräte, verstaute das wenige Gepäck, das er mit sich führte, und zog seinen Reiseumhang an. Die Stadt erwachte um ihn herum, doch seine Gedanken waren bereits wieder auf der Straße.
Elira begleitete ihn bis zum Ausgang der Herberge.
Sie wirkte ausgeruhter als am Vortag. Ihr Pferd stand im Hof und scharrte ungeduldig mit einem Huf, während sie die letzten Riemen ihres Gepäcks überprüfte. Für die nächsten Tage würde sie in der Stadt bleiben, und es schien, als habe sie bereits eine Vorstellung davon, womit sie ihre Zeit verbringen wollte.
Sie gingen gemeinsam durch die schmalen Straßen, bis sie den Marktplatz erreichten. Dort trennten sich die Wege der Reisenden in mehrere Richtungen. Eine Straße führte zurück in das Tal, aus dem sie gekommen waren, eine andere verlief nach Norden, während die breite westliche Straße zwischen den Häusern hindurch zum Stadttor führte.
Am Rand des Platzes blieben sie stehen.
Für einen Moment sahen sie einander an, ohne dass einer von ihnen etwas sagte. Ihre gemeinsame Reise war kurz gewesen, und dennoch hatte Elira Andokai geholfen, den Wald hinter sich zu lassen und einen sicheren Ort für eine Rast zu erreichen. Es gab keinen Grund, daraus mehr zu machen, als es war.
„Vielleicht begegnen wir uns wieder“, sagte Elira schließlich.
Andokai neigte leicht den Kopf.
„Die Wege sind selten so vorhersehbar, wie man glaubt.“
„Das klingt beinahe wie ein Abschied.“
„Es ist einer.“
Elira lächelte schwach.
Dann wandte sie sich ab und führte ihr Pferd in Richtung der Stallungen. Schon nach wenigen Schritten wurde sie von den Menschen auf dem Platz verdeckt. Andokai sah ihr nicht lange nach. Er hatte keinen Grund, sie aufzuhalten, und sie keinen Grund, ihm weiter zu folgen.
Ihre Wege hatten sich gekreuzt, und nun trennten sie sich wieder.
So einfach konnte es sein.
Andokai setzte seinen Weg zum westlichen Tor fort.
Als er die Stadt hinter sich ließ, öffnete sich die Landschaft erneut. Die Straße verlief zunächst zwischen niedrigen Mauern und gepflegten Gärten hindurch, bevor sie sich allmählich in die offene Ebene erstreckte. Auf der einen Seite lagen Felder und Weiden, auf der anderen erhoben sich bewaldete Hügel, die sich in der Ferne zu einer längeren Bergkette verdichteten. Der Morgenwind strich über das Land und bewegte das Gras in langen, gleichmäßigen Wellen. Über den Wiesen kreisten Vögel, und irgendwo zwischen den Bäumen war das helle Läuten einer kleinen Glocke zu hören.
Andokai ging allein.
Der Lärm der Stadt wurde rasch leiser, bis nur noch das Knirschen seiner Schritte und das gelegentliche Klopfen seines Stabes auf den Boden zu hören waren. Vor ihm lag eine Straße, deren Ende er nicht sehen konnte. Sie führte an Feldern vorbei, über flache Hügel und weiter in ein Land, das ihm noch fremd war.
Er wusste nicht, was ihn auf diesem Weg erwarten würde.
Doch er wusste, dass er ihn gehen musste.
Der Brief lag sicher verborgen unter seiner Kleidung. Sein Ziel war noch immer weit entfernt, und die Antworten, die er suchte, lagen irgendwo jenseits der Landschaft, die sich vor ihm erstreckte.
Andokai zog den Umhang etwas enger um die Schultern und setzte seinen Weg fort.
Hinter ihm blieb die Stadt zurück, mit ihren Märkten, Herbergen und geschäftigen Straßen. Vor ihm lag die offene Weite des Landes.
Und während die Sonne höher stieg, wurde der Weg vor ihm langsam heller, ohne dadurch weniger unbekannt zu werden.
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Part 4 - Where the Roads Part
The forest did not begin to thin until midday.
Until then, the path had wound its way between ancient trees in long, irregular curves, sometimes crossing flat ground tangled with roots, sometimes passing over stony stretches where rainwater had gathered in narrow channels. The dampness of the previous days still lingered throughout the landscape. Moss covered the lower portions of the tree trunks, and droplets of water glistened on the broad leaves of the undergrowth whenever a narrow shaft of sunlight found its way through the canopy. Beneath their feet, the earth gave way softly in some places, while dry needles and fallen leaves rustled beneath their boots in others.
Andokai walked ahead at his usual, steady pace. His black staff occasionally touched the ground whenever the path grew uneven, and the hem of his dark traveling cloak brushed against the tall grass along the roadside. Elira kept close by, leading her horse by the reins. Since their encounter, they had spoken very little. There was no particular reason for the silence, and neither seemed troubled by it. The occasional sounds of the forest, the snap of a branch beneath a hoof, or the distant call of a bird filled the pauses easily enough.
When they finally reached the edge of the forest, the landscape opened before them as though someone had drawn aside a heavy curtain.
A broad valley stretched out below, its gentle slopes covered in meadows, fields, and scattered clusters of trees. A narrow river wound its way through the land, curving between low banks before disappearing behind a line of wooded hills farther west. The water was still slightly swollen from the recent rain. Where it passed over flat stones, pale foam formed along the rushing current, while the deeper stretches appeared dark and almost motionless. Willows stood along the banks, their long branches swaying in the wind and occasionally brushing the surface of the water.
A cool, clear haze hung over the valley. It hovered close to the damp meadows, slowly dissolving as the clouds began to part. Here and there, fresh green fields brightened the slopes, interrupted by dark strips of earth where farmers had already begun their work. Small farmsteads lay far apart from one another, some enclosed by low stone walls, others consisting of little more than a cluster of weathered buildings with slate-covered roofs and narrow chimneys. Smoke rose from one of the houses, drifting across the fields on the breeze.
In the distance, the outlines of another forest could be seen. Beyond it rose larger hills, their highest peaks still hidden behind clouds. The landscape appeared peaceful, almost untouched, yet a closer look revealed narrow footpaths, fenced pastures, and the tracks of old wagon wheels, all signs that people had traveled through this region for generations.
Elira stopped for a moment to let her horse drink. From their elevated position, they could see the path they had followed thus far. It emerged from the forest, crossed between two meadows, and eventually disappeared into the open countryside. Farther west, it joined a wider road that stretched through the valley like a pale ribbon.
“That way,” Elira said, nodding toward the road. “If we follow it, we should reach a town before nightfall.”
Andokai studied the horizon.
“How large?”
“Large enough for a proper bed and a hot meal.”
That was answer enough.
They descended the slope and reached the river shortly afterward. A narrow wooden bridge spanned the water where the current squeezed between two low rocky outcrops. The beams had darkened with age and weather, and moss grew between the boards along the edges. The railing had been repaired in several places, but the structure appeared sturdy enough to support even a heavily laden cart.
Below them, the water rushed over the stones. Small branches and individual leaves were swept along by the current and vanished between the rocks. Reeds and tall grasses grew along the banks, catching the wind as it passed. A heron stood motionless in the shallows, its long neck drawn in, until the sound of their footsteps startled it. With slow, heavy beats of its wings, it rose into the air and glided over the river before disappearing behind the willows.
The ground grew drier on the other side. The road now ran between low stone walls and pastures where sheep grazed. Several animals raised their heads curiously as the travelers passed before returning to the grass. Near a small farmstead, a man was repairing a fence. He looked up briefly, examined the two strangers, and then returned to his work.
The afternoon passed in much the same way. The road led them through changing landscapes, past fields, small settlements, and occasional patches of woodland whose shadows stretched across the road. The farther west they traveled, the more frequently they encountered other people. A heavily laden wagon rumbled toward them, drawn by two sturdy oxen. Behind it followed a merchant leading a small packhorse, its saddlebags so full that little room remained at either side. Later, they overtook a family transporting their belongings on a handcart, apparently heading toward the town as well.
Andokai paid close attention to his surroundings. He studied the forks in the road, the condition of the ground, and the directions taken by the larger routes. Though he had never traveled this way before, he made an effort to remember the landscape. A low hill crowned by a split rock, a solitary tree beside an old boundary wall, an abandoned watchtower on a distant rise—such details remained in his memory as the hours passed.
The letter remained safely tucked beneath his clothing.
From time to time, he could feel the parchment shift against his chest as he moved, and for a brief moment his thoughts returned to the invitation. He still did not know who had sent it or why he had been chosen. Yet the unknown place lay somewhere ahead of him, beyond these hills and roads. Every mile brought him at least a little closer.
As the sun descended, the light across the countryside began to change. The bright colors of the meadows deepened, and the shadows of the trees stretched far across the fields. The puddles along the road reflected a pale golden glow, while the clouds along the western horizon took on reddish edges. The air grew noticeably colder. Elira drew her cloak more tightly around her shoulders and guided her horse closer to the road, where the ground was less damp.
Then something appeared on the horizon, distinctly different from the scattered farmsteads around it.
At first, there were only a few rooftops, little more than dark shapes between the hills. With every step, they became clearer. Behind them rose the roofs of larger buildings, some with steep gables, others with broad chimneys and small towers. A tall stone structure stood above the surrounding houses. Farther to the right, a low wall enclosed part of the town, broken by a wide gate toward which the road gradually led.
It was no vast metropolis, but compared to the settlement Andokai had left that morning, it was a considerable place. Even from outside, there were signs of movement along its streets. Wagons stood near the gates, merchants had spread their wares across small tables, and people moved between the buildings as the last business of the day was conducted.
Fields and gardens stretched outside the walls. A small stream followed the road before disappearing beneath a stone culvert. Near the gate stood a stable and a long building with a broad overhang beneath which several carts had been parked. The scent of horses, damp wood, and the first evening meals lingered in the air.
As Andokai and Elira approached the gate, they attracted little attention. The guards were occupied with inspecting a wagon whose owner seemed to be having difficulty explaining the origins of his cargo convincingly. Other travelers passed them, some walking with hurried steps, others carrying the relaxed air of people who had reached the end of their day's journey.
Beyond the gate, a broad street opened between rows of multistory stone and half-timbered houses. The lower floors were often built from roughly hewn stone, while the upper stories consisted of dark timber and projected over the street below. Signs hung from iron brackets between the buildings. Some displayed simple symbols such as a tankard, a hammer, or a loaf of bread. Others had weathered so badly that their original meaning was difficult to discern.
Voices and the scent of warm food drifted through open doorways. In a blacksmith's workshop, the final hammer blows of the day rang against glowing metal. A baker carried a tray of fresh bread into his shop, while a few children raced across the cobblestones, nearly colliding with a man carrying a basket full of apples. Farther away, a merchant called out his wares, but his voice was swallowed by the noise of wagons and the murmur of the crowd.
The town was lively without feeling frantic. It seemed to be a place where travelers from different directions gathered, replenished their supplies, conducted their business, and prepared themselves for the next leg of their journeys.
For Andokai, it was above all a place to rest.
They found an inn on a side street not far from a small market square. The building was constructed of pale stone, with a dark half-timbered upper story and a broad roof whose shingles showed the marks of years of exposure to the weather. A wooden sign hung above the entrance, depicting a white stag. Warm light shone through the windows, and the clatter of dishes and muted conversations drifted from within.
The inn was simpler than some of the larger establishments along the trade routes, but it was clean and well maintained. The common room contained a broad fireplace, several long tables, and a counter made from dark wood. Old shields, hunting trophies, and faded maps of the surrounding region adorned the walls. Countless boots had worn the floor smooth, and the air carried the scents of roasted meat, fresh bread, and a hearty, spiced stew.
Andokai and Elira paid for their rooms and a meal. They found an empty table at the edge of the room, from which they could keep both the entrance and the fireplace in view. There was little to discuss that evening. They ate, drank, and gradually allowed the strain of the day's journey to leave them.
Only later, when the common room had grown quieter and the last guests were finishing their drinks, did Elira turn to Andokai.
“I'll be staying here for a few days.”
He looked at her.
“To rest?”
“That too. I need to buy supplies and tend to the horse. Besides, I know someone in town.”
Andokai nodded.
It was a sensible decision. The horse had covered a considerable distance, and Elira herself did not appear particularly eager to undertake another journey without a break. He could have used the opportunity to replenish his supplies and spend a few days recovering from the hardships of the road as well.
Yet the thought of remaining in this place for any longer would not leave him.
The town might be pleasant, and a few days of rest would certainly not be unwelcome. But it was not the place he needed to reach. Every additional day would mean delaying his journey without any compelling reason to do so.
“I'll leave tomorrow,” he said.
Elira nodded, as though she had expected that answer.
“Then I wish you a safe journey.”
“And I wish you the same.”
Nothing more was needed.
The following morning, the town revealed itself beneath a clearer sky. The clouds of the previous days had drifted eastward, and the first rays of sunlight settled across the rooftops and walls. Stalls were being assembled in the market square, merchants were laying out fabrics and goods, and the smell of freshly baked bread drifted from the open windows of nearby houses. The streets gradually filled with people, wagons, and the familiar noise of a new day.
Andokai had risen early.
His belongings were already packed, and his black staff stood beside him. After a simple breakfast, he checked his supplies once more, secured the little luggage he carried, and put on his traveling cloak. The town was awakening around him, but his thoughts had already returned to the road.
Elira accompanied him to the entrance of the inn.
She looked more rested than she had the previous day. Her horse stood in the courtyard, impatiently pawing at the ground while she checked the last of its straps. She would remain in town for the next few days, and it seemed she already had some idea of how she intended to spend her time.
They walked together through the narrow streets until they reached the market square. There, the roads diverged in several directions. One led back into the valley from which they had come, another ran north, while the broad western road passed between the houses toward the town gate.
They stopped at the edge of the square.
For a moment, they looked at one another without speaking. Their journey together had been brief, yet Elira had helped Andokai leave the forest behind and reach a safe place to rest. There was no reason to make it into anything more than it was.
“Perhaps we'll meet again,” Elira said at last.
Andokai inclined his head slightly.
“Roads are rarely as predictable as one might think.”
“That almost sounds like a farewell.”
“It is.”
Elira smiled faintly.
Then she turned and led her horse toward the stables. After only a few steps, the people crossing the square obscured her from view. Andokai did not watch her for long. There was no reason to stop her, and she had no reason to follow him any farther.
Their paths had crossed, and now they parted once more.
It was as simple as that.
Andokai continued toward the western gate.
Once he had left the town behind, the landscape opened up again. The road first ran between low walls and well-kept gardens before gradually extending into the open countryside. Fields and pastures lay on one side, while wooded hills rose on the other, growing into a longer mountain range in the distance. The morning breeze swept across the land, moving the grass in long, even waves. Birds circled above the meadows, and somewhere among the trees came the clear ringing of a small bell.
Andokai walked alone.
The noise of the town quickly faded until all that remained was the crunch of his footsteps and the occasional tap of his staff against the ground. Before him stretched a road whose end he could not see. It led past fields, over low hills, and onward into a land that was still unfamiliar to him.
He did not know what awaited him along the way.
But he knew that he had to follow it.
The letter remained safely hidden beneath his clothing. His destination was still far away, and the answers he sought lay somewhere beyond the landscape unfolding before him.
Andokai drew his cloak a little tighter around his shoulders and continued on his way.
Behind him lay the town, with its markets, inns, and bustling streets. Before him stretched the open expanse of the countryside.
And as the sun climbed higher, the road ahead slowly grew brighter, without becoming any less unknown.