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Joined: Mon Jan 22, 2007 8:48 pm
Location: Exilant aus Trolls Bane
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Wieder einmal hat Banduk seine Geschäfte Vertrauten überlassen und ist lieber zu seiner Tochter gereist. Etwas an Gewinn werden auch die herausschlagen und Meister Thomasius wird das Schiff wohl auch mal eine Weile ohne ihn bauen können.
Ein Junge kommt aufgeregt mit den Händen wedelnd von den Zelten gerannt. „Ein Brief für dich, Banduk“.
Dieser nimmt das Schreiben und tätschelt das dichte schwarze Haar des Überbringers. Ob der fehlenden Aufmerksamkeit zieht Anteru eine Schnute.
„Mama hat geschrieben!“ Banduk setzt sich hin, platziert Anteru auf seinen Knien und öffnet freudig das Schreiben. „Komm ich les vor.“
So richtig mit Vorlesen wird es nichts, denn bereits nach 3 Worten verfinstert sich Banduks Blick, sein Körper verspannt sich und die Stimme versagt. Wie gelähmt sitzt er da und starrt auf die Zeilen vor sich. Wie ein stählernes Band legt sich ein nicht endender Schmerz um sein Herz.
Irgendwann klettert Anteru von seinen Knien und läuft zum Feuer. Ein trauriger Vater ist nicht interessant genug. „Papa weint.“ ist ihr Kommentar.
Es ist dunkel geworden und Banduk hat sich noch nicht bewegt. Lediglich der Brief fällt aus seinen Händen und weht ins Wasser. Die Tinte löst sich und im nächsten Strudel ist er dann auch verschwunden. Anteru kommt, ihren Zauberstab hinter sich her ziehend mit einem Blatt in der Hand. „Brief für Mama!“ ruft sie.
Banduk dreht sich zu ihr um. Sein Gesicht zeigt ein tapferes Lächeln über einer tieftraurigen Fassade.
„Das kann ich aber gar nicht sehen, es ist ja schon dunkel.“
„Licht für Papa und Mama“ kommt von Anteru, die wie selbstverständlich den Granitkiesel zum glimmen bringt. Banduk drückt sie fest an sich und streichelt ihr Haar. Sie hält den Stab dicht über das Pergament, doch das Licht reicht nicht aus. Als sie von ihrem Vater auf die Arme genommen wird, leuchtet der Kiesel wie eine schwache Kerze auf. Verblüfft lässt dieser den Stab los worauf das Licht zu einem Glimmen erstirbt. Das Spiel lässt sich scheinbar unendlich wiederholen und macht auch seiner Tochter Spaß. „Du bist ein Sonnenschein“ murmelt er mit fast erstickender Stimme, als er ihre Haare zaust und sie fest an sich drückt.
Dann werfen beide einen Blick auf das ‚Kunstwerk’, das in kindlichen Strichen einen Mann mit einem Schwert und eine Frau mit einem Zauberstab zeigt. Beide halten zwischen sich ein Kind an den Händen. „Ich bringe deinen Brief sofort zu Mama. Morgen früh, wenn du aufstehst, bin ich schon fast da.“ Mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldet, drückt Anteru ihrem Vater den Glimmstab in die Hand „Damit Mama auch lesen kann!“. Der hebt sie hoch und trägt sie sanft zu ihrem Lager.
Eine lange Reihe Schlaflieder später, deckt Banduk seine Tochter sanft mit Fellen zu und streichelt sie ein letztes Mal. Dann packt er seine Sachen, verstaut Anterus Zeichnung und Stab und schwingt sich auf sein Pferd. Keiner kann ihn überzeugen noch zu warten und so verlässt er mitten in der Nacht den Ort, an dem seine Tochter Sicherheit vor fanatischen Magiern findet.
Als Anteru am nächsten Morgen erwacht und erfährt, dass ihr Vater los ist geht sie zum Ufer und baut einen der Steintürme wieder auf. Diesem Steinen sendet sie wohl eine magische Nachricht, die den einen oder anderen Magier in der Gegend verwirrt. „Papa ist weg“
…
Die Meilen fliegen schon lange nicht mehr unter den Hufen seines Pferdes dahin. Seit unzähligen Stunden in Banduk unterwegs, weder sich noch seinem Reittier eine Pause gönnend.
So wie Wölfe sich angeschlagene Hirsche aussuchen, fällt er Räubern in die Hände. Kaum dass einer der finsteren Gesellen den Weg versperrt, presst er seine Hacken in die Flanken des Tieres. Das kann kaum noch einen Huf vor den anderen setzen und bleibt nach wenigen Schritten einfach stehen.
Schwerter ziehen und zuschlagen ist eine häufig geübte Bewegung, die allerdings bei weitem nicht so elegant und schnell wie üblich ausfällt. Der Bandit, der durchaus mit dem Schwert umgehen kann weicht aus und zerrt den Reiter kurz darauf von Pferd. Banduk schafft es auf die Beine zu kommen, aber der hinzugekommene Kompagnon versetzt ihm einen bösen Treffer. Eins der wertvollen Schwerter fällt zu Boden. Wenige Augenblicke später kann Banduk wohl noch das auf ihn zukommende Schwert sehen, es aber nicht mehr richtig abwehren. Ein Schmerz, beinahe so stark wie das Band um sein Herz überflutet seine Gedanken. Die Welt wird schwarz um ihn herum.
Ein schadhaftes Grinsen unter einem zottigen Bart begleitet den zusammenbrechenden Mann, dessen Lebensgeister sich auch bei einem kräftigen Stiefeltritt nicht mehr regen.
„Wie kann man nur ein so gutes Pferd, so schlecht behandeln“
„Ja ehrlich und hast du gesehen schlecht der focht. So einem darf man kein Schwert in die Hand geben.“
Mit gierigen Griffen durchwühlen die Beiden das Gepäck und die Sachen ihres Opfers. Schwerter, Rüstung, Münzen und Bekleidung werden kameradschaftlich aufgeteilt. Anterus Zeichnung wird lachend begutachtet und weggeworfen. Das gleiche Schicksal erleidet beinahe ihr Zauberstab.
„Halt mal, der Stein leuchtet“
„Quatsch, das ist ein gewöhnlicher Kiesel. Du bist geblendet von den Münzen“
Der Kleinere der Beiden löst den Kiesel vom Stab, der dabei zerbricht und legt ihn in die hohle Hand. „Schau doch mal, der leuchtet wirklich!“.
„Wahnsinn, ein magischer Stein, der bringt uns durch den Winter!“
Entledigt aller Bekleidung fliegt der Kadaver neben die Straße ins Gebüsch, in dem eine Kinderzeichnung im sanften Herbstwind flattert.
